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imm Möbelmesse Köln

Auf dem Weg in höhere Qualitätsgefilde

Köln - Als gelungenen Start ins Möbeljahr 2007 bezeichnete die Kölnmesse in ihrem Abschlussbericht die Internationale Möbelmesse. Selbst das Intermezzo von Orkan Kyrill und die sich anschließenden chaotischen Verkehrsverhältnisse konnten nicht verhindern, dass mit rund 115.000 Besuchern wieder annähernd so viele Gäste auf die Messe gingen wie im Vorjahr, davon allerdings rund 34.000 an den beiden Endverbrauchertagen am Wochenende. So gab es zumindest der Messeveranstalter bekannt. Noch wichtiger: Die Grundstimmung auf der Messe war von Optimismus und Zuversicht für das noch junge Jahr geprägt. Und das galt nicht zuletzt auch für die Halle 9, die zum zweiten Mal Sammelpunkt für Unternehmen rund ums Thema Schlafen war.

"Hier in Köln ist es wie früher in der alten Halle 1 in Frankfurt", war ein typisches und sichtlich zufriedenes Statement, das stellvertretend für die Meinung vieler Matratzenhersteller steht, die sich auf der Möbelmesse lobend über die Situation in der Halle 9 äußerten. Auch von solchen, die schon die Premierenveranstaltung im letzten Jahr mitgemacht hatten. Darin schwang auch ein gut Teil Erleichterung mit, dass man nach Jahren der Unruhe in Frankfurt nun wohl wirklich wieder eine Messe-Heimat gefunden hat.

Die Möbelmesse knüpfte insofern nicht nur zeitlich gesehen, sondern auch stimmungsmäßig dort an, wo die Heimtextil kurz zuvor aufgehört hatte. Die Aussteller waren mit den Ergebnissen des vergangenen Jahres überwiegend zufrieden und berichteten von ebenso optimistischen Einzelhändlern. Uwe Klaas, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie, formulierte es zum Messeschluss so: "Die gute Ordertätigkeit und die vielen Facheinkäufer aus allen Teilen der Welt stimmen uns optimistisch und hoffnungsfroh, dass 2007 ein wirtschaftlich erfolgreiches Jahr für unsere Unternehmen wird."

Eingangs der Leistungsschau der internationalen Möbelbranche hatte Klaas berichtet, dass der Deutsche im Jahr im Durchschnitt rund 500 Euro für seine eigenen oder angemieteten vier Wände ausgibt - davon allein rund 370 für Möbel einschließlich Matratzen. Und er konnte konstatieren, dass 2006 ein gutes Möbeljahr war. "Nach äußerst bitteren Ergebnissen in den letzten fünf Jahren können wir wieder ein solides Wachstum melden." Ein Wachstum, mit dem man vor Jahresfrist nicht gerechnet hatte.

Vor Monaten durfte man darum die Prognose von ursprünglich zwei Prozent auf fünf bis sechs Prozent anheben. Mit Stand Ende Oktober wurden es dann 5,9 Prozent. Das bedeutete einen Umsatz von rund 15 Mrd. Euro und einen Zuwachs um rund 840 Mill. Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Und wie es scheint, hat das letzte Quartal insgesamt noch einmal zulegen können, so dass nach zwölf Monaten tatsächlich eine Sechs vor dem Komma stehen könnte. Nach vorläufigen Zahlen konnte sich auch die Matratzenindustrie leicht steigern.

Hauptgründe für das gute Ergebnis waren laut Klaas die umsatzstarken Zeiten im Frühjahr und Herbst sowie "die dynamisch wachsenden Exporte." Während der Inlandsumsatz in den zehn Monaten um 1,5 Prozent zulegte, wuchsen die Ausfuhren um satte 15,9 Prozent auf 5,3 Mrd. Euro. Der Hauptgeschäftsführer stellte schon vor der Messe fest, was sich dann dort auch bewahrheitete: "Die Ausgangslage für die Möbelindustrie ist ausgesprochen gut. Neben dem sich seit Jahren äußerst dynamisch entwickelnden Exportgeschäft kommen erste positive Signale vom Inlandsmarkt, wo noch immer zwei Drittel unserer Möbel abgesetzt werden. Die Konsumenten blicken zuversichtlicher in die Zukunft und der Konsumstau scheint sich langsam aufzulösen."

Mit negativen Effekten durch den höheren Mehrwertsteuersatz wird allgemein nicht gerechnet. Sowohl im Haustextil-Sortiment als auch bei vielen anderen Warengruppen war der höhere Steuersatz bereits in den letzten Monaten des alten Jahres "eingepreist" worden - wenn es den Unternehmen überhaupt möglich war, den höheren Steuersatz angesichts des harten Wettbewerbs weiterzugeben. Dadurch sollte ein Preisschock für die Verbraucher vermieden werden.

