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Adler Fertigparkett: "Es gibt nur wenige, die uns nicht kennen"

Kleiner Parketthersteller zeigt Mut zur Millionen-Investition

Wer dauerhaft einen Platz am Markt haben will, muss rechtzeitig investieren. Dass diese Weisheit auch für kleine Unternehmen gilt, weiß man bei Adler Fertigparkett. Im vergangenen Jahr hat das Familienunternehmen mit 65 Mitarbeitern rund eine Million Euro in die Hand genommen, um die Produktion für seine große Domotex-Neuheit Chalet - eine 2.200 mm lange Zweischichtdiele mit Fichtenstäbchen-Träger - startklar zu machen. Ende März wurde zudem eine neue Gattersäge installiert. Eine zusätzliche Produktionshalle soll noch in diesem Jahr folgen.

Ein Blick in die Adler-Produktion in Dirlewang im Allgäu zeigt: Hier sind echte Holzkenner und Verarbeitungsspezialisten am Werk. Der Weg über das Firmengelände führt vorbei am Rundholzpolter und einer kleinen Nasslagerfläche. Stephan Adler kauft das Rundholz für die hochwertigen Chateau-Dielen auf Submissionen noch selbst ein und lässt sie auf der Blockbandsäge zuschneiden.

Präzise Holzfeuchten durch Bandtrockner

Auf fünf kleinen Gattersägen werden die Friese für die Deckschichten des Adler-Mehrschichtparketts gesägt. Danach durchlaufen die einzelnen Friese einen Bandtrockner, der noch aus Adlers Zeiten als Furnierhersteller stammt. Vor anderthalb Jahren hatte man sich still und leise aus der Furnierproduktion verabschiedet. Mit Hilfe des Bandtrockners können relativ einfach und dennoch präzise verschiedene Holzfeuchten erzielt werden. Für Sonderaufträge in trockenen Regionen beispielsweise werden Deckschichten und Mittellagen weiter heruntergetrocknet als sonst üblich.

Auch in der Parkettproduktion stehen nicht unbedingt die bekannten Produktionslinien "von der Stange". Für das Zweischichtparkett hat Adler gemeinsam mit einem Anlagenbauer eine Trommelpresse entwickelt, die einzeln Decklage und Fichtenstäbchen-Netz miteinander verpresst. Auf Grund der guten Erfahrungen mit der bestehenden Anlage wurde auch die neue Presse für die langen Zweischichtdielen Chalet nach einem ähnlichen Prinzip aufgebaut. In diese neue Maschine plus den Umbau der Profilierlinie und weitere Optimierungen im Produktionsablauf hatte Adler im vergangenen Jahr rund eine Million Euro investiert.

Nach dem Verpressen wird zunächst die Oberfläche des Parketts behandelt. Rund 70% der rund 350.000 qm Parkett im Jahr verlassen mit oxidativ getrockneter Öl-Oberfläche das Werk. Ungefähr 12 Stunden braucht das Öl zum Trocknen, erst dann werden die Elemente profiliert und das ausschließlich mit Nut und Feder. Als einer der wenigen Hersteller zeigt sich Adler nach wie vor skeptisch gegenüber mechanischen Verriegelungen. Geklebtes Parkett sei nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich für die Zielgruppe Handwerk das sinnvollste Produkt.

Dielenboden auf Fußbodenheizung

Das Ergebnis von so viel Holzkompetenz: Die neue zweischichtige Diele Chalet mit einer Fixlänge von 2.200 mm, die Adler erstmalig auf der Domotex 2007 vorstellte. Eine sorgsam getrocknete Deckschicht kombiniert mit gutem Fichtestäbchen-Trägermaterial sorgt bei einer Aufbauhöhe von 10 mm für die notwendige Stabilität der Diele, verspricht Adler. Damit eignet sich "Chale" nicht nur für Renovierungsprojekte, sondern aufgrund des niedrigen Wärmedurchlasswiderstandes von 0,073 m2k/W vor allem auch für beheizte Fußbodenkonstruktionen. Außerdem ist bei Fichte FSC-zertifiziertes Holz auf dem Markt, so dass die Böden auch mit FSC-Logo erhältlich sind. Bis dato sei die FSC-Zertifizierung aber in erster Linie ein Produkt, das Adlers Partner Holzpunkt für den Schweizer Markt benötigt.

