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Ado mit ehrgeizigen Plänen

Home Fashion made in Aschendorf

Ado agiert antizyklisch: Während die gesamte Heim- und Haustextilienbranche unter der flauen Inlandsnachfrage leidet, wird bei dem Familienunternehmen außerplanmäßig in Millionenhöhe investiert: in die Erweiterung des Sortiments, neue Maschinen und auch in Werbung. Die beiden Brüder Andreas und Klaus Wulf setzen damit zielstrebig ihre Strategie fort, Ado mittelfristig zu einem Home-Fashion-Konzern für alle Bereiche des textilen Wohnens auszubauen.

Der Generationswechsel ist immer eine Gratwanderung für ein Familienunternehmen; nicht immer gelingt der reibungslose Übergang - bei Ado schon. Deutschlands größter Gardinenhersteller ist das Paradebeispiel dafür, wie das Erbe der Gründergeneration nicht nur bewahrt, sondern weiter ausgebaut wird.

1992 übernahmen die Inhabersöhne Andreas und Klaus Wulf die Geschäftsleitung in Aschendorf und setzten den Expansionskurs von Ado mit einem stets überproportionalen Wachstum erfolgreich fort. Das Geschäftsjahr 2000 wurde mit einem Umsatz von 213 Mio. DM abgeschlosen, das ist ein Plus von 3,6 % gegenüber dem Vorjahr. Und selbst im schwierigen Jahr 2001 wird ein weiterer Zuwachs von 2,5 % erwartet.

Die Basis dafür wird durch hohe Investititionen in Sortiment, Produktion und Werbung geschaffen. Ein Grundsatz der beiden Brüder ist, erwirtschaftetes Geld sofort wieder zur Stärkung des Unernehmens zu verwenden. So fließen im laufenden Jahr allein 6 Mio. DM in die Erweiterung des Maschinenparks. Andreas und Klaus Wulf: "Aufgrund der großen Nachfrage nach Produkten aus unserem Hause mussten wir diese ursprünglich für 2002 geplante Kapazitätsausweitung vorziehen." Mit den bisherigen Maschinen stieß man an die Kapazitätsgrenze und sah sich nicht mehr in der Lage, insbesondere dem großen Interesse aus dem Ausland nachzukommen. Insgesamt sollen bis zum Ende des Jahres 32 neue Anlagen installiert werden.

Neben dem riesigen Stammwerk in Aschendorf, das sich über 110.000 qm erstreckt, verfügt Ado über weitere Produktionsstätten in den USA, Polen und seit diesem Jahr auch in Indonesien, um von dort aus den asiatischen Markt zu bedienen. Weltweit sind bei Ado rund 1.400 Mitarbeiter beschäftigt, davon 850 in Aschendorf.

Umwandlung in AG, aber kein Börsengang geplant

Für einige Überraschung sorgte die Umwandlung der Gruppe in eine Aktiengesellschaft. Allerdings werden nicht der Blick auf einen möglichen Börsengang, sondern "steuerliche Gründe" als Hintergrund für die Umstrukturierung genannt. "Ado bleibt ein Familienunternehmen" bekräftigen denn auch Andreas und Klaus Wulf ausdrücklich. Doch seien die Besitzverhältnisse im Unternehmen so verschachtelt gewesen, dass eine Neuordnung notwendig geworden sei.

Heute ist Ado in 16 Einzelgesellschaften organisiert, die unter dem Dach einer Holding in Form einer AG organisiert sind. Andreas und Klaus Wulf halten jeweils 50 Prozent der AG-Anteile. Sie bilden den Aufsichtsrat, begleiten aber dennoch aktiv das operative Geschäft. Der Holding-Vorstand ist mit drei Mitgliedern besetzt: Jürgen Litz ist zuständig für Marketing, Immo Becker für den kaufmännischen Bereich und Hermann Bruns für die Produktion.

Ado Goldkante GmbH & Co. KG
Motivierte Mannschaft: Andreas und Klaus Wulf mit ihrem engagierten Team.

Weitere Expansion und Diversifikation geplant

Damit sind auch die personellen Grundlagen für eine weitere Expansion und Diversifikation geschaffen. 1999 hatte Ado über seine angestammte Domäne Gardinen und Dekostoffe hinaus ein Möbelstoff-Programm gestartet.

Mit Beginn dieses Jahres wagte man sich noch weiter vor und stellte die erste Bettwäsche-Kollektion vor. Damit ist das Thema für Andreas und Klaus Wulf aber noch lange nicht abgeschlossen: Schritt für Schritt soll es weitergehen in Richtung textiler Komplettanbieter. Nach den Visionen der beiden soll Ado mittelfristig zu einem Home Fashion-Konzern für alle Bereiche des textilen Wohnens avancieren.

Welches Segment als nächstes in Angriff genommen wird, ist zur Zeit noch offen. "Wir wollen uns Zeit lassen, die einzelnen Produktgruppen zu entwickeln und die Investitionen zu verdauen", sagt Andreas Wulf, lässt aber keinen Zweifel daran, dass er und sein Bruder noch weitergehende Pläne haben.

Neben dem Hauptsortiment an Gardinen und Dekos führt Ado eine separate Objektkollektion mit schwer entflammbaren Unis, webgemusterten und bedruckten Stoffen. Alle werden raumhoh (200, 220, 270 und 300 cm) und endlos breit angeboten. Damit entfällt das aufwendige Zusammennähen der Bahnen.

Das Stoffsortiment wird flankiert von Spezialitäten wie einem umfangreichen Gardinenbandprogramm mit über 215 Varianten und auch einem Pflege-Set für die optimale Reinigung und Pflege hochwertiger Gardinen.

Darin enthalten sind zwei Waschkonzentrate und eine Spülung, die perfekten Form-, Farb- und Faserschutz garantieren.

aus BTH Heimtex 11/01 (Wirtschaft)