Diese Erwartungen scheinen sich auch zumindest im Januar zu bestätigen. Nach den ersten Zahlen der GfK ging der Konsum im Januar trotz der gestiegenen Steuer nicht zurück: "Es sieht so aus, dass der Januar 2007 besser gelaufen ist als der Januar 2006", erklärte der Vorstandschef sogar. Zwar sei der Absatz von Autos wegen der Vorzieheffekte deutlich gesunken, der von Textilien, Elektronik und Gütern des täglichen Bedarfs habe in den ersten Wochen des Jahres dagegen zugelegt. Und das Statistische Bundesamt gab für Januar eine Preissteigerungsrate gegenüber Januar 2006 von 1,6 Prozent bekannt. Das war nur unwesentlich mehr als im Dezember, für den 1,4 Prozent errechnet wurden. Damit, so der GfK-Chef, dürfte der Höhepunkt des Preissteigerungseffektes durch den höheren Mehrwertsteuersatz auch schon erreicht worden sein.

Auch der Fachverband der Matratzen-Industrie äußerte sich nach Beendigung der Messe rundum positiv. "Im Jahr Zwei der Realisierung unseres neuen Messekonzeptes sind wir wirklich zufrieden mit dem, was wir auf der imm cologne erreicht haben. Es hat sich gezeigt, dass die Halle insgesamt gut besucht war und das auch von internationalem Fachpublikum", stellte Dr. Ulrich Leifeld fest, Geschäftsführer des Matratzenverbandes.

Kritisch stellte Leifeld fest, dass die Produkte in der Schlafbranche zwar immer individueller würden und Matratzen technisch auf einem hohen Qualitätsniveau stünden, es den Herstellern und dem Handel aber leider nicht immer gelinge, den Kunden gezielt über seine Optionen bei der Wahl der richtigen Matratze zu informieren. Der Geschäftsführer: "Zu viele Matratzen verkaufen sich immer noch über den Preis und nicht über die spezifischen Eigenschaften."

Zentraler Anlaufpunkt war in diesem Jahr erneut ein eigener Stand des Verbandes, auf dem die Produkte beziehungsweise die unterschiedlichen Technologien der Branche für alle erfahrbar gemacht werden sollten. Dazu hatte man das Konzept "Visions of Sleep" entwickelt, das mit unterschiedlichen Lichtstimmungen arbeitete und Sitzhocker darbot, die dazu einluden, die einzelnen Produktbestandteile Kokos, Schaumstoff, Taschenfederkern und Latex aus einer anderen Perspektive zu erproben und als Sitzfläche auszutesten.

Imm Cologne
Mancher Besucher der Möbelmesse war sichtlich geschafft von dem großen Angebot der Messeneuheiten. Was lag da näher, als sich in der Halle 9 ein kleines Päuschen zu gönnen?

Außerdem diente der Stand als Location für den Branchentreff "meet@sleep" am Messedienstag. Schon bei der Premierenveranstaltung im vergangenen Jahr hatte sich diese von der Kölnmesse finanzierte Party als Volltreffer erwiesen: als Kommunikations-Treffpunkt und als stimmungsvolle Branchenfeier. Wie wichtig diese Institution ist, zeigt die Tatsache, dass es bereits im Vorfeld der diesjährigen Messe zahlreiche Anfragen gab, ob erneut eine Party stattfinden würde. Und besonders freute Leifeld, dass in diesem Jahr auch hochkarätige Persönlichkeiten aus dem Ausland extra anreisten, um sich auf der Feier zwanglos mit Kollegen und Wettbewerbern auszutauschen.

Der Verband nutzte die Messe aber auch, um sich mit wichtigen Handelskunden zu verständigen. Ein interessantes Thema war dabei die Gewährleistung auf Matratzen. Aus Sicht des Verbandes erscheint es laut Leifeld widersinnig, auf der einen Seite Garantiezeiten von zehn Jahren und mehr auf die Produkte auszuloben, und auf der anderen Seite darauf aufmerksam zu machen, dass spätestens nach zehn Jahren die Nutzungsdauer einer Matratze abgelaufen ist. Seitens des Handels wurde allerdings signalisiert, dass beim Verkauf einer hochwertigen Matratze die Länge der Garantiezeit keine wichtige Rolle spiele. "Es hat sich gelohnt, miteinander zu sprechen, um gewisse Themen wieder in Relation zu setzen", stellte Leifeld zufrieden fest.

Was den Besatz der Halle 9 betrifft, spricht der Verbandsgeschäftsführer von "geballter Produktpower in ansprechender Form." Als besonders erfreulich wertet er, dass weitere hochwertige und im internationalen Markt tätige Hersteller nach Köln gekommen sind. Zudem beobachtete er die klare Entwicklung, dass Schlafen und Wellness zueinander fanden. Kunden wünschten Produkte, so Leifeld, die ganz individuell zu ihnen passten. Der Trend gehe zu angepassten Schlafsystemen, Matratzen mit modernen Unterfederungen, die gegebenenfalls sogar motorgesteuert seien: "Dies macht Hoffnung, dass die "Geiz-ist-geil-Zeit" alsbald abgelöst wird - hoffentlich durch ein stärkeres Qualitätsbewusstsein."

