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Imm Cologne

Die Matratzen-Branche feiert


Köln. Vor einem Jahr stand hinter der Möbelmesse ein großes Fragezeichen: Wie würde die Kölnmesse 2014 das Kapazitätsproblem im Sleepsegment lösen? Rückblickend kann man nach der Messe in diesem Jahr feststellen, dass Messegesellschaft und Matratzenverband eine gute Lösung gefunden haben. Schade bloß, dass sie nur in diesem Jahr funktionierte, denn für 2015 werden die Karten wieder neu gemischt.

Vor Beginn der imm Cologne kündigte der Kölner Messeveranstalter an, dass der Themenschwerpunkt Sleep in diesem Jahr "größer, schöner und lebendiger" werden und mehr denn je in den Vordergrund gerückt würde. Nach Messeende kann man feststellen: größer: ja; schöner: ja; lebendiger: eher nicht.

Größer

Kölnmesse und Matratzenverband standen im letzten Jahr vor einem Problem: Wie schafft man es, wichtige Aussteller, konkret Tempur und Recticel, im Sleepsegment zu reintegrieren, ohne die anderen Aussteller zu vergrätzen? Beide Unternehmen waren im letzten Jahr aus verschiedenen Gründen nicht in Köln dabei, hatten aber rechtzeitig angekündigt, auf der folgenden Möbelmesse unbedingt wieder dabei sein zu wollen. Da die Halle 9 aber proppevoll war, zeigte sich die Branche gespannt, wie es gelingen würde, die Unternehmen wieder in die Messe einzubinden. Man benötigte schlicht mehr Ausstellungsfläche.

Bei der Suche nach einer Lösung spielte den Beteiligten in die Hand, dass die Sleep-Halle 9 nicht nur randvoll belegt war, sondern dass es obendrein eine Warteliste weiterer interessierter Unternehmen gab, die ebenfalls gerne zur imm Cologne kommen wollten. Außerdem gab es den Wunsch einiger Aussteller, ihren Stand zu vergrößern. Somit bot sich genug Potenzial, um eine weitere Halle zu belegen. Kurzerhand wurde die Halle 5.2 dem Sleep-Bereich zugeschlagen.

Dort fanden nicht nur die wichtigen Player Recticel und Tempur ausreichend Platz für ihre sehr ansehnlichen Stände. Außerdem wechselten Firmen wie Ada, Bast und Veldeman in diese Halle, um sich und ihre Produkte noch größer darstellen zu können. Dass die Qualität und das Niveau der Aussteller sich im hinteren Teil der neuen Halle stärker nach unten bewegte: geschenkt. Schließlich war die damals neue Sleep-Halle 9 in den ersten Jahren auch nicht von vorne bis hinten mit Top-Anbietern bestückt. Und es war andererseits auch recht aufschlussreich, dort osteuropäische Anbieter von Boxspringbetten zu treffen, die im EK bei rund 150 Euro liegen. Es liegt auf der Hand, dass solche Produkte nicht sonderlich nachhaltig sind, aber auch damit muss sich der deutsche Bettenfachhandel im Zweifel auseinandersetzen.

Insgesamt gelang es der Messe mit der Integration der Halle 5.2, mehr als 100 Aussteller aus 20 Ländern in den beiden Sleep-Hallen zu platzieren. Dass Hukla seine Teilnahme kurzfristig abgesagt hat, konnte die Messe insofern ohne Weiteres verschmerzen.

Schöner

Es ist wirklich bemerkenswert, welchen Aufwand mittlerweile auch die Matratzenbranche treibt, um ihre Kunden adäquat zu empfangen und zu bewirten. Die Stände sind häufig nicht nur flächenmäßig üppig, auch optisch haben sie einiges zu bieten. Dass man auch in dieser Branche Farbe wagen kann, demonstrierte beispielhaft die Firma Rummel, die ihren Stand farblich aufgepeppt hatte und das gesamte Standpersonal mit einem bunten Tuch farblich akzentuiert hatte. Und fürs leibliche Wohl der Besucher wird ebenfalls gesorgt, in nicht unerheblichem Umfang. Die Zeiten, wo es mit Kaffee, Wasser und Bahlsen-Keksen getan war, sind offenbar vorbei - zumindest für die Hauptlieferanten der Branche. Und da der Sleep-Bereich zudem um die schönen Ständen von Recticel und Tempur bereichert wurde, kann man durch aus von einer schöneren Möbelmesse als im letzten Jahr sprechen.

Lebendiger

Die Besucher mussten, um sich einen vollständigen Eindruck vom Sleep-Segment zu verschaffen, zwangsläufig sowohl die Halle 9 als auch die 5.2 besuchen. Denn in beiden Hallen gab es Leuchttürme der Branche, die einfach besucht werden mussten und die so für Verkehr in ihrer Halle sorgten. Zwar befanden sich die beiden Hallen nicht "gegenüber", wie die Messegesellschaft im Vorfeld der Messe erklärte, vielmehr lag sogar eine Treppenanlage zwischen ihnen, aber dank Rolltreppe funktionierte die Anbindung zwischen den Hallen trotzdem recht gut. Viel weiter auseinander hätten sie aber auch nicht liegen dürfen.

Allerdings wird die Klientel für das Matratzensegment nicht automatisch mehr, nur weil es jetzt zwei Hallen gibt. Somit verteilte sich der Besucherstrom während der Messe deutlich und vor allem die Anbieter in Halle 9 waren zum Teil deutlich irritiert über die im Vergleich zum Vorjahr leereren Gänge. Lebendiger war die imm Cologne in den Sleep-Hallen somit nicht. Auf der anderen Seite beklagte sich kaum jemand über mangelnde Nachfrage auf dem eigenen Stand.

