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Europäische Parkettindustrie mahnt zur Preisdisziplin

FEP-Tagung in Dresden

Wieder ein Rekord: Das Jahr 2000 brachte der Parkettbranche in Europa erneut satte Zuwächse und die höchsten Verbrauchs- und Produktionszahlen seit 15 Jahren. Damit das auch in Zukunft - den rezessiven Tendenzen in einigen westeuropäischen Kernländern zum Trotz - so bleibt, hat der Dachverband der europäischen Parkettindustrie (FEP) bei seiner Jahresversammlung Mitte Juni in Dresden eine Marketingkampagne beschlossen, die noch in diesem Jahr anlaufen soll.

Gesamteuropäisch betrachtet, bestätigten sich im letzten Jahr die drei wichtigsten Trends, die sich bereits 1999 abzeichneten:

- Der Verbrauch wuchs zwar weiter, aber der Zuwachs schwächte sich ab. 1998 erreichte er ein Plus von 8,3 %, 1999 von 4,2 %, und 2000 reduzierte sich der Zuwachs auf 3,6 %.

- Die Verlagerung hin zum Mehrschichtparkett hält bei Nachfrage und Produktion weiter an. Während dieses Parkett inzwischen einen Anteil von 72 % an der Gesamtproduktion erlangt hat, sind Mosaikparkett und Lamparkett seit Jahren auf dem Rückzug. Die Mosaikparkettproduktion büßte im Jahr 2000 nochmals 16 % ein und hat an der FEP-Gesamtproduktion nur noch einen Anteil von 5 %, Lamparkett verlor 4 % Produktionsvolumen und hält 9 % an der gesamten Parkettproduktion in Europa. Lediglich Stabparkett konnte mit einem Produktionszuwachs von 7 % seinen Anteil von 14 % behaupten.

- Die Preisspirale drehte sich im letzten Jahr weiter nach unten und die Hinweise darauf, dass sich Konjunkturschwäche ausbreitet, mehrten sich.

Das Zukunftspotential für Parkett sah FEP-Präsident Dieter Betz vor allem in dem riesigen Volumen an Renovierungsbedarf in allen Ländern und im anhaltenden Verbraucherinteresse für Naturprodukte, das es zu stärken gilt. Aktuell hat Parkett unter allen Bodenbelägen einen Marktanteil von etwa 5,6 % erreicht. Im Wettbewerb mit Laminatböden und textilen Belägen muss die eigene Position weiter verbessert werden, forderte Betz. In diesem Zusammenhang wurde das Augenmerk auf die Importe aus Nicht-EU-Ländern und die Anstrengungen in den FEP-Ländern gelenkt: Mit einem Zuwachs von 14 % auf annähernd 21,4 Mio. qm seien die Importe im letzten Jahr zwar so hoch wie nie zuvor gewesen. Aber auch in den FEP-Ländern sei man mit den hohen zusätzlichen Kapazitäten, die in der letzten Zeit geschaffen wurden, in der Lage, eine weiterhin steigende Nachfrage zu befriedigen.

Verbrauch fast überall gestiegen

Alle 13 westeuropäischen Kernländer der Föderation der europäischen Parkettindustrie zusammengerechnet, stiegen der Verbrauch um 8,7 % auf 80,6 Mio. qm und die Produktion um etwa 3,6 % auf 63 Mio. qm. Wenn der Verbrauch in den Nicht-Mitgliedsländern Großbritannien und Portugal einbezogen bzw. die Produktionsvolumina osteuropäischer Mitgliedsfirmen berücksichtigt werden, liegen beide Ergebnisse noch deutlich höher: Der Verbrauch erreichte dann ca. 90 Mio. qm und die Produktion lag bei 70 Mio. qm. Die Osteuropäer drängen verstärkt in die FEP: Nach Mitgliedsbetrieben aus Rumänien und Ungarn kamen in diesem Jahr ein weiteres Unternehmen aus Ungarn sowie Hersteller aus Polen und Tschechien dazu. Insgesamt zählt die FEP gegenwärtig 47 Hersteller und 6 nationale Verbände als Mitglieder.

