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Baumwollproduktion

China bestimmt das Preisniveau


Bremen. Hohe Preise trotz hoher Erntemengen: Die Baumwolle verliert weiter an Konkurrenzfähigkeit. Das liegt auch an der Reservepolitik Chinas, die sich nur sehr langsam ändert.

China bleibt weiterhin der entscheidende Faktor für die globale Baumwollproduktion und -verarbeitung: "Das Preisniveau dürfte sehr davon abhängen, in welchem Tempo China seine Baumwollvorräte in den Markt fließen lässt", heißt es in einer Prognose für die Saison 2014/15 im aktuellen Jahresbericht der Bremer Baumwollbörse.

Seit Jahren hortet Peking große Mengen seiner Erntebestände, obwohl parallel zur eigenen Produktion jährlich noch rund zwei Millionen Tonnen importiert werden; das soll die Preise für die heimischen Bauern stabil halten. Allerdings ist die Produktion im Reich der Mitte aktuell rückläufig: Wurden in der Saison 2011/12 rund 7,4 Millionen Tonnen Baumwolle in China geerntet, waren es 2012/13 nur noch 7 Millionen Tonnen - Tendenz weiter sinkend. Gleichzeitig ist China weltweit der mit Abstand größte Baumwollverbraucher. Bei weiterhin hohem Bedarf und sinkender Produktion könnte ein Abbau der Lagerbestände zu globalen Preissenkungen führen, doch genaue Voraussagen lassen sich bei der undurchsichtigen Politik Chinas nicht treffen.

Die Erwartungen für die nächste Ernte liegen bei 6,7 Millionen Tonnen. "Die chinesische Baumwollproduktion hat ihre Grenzen derzeit erreicht, aufgrund von Verstädterungsprozessen und durch Wirtschaftswachstum verursachtem Arbeitskräftemangel", heißt es im Bericht der Baumwollbörse. "Die hier entstehenden Lücken bieten Marktoptionen für erhöhte Produktion in Brasilien, Afrika und den USA."

An der marktbeherrschenden Stellung Chinas bei der Produktion der Baumwolle (Weltmarktanteil: 27 %) wird sich vorerst wohl nichts ändern. Zum Vergleich: Indien erzeugt 21,6 % der weltweiten Baumwollernte, die USA 14,3 %. Damit entfallen zwei Drittel der Produktion auf diese drei Länder. Bei der Verarbeitung liegen die Chinesen mit einem Marktanteil von 35,6 % noch deutlicher vor Indien (20,2 %) und Pakistan (10,0 %).

Die chinesische Baumwollproduktion stößt an ihre Grenzen.
Das könnte Staaten wie Brasilien neue Marktchancen eröffnen.

Foto: Bremer Baumwollbörse
Der Anteil der Baumwolle am Gesamtfaserverbrauch sinkt - Polyester ist konkurrenzfähiger.

Foto: Bremer Baumwollbörse


In der Saison 2011/12 wurde mit weltweit mehr als 27,4 Millionen Tonnen die höchste jemals eingefahrene Menge an Baumwolle produziert; bereits seit 2010 waren die Preise extrem gestiegen, so dass viele Farmer auf den wirtschaftlich attraktiven Anbau der Naturfaser setzten. Nach dem folgenden Preisrückgang fiel das Erntevolumen 2012/13 wieder auf unter 26 Millionen Tonnen, bilanziert die Bremer Baumwollbörse. Die globale Anbaufläche für Baumwolle schwankt seit über 60 Jahren zwischen 28 und 36 Millionen Hektar. Die Baumwollernte der Welt hat sich seit 1950 jedoch von 6,7 Millionen Tonnen auf das heutige Niveau vervierfacht. Deutlich verbesserte Anbaumethoden, besseres Saatgut und nicht zuletzt die umstrittene Gentechnik trugen hierzu bei. Der Anteil der alternativ nach biologischen und fairen Standards produzierten Baumwolle ist weiterhin verschwindend gering: Er lag 2011/12 bei 2,9 Prozent.

Die Prognose der Bremer Baumwollbörse für die weltweite Baumwollverarbeitung liegt für 2014/15 bei 25 Millionen Tonnen. Auch hier wirkt sich das durch die großen Lagerbestände Chinas verursachte hohe Preisniveau aus: "Die weltweite Verarbeitung wird durch die Reservepolitik der Chinesen begrenzt, da die Baumwollpreise derzeit deutlich über den Polyesterpreisen gehalten werden", so die Börse. "Die Polyesterpreise waren 2011/12 rückläufig und somit war Polyester konkurrenzfähiger als Baumwolle." Der Anteil der Baumwolle am Gesamtfaserverbrauch lag 2012 bei geschätzten 31,5 % (2011: 33). Damit hat er sich in den vergangenen 50 Jahren mehr als halbiert.

Ein Trend, der sich auch in Deutschland deutlich ablesen lässt: 2012 sank der Import von Rohbaumwolle hierzulande gegenüber dem Vorjahr dramatisch auf 43.524 Tonnen (2011: 54.951) - ein Minus von 20,8 %. Größter Lieferant war die Türkei mit einem Anteil von 14 % oder 6.134 Tonnen vor Israel (11,4 % bzw. 4.968 Tonnen). Die Einfuhr von US-Baumwolle in die Bundesrepublik ging hingegen gegenüber dem Vorjahr um 56 Prozent auf 3.983 Tonnen zurück.

aus Haustex 09/13 (Fasern, Garne)