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Holzring-IT-Symposium in Fulda

Computergestützte Unternehmenssteuerung im Holzhandel

Die Kooperation zwischen Industrie und Handel birgt noch ungenutztes Potenzial. Die Holzring-Großhandelskooperation machte dies zum Thema eines Symposiums, das sich mit den vielfältigen Möglichkeiten der modernen Informationstechnologie befasste. Als Referenten waren zumeist praxiserfahrene Experten mit unternehmerischem Hintergrund gewonnen worden; die rund 100 Teilnehmer der Veranstaltung in Fulda kamen aus den Reihen der Holzring-Gesellschafter und mehrheitlich aus der Industrie.

Holzring-Geschäftsführer Olaf Rützel nutzte seine Einführung in das IT-Symposium zu einer kritischen Analyse und zu einem Appell: Der Spielraum für Kostensenkungen sei nach Phasen der Optimierung und Reorganisation in den meisten Unternehmen inzwischen ausgeschöpft. Weitergehende Strategien zur Erhöhung der Rentabilität führten dazu, dass Industrie und Handel im Kampf um Kostenreduzierung nur den eigenen - vermeintlichen - Vorteil im Auge hätten. Das Problem könne aber nur "ganzheitlich" gelöst werden. "Wir müssen miteinander ein Netzwerk bilden, in dem alle - von den Herstellern über den Groß- und Einzelhandel bis zum Verarbeiter und Endverbraucher - vertrauensvoll zusammenarbeiten."

In der Holzbranche sieht Rützel ähnliche Prozesse ablaufen wie in weiten Teilen der Konsumgüterwirtschaft: "Verschärfter Wettbewerbsdruck, Markteintritt kapitalstarker ausländischer Wettbewerber, Verschiebung der Konsumgewohnheiten und stärkere Beachtung des Preis- und Rabattgefüges durch die Endverbraucher haben zu einer Situation geführt, in der die Kosten einerseits und die Einkaufspreise andererseits zum zentralen Wettbewerbsparameter geworden sind. Partner in Industrie und Handel nehmen sich als Gegner wahr." Aber Druck, warnte Rützel, hilft in dieser Situation nicht weiter. Aus der Automobilindustrie liege die Erfahrung vor, dass Knebelung und der sog. "Lopez-Effekt" auf Dauer nicht hilfreich seien. Stattdessen habe sich in vielen Bereichen ein übergreifendes Management von Wertschöpfungsketten (Supply-Chain-Management) durchgesetzt.

Eine kämpferische Form der "Zusammenarbeit" führt auf beiden Seiten nicht zu befriedigenden Renditen, ist also nicht zielführend, betonte Rützel. Er bezweifelte, dass Einzelunternehmen heute noch Einstiegspreise und Rendite beeinflussen könnten. Erfolgsversprechender sei es, ein unternehmensübergreifendes Verhältnis zwischen Handel und Industrie herzustellen. Nur mit Hilfe solcher Netzwerke ("Wertschöpfungspartnerschaften") seien Ertragssteigerungen realisierbar. Rützel bedauerte, dass Konzepte, die die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Handel auf eine solche Basis stellen könnten, seit langem ergebnislos diskutiert würden und berichtete, dass der Holzring hier jetzt Ernst gemacht habe: Als Pilotprojekt werde ein elektronisches Bestellsystem eingeführt (siehe gesonderter Bericht).

Das vom Holzring installierte elektronische Bestellsystem schaffe, wie Rützel unterstrich, schnell und ohne große Umstände Realität: Die Handelspartner werden ohne Ausweichmöglichkeit und ohne den Zwang, sich sofort anpassen zu müssen, "an der Stelle abgeholt, an der sie sich aktuell befinden". Später soll sich dann erweisen, ob aus Sicht der Mitglieder und der Lieferanten ein tatsächlicher Mehrwert herausspringt.

Insgesamt neun Referenten vermittelten beim IT-Symposium, wie Handel und Industrie einzeln oder in "Wertschöpfungsketten" noch Kostensenkung und Umsatzsteigerung erzielen und Rentabilitätspotentiale ausschöpfen können. U.a. ging es um Reorganisation der Waren- und Informationsflüsse ("Möglichkeiten und Grenzen des RFID-Einsatzes", Dr. Frank Czaja, Uni Dortmund), Belegelose Lagerabwicklung ("Zukunft und Logistik der Holzwirtschaft", M. Reinhardt, Beratender Ingenieur, Berlin), Neue Formen der softwaregestützten Unternehmenssteuerung (Prof. Jürgen Treffert, Steinbeis-Transferzentrum, Lörrach), die Konvertierung von papierbezogenen in elektronische Prozesse (SGH-Servicegesellschaft, Hildesheim), Prozessoptimierung im Vertrieb ("EVHandel - mehr Zeit zum Verkaufen", K.-H. Hütten, acadon, Krefeld) und Online-Konferenzen (Frank Garrelts, Akcent Computerpartner, Lilienthal).

