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ZVPF: Sachverständigen-Tagung in Kassel

Seitenverleimung, elastische Parkettkleber und Holzquellung

Wer die Arbeit anderer beurteilt, sollte immer auf dem neuesten Stand der Technik sein. Fortbildung und Fachgespräche standen deshalb im Mittelpunkt der Sachverständigen-Tagung des Zentralverbandes Parkett und Fußbodentechnik (ZVPF) in Kassel. Neben mehreren Vorträgen zu Linoleum-Böden sorgten einmal mehr die Themen elastische Klebstoffe und Seitenverleimung bei Wasserlacken für lebhafte Diskussionen.

Eine gute Aus- und stetige Fortbildung ist für Sachverständige unerlässlich, machte Organisator und ZVPF-Vorstand Sönke Stoltenberg gleich zu Beginn der Sachverständigentagung deutlich. Das gelte umso mehr, seit neuerdings auch IHK-Sachverständige Handwerksleistungen beurteilen dürfen. Auch Gert F. Hausmann, stellvertretender ZVPF-Vorsitzender, unterstrich die Notwendigkeit zur ständigen Fortbildung und warnte in diesem Zusammenhang vor "denjenigen, die bewilligt, aber nicht befähigt sind". Immer häufiger werde er mit Gutachten konfrontiert, die regelrecht falsch seien. "Aber vielleicht schreckt die neue verschärfte Haftungsdauer von zwei Jahren für Sachverständige solche Gutachter vor leichtfertigen Ausführungen ab", hofft Hausmann.

Seitenverleimung durch Wasserlacke

Wilhelm Schmidt, Parkettsachverständiger und Geschäftsführer der Innung Nordost, hatte vor gleichem Publikum schon vor zwei Jahren über seine Versuchsreihen zur Seitenverleimung durch Wasserlacke berichtet. Die Ergebnisse seiner Untersuchungen hatten seinerzeit für großen Wirbel gesorgt. Seitdem hat Schmidt eine ganze Reihe weiterer Tests durchgeführt.

Bestätigt wurden in erster Linie die früheren Ergebnisse, dass nämlich Grundierungen nicht zur Reduzierung der Seitenverleimung beitragen. Jeweils 24 Prüfkörper aus Eiche hat Wilhelm Schmidt mit sechs verschiedenen Lacken versiegelt, davor die gleiche Anzahl mit der zugehörigen Grundierung versehen. In einer selbst konstruierten Prüfvorrichtung wurde dann die Fugenfestigkeit gemessen. Die Steigerung der Festigkeit durch den Einsatz der Primer war sehr groß und noch höher als bei den vorhergehenden Untersuchungen.

Zusätzlich hat Wilhelm Schmidt in seine Versuche die Buche einbezogen, das Holz, das üblicherweise für starke Fugenbildung sorgt und in der Lackindustrie als Prüfmaterial zum Einsatz kommt. Hier stellte der Parkettsachverständige bei Primereinsatz Reduzierungen der Fugenfestigkeiten fest. Statt Zugfestigkeiten für die 12 cm lange Fuge von 150-230 kg (Buche-Prüfkörper ohne Primer) lagen die Werte für Buche-Prüfkörper mit Grundierung in einem Rahmen von 97 bis 158 kg. "Das ist ein Lichtblick, aber mehr nicht", kommentierte Wilhelm Schmidt seine Ergebnisse. Um "von praktischer Bedeutung" zu sein, bedürfe es einer Zugfestigkeit in der Prüfeinrichtung von weniger als 50 kg, so wie bei Öl-Kunstharzsiegeln mit Werten um 30 kg.

Aus Sicht von Wilhelm Schmidt bleibt das Problem der Seitenverleimung und den damit verbundenen Abrissfugen bestehen - auch bei grundierten Buche-Parkettstäben. Der Sachverständige forderte in Kassel die Industrie erneut zum Dialog auf: "Allein durch ständige Behauptungen seitens der Industrie, dass Grundierungen zur Minimierung der Seitenverleimung führen, wird das Problem der Abrissfugen nicht gelöst." Beate Brehmer, Forschungs- und Entwicklungsleiterin bei Eukula und Mitglied im technischen Ausschuss der chemisch-technischen Arbeitsgemeinschaft der Lackhersteller (CTA), betonte auf der Sachverständigentagung, dass die in der CTA organisierten Lackproduzenten sich durchaus der Problematik bewusst sind. Es gebe aber derzeit keine besseren Rohstoffe, so dass die vorhandenen Grundierungen auf Acrylatbasis das Beste seien, das man dem Handwerk zur Verfügung stellen könne.

