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Heimtextil 2014

Messe bilanziert mehr Aussteller und mehr Besucher


Frankfurt. Gefühlt weniger, tatsächlich mehr Besucher: Die Heimtextil 2014 war erneut der Branchentreffpunkt des Jahres. Dabei waren die Vorzeichen mit Umsatzrückgängen bei Bettwaren- und Matratzenherstellern nur bedingt günstig. Gleichwohl: An den Ständen herrschte gute Stimmung, die selbst die angespannten Preise bei Baumwolle und Daunen nicht wirklich trüben konnte. Ein wichtiges Gesprächsthema war für viele die Entwicklung des Onlinehandels.

Fast hätte man angesichts der lauschigen zweistelligen Temperaturen meinen können, der Termin der Frankfurter Heimtextil sei in den Frühling verlegt worden. Doch ganz im Gegenteil: Früher als in diesem Jahr geht es nicht. Die Messe selbst verlief dafür relativ unspektakulär, was aber auch keine schlechte Nachricht ist. "Die letzten Jahre verliefen für die Hersteller eher stabil, was wir durchaus zu schätzen wissen", erzählte beispielsweise ein Aussteller, der auch schon andere Zeiten erlebt hat.

Vergleicht man das vergangene Jahr wirtschaftlich mit dem Jahr 2012, so kann man die Entwicklung der deutschen Haustexil-Branche vielleicht noch als gut bewerten, aber bestimmt nicht als sehr gut. Obwohl die wirtschaftlichen Fundamentaldaten gewiss nicht schlechter waren als 2012, hakte es bei der Konsumnachfrage doch an der einen oder anderen Stelle. Die Bettwaren-Anbieter kamen mit einem leichten Minus aus dem Jahr, die Matratzenanbieter mussten nach den vorläufigen Zahlen des Möbelverbandes wahrscheinlich ein prozentual zweistelliges Minus hinnehmen. Lediglich die Bettwäsche-Hersteller waren nach eigenem Bekunden mit 2013 zufrieden. Warum sich das Jahr so entwickelte? Trotz zahlreicher Nachfragen bei Branchenteilnehmern, die es eigentlich wissen müssten, gab es keine schlüssige Antwort darauf.

Eines war aber doch zu erfahren: Das Nachfrageproblem lag eher bei der Großfläche, also den Möbelhaus-Filialisten sowie den Discountern wie Matratzen Concord. Der Bettenfachhandel und die inhabergeführten, kleiner strukturierten Möbelfachgeschäfte scheinen das Jahr doch mehr oder weniger erfolgreich abgeschlossen zu haben. Beratungskompetenz, Servicebereitschaft und ein höherwertiges Sortiment sind einfach Vorteile, die in einem durchschnittlichen Möbelhaus eher selten zu finden sind. Die Fachhändler, mit denen die Haustex in Frankfurt sprach, waren darum auch entsprechend frohgestimmt zur Heimtextil angereist - eine gute Voraussetzung für eine erfolgreiche Messe.

Am Ende zeigte sich auch die Messe Frankfurt zufrieden mit den erreichten Ergebnissen. Vorab konnte die Zahl der Aussteller im vierten Jahr in Folge leicht gesteigert werden, von knapp 2.469 auf 2.718. Das ist immerhin ein Plus von zehn Prozent. Allein im Vorjahresvergleich lockte die Heimtextil rund 100 Aussteller mehr zur Heimtextil, etwa die Hälfte davon aus Europa. Es scheint ein gutes Zeichen zu sein, dass für den Fachhandel so wichtige Firmen wie Möve Frottana oder Centa Star wieder in Frankfurt ausstellen. Und dem Vernehmen nach erwägt ein weiteres Branchen-Schwergewicht, 2015 ebenfalls wieder auf der Heimtextil auszustellen.

Natürlich gibt es auf der anderen Seite auch Firmen, die im vertraulichen Gespräch immer wieder mal die Sinnhaftigkeit einer Messebeteiligung hinterfragen. Letztlich entscheiden sie sich dann aber doch wieder dafür, im nächsten Jahr erneut auszustellen. Und das hat seinen Grund: Wo sonst träfe man ein so geballte fachliche Kompetenz? "Neben den erfreulichen Eckdaten untermauern die inhaltliche Qualität und das enorme Produktspektrum der Heimtextil ihre Alleinstellung als weltweite Leitmesse für Wohn- und Objekttextilien", stellt darum auch Detlef Braun fest, Geschäftsführer der Messe Frankfurt.