Hinter den Zahlen, die für die FEP - also für Nord- und Mittel-europa sowie Italien und Spanien - ermittelt wurden, standen unterschiedlichste Einzelergebnisse und Entwicklungen. In Österreich und der Schweiz stagniert der Verbrauch, in allen anderen Ländern nahm er - mit graduellen Unterschieden - zu. Frankreich überraschte mit einem plötzlichen abrupten Einbruch bei der Produktion und stand damit im europäischen Vergleich ziemlich allein da. Deutschland, der größte und wichtigste Markt, bietet mit geringer Neubautätigkeit, schleppender Konjunktur im Lande und allen Faktoren, die den Konsum einengen, Anlass zur Sorge, dagegen entwickelt sich beispielsweise Finnland zu einem Boom-Land. Auch der Pro-Kopf-Verbrauch gibt Hinweise auf unterschiedliche Marktverläufe: Während der ohnehin hohe Pro-Kopf-Verbrauch in Finnland kräftig weiter stieg und auch in Deutschland, Belgien, Schweden oder Spanien zunahm, ließ er in Österreich und der Schweiz, wo er traditionell hoch liegt, Stagnation erkennen.

Aus einer von der FEP vorgelegten Übersicht geht hervor, dass Deutschland innerhalb der FEP-Länder das Land mit dem größten Parkettverbrauch ist; die rund 24,8 Mio. qm, die hier im letzten Jahr abgesetzt wurden, entsprachen innerhalb der FEP einem Anteil von 30,8 %. Obgleich Deutschland als zunehmend schwieriger Markt gilt, konnte der Anteil weiter gesteigert werden; 1999 lag er bei 29,4 %. Das Land mit dem zweitstärksten Verbrauch ist Italien (11 Mio. qm, entsprechend einem Anteil am Gesamtverbrauch in den FEP-Ländern von 13,6 %, gefolgt von Spanien (10,6 Mio. qm), Frankreich (7,6 Mio. qm), Österreich ( 5,5 Mio. qm), Norwegen/Dänemark (5 Mio. qm), Schweiz (4 Mio. qm). Mit einem Inlandsverbrauch von weniger als 5 Mio. qm sind Schweden, die Niederlande, Belgien und Finnland am europäischen Gesamtverbrauch beteiligt.


Die Rangliste der Länder mit den bedeutendsten Produktionskapazitäten und ihre Anteile an der gesamten FEP-Produktion einschließlich Ungarn und Rumänien führt Schweden an, gefolgt von Deutschland. Schweden produzierte 2000 rund 14 Mio. qm und zog damit 20 % der europäischen Produktion an sich, Deutschland brachte es mit 11,5 Mio. qm auf einen Anteil von 16,5 %. Alle übrigen Länder folgen mit weitem Abstand; sie trugen zur Gesamtproduktion jeweils weniger als 10 % bei: Frankreich 9,5 % (Produktion 2000 = 6,6 Mio. qm, rd. 600.000 weniger als 1999), Norwegen/Dänemark 8,1 % (5,7 Mio. qm), Finnland 7,7 % (5,4 Mio. qm), Italien 7,4 % (5,2 Mio. qm) , Spanien 6,9 % (4,85 Mio. qm), Österreich 6,2 % (4,31 Mio. qm), Rumänien 5,7 % (4 Mio. qm), Ungarn 4,1 % (2,85 Mio. qm), die Schweiz 3,9 % (2,73 Mio. qm) sowie die Benelux-Länder zusammen ebenfalls 3,9 % bei einer Gesamtproduktion von 2,7 Mio. qm im wesentlichen in den Niederlanden. Bemerkenswert ist die in relativ kurzer Zeit deutlich gewachsene Produktion in Rumänien und Ungarn.

"Dem Billigeinkauf gemeinsam Grenzen setzen"

"Etwas mehr Nerven" wünschte sich FEP-Präsident Dieter Betz bei allen Herstellern - insbesondere dort, wo sich in den großen Verbraucherländern die Preisspirale im letzten Jahr "leider weiter nach unten drehte" und auch im laufenden Jahr keine Umkehr zu erwarten ist. Betz verwies auf Überkapazitäten bei Mehrschichtparkett und die Aktivitäten von Neuproduzenten sowie Importeuren, die den Preiswettbewerb angeheizt hätten, wendete sich aber "vor allem an die Etablierten, die hierzu kräftig beigetragen haben". Betz warnend: "Anstatt ihre Stärken zu nutzen, die sie bei einem langjährigen Kunden haben sollten, haben sie das Spiel mitgemacht und völlig vergessen, dass in der Branche und den dort möglichen Gewinnspannen eine Preissenkung von 5 % bereits einen Mehrabsatz von 30 % erfordert, um das gleiche Ertragsergebnis zu erzielen wie vor der Preissenkung." Die Folgen ließen nicht auf sich warten, wurde Betz deutlich: "Immer mehr altbekannte renommierte Parkettanbieter verschwinden und immer mehr neue, die mit Entwicklungskrediten finanziert wurden, werden auf dem Finanzmarkt zur Übernahme angeboten."

