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Gute Stimmung auf der Domotex 2001

Hannover wird für die Parkettindustrie immer interessanter

Wenn die Domotex ihre Chancen zu nutzen versteht, wird ihre Bedeutung als internationale Messe für den Parkett-Sektor in den nächsten Jahren weiter wachsen. Rückenwind bekommt sie von der Liberalisierung der Handwerksordnung. Viele Parkettleger werden es sich abgewöhnen müssen, die Domotex als "Laminatmesse" hintenan zu stellen, während sich dort clevere Seiteneinsteiger ihre Parkett-Kontakte aufbauen und ambitionierte Kollegen ihre Anregungen für neue Sortiments-Konzepte holen. von Inge Hagemann

Für Parkett war das Jahr 2000 wiederum ein gutes Jahr. Trotz der unverändert rückläufigen Bautätigkeit und vieler ungünstiger Einflussfaktoren erhöhte sich der Verbrauch in Deutschland um ca. 2,5 % auf vorläufig geschätzte 23 Mio. qm. In das Jahr 2001 werden vorsichtige Erwartungen gesetzt. Zuversicht zieht die Branche aus der Tatsache, dass Holzfußböden in den letzten zehn Jahren die mit Abstand höchsten Zuwachsraten im Fußbodenbereich erzielten. Darauf wies Hermann Wegelt, der Geschäftsführer des Verbandes der deutschen Parkettindustrie in einem Vortrag für das Parkett-Symposium des Anlagenherstellers Bürkle hin. Ebenso "wegweisend" wie die von Wegelt aufgezeigte Entwicklung war die Tatsache, dass das Symposium, das sich mit sehr speziellen Themen der Parkettproduktion befasste, zeitlich mit der Domotex verknüpft wurde. Hannover wird für die Parkettindustrie interessanter.

Im gleichen Maße, wie immer mehr Verleger im Parkettmarkt mitmischen, die sich - als Seiteneinsteiger oder "Multis" - Neuland erobern wollen, stellen sich Industrie und Handel auf geänderte Kundenstrukturen ein: bei Produkten, Sortimenten, Service, Marketing und nicht zuletzt bei der Wahl der Messen. Der Domotex werden mehrere Stärken zugute gehalten - vor allem ihre Internationalität, die von den Ausstellern Jahr für Jahr bestätigt wird. Aber zunehmend auch ihre Fähigkeit, Synergieeffekte zu schaffen. Das Domotex-Angebot bietet - aus der Architekten-Perspektive ebenso wie aus der Maler-Perspektive - so viel fachübergreifende Produktvielfalt, dass sich daraus für Einrichter und solche, die es werden möchten, gute Ideen und konkrete Vorteile schöpfen lassen.

Die Klick-Offensive

Wurde die Domotex von Parkettlegern in den letzten Jahren oft als "Laminatmesse" und zuletzt als "Klick-Messe" ab-gewertet, so hatte sie diesmal bei Parkett viel zu bieten: Nach der Einführung der ersten beiden Klick-Verbindungssysteme bei Fertigparkett im Herbst letzten Jahres, nutzten die beiden großen Hersteller Hamberger und Kährs die erste Messe im neuen Jahr, um nun in die Offensive zu gehen. Dabei wurden offenbar spannende Erfahrungen gemacht. Beide Hersteller fanden jeweils überzeugende Argumente und gute Akzeptanz für ihr System, dennoch halten sich manche Handwerker und Händler weiterhin zurück und warten ab. Allerdings scheint sich der Argwohn des Handwerks, dass die Industrie mit leimlos zu verlegendem Fertigparkett letztlich in den DIY-Bereich ziele und den Profis dadurch Boden entziehe, derzeit zu relativieren.

Auf der Domotex wurde jedenfalls von guter Nachfrage seitens des Handwerks berichtet und schon vorsichtig in Zweifel gezogen, ob sich Fertigparkett mit Klick-Verbindung überhaupt als Baumarkt-Produkt eigne, weil es empfindlicher und teurer sei als das konventionell zu verlegende. Die Zeit wird zeigen, wohin der Zug geht. Noch ist offen, ob der Zustrom von Handwerkern, die im Klick-System tatsächliche Vorteile erblicken, anhält, oder ob diejenigen Recht behalten, die erwarten, dass mit Hilfe des Handwerks nur "der Rahm abgeschöpft" werde und danach erst die Preisangleichung ans Massengeschäft komme.