Auch bei der Zahl der Besucher ging es wieder ein wenig aufwärts. In diesem Jahr registrierte die Messe knapp 67.000 Besucher, gegenüber 65.835 im Vorjahr. Vor einigen Jahren konnte die Heimtextil allerdings noch ganz andere Besucherzahlen melden. 2007, man lese und staune, meldete die Messe Frankfurt noch rund 89.000 Besucher. Aber das war auch vor dem Bankencrash und der Weltwirtschaftskrise.

Es ist also kein Wunder, wenn die Aussteller auch in diesem Jahr wieder über eine zumindest gefühlt rückläufige Besucherfrequenz klagten. Der erste Messetag fing für die Aussteller in Halle 8 allerdings auch eher schwächer an, und zwei starken Mitteltagen folgte dann wiederum ein flauer Sonnabend. Irritierend war zudem für manchen, dass man morgens recht zügig mit dem Auto zur Messe gelangen konnte. Stau auf der Autobahn am Rebstock-Park gab es nicht. Doch daraus auf eine geringere Messeakzeptanz zu schließen, geht fehl. Denn durch den frühen Beginn der Messe fiel die Heimtextil in diesem Jahr in die Zeit der hessischen Weihnachtsferien, sodass einige Berufstätige noch nicht zur Arbeit mussten. Das wirkte sich natürlich auch positiv auf den Fluss des Messeverkehrs aus.

Es ist überdies auch hinlänglich bekannt, dass eine Vielzahl von Besuchern nicht unbedingt gleichbedeutend ist mit qualitativ interessantem Fachpublikum. Ein Messebesuch ist schließlich teuer, selbst wenn die Messe alles im Rahmen ihrer Möglichkeiten unternimmt und beispielsweise mit ihrem Bedn-Excellence-Programm und Gratis-Eintritt dem wichtigen Fachhandel in Frankfurt förmlich den roten Teppich ausrollt. Da trennt sich auf Besucherseite aus Kostengründen schnell die Spreu vom Weizen. Kamen früher selbst aus dem Fachhandel mehrköpfige Delegationen, die häufig auch noch mehrere Tage über die Messe streiften, so beschränkt sich der Messebesuch heute häufig auf einen Inhaber, der außerdem morgens früh anreist und abends wieder zurück fährt. Ob das der Weisheit letzter Schluss ist, bleibt dahin gestellt. Denn schließlich bietet diese Messe eine hervorragende Gelegenheit, auch einmal über den eigenen Tellerrand hinweg zu sehen und sich von der Fülle an Ausstellern inspirieren zu lassen.

Heimtextil Frankfurt
Reges Treiben: An vielen Ständen wurde gut geschrieben.

Das Vortragsprogramm, in diesem Jahr unter dem klingenden Titel "Webchance Academy", war ein weiterer Punkt in dem Bemühen der Messegesellschaft, Publikum zur Messe zu locken. Nach der erfolgreichen Erstauflage im Vorjahr widmete sich das Vortragsprogramm erneut dem Thema E-Commerce. Speziell für Einzelhändler und E-Commerce-Einsteiger präsentierte die Heimtextil ein zweitägige Vortragsprogramm und informierte über erfolgreiches Werben und Verkaufen im Internet. Vor allem die Präsentationen zu erfolgreichen Praxisbeispielen sowie zu rechtlichen Stolpersteinen im E-Commerce sorgten nach Angaben der Messe für volle Reihen und interessante Diskussionen.

An der Messegesellschaft selbst liegt es also nicht, wenn nicht mehr so viele Besucher kommen wie noch vor zehn Jahren. Denn wenn Hotels auf der anderen Seite ihre Preise, wie von einem Aussteller berichtet, zur Messezeit mit dem Faktor 4 und mehr berechnen, muss man sich nicht wundern, dass die Firmen es sich sehr genau überlegen, wie lange man die Messe besuchen möchte und mit wie viel Leuten. Auch wenn dies ein Extrem-Beispiel sein mag: Die Frankfurter Hotellerie arbeitet mit ihrer Abkassier-Mentalität zu Messezeiten definitiv gegen die Heimtextil. Insofern ist es relativ beruhigend, wenn der Haustex-Redaktion von den Ausstellern trotzdem in der großen Mehrzahl berichtet wird, dass man auf seinem Stand die richtigen Entscheider begrüßen konnte und dass auch fast alle wichtigen Kunden gekommen seien.

In der seit langem mal wieder ausgebuchten Haustex-Halle 8 war die Stimmung entsprechend entspannt, obwohl das Klima dort an den ersten beiden Tagen aufgrund der hohen Außentemperaturen auch recht tropisch anmutete. Fast bis in den letzten Winkel hatte die Messegesellschaft die Aussteller dort platziert. Ein prominenter Rückkehrer in der Halle war Centa Star, das sich unter der neuen Inhaberschaft von Herbert Neumeyer einen Stand mit dem Schwester- und Partnerunternehmen Häussling teilte. Somit sind in der Halle inzwischen wieder fast alle für den Bettenfachhandel relevanten Bettwaren-Anbieter vertreten, von den wichtigen Bettwäsche-Anbietern ganz zu schweigen. Die 8 ist und bleibt die wichtigste Anlaufstelle für den Fachhandel.