In der Tat war zum Beispiel bemerkenswert, mit welcher Power Hilding Anders seinen ersten Auftritt überhaupt auf der Möbelmesse zelebrierte. Der zweistöckige Stand, auf dem der Konzern mit sechs ausgewählten Unternehmen präsent war, zählte zu den Highlights der Halle 9 und zeigt, welche Bedeutung er der Messe beimisst. Die Messepremiere von Hilding Anders lässt auch die Tatsache ein wenig verschmerzen, dass Thomas Lattoflex und Diamona in diesem Jahr auf eine Anwesenheit in Köln verzichteten. Ob dies der Weisheit letzter Schluss war, wird sich im kommenden Jahr erweisen, wenn die beiden Unternehmen gegebenenfalls wieder teilnehmen und einen repräsentativen Platz in der Halle 9 einnehmen wollen. Die Messe hatte bereits vor Monaten signalisiert, dass bei der Vergabe der Flächen erst einmal die Firmen den Vorzug erhalten sollen, die im Einjahres-Rhythmus in Köln dabei sind.

Bezüglich der Produkte kristallisiert sich eindeutig ein Trend zur Hochwertigkeit heraus - billig um jeden Preis war einmal. Wie sagte es Klaus Neudecker von Rummel: "Es entfällt der Wettbewerb, immer billiger zu sein als die anderen." Das ist für die Hersteller eine angenehme Situation, denn offenkundig erkennt der auf Qualität ausgerichtete Fachhandel die Chance, mit anspruchsvollen Produkten einen eindeutigen Kontrapunkt gegen die Billiganbieter setzen zu können: mit Artikeln, die es in dieser Form nicht zu Dumpingpreisen geben kann. Dazu zählt einmal das nach wie vor große Thema Viskoelastizität. Die Branche kann Tempur eigentlich nicht genug danken, dass dieses Unternehmen diese Qualität mit Marketingpower in den Markt gebracht hat. Viele andere Hersteller nehmen inzwischen den Ball auf und bauen in der einen oder anderen Weise Viskoschaum in ihre Matratzenkerne ein.

Boxspringbetten haben in Deutschland dazu im Vergleich noch nicht diese Marktbedeutung, aber auch in diesem Punkt bewegt sich die Branche und bietet Schlafsysteme mit zum Teil allerhöchstem Schlafkomfort auf. Zu den Trendsettern bei dieser Technologie gehört Otten, das nach dem Motto "ganz oder gar nicht" mit der Ambiente-Linie eine umfassende Boxspring-Kollektion auf die Beine gestellt hat. Für deren Güte spricht auch die Zusammenarbeit mit dem hochwertigen Stofflieferanten JAB Anstoetz. Aber auch andere Unternehmen bieten mittlerweile Boxspringbetten an, oder Technologien, die sich an dieses Prinzip anlehnen. Und der gute alte Taschenfederkern scheint auch jenseits von Boxspring wieder an Bedeutung zu gewinnen. Dabei werden die Federn aber, wie zum Beispiel bei Metzeler oder Olympia, zumindest zum Teil durch intelligente Schaumelemente ersetzt - bei gleicher oder sogar noch bessere Punktelastizität und ebenfalls guter Durchlüftung.

Wo viel Licht ist, da ist bekanntlich auch Schatten, der nicht verschwiegen werden soll. Bei den angrenzenden Sortimenten hat sich im Vergleich zu 2006 nämlich nicht viel getan. Aus dem Bettwarenbereich waren neben einigen anderen Firmen erneut die Schwergewichte Kirchhoff und Sanders anwesend, aber namhafte andere Aussteller sind trotz der guten Erfahrungen der beiden aus dem letzten Jahr nicht hinzugekommen.

Bedauert wurde von den Matratzenausstellern, dass in diesem Jahr die Anbieter von Schlafzimmermöbeln nicht in gewohnter Stärke vor Ort waren. Eine stärkere Präsenz hätte gewiss weitere positive Synergieeffekt in der Schlafhalle gebracht. Die Kölnmesse deutete in ihrem Schlussbericht aber an, dass im kommenden Jahr in diesem Bereich wieder mehr Hersteller zu sehen sein werden. Ebenso litt die Messe unter der Abwesenheit der Küchenhersteller. Doch auch hier ist Besserung in Sicht. Ab 2008 werden laut Messeveranstalter Premiumküchen alljährlicher Bestandteil von Pure, dem Bereich der imm, in dem Design und Architektur eine besondere Rolle spielen.

An die Messeleitung direkt geht der Hinweis, dass einerseits die Dauer der Messe von geschlagenen sieben Tagen zum Teil als zu lang angesehen wird, und dass die Fachbesucher unzufrieden mit den zu hohen Eintrittspreisen sind. Die Heimtextil ist preiswerter. Alles in allem kann man aber konstatieren, dass die Matratzenbranche endgültig in Köln angekommen zu sein scheint. Verbandsgeschäftsführer Leifeld zeigt sich für seine Mitgliedsunternehmen jedenfalls sehr zufrieden: "Die Matratzen haben mit dem Messestandort in Köln wirklich ein ordentliches Zuhause gefunden und wir bauen darauf, dass auch die imm 2008 wieder ein Erfolg wird."

Die nächste Möbelmesse findet vom 14. bis 20. Januar statt.

aus Haustex 03/07 (Wirtschaft)