Der FEP-Präsident richtete an die Mitglieder den Appell, das Zutrauen in die eigene Position zu stärken und der Versuchung, mehr Absatz durch Preiszugeständnisse zu erreichen, zu widerstehen. Alle FEP-Mitglieder zusammen decken über 77 % des Gesamtverbrauchs in Europa ab; wenn sie in der Preispolitik gemeinsam vorgingen, werden alle Einkäufer sehr schnell an Grenzen des Billigeinkaufes stoßen, meinte Betz. In einer Schlüsselposition sah er diejenigen, die gegenwärtig in die Zweischichtparkettproduktion einsteigen: "Das ist die Produktgruppe, die in der Preiskalkulation am meisten auf den individuellen Nutzen des Käufers abgestimmt werden kann." Allgemein gelte, dass mancher an dem Ast säge, auf dem er sitze oder auf den er sich gerade erst zu schwingen versuche. Das Nachhaltigkeitsprinzip in der Holzwirtschaft gewinne angesichts dieser Vorgänge eine zusätzliche Dimension: Es liege in der Verantwortung der Parkettindustrie, "die Nachhaltigkeit in der Parkettnachfrage sicherzustellen", forderte Betz zum Nachdenken auf.

In diesem Zusammenhang verabschiedeten die Mitglieder einstimmig eine Selbstverpflichtung (Charta der europäischen Parketthersteller), an die sich jedes Mitglied per Unterschrift bindet. Sie verpflichtet auf die gemeinsamen Interessen der FEP, auf verbindliche Qualitätsstandards bei den Produkten und in allen Geschäftsabläufen, "so dass Käufer volles Vertrauen in das Produkt und den Service haben können und wissen, dass es seinen Zweck erfüllt und seinen Preis wert ist". Mitglieder, die gegen die Charta verstoßen, können vom Verband mit Sanktionen belegt werden.

70.000 Euro für eine PR-Aktion

Am "Beginn einer neuen Parkettzukunft" sah Präsident Dieter Betz die europäische Parkettindustrie auch angesichts der Marketingkampagne, die seit längerem geplant war und jetzt startklar ist. Sie soll noch in diesem Jahr laufen, ihren Schwerpunkt in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben, aber auch in Italien, Frankreich, Spanien, Belgien und den Niederlanden Wirkung zeigen. Das Marketing-Konzept wurde von der PR-Agentur Trostner zusammen mit dem FEP-Lenkungsausschuss, in dem außer FEP-Generalsekretär Filip de Jaeger auch Hermann Büchi (Bauwerk), Ralf Plessmann (Pamino/ Pless-mann), Sabine Sarikaya (Hamberger) und Karsten Strenge (Höhns) mitwirkten, erarbeitet. Inhalt und Zielrichtung der Aktion wurden vom Agentureigner Jürgen Schaal erläutert. Die Gesamtkosten in Höhe von 70.000 Europa (rund 140.0000 DM) sollen zur Hälfte aus dem FEP-Etat und zur anderen Hälfte durch Umlage direkt von den FEP-Mitgliedern aufgebracht werden. Die PR-Aktion soll sowohl in der Publikumspresse als auch in den Fachmagazinen die Aufmerksamkeit auf Parkett lenken.

Weitere Themen der FEP-Tagung in Dresden waren neue Verfahren für die Qualitätsprüfung von Parkett (Referent Bernd Devantier vom IHD Dresden) und Fragen der Zertifizierung (Auvo Kaivola vom Finnischen Zertifizierungsrat). Voraus gegangen war die Mitgliederversammlung mit Lagebericht des Präsidenten, Geschäftsbericht des FEP-Sekretariats und Vorstandswahlen, bei denen einige Neubesetzungen vorgenommen werden mussten. Präsident der Förderation der europäischen Parkettindustrie FEP bleibt Dieter Betz, aus dem Vorstand ausgeschieden sind Ola Wilhelmsson und Flemming Glass - der Schwede, weil die Nybron-Holding eine neue Situation geschaffen hat und mit Dieter Betz (Bauwerk) und Ola Wilhelmsson (Kährs) nunmehr zwei Mitglieder dieser Holding im FEP-Vorstand saßen; der Däne, weil er als Geschäftsführer bei Junckers-Parkett ausgeschieden ist. Eine der frei gewordenen Positionen wurde mit dem Finnen Esko Teerikorpi (Upofloor/Karelia) neu besetzt, die zweite Position wurde gestrichen. Als Vorstandsmitglieder bestätigt wurden Peter Hamberger, Mariano Hervas, Lars Gunnar Andersen und Ralf Plessmann.

aus ParkettMagazin 04/01 (Wirtschaft)