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VDP-Analyse des deutschen Parkettmarktes heute und morgen

"Es geht weiter voran - aber langsamer"

Die Deutschen stehen immer noch auf Parkett: Nach den jüngsten Schätzungen des VDPs (Verband der Deutschen Parkettindustrie) ist der Parkettverbrauch hierzulande 2000 auf 23 Mio. qm gestiegen, die inländische Parkettproduktion hat auf 11 Mio. qm zugenommen. Für die Zukunft erwartet der Verband zwar weiterhin Zuwachs, aber deutlich gebremst: Bis 2005 soll der Absatz in Deutschland auf 24 Mio. qm zunehmen, die hiesige Produktion auf 12,5 Mio. qm.

Der deutsche Parkettmarkt konsolidiert sich. Die teilweise immensen Wachstumsraten der vergangenen zehn Jahre gehören nach Auffassung des VDP (Verbandes der Deutschen Parkettindustrie) vorerst der Vergangenheit an. Die VDP-Analyse zum aktuellen Stand und zur künftigen Entwicklung der Parkettbranche war Teil des Parkett-Seminars von Bürkle, das der Anlagenhersteller am Vortag der Domotex veranstaltet hatte. Die Ausführungen wurden mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Unter den Teilnehmern des im wesentlichen auf technische Themen ausgerichteten Seminars, die großenteils aus der Industrie kamen, fanden der Lagebericht und die Einschätzungen des künftigen Parkettmarktes im wesentlichen Zustimmung. In kleinen Kreisen diskutiert wurde vor allem die "Mahnung", dass die Parkettbranche im Wettbewerb mit anderen Bodenbelagsarten wach bleiben und die Entwicklung aktiv weiter voran treiben müsse.

Der deutsche Parkettmarkt von 1990 bis 2000

Dass sich der deutsche Parkettmarkt in den letzten zehn Jahren mengenmäßig äußerst positiv entwickelt hat, macht der Rücklick deutlich: Der Inlandsverbrauch - ermittelt aus der Produktion zuzüglich Einfuhr und abzüglich Ausfuhr - stieg von ca. 11 Mio.qm in den Jahren 1989/90 auf über 22 Mio.qm im Jahr 1999. Für 2000 erwartet der Verband der deutschen Parkettindustrie eine weitere Zunahme auf ca. 23 Mio.qm. Damit hat der deutsche Parkettmarkt sein Volumen in zehn Jahren verdoppelt.

Diese Entwicklung, die bisher nicht analysiert wurde, wird auf mehrere Ursachen zurückgeführt, darunter die starke Neubautätigkeit im Wohnungsbau, denn Trend zu natürlichen Baustoffen, und den daraus folgenden Ausbau der Produktionskapazitäten, vor allem bei Mehrschichtparkett.

Die einzelnen Parkettarten entwickelten sich dabei sehr unterschiedlich. Aufsteiger war eindeutig das Mehrschichtparkett, in Deutschland weiterhin landläufig als Fertigparkett bezeichnet, das von 3 Mio. qm im Jahr 1990 auf etwa 7,5 Mio. qm im Jahr 2000 zugelegt hat. Das entspricht einer Steigerung von 150 %. Zugleich hat sich das Verhältnis Fertigparkett zu Massivparkett in den letzten Jahren umgekehrt: Während 1990 Massivparkett mit 62 % dominierte und Fertigparkett es nur auf 38 % brachte, liegt das Kräfteverhältnis heute 32 % zu 68 %. Dennoch ist laut VDP hervorzuheben, dass Stabparkett, an dessen Überlebenschancen seit Jahren gezweifelt werde, durchaus ein solides Wachstum aufweist, "nämlich von 1 Mio. auf 1,5 Mio.qm." Sorgenkind der Branche sei das Mosaikparkett, dessen Produktion seit Jahren rückläufig ist und von 3,7 Mio. auf 2 Mio. qm abgerutscht ist.

Die deutsche Produktion zeigt nach Ansicht des VDP ein "eigenes Profil und eine andere Entwicklung" als die Entwicklung auf europäischer Ebene. Bezogen auf alle zwölf Länder, die in der Föderation der Europäischen Parkettindustrie (FEP) zusammengeschlossen sind, ergab sich europaweit schon 1990 mit einem Anteil von 56 % ein Schwergewicht auf Seiten von Fertigparkett - infolge des hohen Produktionsanteils dieser Parkettart in den skandinavischen Ländern.

