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Witex baut Produktpalette aus

Laminat plus Fertigparkett plus Kork - alles leimlos verlegbar

Laminatbodenhersteller Witex hat in den letzten zwei Jahren kräftig expandiert. Um den entsprechenden Unterbau für die Ausweitung der Aktivitäten zu schaffen, wurden hohe Summen investiert - in Produktion, neue Märkte, Marketing und auch ins Sortiment. So wurde die angestammte Domäne Laminat durch Fertigparkett ergänzt. Hier erhofft man sich durch das leimlose Timber Loc-System zusätzlichen Schub. Und dann soll die Produktrange noch zum Herbst mit Kork komplettiert werden - ebenfalls leimlos verlegbar.

Mit Laminatbelägen ist Witex groß geworden, für die Zukunft baut das Unternehmen aber auch auf andere Beläge: Fertigparkett und Kork.

Fertigparkett ist bereits seit einiger Zeit als Sortimentsergänzung im Angebot, spielte bislang aber nur eine untergeordnete Rolle. Das soll sich jetzt ändern. Anfang des Jahres stellte Witex mit Timber Loc ein leimlos verlegbares Fertigparkett vor, das auf Anhieb auf gute Resonanz stieß und von dem man sich in Augustdorf viel für die Zukunft verspricht. Vorstandsvorsitzender Ulrich Windmöller: "Wir hatten bei Laminatbelägen festgestellt, dass der Wechsel von der konventionellen Nut-Feder-Verleimung zur leimlosen Verlegung schmerzfrei vonstatten ging und sind deshalb davon ausgegangen, dass das auch bei Parkett möglich sein müsste."

Um den Siegeszug der Klicksysteme bei Laminat auf Parkett zu übertragen, wurde in Augustdorf intensiv an einer geeigneten Verbindung der Fertigparkett-Elemente gearbeitet. Das Laminat-Prinzip ließ sich nämlich nicht so einfach bei Parkett anwenden. "Bei Parkett mussten wir ganz andere Eigenheiten berücksichtigen als bei Laminat", erinnert sich Windmöller. Ein Problem war zum Beispiel der Weichholzkern, der durch seine grobe Struktur nicht so fein zu bearbeiten ist wie der HDF-Träger beim Laminatboden. Ein weiteres Problem war das Format der Parkettelemente, die mit einer Länge von 1,80 oder 2,20 m viel instabiler sind als die kürzeren Laminatbretter. Deshalb auf kürzere Paneel-Längen umzustellen, war aber für das Management keine marktgerechte Lösung.

Weil Witex zudem außerhalb jeglicher Patent- und Lizenzdiskussionen stehen wollte, musste eine eigene Entwicklung her. Die technische Schwierigkeit war, die quer zur Fräsung liegende Mittelholzlage des langen Parkettpaneels auf zwei bis drei Hundertstel Genauigkeit herauszuarbeiten. Um das zu erreichen, musste auf der modernen Homag-Formatieranlage beim finnischen Produktionsparter Paloheimo ein vierter Motor eingebaut werden. Nur so war die nötige Fertigungsgenauigkeit zu schaffen.

Regelmäßige Messungen an der Produktionsmaschine in Finnland sind weiterhin Pflicht, um eine korrekte, feste Passung garantieren zu können. Immer wieder muss die Symmetrie verbessert und das Werkzeug nachgestellt werden.

Loc statt Klick

Timber Loc ist kein Klick-System. Die Paneele werden nicht "eingeklickt" oder eingehängt, sondern eingeschlagen und lassen sich auch nur in der Längsverschiebung korrigieren. Die Auszugsfestigkeit der Verbindung ist mit der verleimten Parketts vergleichbar. "Uns ging es nicht primär um ein leimfreies System, sondern darum, die Verlegung sicherer und einfacher zu machen", heißt es dazu in Augustdorf. "Wir haben uns deshalb vorher gefragt, welche Kriterien dabei besonders wichtig sind und gezielt an diesen Punkten gearbeitet". Das war erstens ein Profil, das zwar gleitet, aber dennoch eine Zwangsführung hat, zweitens ein dichter und sicherer - aber nicht starrer - Fugenschluss und drittens die Selbstausrichtung, um von Anfang an eine geradlinige Ausrichtung der Paneelreihen sicher zu stellen.

Als weiterer Vorteil wird die hohe Stabilität des Systems genannt "Weder riegelt es sich aus, wenn es angehoben wird, noch ist es zu nachgiebig und damit instabil". Und dann funktioniere Timber Loc nicht nur ohne Leim, sondern auch mit Leim. "Wir haben genügend Leimtaschen-Reservoir, so dass im Federbereich auch die Verleimung möglich ist. Fugenschluss und gerade Ausrichtung sind hier genauso gegeben".

