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Objekt Spezial - Büros + Verwaltungen

Optimale Einrichtung steigert die Motivation


Die Einrichtung von Büros und Verwaltungen ist für Hersteller von Bodenbelägen, Tapeten, Farben, Stoffen, Sonnenschutz und Licht nach wie vor ein wichtiger Markt. Allein in den acht wichtigsten Bürostandorten Deutschlands wurden im ersten Quartal 2013 rund 600.000m Flächen vermietet, verleast oder an einen Eigennutzer verkauft, Tendenz steigend. Raumausstattungs-Produkte tragen dazu bei, dass in den Büros die Richtlinien für eine gesunde Arbeitsstätte eingehalten werden können. Darüber hinaus sorgen sie aufgrund ihrer Optik für allgemeines Wohlbefinden und erhöhen damit die Kreativität und Motivation der Mitarbeiter.

Mehr als 17 Mio. Menschen arbeiten in Deutschland in einem Büro. Wer sie zu Höchstleistungen anspornen will, sollte nicht nur auf die funktionale Einrichtung und technische Ausstattung des Arbeitsplatzes Wert legen, sondern auch auf die ästhetische. Denn die Umgebung beeinflusst maßgeblich die Motivation und Kreativität der Mitarbeiter. Peter Lech, Planer und Berater für Büroeinrichtungen aus München, rät zu einem ganzheitlichen Gestaltungsansatz, der dem ganzen Menschen gerecht wird und damit dessen Wohlbefinden, Persönlichkeit und Leistungsfähigkeit gleichermaßen fördert. "Der Arbeitsraum wird zum Lebensraum", ist seine Devise. Über diesen gestalterischen Aspekt hinaus regelt die Arbeitsstättenverordnung die rechtlichen Anforderungen.

"Emotionen vermitteln"

Nach Ansicht Lechs sind die Raumplanung und ein durchgängiges Farbkonzept die wichtigsten Voraussetzungen für eine optimale, den jeweiligen Ansprüchen genügende Büroeinrichtung. Im Mittelpunkt müsse dabei die Vermittlung von Emotionen stehen, was am besten über Farbe, Material, Form und Licht zu bewerkstelligen sei. "Farb-entscheidungen können aber immer nur im Rahmen des Gesamtsystems ,Mensch - soziale Bindung - räumlich-materielle Umwelt sinnvoll beurteilt werden", meint der Planer. Die Industrie hält dafür eine riesige Vielfalt an Farbtönen für Wand und Decke bereit - auch außerhalb des Büro-üblichen Grau-Beige-Weiß-Spektrums.

Ein weiteres Gestaltungsmittel sind Tapeten. "Ziel ist es, im Büro eine angenehme Atmosphäre für die dort Arbeitenden zu schaffen. Hier kann die Wand einen dekorativen Beitrag leisten", betont Martin Hisge, Vertriebsleiter der Objektschiene Architects Paper bei A.S.Création. Er stellt fest, dass Büroeinrichter bei der Tapetenfarbe mutiger werden, allerdings nach wie vor nicht zu "lauten" Tönen griffen. Hisge macht auch darauf aufmerksam, dass Wandbeläge und Drucktapeten nicht nur optisch für Wohlbefinden im Büro sorgen. Es gebe inzwischen auch lärmdämmende Materialien für Wand und Decke.

Akustik ist zentrales Thema

Die Akustik spielt nach Auffassung von Peter Lech ohnehin eine zentrale Rolle bei der Büroeinrichtung zu. Schließlich halte der Trend zu Großraumarbeitsplätzen und Büros für mehrere Mitarbeiter an. "Lärm und visuelle Unruhe belasten die Konzentrationsfähigkeit", sagt er. Eine Studie vom Verein Deutscher Ingenieure schätzt die daraus resultierenden Leistungseinbußen auf 20 bis 30 %.

Um dies zu verhindern, empfiehlt Lech besonders Teppichböden. Der Belag ist eine verhältnismäßig kostengünstige Lärmschutzmaßnahme. Er reduziert den Raum- beziehungsweise Gehschall gegenüber Hartbelägen um bis zu 35 %. Teppichböden fungieren als poröse Absorber. Sie haben im Vergleich zur sonstigen Raumausstattung eine große Fläche und eine spezielle Oberflächenstruktur und schlucken daher viel Schall. Hartbeläge hingegen reflektieren aufgrund ihrer glatten Oberfläche die Schallwellen. Auch die Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG) betont, dass Teppich- und Kunststoffböden im Unterschied zu harten Böden schallabsorbierend wirken.

In Büros spielt der Frequenzbereich der menschlichen Stimme zwischen 150 und 500 Hz eine große Rolle. Von der Teppichbodenindustrie extra für die Anwendung in Büros entwickelte Akustikkonstruktionen wie etwa spezielle Teppichbodenrücken sind darauf ausgelegt, Lärm in diesem Bereich zu tilgen. Das Carpet Concept Acoustic System (CAS) beispielsweise sorgt mit seinem besonders hohen Grad an Schallabsorption für eine ausgeglichene Raumakustik und gewährleistet konzentriertes Arbeiten mit ergonomisch sinnvoller Hörsamkeit.

"Neben der raumakustischen Wirkung punkten Teppichböden in Büros mit ihrer textilen Anmutung, Wertigkeit, Tritt- und Rutschsicherheit sowie ihren Vorteilen bei den Unterhaltskosten", zählt Anker-Geschäftsführer Gerhard Hoffe auf. Wesentlich für den Erfolg seien zudem Farben und Dessins sowie die Vorzüge der individuellen und kreativen Bodengestaltung und der einfachen und schnellen Verarbeitung.

