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Bernhard Lysser, ISP:

So kommen Holzterrassen gut durch den Winter

Will sich der Hausbesitzer im nächsten Frühjahr wieder an seiner schönen Holzterrasse erfreuen, sollte er rechtzeitig Maßnahmen ergreifen, um das Holz vor starken Feuchte- und Temperaturschwankungen zu schützen. Was kann dazu beitragen, die Lebensdauer einer Holzterrasse über diesen und weitere Winter zu verlängern? Parkett im Holzhandel fragte Bernhard Lysser, den Oberexperten der Interessengemeinschaft der Schweizer Parkettindustrie (ISP) und weit über die Schweiz hinaus anerkannten Fachmann.

1. Reinigung


Eine Holzterrasse sollte vor dem Winter gründlich gereinigt werden. Lysser empfiehlt, neben Laub und Schmutz vor allem Vermoosungen gründlich und sorgfältig zu entfernen. Dabei muss auch der Freiraum unter den Terrassendielen - sofern ein Zugang ohne besondere Maßnahmen möglich ist - einbezogen werden. Zwischen der Trägerkonstruktion lagern sich Blätter und Schmutz ab, auch Kleintiere und Insekten können dort Schutz suchen. Weil dadurch der Wasserabfluss
gehemmt wird, kann eine Trägerkonstruktion aus Holz großen Schaden nehmen. Darüber hinaus muss eine gute Unterlüftung der Holzbodenkonstruktion jederzeit gewährleistet sein. Luftein- und Auslässe sind zu reinigen und freizuhalten.

2. Konstruktiven Aufbau prüfen


Bei geschraubten Konstruktionen sind die Schrauben nachzuziehen, beschädigte Halterungen sollten ausgewechselt werden. Gleiches gilt für Klick- und andere schraubenlose Verbindungen. Möbel, Pflanzkübel und ähnliches sollten vorm Winter abgeräumt werden. Bernhard Lysser: 'Ideal ist eine völlig freie Terrassenfläche. Unter Kisten und dergleichen trocknet während der Winterzeit gar nichts mehr." Dort könne sich Feuchte sammeln, die bei Frost irreparable Schäden am Holz verur-sacht. Zudem würde feuchtes Holz schneller altern, und bei Dauerfeuchte besteht auch die Gefahr von Fäulnis und Pilzbefall.

3. Oberflächen nachbehandeln


Terrassendielen sind zum Ende des Sommers in der Regel knochentrocken. Empfehlenswert ist daher, die Dielen dann nachzuölen. Dazu ist es nötig, die Oberflächen gründlich zu bürsten, entweder von Hand oder maschinell. Die Nachbehandlung mit Terrassen-Öl erfolgt nach dem vollständigen Abtrocknen der Terrassendielen. Dann kann das Öl tiefer ins Holz eindringen und dadurch eine bessere Schutzwirkung entfalten. Durch die Tiefenwirkung des Öls werde auch möglicher Pilzbefall weitgehend vermieden. Im Frühjahr kann die Terrasse dann mit entsprechend weniger Aufwand gereinigt, behandelt und für die Sommersaison vorbereitet werden.

ISP Interessengemeinschaft der Schweizerischen Parkett-Industrie
Wer zu träge für die Herbstarbeit ist, belässt es bei einfacher Reinigung und natürlicher Vergrauung. Lysser: "Die Lebensdauer eines Outdoor-Belages wird ohnehin nicht über Generationen gerechnet. Nur das regelmäßige Reinigen und Entfernen von Blättern und Schmutz ist immer empfehlenswert."
ISP Interessengemeinschaft der Schweizerischen Parkett-Industrie
ISP Interessengemeinschaft der Schweizerischen Parkett-Industrie
ISP Interessengemeinschaft der Schweizerischen Parkett-Industrie

Fachbegriff Delignifizierung was ist das ?


Durch die Bewitterung, vor allem durch die intensive UV-Strahlung im Sommer, aber auch durch Regen und anschließende Trocknung, wird die oberste Holzschicht "zerstört". Das Lignin wird aus dem Holz herausgelöst und zersetzt. Reine Holzfasern bleiben zurück. Daraus resultieren watteähnliche Bäuschel und Ablagerungen.

Mitunter sehen diese Holzfasern aus wie Pilze. Das ist aber nicht der Fall. Das Zersetzen des Lignins und Freigeben der Holzfasern, die vergraut auf der Terrassenoberfläche auftreten, wird als Delignifizierung bezeichnet. Lysser: "Dies ist kein Schaden, sondern ein natürlicher Prozess im Außenbereich. Die hellen Holzfasern können durch Bürsten abgetragen werden. Danach ist die Holzoberfläche wieder sauber und kann bei Bedarf nachbehandelt werden."

Erfolgt keine Öl-Nachbehandlung, komme es zumeist zu einer Vergrauung des Holzes, die eingeschränkt auch als Holzschutz wirkt. Auf keinen Fall sollte aber nicht auf das Entfernen von Schmutz und Blättern verzichtet werden.

Möglich ist, all diese Arbeiten bis zum Frühjahr aufzuschieben. Allerdings ist dann mit deutlich mehr Aufwand zu rechnen. Etwa ab April / Mai kann die Terrasse gründlich gereinigt und nachbehandelt werden. Zu berücksichtigten ist allerdings, dass das Holz im Frühjahr, wenn die Holzfeuchte am höchsten ist, nur wenig Öl aufnimmt. Während des Sommers kann daher ein zusätzliches Nachölen notwendig werden. Darüber hinaus stellt Lysser klar: 'Viele Holzterrassen werden aber nie nachbehandelt und im natürlichen Grau/Silberton belassen. Auch das ist möglich."

4. Welches Öl für die Terrasse?


Eine Nachbehandlung erfordert zwingend ein Terrassenöl, das für den Außenbereich konzipiert ist. Als geeignet erweisen sich pigmentierte Öle, da die Farbpigmente im Öl einen besseren UV-Schutz bieten als reine Öle. Ohne Pigmente tritt die Vergrauung im Holz schneller ein. Pigmentierte Öle können in sehr vielen Farben bezogen werden und das Terrassenöl kann der Holzgrundfarbe angepasst werden. Einen sehr breiten Einsatz finden aber auch teakfarbene Öle, da diese nur wenig Pigmente aufweisen und farblich nahezu neutral bleiben. Weniger geeignet sind Lasuren. Anfänglich wirken sie filmbildend und schützen das Holz im Winter gut, im Sommer aber blättern sie häufig ab. Lasiertes Holz kann dann nur noch mit großem Aufwand nachbearbeitet werden.

aus Parkett im Holzhandel 05/13 (Wirtschaft)