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Louise Campbell entwirft

"Das Haus Interiors on Stage"

Für die dritte Auflage des Designprojekts "Das Haus - Interiors on Stage" konnte die Kölner Möbelmesse die dänische Designerin Louise Campbell gewinnen. Ihre Vision spielt mit den Dimensionen und setzt auf Flexibilität. Gleichzeitig gibt es einen feminin-mütterlichen Aspekt, denn Campbell stellt sich das Haus der Zukunft als eine große Umarmung für seine Bewohner vor.

Zum mittlerweile dritten Mal bietet die Kölner Möbelmesse mit dem Designprojekt "Das Haus - Interiors on Stage" eine große Bühne für die Wohnvisionen bekannter internationaler Designer. 2014 wird die Dänin Louise Campbell als Guest of Honour ihre Vorstellungen inmitten der Halle Pure Village auf rund 240 m2 umsetzen.

Das Publikum darf jetzt schon gespannt sein: Angekündigt werden ein Gegenentwurf zur klassischen 3ZiKDB-Wohnung und das Spiel mit Maßstäben und Erwartungen.

Campbells Entwurf für die Imm Cologne 2014 zeigt einen Raum ohne Wände, der nach drei Seiten durch textile Bespannung überwiegend geschlossen, zur vierten hingegen gänzlich geöffnet ist. Innen gibt ein Rasterständerwerk dem Raum Struktur. Eine galerieartig eingezogene, nicht zugängliche zweite Ebene deutet Rückzugsräume an. "Das Haus kann als ein großes Möbelstück gesehen werden. Es ist eine große Lagereinheit für Menschen. Oder man könnte auch sagen: ein Regal fürs Leben", wählt die Dänin einen interessanten Vergleich.

Imm Cologne
Mit dem Entwurf von Louise Campbell bekommt "Das Haus" erstmals eine zweite Ebene.
Imm Cologne
Passend zur Einrichtungsmesse Imm sieht Campbell das Haus der Zukunft als "Regal fürs Leben".
Imm Cologne

Louise Campbell zur Person


Louise Campbell wurde 1970 in Kopenhagen geboren und machte in den 1990er Jahren Abschlüsse sowohl am London College of Furniture wie auch an der Royal Danish Academy of Fine Arts. Seit 1996 betreibt sie ihr eigenes Designstudio, in dem drei Grundregeln gelten: 1. Fange immer bei Null an; 2. Alles ist möglich bis das Gegenteil bewiesen ist; 3. Für jede einzelne Entscheidung muss es einen guten Grund geben. Im Spannungsfeld zwischen traditionellem Minimalismus und einem eher verspielten Ansatz mit viel Mut zum Experiment in Formgebung und Materialeinsatz entstehen dort in erster Linie Möbel und Leuchten, die durch klare Formen ebenso wie durch eine emotionale Ästhetik ansprechen. Die Ergebnisse sind keinesfalls nüchtern, sondern verströmen bei aller formalen Stringenz auch Wärme und zeigen eine verspielte, manchmal sogar humorvolle Art, mit der Alltagsgegenstände neu interpretiert werden. Zuletzt hat sich Campbell verstärkt auch mit Produkt- und Interior Design befasst.

Louise Campbell ist für schöne Lampen und Accessoires, filigrane Sessel und dekorative Interieurs bekannt. Mit ihrer Inszenierung in Köln wird sie der Designwelt eine andere Seite von sich zeigen. Ihr "Haus" soll mit verschobenen Größenverhältnissen, einem für große Räume erdachten Lichtkonzept und einem konzeptionellen Ansatz überraschen, der Maße und Messinstrumente zum Thema macht.

Wobei es der Designerin vor allem um das richtige Maß der Dinge geht: ",Das Haus handelt vom Wechsel der Geschwindigkeiten wie auch vom Wechsel des Maßstabs. Der Titel ,0-100. (Made to measure.) "Ein Haus zum Maßnehmen", Anm. der Redaktion bezieht sich auf die Akribie, mit der wir Designer arbeiten, um etwas perfekt und auf den Millimeter genau hinzukriegen. Er bezieht sich darauf, dass meine Version auf die leicht ungewöhnlichen Dimensionen des vorgegebenen Raums maßgeschnitten ist. Er bezieht sich auf Messinstrumente, weil man sie bei näherem Hinsehen in fast allen Räumen einer Wohnung - in Küchen, Bädern und Arbeitsräumen - findet. Er bezieht sich stark auf das Maßnehmen und Abwägen von Prioritäten, um im Leben eine Balance zu finden, obwohl wir täglich umschalten müssen zwischen höchster Aktivität und absoluter Ruhe. Und ,Das Haus ist eine Plattform für Präzision und Sicherheit, denn eine verlässliche Basis gibt einem die Freiheit, so ziemlich alles zu tun, was man will", formuliert es Louise Campbell selbst.

Ehrlich soll "Das Haus" sein durch die Verwendung natürlicher Materialien und formale Schlichtheit. Und offen soll es sein, sowohl in Hinsicht auf die Raumstruktur wie auf die Geste, mit der es die Besucher willkommen heißt. "Es ist ein Mutter-Haus. Es sagt: Komm herein, machs dir gemütlich. Ich stelle es mir wie eine große Umarmung vor."

aus BTH Heimtex 12/13 (Wirtschaft)