Am Inlandsverbrauch zeigt sich das Auseinanderdriften der Entwicklung auf dem Parkettsektor, das sich in den letzten Jahren beschleunigte, noch deutlicher als an der Produktion. Stabparkett hatte 1990 mit 1,8 Mio.qm einen Anteil von 18,5 % am gesamten Parkettverbrauch. Im Jahr 2000 ist der Absatz zwar auf 3 Mio. qm gestiegen - dank größerer Produktvielfalt durch 10 mm-Massivparkett, 14- und 16 mm-Stabparkett - der Anteil am Gesamtverbrauch macht aber nur noch 13,5 % aus.

Bei Mosaikparkett betrug der Inlandsverbrauch 1990 noch 4,8 Mio. qm bzw. 45 % des Gesamtverbrauchs, 2000 wurden nur noch 2,5 Mio. m abgesetzt, die einem Anteil von 11 % entsprechen.

Sieger in der Gunst des Verbrauchers ist eindeutig das Fertigparkett, dessen Inlandsverbrauch sich von 1990 bis 2000 von 4,6 Mio. auf 17,5 Mio. erhöhte, der Marktanteil kletterte im gleichen Zeitraum von 42 auf 77 % - eine Steigerung um fast 80 %.

Der VDP wertet diese Zahlen als einerseits erfreulich für die Gesamtentwicklung des Angebotsektors Parkett, andererseits aber als weniger erfreulich im Hinblick auf die deutsche Produktion. Denn: Der Anteil von 70 % am Inlandsverbrauch, den sie mit einem Volumen von 7,7 Mio. qm 1990 innehatte, ist bis 2000 auf weniger als 45 % geschrumpft - wenn man eine Produktion von 11 Mio. qm zugrunde legt und beim Verbrauch von 23 Mio. qm den bekanntlich hohen Anteil der Importe unberücksichtigt lässt; rechnet man diesen mit ein, fällt der Anteil der deutschen Produktion am Gesamtverbrauch noch weiter zurück. Der VDP betont, dass diese Entwicklung im Widerspruch zu der Tatsache stehe, dass der Industriestaat Deutschland über eine moderne und leistungsfähige Holzindustrie verfüge.

Kritische Anmerkungen machte Verbandsgeschäftsführer Hermann Wegelt zu den amtlichen Daten des Statistischen Bundesamtes. "Der VDP hat allen Anlass, an diesen Zahlen zu zweifeln." So seien in den letzten Zahlen Mehrschichtparkett-Importe im Umfang von jährlich 14 bis 15 Mio. qm ausgewiesen gewesen, und für das Jahr 2000 werde eine noch weitaus höhere Menge geltend gemacht. Dies deutet laut Wegelt auf gravierende Fehler hin: "Offensichtlich werden erhebliche Mengen Laminatböden unter falschen Warennummern gemeldet und dem Fertigparkett zugerechnet. Dadurch wird die Einfuhrstatistik falsch". Der Verband der deutschen Parkettindustrie erhebt deshalb eigene Daten. Danach wird bei Mehrschichtparkett eine Einfuhrmenge von 12 - 13 Mio. qm für realistisch angesehen.

Europaweit hat sich in den letzten zehn Jahren die Produktion in Frankreich, in der Schweiz und in Spanien rückläufig entwickelt. In den skandinavischen Ländern, Österreich und Deutschland nahm sie zu. Hinsichtlich der Parkettarten ist auffällig, dass Massivparkett vor allem in den Ländern rückläufig sei, in denen große Kapazitäten zur Herstellung von Mehrschichtparkett entstanden sind.

Aktueller Lagebericht des Parkettmarktes Deutschland

Nach VDP-Schätzung wird der Zuwachs des Parkettverbrauchs in Deutschland für das Jahr 2000 mit etwa 3 bis 5 % auf 23 Mio. qm angesetzt. Die Daten der amtlichen Statistik werden als "völlig unrealistisch" zurückgewiesen. Wie in den Vorjahren stehen dabei Fertig- bzw. Mehrschichtparkett und Stabparkett in der Verbrauchergunst ganz oben: Der Verbrauch von Stabparkett ist dem Vernehmen nach auf fast 3 (99: 2,8) Mio. qm gestiegen, der von Fertigparkett auf 17,5 (99:16,3) Mio. qm. Die Nachfrage nach Mosaikparkett ist demgegenüber weiter geschrumpft auf nunmehr 2,5 (99:2,7) Mio. qm.

