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LEED: Zertifizierung in der Kritik


Wird es der Bauwirtschaft zu leicht gemacht, ihre Produkte mit dem Begriff "grün" als umweltverträglich auszuweisen? Ja, betont Thomas Frank in einem Artikel für die amerikanische Tageszeitung USA Today. Der Autor kritisiert darin das international anerkannte Zertifizierungssystem LEED (Leadership in Energy and Environmental Design). LEED-Zertifizierung bedeute keineswegs, dass das Produkt die Umwelt gering beeinflusse, schreibt der Autor. Unabhängige Untersuchungen zeigten, dass in nicht seltenen Fällen Energie noch nicht einmal eingespart werde. Das LEED-System wurde im März 2000 vom U.S. Green Building Council aufgestellt und liefert Gebäudebesitzern eine Grundlage für umweltfreundliche Lösungen bei Bauplanung, Bau, Betrieb und Wartung. LEED-Kommissionen, die sich aus ehrenamtlich arbeitenden Experten der Bau- und Planungsbranche zusammensetzen, bestimmen die Bewertungssysteme.

Der Verband der amerikanischen Holzexporteure (AHEC) schließt sich dieser Kritik an. Fast jedes Bauprodukt solle heute zur besseren Vermarktung mindestens ein Label der Umweltverträglichkeit erhalten. Zu viele Hersteller versuchten daher, auf der grünen Welle mit zu schwimmen. Sie schreckten dabei auch nicht vor zweifelhaften Behauptungen zurück wie "schnelle Erneuerbarkeit" bei Bambus und "Wiederverwendbarkeit" bei Plastik und Metall. Mike Snow, Executive Director beim AHEC: "Der tatsächliche Umwelteinfluss eines Materials kann nicht mit einem einzigen Attribut beschrieben werden. Es wird Zeit, dass Verbraucher und Politiker die kompletten Umweltfußabdrücke der Produkte und Materialien miteinander vergleichen können."

Grüner Anspruch und grüne Farbe sind allgegenwärtige Marketinginstrumente.

Wenn grünes Bauen glaubwürdig sein soll, so Mike Snow, müssten alle Produkte nach gleichen wissenschaftlichen Kriterien gemessen werden. Ein logischer Schritt sei daher die Einführung von "Life Cycle Assessment", der Beurteilung eines Produkts und seines Energieverbrauchs über die gesamte Lebensdauer hinweg. Für den Werkstoff Holz seien die dazu notwendigen Hausaufgaben schon erledigt worden: In der ,Seneca Creek Studie habe der AHEC eine umweltbezogene Risikobewertung von amerikanischem Laubholz anfertigen lassen. Die Ergebnisse stünden im Einklang mit Forderungen des FSC.

aus ParkettMagazin 01/13 (Nachhaltigkeit)