Gegenwärtig deutet vieles darauf hin, dass sich das Parkettleger-Vollhandwerk nicht noch einmal dem Vorwurf aussetzen will, neue Entwicklungen zu "verpennen" - wie damals beim Aufkommen von Fertigparkett. Dafür ist man offenbar auch bereit, zähneknirschend zu akzeptieren, dass die leimlose Verlegung nicht nur den Parkett-Profis viel Aufwand und Zeit sparen hilft, sondern auch Wettbewerbern aus anderen Gewerken oder werkstattlosen Mobildiensten den Einstieg in die Parkettverlegung sehr erleichtert.

Mit der leimlosen Verlegung sind alle Arten von separat zu verlegenden oder aufkaschierten Tritt- und Raumschalldämmungen auf dem Vormarsch. Das Angebot wird stark beworben. Wie einst die Strapazierfähigkeit von Laminatböden an der Zahl der Umdrehungen festgemacht wurde, überbieten sich die Anbieter von kaschierten Belägen jetzt mit immer besseren Dämmwerten beim Raum- und Trittschall.

Geölt oder lackiert? Es wird spannend

Ein Thema, das mit der wachsenden Zahl der Parkettanbieter auf der Domotex ebenfalls vorrückte, sind geölte/gewachste Oberflächen. Mittlerweile haben sich Produkte und Verfahren herausgebildet, die es erforderlich machen, zu differ-enzieren. Öloberfläche ist nicht gleich Öloberfläche. Handel und Handwerk werden sich mit den verschiedenen Systemen und ihren unterschiedlichen Eigenschaften intensiv befassen müssen, um individuellen Kundenbedürfnissen entsprechen zu können. Dass es Parketthersteller gibt, die am konventionellen - material- und zeitaufwendigeren - Auftrag festhalten und ihn sogar noch optimieren, dass es andererseits UV-geölte Parkette und dabei unterschiedlich formulierte Produkte und Systeme gibt, hat Ursachen und zeigt Wirkungen.

Das Thema im Blick zu behalten, wird für Handel und Handwerk umso wichtiger, als in der Bodenöle produzierenden Industrie inzwischen heftig um Entwicklungsvorsprünge und Marktanteile gerungen wird. Derweil steigt der Anteil der geölten Böden weiter - nicht nur ablesbar an industriell fertig geölten Dielen und Mehr-schichtparkett, sondern an dem teilweise hohen Anteil roh vorgeschliffener Ware, die nach der Verlegung nicht mehr "automatisch" versiegelt, sondern immer häufiger geölt wird.

Bleibt abzuwarten, wann und wie die Lackindustrie ihrerseits "Öl ins Feuer" gießt. Sie wird nicht tatenlos zusehen, wie die Marktanteile geölter Böden ständig wachsen - in vielen Sortimenten weit über die anfangs gesetzte Höchstmarke von 5 %, inzwischen längst über die 10 %-Marke hinaus. In einigen Sortimenten liegt der Anteil geölten Parketts sogar schon bei 15 bis über 50 %. Noch sieht es so aus, als ob sich die Lackhersteller dagegen mit betont matt eingestellten Lacken behaupten, die eine Oberfläche fast "wie geölt" aussehen lassen.

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Schwerpunkt des österreichischen Herstellers Obdo ist dreischichtiges Bambusparkett.
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Taylor Lumber, einer der führenden amerikanischen Laubholzanbieter, stellte in Hannover sein Massivdielen-Programm vor.
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Groß, professionell, eindrucksvoll: Die Upofloor-Präsentation machte deutlich, dass die Finnen jetzt selbst stärkeren Einfluss auf die Vermarktung ihrer Produkte nehmen wollen.
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Von Adina kommen die Stabilo-Laminatfußböden. Die 8 mm dicken CPL-Qualitäten werden in mehreren Holz- und Steindekoren angeboten. Trägermaterial: HDF.
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"Messestress" für Hamberger: Der größte deutsche Parketthersteller und einer der bedeutenen Laminatbodenhersteller zeigte sowohl in Hannover als
auch in München deutlich Flagge.
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Das österreichische Familienunternehmen Neuhofer gilt nach nochmaliger Erweiterung der Produktion als einer der führenden europäischen Leistenhersteller. Neuhofer-Leisten werden weltweit vermarktet.

Aber auf der Domotex wurden die ersten Testballons an den Start geschickt, um zu erkunden, ob sich Handel und Handwerk auf Hochglanz bringen lassen: Bei Laminatböden waren die ersten Produkte mit spiegelblanker Oberfläche zu sehen. Sicherlich ging man damit auf den Geschmack der Südeuropäer und Ostasiaten ein. Aber Achtung: Auch die ersten geölten Böden wirkten ähnlich ausgefallen. Und vielleicht ging die Laminatindustrie wieder einmal einen Schritt voraus. Das war zumindest dort der Fall, wo - eine Anregung nicht nur für Raumausstatter - der Trend zu kompletten Einrichtungssystemen auf einem Messestand mit Möbeln und Dekos aufgegriffen wurde.