Langzeit-Tests zur Fugenbildung

In einem zweiten Vortrag referierte Wilhelm Schmidt über das Quellen und Schwinden von Parkett - mit Blick auf die Irreversibilität des Vorgangs. Parkettleger wissen aus der eigenen Erfahrung, dass sich bei feuchterem Raumklima die im Winter entstandenen Fugen zwar wieder zurückbilden, aber eben nicht vollständig. Welche Abmessungen haben die bleibenden Fugen nach vielen Klimawechseln und Wiedererreichen der Anfangs-Holzfeuchte?

In einer selbst gebauten Klimakammer hat Wilhelm Schmidt insgesamt drei Klimazyklen im Zeitraffer von 30 Wochen simuliert. Die Untersuchungen ergaben, dass Restfugen unabhängig von der Art der Oberflächenbehandlung und dem verwendeten Klebstoff bleiben - also auch unabhängig davon, ob hartplastisch oder elastisch geklebt wurde. Auch die Qualität der Klebung hat keine Auswirkung auf die Fugenbildung: Bei einer schlechten Klebung ohne ausreichende Benetzung der Parkettstäbe bilden sich keine stärkeren Fugen als bei einer ordnungsmäßigen Verklebung.


Lediglich Holzart und Oberflächenbehandlung hatten Einfluss auf die Testergebnisse. Eiche-Stäbe wiesen nach drei Jahren Fugen mit einer durchschnittlichen Breite von 1/10 mm auf, sowohl mit geölter als auch mit versiegelter Oberfläche. Bei Buche lag die Fugenbreite im Durchschnitt bei 4/10 mm (geölte Oberfläche) bzw. bei 3/10 mm (versiegelte Oberfläche). Nach drei Jahren war im Übrigen nicht zu erkennen, ob die Böden im Winter oder im Frühling verlegt wurden. Dagegen war die Fugenbreite im 1. Winter bei den im Frühjahr verlegten Böden deutlich größer.

Normungen und CE-Kennzeichen

ZVPF-Vorstand Norbert Strehle informierte die Sachverständigen über den aktuellen Stand der CE-Kennzeichnung und der Normung. So ist der ZVPF wegen der CE-Kennzeichnung derzeit im Gespräch mit dem Deutschen Institut für Bautechnik (DIBT). Während für Laminatböden bereits die einjährige Übergangsphase läuft und diese Böden in Kürze nur noch mit einem CE-Label in den Verkehr gebracht werden dürfen, sieht die Situation bei Parkett anders aus. Strehle erwartet, dass sich die zuständigen Stellen zunächst mit Mehrschichtparkett beschäftigen werden und Massivparkett erst zu einem späteren Zeitpunkt einbeziehen.

Die neue Brandschutznorm DIN EN 13501-1 wird in Kürze die bisherige Norm DIN 4102 ersetzen - eine Norm, die noch aus der Zeit stammt, als es kein Mehrschichtparkett gab. Wie Strehle weiter ausführte, befindet sich die DIN EN 13501-1 noch in der Koexistenzphase, d.h. beide Normen haben Gültigkeit und damit auch beide Klassifizierungssysteme für das Brandverhalten von Bodenbelägen. In Zukunft werden Planer und Handwerk aber ausschließlich mit den neuen europäischen Brandklassen A1fl bis Ffl arbeiten müssen.

Wellige Oberflächen im Parkett

Über einen ungewöhnlichen Schaden berichtete Bundesinnungsmeister Joachim Barth: Wellige Oberflächen quer zur Stabrichtung auf bauseits versiegeltem Mehrschichtparkett bzw. Ahornstabparkett. Bei einer ersten Begutachtung konnten die sonst üblichen Schleiffehler als Schadensursache ausgeschlossen werden.

Das wellige Aussehen war vielmehr auf eine unterschiedliche Schichtdicke des bauseits aufgetragenen Lacks zurückzuführen. Wie sich herausstellte, war die Grundierung bzw. die erste Lackschicht quer zur Faser mit der Rolle aufgetragen worden. Die Ränder der Rolle hatten dem Gutachten zufolge zu größeren Schichtdicken geführt, die bei den späteren Aufträgen nicht ausgeglichen wurden. Langsames Arbeiten und besondere klimatische Verhältnisse haben hier zum zu frühen Aushärten des Lacks geführt und das unebene Lackbild entstehen lassen, so Joachim Barth.

Im weiteren Verlauf der Tagung vermittelte der stellvertretende CELQ-Vorsitzende Johannes Becker (Meister-Werke) typische Schadensbilder bei Laminatböden. Zudem wurde erneut umfassend über PU-beschichtete elastische Beläge diskutiert, nachzulesen in der aktuellen Ausgabe unserer Schwesterzeitschrift FussbodenTechnik.

aus ParkettMagazin 05/06 (Wirtschaft)