Transponder-Technologie in der Holzerntekette

Mit Fragen des Supply-Chain-Managements ist Dr. Frank Czaja befasst, Lehrbeauftragter für Handelslogistik an der Uni Dortmund und Teilhaber an dem Beratungs- und Planungsunternehmen Integral in Dortmund. Er berichtete über Erfahrungen entlang der logistischen Wertschöpfungskette in der Holzernte und die Bedeutung der Transponder-Technologie (RFID). Sie ermöglicht eine elektronische Verfolgung von Produkten und Artikeln und hilft, strukturelle Probleme transparent zu machen.

Das Kooperationsprojekt, das gegenwärtig vom Lehrstuhl für forstliche Arbeitswissenschaft und angewandte Informatik der TU München und dem Fachgebiet Logistik der Uni Dortmund durchgeführt wird, hat in der Forstbranche große Aufmerksamkeit gefunden. Das Projekt basiert auf dem Einsatz von Transponderkarten, die von Harvestern automatisch an Baumstämmen befestigt werden, sowie RFID-Antennen, die an Rückefahrzeugen, LKW und Sägewerk fest installiert sind. Das Verfahren macht es möglich, ohne manuelle Identifikation von Stämmen die Holzerntekette lückenlos zurückzuverfolgen.

Optimierte Rechnungsabwicklung

Der Holzring hat die SGH Service-Gesellschaft für den Handel, Hildesheim, mit der Rechnungsabwicklung beauftragt. Für die SGH berichtete Gerrit Hoppen über die weitgehenden Möglichkeiten elektronischer Abwicklung. Die beleglose Rechnungsabwicklung steckt noch in den Anfängen. Zwar liegen die Daten elektronisch vor, aber die Verarbeitung und Erstellung der Rechnung erfolgt meistens noch in Papierform. Der Empfänger wandelt diese gedruckten Informationen dann seinerseits wieder in elektronische Daten um. Am Anfang und am Endes des Prozesses liegen die Daten also elektronisch vor - dazwischen liegt ein Medienbruch, der nicht nötig wäre. Der Referent erläuterte, wie sich die Kosten für Papier, Verarbeitungszeiten und Versand durch Konvertierung senken lassen.

Seit vielen Jahren gibt es die Möglichkeit eines Rechnungsaustausches via EDI, bei dem Rechnungssteller und Rechnungsnehmer - Absender und Empfänger - direkt kommunizieren. SGH, einer der größten Full-Service-Dienstleister für Outsourcing im Kreditorenmanagement, führt über ein eigenes Netzwerk zum Rechnungsaustausch Versender und Empfänger von Rechnungen zusammen. Dabei wird auf Wunsch auch eine gesetzeskonforme Langzeitarchivierung angeboten. Das Einsparungspotenzial, das mit dem beleglosen Rechnungswesen ausgeschöpft werden kann, bezifferte Hoppen auf 40-70%.

Beleglose Lagerbwicklung

Der Ingenieur für Logistik und Materialfluss, M. Reinhardt, machte dem Holzring-Symposium die Vorteile einer elektronischen Lagerverwaltung und Lagersteuerung deutlich. Er ging von der Erwartung aus, dass es sich "in fünf Jahren kaum noch ein erfolgreicher Betrieb leisten kann, ohne ein solches IT-System im Lager zu arbeiten". Es werde genauso selbstverständlich eingesetzt werden wie heute in der Warenwirtschaft und Buchhaltung.

Auf die Logistik entfallen derzeit 40 bis 60% der beeinflussbaren Kosten im Holzhandel. Mit dieser These brachte Reichardt das Thema vielen Zuhörern "nahe". Er unterstrich die steigenden Anforderungen an Lieferfähigkeit und Lieferqualität und deren Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit. Aber mit konventioneller Handhabung von Lade- und Lieferscheinen werde "erheblicher Aufwand mit unbefriedigendem Ergebnis betrieben".

Was dem gegenüber eine beleglose (elektronische) Lagerabwicklung leisten kann, zeigte der Referent am Beispiel eines Holzgroßhandelsunternehmens. In zwei Jahren, seitdem eine IT-gestützte Logistik eingeführt wurde, seien folgende Effekte erzielt worden:


Produktivitätsverbesserungen der Mitarbeiter im Lager von über 20%, Reduzierung der Kommissionier- und Verladefahler von 1,5% auf unter 0,1%, Reduzierung der Lagerbestände um 17% durch hohe Bestandsicherheit und optimierte Dispositionsverfahren, Erhöhung des Lagernutzungsgrades um 15% (nach vorheriger "chaotische Lagerung" der Reservebestände), Reduzierung der Durchlaufzeit von Aufträgen durch jederzeitige Transparenz über den Auftragsfortschritt im Lager um 25% (insbesondere für Kommissionen), Reduzierung des Aufwands für Inventuren um 75%.

Informationen besser filtern

In seinem Vortrag über Software-gestützte Steuerung von Unternehmensabläufen zeigte Prof. Dr. Jürgen Treffert, u.a. Geschäftsführer der STZ Management-Cockpit Lörrach, neue Möglichkeiten auf. Den Ansatzpunkt für entsprechende Untersuchungen lieferten mittelständische kleine und mittelgroße Unternehmen, die in eine Krise geraten waren.