Die Inlandsproduktion 2000 hat nach Verbandsangaben etwa 11 (99: 10,1) Mio. qm erreicht. Verlierer war das Mosaikparkett, dessen Volumen sich weiter verringert hat auf 2 Mio. qm, unter anderem bedingt durch kostengünstigere Fertigung in Osteuropa.


Stabparkett hat leicht zugelegt auf 2 Mio. qm. Diesem Segment traut der Verband eine "relativ stabile" Marktposition zu, weil große Objekte im öffentlichen und repräsentativen Bereich einen guten Rückhalt böten. Durch preisgünstige Materiallieferungen - insbesondere aus den osteuropäischen Ländern - werde es bei öffentlichen Ausschreibungen jedoch weiterhin zu harten Preiskämpfen kommen, verschärft durch den Einsatz von Arbeitskräften aus Billiglohnländern.

Die Herstellung von Fertigparkett erhöhte sich auf 7,5 Mio. qm (99: 6,8). Dabei haben sich nach Beobachtung des VDP Zwei-Schicht-Elemente fest etabliert. Sie seien technisch ausgereift und würden insbesondere von den Fachverlegern zunehmend akzeptiert. Die Produktion wird inzwischen mit ca. 700.000 qm jährlich veranschlagt - mit steigender Tendenz. Bei Dreischicht- Elementen wirkten sich eine zunehmende Anzahl an Produzenten und Erweiterungs-Investitionen in bestehende Kapazitäten aus.

Wachsende Bedeutung komme im Zuge der zunehmenden Sensibilisierung des Verbrauchers gegenüber chemischen Produkten alternativen Oberflächenbehandlungen mit Öl oder Öl-Wachs-Systemen zu, insbesondere bei jüngeren Kunden. Diese Produkte seien kontinuierlich verbessert worden. Verbandsgeschäftsführer Wegelt bezweifelt allerdings, ob Öle und Wachse einen Schutz wie die Versiegelung bieten könne.

Als "völlig unbefriedigend" bezeichnet der VDP die Preisentwicklung und die Ertragslage in der deutschen Parkettindustrie. Er verwies auf Insolvenzen, die dies belegten. Im Prinzip seien alle Parkettarten betroffen, mit Ausnahme von gewissen Nischenprodukten. "Bedingt durch neue Anbieter und neue Kapazitäten trifft die verschärfte Wettbewerbssituation aber vor allem die Mehrschichtparketthersteller."

Die Durchschnittspreise haben nach kontinuierlichen Steigerungen bis zum Jahr 1992 stetig nachgegeben - bis 1999 um etwa 10 %. Die geringsten Einbußen musste dabei Stabparkett hinnehmen, auch bei Mosaikparkett halten sie sich in Grenzen. Den größten Schwund weist Fertigparkett auf - es liegt inzwischen 17,81 DM unter dem Höchstwert von 1992. Ob diese Zahlen die tatsächliche Entwicklung wiedergeben, hält Wegelt für fraglich. Sie deuteten aber zumindest an, welche schwierige Marktentwicklung sich in den vergangenen Jahren vollzogen habe.

Der Ausblick: Eigeninitiative der Parkettbranche notwendig

Die weitere Entwicklung des Parkettmarktes hängt unter anderem von der Bautätigkeit im Wohnungsbau ab. Während hier für Westeuropa eine positive Tendenz in den Jahren 1999 bis 2002 vorausgesagt wird, sind die Aussichten in Deutschland weniger rosig - insbesondere im Neubau. Seit 1996 ist die Zahl der fertiggestellten Wohnungen kontinuierlich rückläufig. Auch in den ersten drei Quartalen 2000 sei die Zahl der erteilten Genehmigungen im Wohnungsbau um mehr als 17 %, bei Einfamilienhäusern um 13 %, gesunken. Wenn es nicht zu Konjunkturstützungsmaßnahmen der Bundesregierung komme, werde sich die Rezession im ersten Halbjahr 2001 weiter fortsetzen und vor allem im Innenausbau spürbar werden.