Trends bei Holzarten: "Rote" und dunkle Hölzer

Manche Entwicklung kommt langsam in Gang. "Rote" und dunkle Hölzer werden mehr. Weil afrikanische Hölzer vielfach schwer zu bekommen sind, rücken südostasiatische, südamerikanische und australische Hölzer vor. An die Stelle von Wenge tritt zunehmend Räuchereiche - wobei darauf zu achten ist, dass nur kerngeräucherte Eiche dem entspricht, was sich der Fachmann erwartet. Gedämpftes oder thermisch behandeltes Holz, das dadurch dunkler wird, bietet weitere Alternativen zu Exoten. Bei den europäischen Hölzern gewinnen Esche - als preiswerterer Ersatz für Ahorn-, Birke und einige Obsthölzer an Interesse.

Massivparkett zum Verfugen

Was gab es Neues außer dem "Klick" bei Fertigparkett? Auch bei Massivparkett gibt es Bestrebungen, die leimlose Verlegung zu ermöglichen. Dielen werden mit Spezialverriegelungen in Nut und Feder und mit Stahlfedern von den Wänden her zusammengehalten, mit Krallen auf Gurten eingeklickt und zum Halten gebracht, sie schlüpfen an den Stirnseiten spielerisch, aber fest und ohne Leim ineinander.

Beim Massivparkett ist der erste verlegefertig versiegelte Stab in 22 mm auf dem Markt, und das Dauerärgernis der Fugenbildung löst ein neuartiges Parkett, indem es gewissermaßen aus der Not eine Tugend macht: Es betont die Fuge, indem sie mit einer Acrylmasse gefüllt und zum Gestaltungsmerkmal des Bodens macht.

Gutes Potential für Parkett

Auch wenn die Domotex noch bei weitem keine Parkett-Messe ist, so zeigt sie doch gutes Entwicklungspotential. Die strikte Bündelung des Angebots in zwei Hallen wurde ebenso gelobt wie die moderne Halle selber, die der Expo zu verdanken ist. Eine benachbarte, ebenso schöne Halle ließe eine Erweiterung des Parkettangebots mühelos zu. Heute schon zu den Pluspunkten der Domotex zu rechnen ist, dass sie dem Parkett den gesamten Angebotsbereich Fußbodentechnik mit Verlegewerkstoffen und Zubehör, der in Hannover ebenfalls eine ganze Halle füllt, zur Seite stellt. Ihr Interesse am Handwerk bezeugte die Messe, indem sie dem Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik einen großen, gut gelegenen Stand zur Verfügung stellte und damit den Schnelligkeits- "Weltrekord" der Parkettleger sponserte. Sie erreichten ihr selbst gestecktes Ziel mit Bravour und zur Freude des Zentralverbandes, der damit dem Handwerk auch signalisierte, dass die Domotex ein lohnendes Ziel ist.

Was die Aussteller, die im übrigen mit dem Besuch und dem Messeergebnissen größtenteils sehr zufrieden waren, störte, waren eigentlich nur zwei Wermutstropfen: Der Service der Messegesellschaft zeigte dem Vernehmen nach wenig Entgegenkommen und wurde als unfreundlich und teuer empfunden. Und umso reger der internationale Zuspruch und der Besuch aus Norddeutschland waren, umso mehr ließ das Interesse aus Süddeutschland zu wünschen übrig. Weil das im "Bau"-Jahr 2001 nicht anders erwartet worden war, tanzten einige große Hersteller auf beiden Hochzeiten, andere entschieden sich ausschließlich für die Münchener Messe. Auch sie zogen uneingeschränkt positive Bilanz.

Domotex oder "Bau", Zufall oder nicht: Während die Domotex - geprägt von weltoffener Atmosphäre - deutlich eine Messe für alle diejenigen ist, die Trends testen und aufspüren wollen, die "über den Tellerrand hinaus" auch offen sind für andere Fachrichtungen und internationale Einflüsse, dominiert bei der "Bau" der Charakter der Leistungsschau. Ein ausführlicher Bericht über die Münchner Veranstaltung folgt in der nächsten Ausgabe von ParkettMagazin.

aus ParkettMagazin 01/01 (Wirtschaft)