Wesentliches Ergebnis der Untersuchungen war laut Prof. Treffert, dass viele Betriebe aus dem Ruder liefen, "weil sie "aus dem Bauch heraus" gesteuert wurden. Oft entwickle sich solche intuitive Unternehmensführung als eine Folge von Informationsüberfluss, der nicht mehr verarbeitet werden könne und schließlich nicht mehr wahrgenommen werde. Treffert: "Wir ertrinken in Informationen, sind aber ständig durstig nach Wissen." Die in Intranets zu verarbeitende Informationsmenge werde in den nächsten fünf Jahren um ein Vielfaches ansteigen. Lückenlos informiert zu sein, werde zunehmend unmöglich.

Im Flugzeug-Cockpit spielt sich das ab, was für Prof. Treffert idealerweise auch auf Unternehmens-Cockpits übertragen werden sollte, nämlich wichtige Informationen zu vermitteln. Dies können jeweils spezielle Software-Komponenten leisten, die in drei Bereichen eingesetzt werden:

Eine Kennzahlen-Score-Card ermöglicht es, Kennzahlen (z.B. Deckungsbeitrag, Umsatz) abzurufen und dem Nutzer (Betriebsinhaber, Manager) aufzuzeigen, welches Soll zu erfüllen ist und welchen Beitrag er hierzu aktuell bereits geleistet hat.

Navigations-Browser ermöglichen es, die Ursache für gute oder schlechte Kennzahlen zu finden. Der Fakten-Browser zeigt z.B., ob die Ursachen eines schlechten Deckungsbeitrags eher in der Region Süd (als in der Region Nord) und eher in Produkt-Gruppe A (z.B. Massivdielen) als in Produktgruppe B (z.B. Landhausdielen) liegen. Der Dokumenten-Broser zeigt dazu wichtige Dokumente an, die im Zusammenhang mit einer Kennzahl stehen.

Das Methoden-Set bietet Managern/Mitarbeitern wichtige Methoden zur vertiefenden Analyse.Der Bedarf für eine Software-gestützte Unternehmens-Steuerung ist umfangreich; benötigt werden Portal-Software, Unternehmens-Scorecard-Software, Unternehmens-Analyse-Software, Informationslogistik-Software usw.
Der Vortrag stieß auf unterschiedliche Reaktionen. Gastgeber Olaf Rützel gab zu bedenken, dass gerade "aus dem Bauch heraus" geführte Unternehmen oft sehr erfolgreich seien; Jürgen Roggemann hielt es für wichtig, sich auch mit "Zukunftsmusik" zu befassen.

EV-Handel - eine Lösung für Vertrieb und Marketing

EV-Handel ist keine Zukunftsmusik, sondern wird schon vielfach praktiziert. EV-Handel ist aktuell verfügbar u.a. für Egger, Hamberger, Terhürne, Thermopal, Pfleiderer, Wertholz. "Jeder Industriepartner und Softwarehersteller kann an EV-Handel teilnehmen", betonte Karl-Heinz Hütten vom Vorstand der Acadon AG, Krefeld.

EV-Handel ist eine Vertriebslösung, die den Warenwirtschaftssystemen im Handel vorgeschaltet wird. Sie schließt die Prozesskette zwischen Verarbeiter und Industrie, indem sie z.B. abteilungs- und gewerkeübergreifene Angebotserstellungen erleichtert. Planungsprogramme und Katalogartikel werden im EV-Handel integriert, so dass Doppelerfassungen und Falschbestellungen speziell bei variantenreichen Produkten vermieden werden. Vom ersten Angebot über die Bestellung beim Hersteller bis hin zur Bekanntgabe des Liefertermins und der Rechnungsstellung findet ein lückenloser digitaler Prozess statt.

Online-Konferenzen - ein Erfahrungsbericht

Zwei Jahre sammelte eine Kooperation erste Erfahrungen mit Online-Konferenzen. Über die Ergebnisse berichtete Frank Garrelts von der Firma Provoto bzw. vom Vorstand der Akcent Computerpartner Deutschland mit Sitz in Lilienthal/Bremen. Das zur Verfügung stehende Instrumentarium sei vielfältig und habe sich in der Praxis bewährt, betonte Harrelts.

Die bildliche und sprachliche Präsentation von Produkten und Leistungen über das Internet erfolgt auf der WebCast- Kommunikations-Plattform. Dort kommunizieren die Teilnehmer über Lautsprecher und Mikrophon (Headset), sie können Vorlagen präsentieren, demonstrieren und erläutern oder sich einfach per Telefonkonferenz austauschen. WebCast-Besucher können sich durch Klick auf ein Symbol zu Wort melden und ihre Fragen an den Moderator oder andere Personen richten. Wer kein Headset einsetzen möchte, kann Fragen auch als schriftliche Notiz an den Moderator weitergeben. In den virtuellen Konferenz- oder Meeting-Raum passen beliebig viele Besucher. Der Live-Charakter einer Veranstaltung könne unterstrichen werden, indem - z.B. zur Begrüßung und Eröffnung - eine Web-Cam eingeschaltet wird.

aus ParkettMagazin 04/06 (Wirtschaft)