Gegen Schrumpfverhalten bei Klimaschwankungen ist Timber Loc nicht gefeit. Die Fugenöffnungen sind laut Witex aber sehr gleichmäßig und "kaum breiter als bei verleimtem Boden". Als Unterlage haben sich in der Praxis die 3 mm-Trittschall- und Feuchtigkeitssperre oder die sandgefüllte 2,2 mm PU-Matte Sound Protect bewährt, die von der Witex-Beteiligung Indutec entwickelt wurde.

Die aktuelle Timber Loc Collection umfasst fünf Holzarten: Zu Buche Natur, Ahorn Natur, Eiche Natur und Merbau Exclusiv stieß jüngst eine gedämpfte Buche Antik hinzu. Acryllackversiegelte Oberflächen, anfangs einzige Orderform, wurden auf Kundenwunsch durch UV-härtendes Öl ergänzt. Für das kommende Jahr in der Planung sind die Holzart Kirschbaum und Exklusiv-Sortierungen in allen vorgenannten Holzarten. Auch die Trendhölzer Bambus und Rattan sollen in heller und dunkler Ausführung ins Sortiment aufgenommen werden.

Das Innovations-Pendel schlägt zurück

Hat der Erfolg von Klickverbindungen bei Laminatböden Witex auf die Idee leimloser Parkettverlegung gebracht, so befruchtet das Timber Loc Profil nun seinerseits die der Laminatboden-Herstellung: Auch das Laminatprofil soll auf ein fest einzuschlagendes S-Lock-System, ähnlich dem von Timber Loc, umgestellt werden. Dabei entfällt die leicht flexible, vorstehende untere Lippe des heutigen Profils und die Einrastung erfolgt von oben statt von unten. Beim Münchner Patentamt ist die Innovation schon angemeldet. Für die Fräsung der neuen Verbindung wurde eigens Diamantwerkzeug entwickelt.
Produktion verdoppeln

Timber Loc ist vielversprechend gestartet. Witex marschiert im Parkettbereich bereits zur Hälfte mit dem leimlos verlegbaren Parkett. Auf 80 % soll der Timber Loc-Anteil an der Fertigparkettproduktion mittelfristig steigen. Insgesamt rechnet man 2001 mit einem Absatz von 150.000 qm Parkett. 2002 soll diese Vorgabe verdoppelt werden.

Zielgruppe ist neben der angestammten Kunden im Bodenbelagsbereich der klassische Holzhandel. Auch anspruchsvolle Baumärkte könnten in Frage kommen, sagt Manfred von Rabenau, der für das Segment Fertigparkett verantwortlich ist: "Wenn das Produkt zum Sortiment passt und der Nachbar nicht gestört wird."

Zur Präsentation wurden ansprechend gestaltete Shop-in-Shop-Systeme entwickelt, die in verschiedenen Größenordnungen erhältlich sind.

Sortiment: Kork im Anmarsch

Für große Aufmerksamkeit in der Branche hat Witex mit der Ankündigung gesorgt, dass man auch in Korkbeläge einsteigen will. Noch in diesem Herbst wollen die Augustdorfer mit Kork-Fertigparkett auf den Markt kommen - ebenfalls leimlos verlegbar.

Windmöller Flooring Products GmbH
Vorstandvorsitzender Ulrich Windmöller: "Wir möchten bei leimfreien Systemen außerhalb jeder Patentdiskussion stehen."
Windmöller Flooring Products GmbH
Manfred von Rabenau: "Die Reklamationsquote bei Timber Loc ist gleich null."
Windmöller Flooring Products GmbH
Witex Fertigparkett - das Sortiment
Windmöller Flooring Products GmbH
Die Witex-Gruppe in Zahlen

Die 30 x 90 cm großen Elemente sind zweischichtig aufgebaut mit 6,8 mm HDF-Träger und 3,2 mm-Korkschicht mit einem neu entwickelten Oberflächenschutz, der die natürliche Haptik von Kork bei gleichzeitig hoher Strapazierfähigkeit betonen soll. Darüber hinaus soll es auch eine geölte Version geben. Das Programm soll 5 Strukturen in verschiedenen Farben umfassen. Als Vertriebskanäle werden der klassische Bodenbelagsgroß- und Einzelhandel, der Holzhandel, Filialisten und Möbelhäuser angesprochen.

Strategische Ausrichtung

Es tut sich einiges im Werk Augustdorf. Ende des Jahres wird ein imposantes, 24 Meter hohes Hochregallager in Betrieb genommen. Mehr Flexibilität und Liefergenauigkeit sind Motor hinter dieser 7,2 Mio. DM teuren Investition. Der 40 Meter lange, 28 Meter breite Bau fasst 5.200 Palettenstellplätze. Mit zwei vollautomatischen Regalförderwerkzeugen können pro Stunde 80 Ein- und Auslagerungen vorgenommen werden.