Ein etwas anderes Thema ist die schöne, aber etwas abseits gelegene Halle 11. Dort sind zweifellos schöne Stände zu finden, die auf den zwei Ebenen recht luftig angeordnet sind. Dort war die Atmosphäre im Vergleich zur Halle 8, mit einigen wenigen Ausnahmen, eher kontemplativ. Die Aussteller in Halle 11 wurden von den Besuchern offenbar mehrheitlich nur gezielt angesteuert. "Seh-Leute", die sich dort nur mal umschauen und schöne Ware und tolle Stände sehen wollten, fand man dort eher selten. Und interessante Marken wie Boss oder Escada, vor zwei Jahren von der Messe noch besonders erwähnt, fanden sich in diesem Jahr nicht mehr in der Halle. Ein illustrer Mode-Namen ist eben kein Garantie-Schein für eine erfolgreiche Vermarktung im Haustextil-Sektor.

Und worüber redete man auf der Heimtextil? Nicht über die Baumwoll-Preise, die sich derzeit auf einem Preislevel eingependelt haben, mit dem alle Beteiligten mehr oder weniger gut leben können - solange nicht China seine enormen Reserven schlagartig auf den Markt wirft. Man redete auch nur bedingt über die exorbitanten Daunenpreise. Jeder Hersteller hat inzwischen für sich eine Strategie entwickelt, damit umzugehen: Preise hoch, oder mehr Entendaunen, oder eine Kombination aus beidem, beispielsweise.

Auffallend war allerdings, wie oft in diesem Jahr bei Gesprächen mit Ausstellern ungefragt das Thema Internet und E-Commerce auf den Tisch kam. Man konnte förmlich darauf warten. Es scheint einigen Unternehmen regelrecht unter den Nägeln zu brennen. Nicht ohne Grund: Nach Schätzungen des BTE erhöhte sich der E-Commerce-Umsatz im vergangenen Jahr um rund zwölf Prozent auf etwa 33 Mrd. Euro. Dieser Handelsbereich wächst damit eindeutig dynamischer als der stationäre Handel und gewinnt somit an Marktanteilen dazu. Mit rund 37 Prozent sind laut BTE Shops am stärksten im Internet vertreten, die Artikel aus dem Produktsegment "Bekleidung, Textilien, Schuhe" anbieten. Einerseits haben die Gesprächspartner deshalb auf der eigenen Agenda, Strategien zu entwickeln, die ihren Handelspartnern den Kampf gegen Amazon und Co. erleichtern. Erste Ansätze gab es dazu bereits vereinzelt zu sehen. Manch anderer zeigte sich allerdings noch recht ratlos. Andererseits wurde aber auch die klare Forderung an die Handelspartner gestellt, dass sie ihrerseits schnellstens überlegen sollten, wie sie sich gegenüber dem Internet am besten profilieren könnten. Eines steht fest: Das Thema wird uns noch länger begleiten.

Ein thematischer Evergreen war auch in diesem Jahr die Terminierung der Heimtextil innerhalb der Messewoche, besonders am letzten Messetag, wen wunderts. Die Haustex-Redaktion wurde von dem einen oder anderen Gesprächspartner fast dringlich gebeten, eine Verlegung des ersten Messetags auf einen Dienstag zu thematisieren. Deren Kalkül: Bei einer Messe von Dienstag bis Freitag würde es eine bessere, zumindest aber ausgeglichenere Durchflutung der Hallen mit Besuchern geben. Dieser Gedanke entbehrt nicht einer gewissen Logik, denn angestellte Einkäufer werden es sich in der Regel verkneifen, den Sonnabend für einen Messebesuch zu opfern. Für Selbständige im Handel ist der Sonnabend wiederum der wichtigste und umsatzträchtigste Tag der Woche. Dann bleibt man lieber im Laden, als sich die Füße auf der Messe zu vertreten. Entsprechend mau ist darum auch die Zahl der Sonnabend-Besucher. Allerdings dürften die Chancen auf eine Verlegung gegen null tendieren, denn traditionell beginnt die Heimtextil nun mal am zweiten Mittwoch im Januar. Und Traditionen haben einfach eine gewisse Eigendynamik.

Zumindest die Heimtextil 2015 beginnt auch wieder am Mittwoch, dann aber fast eine Woche später. Sie läuft vom 14. bis 17. Januar.

aus Haustex 02/14 (Wirtschaft)