Inzwischen lassen sich Arbeitgeber auch zunehmend auf Büroeinrichtungen ein, die farblich mutiger gestaltet sind wie ein Beispiel aus Peter Lechs Referenzliste zeigt.Foto: Kinnarps GmbH Materia
Einrichtungsexperte Peter Lech hat viel Erfahrung mit der Ausgestaltung von Büros. Er plädiert für einen ganzheitlichen Gestaltungsansatz.

Natürlich sorgen auch Rollo oder Lamellenvorhang am Fenster sowie die textile Bespannung von Lärmschutzwänden dafür, dass der störende Nachhall gemindert wird.

Schutzziele statt Grenzwerte

Nach wie vor fehlt es aber an gesetzlich verbindlichen Grenzwerten für die Lärmbelastung im Büro. Lediglich Schutzziele sind in der Arbeitsstättenverordnung festgesetzt. Diese legt fest, was der Arbeitgeber beim Einrichten und Betreiben von Arbeitsstätten zu beachten hat, um Sicherheit und Gesundheitsschutz zu gewährleisten. "In Arbeitsstätten ist der Schalldruckpegel so niedrig zu halten, wie es nach Art des Betriebes möglich ist", heißt es in der Verordnung. Demnach sollte im Büro ein mittlerer Schalldruckpegel von 35 bis 45 dB (A) herrschen, höchstens dürften 55 dB (A) erreicht werden.
Durch solche flexiblen Vorschriften soll den Betrieben Spielraum für an ihre individuelle Situation angepasste Arbeitschutzmaßnahmen gegeben werden. Um die Anwendung der Arbeitsstättenverordnung in der Praxis zu erleichtern, erarbeitet der Ausschuss für Arbeitsstätten erläuternde, rechtlich nicht verbindliche Technische Regeln für Arbeitsstätten (ASR), die den Stand der Technik, Arbeitsmedizin und Arbeitshygiene wider geben. Wenn sich der Arbeitgeber daran hält, wird die zuständige Überwachungsbehörde die getroffene Arbeitsschutzmaßnahme nicht beanstanden.

Außer für den Lärmpegel gibt es auch Regeln für die Raumtemperatur. Demnach ist ein Raum nicht als Arbeitsraum geeignet, wenn die Lufttemperatur darin 35 C überschreitet. Bei leichter Arbeit im Sitzen sollte die Raumtemperatur bei 20 C liegen, bei mittelschwerer Arbeit im Sitzen bei 19 C. Allgemein legen die ASR eine Höchsttemperatur von 26 C an Arbeitsstätten fest. Führt die Sonneneinstrahlung durch Fenster, Oberlichter und Glaswände zu einem Überschreiten dieser Temperatur, sollten wirksame Sonnenschutzsysteme eingebaut werden. Als Beispiele nennen die Technischen Regeln Jalousien, die das Fenster von außen beschatten, im Zwischenraum der Verglasung angeordnete reflektierende Vorrichtungen, innenliegende hochreflektierende und helle Sonnenschutzvorrichtungen und Sonnenschutzverglasungen. Die Hersteller bieten ein breites Sortiment an. Ihre Produkte sorgen dafür, dass entsprechend den Regeln eine ausreichende Tageslichtversorgung gewährleistet ist und gleichzeitig störende Blendung und übermäßige Erwärmung vermieden werden.

Darüber hinausgehende Maßnahmen sollte der Arbeitgeber treffen, wenn die Lufttemperatur im Raum mehr als 30 C beträgt. Als Beispiele werden die effektive Steuerung des Sonnenschutzes wie geschlossene Jalousien nach der Arbeitszeit, Lüftung in den frühen Morgenstunden, Nutzung von Gleitzeitregelungen, Lockerung der Bekleidungsregeln und die Bereitstellung von Getränken genannt.

"Beschäftigte müssen ohne Beeinträchtigung ihrer Sicherheit, ihrer Gesundheit und ihres Wohlbefindens ihre Arbeit erledigen können", heißt es in der Arbeitsschutzverordnung. Die Hersteller von Bodenbelägen, Farben, Tapeten und Stoffen tragen dazu bei, dass diese Maxime eingehalten werden kann und mit effektivem Sonnenschutzmanagment auch die Energiekosten für Heizen und Kühlen sinken.

Dabei können sie sich darauf verlassen, dass auch in Zukunft neue Büros eingerichtet werden. Darauf lassen entsprechende Zahlen von BNP Paribas Real Estate schließen, nach denen an den acht wichtigsten deutschen Bürostandorten Berlin, Düsseldorf, Essen, Frankfurt, Hamburg, Köln, Leipzig und München im ersten Quartal 2013 knapp 600.000 m Bürofläche umgesetzt, also vermietet, verleast oder an einen Eigennutzer verkauft wurden. Dieses Ergebnis liege zwar um 7 % unter dem Vorjahresquartal, jedoch im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre, so der Immobilien-Dienstleister. Für die zweite Jahreshälfte erwarten die Analysten mit einer Belebung der Konjunktur wieder ein Anziehen der Flächenumsätze. Auch der Leerstand werde weiter abgebaut.

aus BTH Heimtex 06/13 (Tapeten, Wandbeschichtungen)