Das Konzernziel von 460 Mio. DM Umsatz im Jahr 2001 war zum 30. Juni mit 228 Mio. DM fast zur Hälfte erreicht, beflügelt durch eine gute Entwicklung im Heimmarkt Deutschland, aber auch in England und den USA. Systematisch ausbauen will man die europäischen Kernmärkte England, Frankreich, Benelux und Italien.

Für die europäischen Märkte bleibt der Standort Augustdorf maßgebend. Asien und Nordamerika bedürfen nach Ansicht von Ulrich Windmöller aber eigener Zentralen. Der erste Schritt dorthin ist getan. Witex hält 50 % Beteiligung an der Robin Floor im malaysischen Mentakab. Hier wird bei einer MDF-Kapazität von 4 Mio. qm pro Jahr die Beschichtung von Holzwerksstoffen mit Melaminharzpapieren und Profilierung vorgenommen. In 2001 erwartet man zunächst 1 Mio. qm Laminatausstoß. Bedient wird der asiatische Markt über die Konzerntochter in Bangkok, Thailand, von der aus auch die Verkaufsniederlassung in Shanghai, China, gesteuert wird.

In den USA operiert Witex von Atlanta aus. Nach dem Willen der übergeordneten Holding, deren Aufgabe es ist, den Export zu fördern, ist nun in North Carolina an der Ostküste ein Plattenwerk für Möbel- und Fußbodenbau in Planung. 7 Mio. qm soll die Beschichtungskapazität betragen.

In Sachen Fertigparkett bleibt die Produktion in Finnland. Dort ist man zwar nicht der einzige deutsche Partner, Probleme mit der Konkurrenz gibt es jedoch nicht, heißt es.


Witex - das Unternehmen

Witex in Augustdorf gehört mit einer Produktionskapazität von 30 Mio. qm (2000) weltweit zu den größten Laminatbodenherstellern. Allein im vergangenen Jahr kletterte der konsolidierte Umsatz um 38 % auf knapp 302 Mio. DM, was nicht allein aus der Kooperation mit dem schwedischen Minderheits-Anteilseigner Pergo resultiere, sondern auch auf Wachstum aus eigener Kraft, wie der Vorstand betont.

Ebenfalls um 38 % gestiegen ist 2000 der Wareneinsatz, der mit 178 Mio. DM 59 % der Betriebsleistung ausmacht. Das bedeutet eine Verschlechterung der Materialintensität um 1,5 %, korrespondierend ist der durchschnittliche Abgabepreis von 16,30 auf 15,40 DM gesunken.

Der Rohgewinn konnte dennoch um 29 % auf 123,7 Mio. DM angehoben werden.

Die Personalkosten haben sich um 23 % verteuert und lagen damit deutlich über dem Planansatz. Dafür werden unterschiedliche Ursachen genannt: In der AG auf der Anlaufphase des neuen Werkes IV, bei der amerikanischenTochter auf Management-Wechsel, ebenso bei der Tochter in Luxemburg.

Die Abschreibungen haben sich um 64 % auf 11,9 Mio. DM erhöht, zurückzuführen auf das hohe Investitionsvolumen, das Zugänge von 38,5 Mio. DM im Anlagevermögen verzeichnet. Damit konnte ein EBIT von 13,8 Mio. DM erreicht werden, das eine Verbesserung von 3 % gegenüber dem Vorjahr bedeutet.

Im laufenden Jahr will Witex das rasante Wachstum von 2000 nicht nur fortsetzen, sondern übertreffen. In der Gruppe wird ein Umsatz von 453 Mio. DM anvisiert, was einem Plus von 50 % entspricht. Darin sind erstmalig die neugegründeten Gesellschaften Witex Robin Floor Sdn Bhd in Mentakab/Malaysia, die Witex Asia Ltd. in Bangkok/Thailand und WPT GmbH in Detmold mit einbezogen. Darüber hinaus befindet sich noch eine Tochter in Großbritannien in Gründung.

Das ehrgeizige Umsatzziel basiert zum einen auf dem neuen Werk IV, das im Sommer 2000 aneglaufen ist und die Produktionskapazitäten in Augustdorf verdoppelt hat, zum anderen sollen die Kapazitäten auch 2001 noch weiter ausgebaut werden.

Der Rohgewinn der Witex-Gruppe soll in diesem Jahr um mehr als 30 % zulegen. Die Mitarbeiterzahl hat auf 530 zugenommen, dadurch werden sich die Personalkosten nochmals erhöhen.

An Investitionen sind wieder 40 Mio. DM vorgesehen, was die Abschreibungen noch-mals um 39 % steigen lassen wird. Der Jahresüberschuss soll sich nach den Planungen verdoppeln.

aus ParkettMagazin 05/01 (Wirtschaft)