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GHF-Jahrestagung 2001 - Lagebericht von Martin Geiger

"Der Großhandel muss viel mehr gemeinsam machen"

Der neue Vorstandsvorsitzende Martin Geiger gab sich in seinem Lagebericht kämpferisch und drängte den Großhandel angesichts der Wirtschaftsflaute zu mehr Geschlossenheit - bei Mindermengen-Zuschlägen, der Weitergabe von Kollektionskosten, der Rollenbreiten-Diskussion und dem Datenaustausch-Management. Allerdings hatten die Zuhörer es etwas schwer, seinen durchaus berechtigten Forderungen zu folgen, weil er sie in rasendem Tempo vorlas.

n seiner Funktion als neuer Vorstandsvorsitzender eröffnete Martin Geiger die Tagung mit dem aktuellen Lagebericht, der allerdings nicht besonders rosig ausfiel. Die Ausführungen zu den unerfreulichen gesamtwirtschaftlichen Daten sparen wir uns hier, weil sie jeder schon aus der Tagespresse kennt. Tatsache ist, dass sie auch auf den Großhandel durchschlagen.

Nach der Umsatzstatistik des Kölner Instituts für Handelsforschung, die zwar mit Vorbehalt aber dennoch "als Tendenz" gesehen wird, hat der Großhandel 2000 einen Umsatzrückgang von 0,8 % verbucht. Für das erste Halbjahr 2001 - aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor - wurden weitere Einbußen in Höhe von 0,9 % registriert. Das klingt nicht viel, ist laut Geiger aber angesichts starker Kostensteigungen dennoch unbefriedigend, zumal der Großhandel aufgrund verschärften Preisdrucks mit geringeren Margen arbeiten musste. Kritisch sei die Situation vor allem in den neuen Bundesländern. "Großhändler, die sich dort engagiert haben, trifft es so stark, dass erstmals laut über Fusionsmodelle nachgedacht wurde, wie sie bisher nicht vorstellbar waren." Leider habe es dabei "unüberbrückbare Randbedingungen gegeben", die einen finanzierbaren Konsens verhindert hätten. "So reduziert vorerst jeder Großhändler im Osten seine Kosten bis zur Aufrechterhaltung einer Mindest-Betriebsbereitschaft."

Die anhaltende Rezession hat die baunahen Verbände der Industrie, des Großhandels und des Handwerks dazu veranlasst, eine Initiative zur Belebung der Baukonjunktur zu starten. Diskutiert werden
- eine Halbierung des Mehrwertsteuersatzes für Handwerkerleistungen,
- Abzugsmöglichkeiten von Bau-/ Renovierleistungen für den privaten Hauseigentümer und
- eine Stärkung der Eigenkapitalbasis durch besseres Rating.
Allerdings ist der GHF skeptisch, was sich von diesen Vorschlägen durchsetzen lässt und will seinen Mitgliedern deshalb Hilfe zur Selbsthilfe anbieten. Effektive Instrumente zur dringend erforderlichen Ergebnisverbesserung gebe es durchaus, sagte Geiger - "Der Großhandel muss nur mutiger werden und das Äquivalent für seine Leistung fordern". Als erfolgsversprechende betriebliche Maßnahmen nannte er

1. Die konsequente Weiterbelastung aller direkt zurechenbarer Kosten wie Mindermengen-Zuschläge, Expresskosten oder Aufwendungen für Kollektionen: "Spätestens die gestiegenen Dieselpreise sollten den Anlass geben für die Berechnung von Mindermengen-Zuschlägen bei Zustellungen unterhalb bestimmter Auftragswerte"


2. Die Reduzierung von Komplexitätskosten wie sie etwa durch den "Luxus" von zwei Rollenbreiten entstehen: "Eine GHF-Umfrage zu diesem Thema hat ergeben, dass 43% der antwortenden Großhändler bereits einzelne Kollektionen mit nur einer Breite auflegen, und 35 % zumindest Teile von Kollektionen. Hier steckt also noch Einsparungspotential." Für "unrealistisch" hält es Geiger, die Entscheidung für eine Breite an die Industrie delegieren. "Schließlich bestimmt der Absatz, an dem der Großhandel immer noch wesentlichen Anteil hat, die Produktion und nicht umgekehrt".

3. Die Prozesskosten-Optimierung durch elektronischen Austausch zwischen Großhandel und Industrie. "Es ist antiquarisch, wie viele Verwaltungsvorgänge noch manuell erledigt werden". Zum Nutzen aller Markstufen müssten sämtliche Informationen einem geordneten, professionellen Datenaustausch-Management unterworfen werden. Und genau da liegt der Knackpunkt, denn: "Der größte Effekt entsteht nur, wenn der Großhandel dies einheitlich und gemeinsam macht" - und an der Gemeinsamkeit hapert es leider häufig."

4. Die Qualifizierung der Großhandels-Mitarbeiter durch Schulung. "Wissen wird im 21. Jahrhundert zu einem Schlüsselfaktor für die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens, wobei man künftig nicht nur schneller, sondern auch erheblich lernen muss." In diesem Zusammenhang verwies Geiger auf das Schulungsangebot des GHF, dass bislang jedoch viel zu wenig genutzt würde.

aus BTH Heimtex 11/01 (Wirtschaft)