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Neue Herausforderungen für Sachverständige

Umfassendes Wissen wichtiger als Spezialistentum

Die Arbeitsgemeinschaft öffentlich bestellter und vereidigter IHK-Sachverständiger für Holz und Holzschutz im Gesamtverband Deutscher Holzhandel (GD Holz) traf sich in Kassel, um sich eingehend mit ausgewählten und ausgefallenen Praxisfällen zu befassen. Der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft, Wiljo Schumacher, Köln, unterstreicht in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit, im ständigen Lernprozess zu bleiben. Fallbeispiele seien geeignet, den Horizont zu weiten und sich - gegebenenfalls auch eines Besseren - belehren zu lassen.

Grundsätzlich vertritt Schumacher den Standpunkt, dass Gutachterwissen möglichst umfassend sein muss und nicht auf Spezialistentum beschränkt bleiben darf. Die früher verbreitete Meinung, dass es erforderlich sei, spezielle Sachgebiete wie beispielsweise Schnittholz - eventuell sogar noch eingeschränkt auf afrikanische Hölzer - zu beherrschen, bezeichnete er als überholt. "So wie der Holzfachhandel die gesamte Produktpalette vom Schnittholz bis zu fertigen Endprodukten und Produktneuheiten beherrschen muss und dadurch in einem ständigen Lernprozess steht, sollte auch der Holzsachverständige über entsprechend umfassendes Wissen verfügen", fordert Schumacher. Er verwies auf ein breites Angebot an Informations- und Schulungsmöglichkeiten seitens der Industrie, des Handels und des Handwerks, auf Fachzeitschriften sowie auf die eigenen Veranstaltungen der Arbeitsgemeinschaft.

Nachdrücklich unterstreicht Schumacher, dass Sachverständigenwissen sich nicht allein auf den Werkstoff Holz beschränken darf, sondern alle Holzprodukte einbeziehen muss. Holzfußböden im Innen- und Außenbereich sowie Fassadenverkleidungen aus Holz seien hochaktuell und erfahrungsgemäß reklamationsanfällig. "In den letzten zwei Jahren hat die Reklamationshäufigkeit bei Oberflächen signifikant zugenommen", berichtet Schumacher. Die Ursache seien weniger handwerkliche Fehlleistungen, sondern häufiger fehlerhafte Planung und mangelnde bzw. mangelhafte Produktinformation. Es stelle sich daher die Frage, weshalb Sachverständige von Architekten, Handwerkern und Bauherren nicht bereits in der Planungsphase einbezogen werden. Schumacher spricht von "akutem Handlungsbedarf".


Während der Tagung wurde beschlossen, nach Wegen zu suchen, wie die Sachverständigen in diesem Sinne auf sich aufmerksam machen könnten. Das Projekt wurde als Verbandsaufgabe dem GD Holz übertragen. Es soll bei Kooperationen, Architekten, Handwerkskammern, Versicherungen, Bausparkassen, beim Bund Deutscher Architekten sowie bei den Mitgliedern des GD Holz zur Sprache gebracht werden. "Eine solche Vernetzung des Sachverständigenwesens kommt dem Holzhandelsverband und der gesamte Holzbranche zugute", ist Schumacher überzeugt.

aus ParkettMagazin 04/06 (Wirtschaft)