Der in Deutschland gestiegene Bedarf an Sanierung und Modernisierung von Altbauten wird nach Einschätzung des Industrie nicht in der Lage sein, den Rückgang im Neubau auszugleichen. Hinzu kommt, dass in einigen Gebieten - insbesondere in Ostdeutschland - das Angebot an Mietwohnungen und Eigenheimen inzwischen die Nachfrage deutlich übersteigt. Mittelfristig - also in fünf Jahren - werde die Nachfrage im Wohnungsbaubereich immer noch um 20 bis 30 % unter den Ergebnissen der 90er Jahre liegen. Insgesamt sei vom Wohnungsmarkt also in absehbarer Zeit mit Sicherheit keine Belebung des Parkettmarktes zu erwarten.

Positive Impulse für den Parkettabsatz könnten sich dennoch aus einer von der Bundesregierung angekündigten weiteren Lockerung der strengen Bestimmungen der Handwerksordnung ergeben, äußerte Wegelt eine Hoffnung der Parkettindustrie. Allerdings habe die 1996 erfolgte Novellierung der HWO, mit der den Schreinern das Recht zur Parkettverlegung insgesamt und den Bodenlegern das Recht zur Verlegung von Fertigparkett eingeräumt wurde, bisher keine deutlichen Zuwächse gebracht.

Die Chancen, die die leimlose Verlegung eröffne, beurteilte Wegelt zurückhaltend. Ob sie tatsächlich einen Nachfrageschub bewirken könne, bleibe abzuwarten. Er vermutete, dass in erster Linie der Do-it-yourself Bereich profitieren werde. Die Handwerker stünden dem System "eher kritisch" gegenüber.

Wie die Zertifizierung von Holz und Holzprodukten im Hinblick auf mögliche Nachfrage-impulse zu bewerten sei, ließ Wegelt offen. Die zwischen der Holzwirtschaft und den maßgeblichen Umweltorganisationen geführte strittige Diskussion um die Zertifizierung von Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft (FSC oder PEFC) habe sich "noch nicht" negativ auf die Nachfrage ausgewirkt.

Gütezeichen und Qualitätssiegel begrüßte Wegelt als Beitrag zu mehr Verbrauchersicherheit. Die Zusicherung, dass Produkte schadstoffrei sind und bestimmte Qualitätseigenschaften aufweisen, könne bei Mehrschichtparkett "durchaus eine gute Marketingmaßnahme" darstellen.

Ob es Parkett gelingen werde, bei rückläufiger Bautätigkeit dennoch weitere Marktanteile zu Lasten von Textilböden, PVC, Laminatböden usw. zu erringen, war für Wegelt eine Frage der Rahmenbedingungen, der Produktentwicklung und der Verbraucherakzeptanz bei den Konkurrenzprodukten. Bei Laminatböden sei die stürmische Marktentwicklung mit hohen Zuwachsraten durch mehrere Faktoren bewirkt worden, wie die Verwendung von Holzdekoren und die ständigen, mit hohem Einsatz geleisteten Bemühungen um Qualitätsverbesserungen. Durch internationale Normung sowie die Bildung einer Gütegemeinschaft werde das aufwendige Marketing der einzelnen Hersteller nachhaltig unterstützt. Hinzu komme, dass dieser Belag keiner handwerksrechtlichen Beschränkung unterliegt und "auf breitester Front" vertrieben werden könne. Ähnliches gelte für Furnierböden, deren Marktbedeutung langsam zunehme. Wegelt geht hier von einem Inlandsangebot zwischen 8 und 9 Mio. qm aus - mit steigender Tendenz.

Angesichts dieser Situation müsse der Parkettfußboden erhebliche Anstrengungen unternehmen und sich am Markt stärker positionieren, um keine Marktanteile zu verlieren, warnt Hermann Wegelt. Wachstumsraten wie in den vergangenen zehn Jahren seien in den nächsten fünf Jahren mit Sicherheit nicht zu erwarten. Einigermaßen realistisch könne bis 2005 von einer Produktionssteigerung in Deutschland auf 12,5 Mio. qm und einem Verbrauch von etwa 24 Mio. qm ausgegangen werden. Um dies zu erreichen, müssten aber Anstrengungen unternommen werden: "Dem Kunden müssen deutlich die Vorteile massiven Holzes dargelegt werden, wie Langlebigkeit, wiederholte Renovierbarkeit und vor allem die Tatsache, dass es sich um "Holz durch und durch" handelt. Dazu gehört auch die Aussage, dass einschließlich der handwerklichen Leistung ein angemessener Preis zu entrichten ist."

aus ParkettMagazin 01/01 (Wirtschaft)