Imm Cologne
Imm Cologne

Lauter

Am Messedienstag war die Halle 9 spätestens ab 17 Uhr zentraler Anlaufpunkt der Matratzenbranche, denn ab 18 Uhr startete dort wieder die allseits beliebte Branchenparty meet@sleep, eine Mischung aus informellen Gesprächen zwischen Geschäftspartnern und ausgelassenem Tanzvergnügen. Sie besonders zu erwähnen, erübrigt sich eigentlich, denn die Veranstaltung hat sich inzwischen in der gesamten Branche herumgesprochen. Es ist fast zu einem Muss für die Entscheider der Branche geworden, sich dort zu zeigen. Wenn der Nachschub an Kölsch oder an Gläsern aufgrund der hohen Nachfrage ins Stocken gerät, ist das für den Erfolg der Party ein gutes Zeichen. Wie in den Jahren zuvor sorgte eine Live-Band mit einem wahren Temperamentsbündel als Frontfrau und Leadsängerin dafür, dass die Tanzfläche stets gerammelt voll war. Die laute Musik erleichterte zwar nicht die verbale Kommunikation, das störte die Tänzer aber nicht sonderlich. Die letzten Gäste sollen dem Vernehmen nach gegen zwei Uhr morgens die Halle verlassen haben.

Trendiger

Produkttechnisch war im Sleep-Segment zu sehen, womit schon vorab zu rechnen war: Boxspring-Betten in sämtlichen Varianten und Preislagen. Dabei dürfte dieses Schlafsystem bei den Verbrauchern nach Schätzungen von Marktteilnehmern erst einen Anteil von ungefähr zehn Prozent ausmachen. Insofern ähnelt das Verhalten der Anbieter, mit einigen wenigen Ausnahmen, dem der Lemminge: Einer marschiert vorweg und die anderen folgen blindlings. Das kann auf Dauer so nicht gut gehen und über kurz oder lang wird auf der Seite der Anbieter eine Marktbereinigung einsetzen.

Als weiterer Trend, wenngleich noch als relatives zartes Pflänzchen, kristallisiert sich im Schatten der Boxspring-Betten ein Revival der Federkern-Matratze heraus. Die Nachfrage nach dieser alten und bewährten Matratzentechnologie gewinnt allmählich an Fahrt und knabbert an den Marktanteilen der Schaummatratze. Nur böse Stimmen sagen, dass dies eine Reaktion auf die Durchstechereien einiger Schaumlieferanten sei. Schließlich gibt es auch einige Schäumer, die offensichtlich eine ehrliche Produkt- und Preispolitik betrieben haben.

Zahlreicher

Nach den sieben Messetagen zog die Messegesellschaft eine positive Bilanz der Möbelmesse. Die Zahl der ausstellenden Unternehmen belief sich auf 1.209, 30 mehr als im Vorjahr. Es sollen mit rund 120.000 Fachbesuchern etwa 4.000 mehr als vor zwei Jahren gekommen sein. Da in den ungeraden Jahren die Living Kitchen parallel zur Möbelmesse stattfindet, vergleicht die Messe die aktuellen Zahlen immer mit der Messe vor zwei Jahren. Rund 34.000 Besucher sind nach Zählung der Messe aus dem Ausland gekommen, das entspricht einem Anteil von rund 28 Prozent.

"Mit dem aktuellen Wachstum bei Ausstellern und besonders bei den internationalen Besuchern hat die imm Cologne/LivingInteriors wieder bewiesen, dass sie weltweit der Ort ist, der dem Markt und damit dem Geschäft der Branche die so wichtigen Impulse verleiht", so das Resümee von Gerald Böse, Vorsitzender der Geschäftsführung der Koelnmesse.

Kaum hatte die Messe am Montag begonnen, wurde allerdings schon darüber spekuliert, wie denn wohl das Sleep-Segment im nächsten Jahr auf der Möbelmesse untergebracht werden könnte. Denn dann werden die Küchenanbieter wieder die angestammte Halle 5.2 für sich reklamieren. Wohin also dann mit Bast, Recticel, Tempur, Veldeman & Co.? Obendrein haben einige Aussteller bereits angekündigt, kommenden Januar einen noch größeren Stand haben zu wollen. Verschiedene Gerüchte über mögliche Lösungsansätze kursierten darum in Köln. Es war beispielsweise die Rede davon, die Halle 6 als neue Sleep-Halle einzurichten. Es wurde sogar geraunt, dass die Messe eine zusätzliche Halle bauen würde, die dann Platz für die Schlafsysteme bieten würde. Wie soll das bitte innerhalb der Kürze der Zeit klappen? Einst dürfte allerdings fest stehen: Alle zurück in die Halle 9 kann nicht funktionieren, denn dann müssten die Firmen wesentlich enger zusammenrücken und sich mit kleiner dimensionierten Ständen zufrieden geben.

Dr. Ulrich Leifeld, Geschäftsführer des Matratzen-Verbandes rät angesichts der Spekulationen, Ruhe zu bewahren. Der Messe sei das Problem der Unterbringung durchaus bewusst und man werde alles dafür tun, dass auch im kommenden Jahr die Aussteller eine zufriedenstellende Lösung vorfinden. Bis dahin fließt noch viel Wasser den Rhein hinab und manches Unternehmen, das in diesem Jahr noch dabei war, könnte binnen Jahresfrist ohnehin noch einen Rückzieher machen - mehr oder minder freiwillig.

Eines steht aber jetzt schon fest: Die nächste imm Cologne findet statt vom 19. bis 25. Januar.

aus Haustex 03/14 (Wirtschaft)