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UV-Härtung von Fußbodenlacken mit LED?

Industriellen Standard auf der Baustelle erreichen


In der industriellen Produktion erhalten oberflächenfertige Parkettböden einen mehrschichtigen UV-Lackauftrag. Fünf bis sieben Schichten sind es üblicherweise, dazwischen noch der Zwischenschliff. Das erfolgt im Durchlauf und bedeutet: jede Lackschicht muss sehr schnell trocknen. Das geschieht in der Regel mit Quecksilber- oder Galliumlampen (Mitteldruckstrahler). Moderne Konkurrenz erhalten diese Trocknungsquellen durch LED-Lampen. Auch auf der Baustelle könnte die LED-Technologie bald ankommen. Dort können UV-härtende Lacke bereits vor Ort aufgebracht und sofort getrocknet werden. Das ist weniger ein Geschäft für den Neubau, denn 80 % aller verlegten Parkette sind werksseitig beschichtet, aber der Renovierungsbereich ist ein dankbarer Kunde.

LED-Lampen liefern ihre Wirkung stabil über eine lange Lebensdauer, verbrauchen deutlich weniger Strom und Platz und lassen als "kalte" Strahlungsquelle weder Brandgefahr noch Ozon entstehen. Für die Leistung ist aber nicht ihre Wattzahl entscheidend, sondern der Arbeitsabstand. Die LEDs sind nur effektiv, wenn das Bodenelement ganz dicht und glatt unter ihnen hindurch läuft. Dreidimensionale oder geschüsselte Werkstücke können diese Station nicht passieren. Als Ausweg offeriert ein Lampenhersteller wie Heraeus Noblelight der Industrie eine Kombination von Strahlertechnologien: den Quecksilberstrahler UV-C-Cure 254nm und das LED-System Noblecure.

Zeitdruck ist das eine, Qualität das andere. Die UV-Strahlungshärtung im mobilen Einsatz schafft Oberflächeneigenschaften, die an industrielle Standards heranreichen. Verschiedene Lackhersteller bieten solche Systeme an (Saicos Dry-Max, Lobacure WS Rush, Pallmann X-light). Eine Grundierung zur wirksamen Reduzierung der Seitenverleimung ist Voraussetzung, meint Dr. Jörn Haferkorn, Leiter der Forschung & Entwicklung bei Loba. Die dann zum Einsatz kommenden UV-härtenden Parkettlacke sind Dispersionen mit einem Festkörperanteil um die 40 %. Ein kommerzieller UV-Strahler mit Quecksilber-Mitteldruckstrahlern trocknet eine so beschichtete Fläche in einem Tempo von 8-10 m/min. Es ist daher weniger eine Frage der Effektivität als vielmehr des ökologischen Anspruchs, ob künftig LED-Lampen als Strahlungsquelle genutzt werden sollen.

Einen ökologischen Vorteil haben UV-härtende Parkettlacke bereits selbst. Sie benötigen weit weniger Lösungsmittel als lufthärtende Lacke. Die lackierte Fläche, so Dr. Haferkorn, sei nach erfolgter UV-Bestrahlung nicht nur vollständig nutzbar, sie weise auch eine um 80 - 85 % niedrigere Emission in den ersten 24 Stunden nach dem Auftrag auf. Außerdem sind die UV-Lacke mit abgestimmter Grundierung für alle Holzarten einsetzbar.

Dr. Jörg Haferkorn (Loba): "Bei stärkerer Marktdurchdringung werden sich Materialkosten insbesondere für mobile Strahlungsgeräte moderater gestalten."

Ob eine Bestrahlungstechnik mit UV-LED Sinn macht, hat das Institut für Holztechnologie Dresden untersucht. Das Resultat: Bei niedrigen Vorschubgeschwindigkeiten in der LED-Bestrahlungseinheit von 5 m/min. wurden Oberflächeneigenschaften erzielt, die den mit einem Quecksilberstrahler gehärteten Oberflächen gleichen. Die Chemikalienbeständigkeit wurde als gut bewertet. Die Mikrohärte der Beschichtung ist jedoch nicht von der Strahlerart, sondern von der Lackformulierung abhängig.

Dr. Mario Beyer, Ressortleiter Chemie beim IHD: "LED-UV-Strahler der neuen Generation kommen durchaus als Alternative zu Quecksilberstrahlern in Frage, wenn die Lackrezepturen an die Bestrahlungsbedingungen angepasst sind. Für einen Einsatz in mobilen Geräten sind jedoch noch weitere technische Randbedingungen zu klären." Und kommt man dem Handwerker mit den Argumenten der Nachhaltigkeit und Ökologie, reicht ihm ein Blick auf die Kosten. Die sind gut und gern doppelt so hoch wie bei einer herkömmlichen Fußbodenlackierung vor Ort. Das zahlt ein End- oder Objektkunde nur, wenn er stark unter Zeitdruck steht oder Geld keine Rolle spielt.

aus ParkettMagazin 01/14 (Farben, Lacke)