In diesem Jahr plant Adler zunächst den Absatz von rund 25.000 qm Chalet-Dielen. "Wir verkaufen Mode und kein Holz", meint Firmenchef Wilhelm Adler, "und Dielen liegen jetzt im Trend." Ein weiteres Trendthema sind eingefärbte Parkettböden oder aufwändige Oberflächenbehandlungen. Und die Veränderungen im allgemeinen Kundengeschmack laufen immer schneller und globaler ab. "Waren gebürstete Eichen gerade noch ein Thema in den Niederlanden, so interessieren sich nach kurzer Zeit auch ganz Europa, Asien und möglicherweise auch Amerika dafür", ergänzt Annette Adler, zuständig für Marketing, Finanzen, Personal und den nicht deutschsprachigen Export. Dabei bleibt die individuelle Ausführung das A und O. Für Parketthersteller, die auch direkt vertreiben, bedeutet diese Entwicklung, dass immer häufiger kommissionsweise bezogen wird. In Dirlewang wurde nicht zuletzt deswegen die gesamte Logistik an den Spediteur Dachser abgegeben. Außerdem soll im Sommer eine weitere Produktionshalle errichtet werden, um den akuten Platzmangel in der Parkettproduktion zu lindern.

Furnierwerk Anton Luib KG Nachfolger
Wilhelm Adler und seine Nichte Annette Adler sehen gemeinsam mit Deutschland-Vertriebsleiter Jürgen Schlögler die Stärkung der Marktposition auf dem Heimatmarkt als derzeit wichtigste Aufgabe.
Furnierwerk Anton Luib KG Nachfolger
Aufgrund der steigenden Nachfrage hat Adler Ende März in eine fünfte Gattersäge für die Deckschichtenproduktion investiert.

Inlandsgeschäft wird mehr

Das vergangene Jahr ist mit einer Steigerung der Absatzmenge um 15% bei steigenden Durchschnittspreisen für Adler Fertigparkett positiv verlaufen. Für den Zuwachs war neben dem Objektgeschäft vor allem auch die gute Entwicklung im Inland verantwortlich. Das fest im Allgäu verwurzelte Familienunternehmen kommt seit Jahren auf eine Exportquote von mehr als 60%, wobei rund die Hälfte des Exports in deutschsprachige Ausland geht. Nun hat sich erstmals seit langem die Exportquote wieder etwas reduziert, "und das ist uns sehr recht, weil damit eine Stärkung der Marktposition in Deutschland einhergeht", betont Annette Adler.

Der Vertriebsleiter für Deutschland, Jürgen Schlögler, der zuvor bei Bauwerk tätig war, baut momentan den heimischen Markt kontinuierlich weiter auf. "Unser Vorteil in Deutschland ist, dass wir hier bekannt sind und hier produzieren", so Wilhelm Adler. Potenzial sehen die Bayern überall in Deutschland, der Schwerpunkt liegt im Norden und Westen der Republik.

Wir sind gerne die Nummer Zwei

Adler vertreibt zu rund 80% direkt ans Handwerk. Neben vielen kleinen Betrieben finden sich auch 15 bis 20 Objekteure im Kundenstamm. Das verbleibende Fünftel wird in Deutschland mit dem Holz-, Parkett- und Bodenbelagshandel umgesetzt. Fünf Außendienstmitarbeiter und ein Handelsvertreter kümmern sich vor Ort um die deutschen Kunden. Für viele Geschäftspartner ist es wichtig, so Vertriebsleiter Schlögler, dass wir ein kleines familiengeführtes Unternehmen mit Produktionsstätte in Deutschland sind. Schnelligkeit und Flexibilität, aber auch das breite Sortiment an Zwei- und Dreischichtparkett sind die wichtigsten Argumente. Und für ihn und Wilhelm Adler ist auch klar: "Wir sind bei unseren Kunden gerne die Nummer Zwei."


Adler in Kürze

Adler Fertigparkett
Allgäuerstr. 26
87742 Dirlewang
Tel. 0 82 67/9 69 50
www.adler-parkett.com

Geschäftsführer: Wilhelm Adler, Brigit Adler
Profil: Produktion und Vertrieb von Zwei- und Dreischichtparkett mit Nut und Feder
Produktion 2006: 350.000 qmAnteile Zweischicht/Dreischicht: 45/55% (nach Umsatz)
Mitarbeiter: 65 (inklusive Luib KG-Nachfolger)

aus ParkettMagazin 02/07 (Wirtschaft)