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Tarkett: Nachhaltigkeit neu definiert

"Wir sollten die Umwelt unterstützen, statt sie nur zu schützen"


"Nachhaltigkeit" ist der Begriff, den Tarkett in seiner Selbstdarstellung ganz nach vorn geschoben hat. Nicht gerade eine brandheiße Erfindung, aber der Fußbodenhersteller bietet kompetente Unterstützung an, um dem Öko-Schlagwort neues Leben einzuhauchen. Prof. Dr. Michael Braungart, Gründer und Leiter der EPEA Internationale Umweltforschung in Hamburg, ein grüner Pionier erster Stunde, erläuterte in einem Vortrag gemeinsam mit Tarkett-CEO Michel Giannuzzi, was sich beide darunter vorstellen.

Ob der Forscher und der Firmenchef unter Nachhaltigkeit tatsächlich das Gleiche verstehen, bleibt fraglich. Prof. Braungart will "die Welt retten", wie es in manchen Publikationen über ihn heißt. Tarkett dagegen will in erster Linie gute Geschäfte machen. Das ist legitim. Umweltgerechtes Verhalten als Verkaufsargument auch.

Natürlich kann man niemandem sein ehrliches Bemühen um die Umwelt abstreiten. Prof. Braungart hat sich mit einer provokanten These einen Namen gemacht: "Man schützt die Umwelt nicht, indem man weniger Schaden anrichtet. Wir brauchen keine Produkte, die CO einsparen, sondern Produkte, die das Klima verbessern." Der promovierte Chemiker rät zu mehr Konsum. "Indem der Mensch kauft, fördert er den Wandel der Produkte." Und dieser Wandel, meint Prof. Braungart, führt auch bei Tarkett in ein paar Jahren zu Produkten, die der Umwelt nur förderlich sind. Was für Produkte und wie sie beschaffen sein könnten, mag in den Entwicklungslabors verborgen liegen. Dem Laien eröffnet sich so leicht keine erhellende Idee. Die Jetztzeit ist geprägt von der Vorstellung, Energie und Rohstoffe zu sparen und Gebrauchtes wieder zu verwenden.

Das sind für Prof. Braungart alte Hüte. Bei heutigem Recycling gehe zu viel verloren. Seine Vorstellung beruht auf dem Prinzip kompletter Nährstoffkreisläufe. "Alle Lebewesen sind nützlich", sagt er, "sie geben anderen Lebewesen immer etwas ab." Der Mensch ist da nicht ausgeschlossen. Was er isst, kommt wieder raus und kann als Dünger dienen. Warum soll das mit anderen Produkten nicht ebenso sein? Kann man sie nicht so Schadstoff frei herstellen, dass sie nie entsorgt werden müssen, sondern am Ende ihres Nutzens ganz selbstverständlich einem anderen Gebrauch zugeführt werden können? Das versteht Prof. Braungart unter Recycling.

Und so möchte er auch den Wirtschaftskreislauf der Zukunft beschreiben. Wasser sparen, Klimabündnisse, Konsumverzicht - alles der falsche Ansatz, findet Prof. Braungart. "Niemand kann klimaneutral leben", sagt er. Seine Lösung heißt "intelligente Verschwendung" und basiert auf festem Glauben an den Fortschritt. Der fröhliche Verbraucher als produktiver Bestandteil der Natur. Mit allem was er konsumiert und dann nicht mehr benötigt, bietet er anderen Lebewesen Nahrung und
Existenzgrundlage. Vorausgesetzt, die Produkte sind dafür geeignet.

"Der Mensch ist nicht Gegner, sondern Bestandteil der Natur", sagt Prof. Dr. Michael Braungart. Deshalb könnten auch alle seine Produkte der Umwelt nützen.

Ein solches Produkt hat der Professor bei Fußböden schon ausgemacht: Den künstlichen Sportrasen. Den hält er für ökologisch besser als echtes Gras. Das nämlich müsse mit Wasser und Dünger ständig auf Vordermann gebracht werden, während ein Kunststoffrasen gut 12 Jahre unverändert seinen Dienst tue. Nur grün sollte er nicht sein, denn grüne Produkte, das weiß der Chemiker, enthalten Kupferpigmente. Und die sind schädlich.

Hier kommt nun Tarkett ins Spiel. "Unsere Kunden erwarten viel von Nachhaltigkeit", betont CEO Michel Giannuzzi und nennt als Beispiel für bewusstes Verhalten das Car-Sharing. "Man braucht kein eigenes Auto, um von A nach B zu kommen." Aber man braucht einen eigenen Fußboden im Haus, da ist sich Tarkett sicher. "Wir müssen dafür neue Materialien nutzen, aus anderen Industrien. Wir müssen uns und unsere Partner in Bewegung setzen", fordert der Firmenchef. Beim Outdoor-Sportboden bekommt er statt Gummi-Granulat schon Kork-Granulat von Amorim. Das setzt die Temperatur des Bodens bei Sonneneinstrahlung um
12 % herunter.

Aber Tarkett wäre kein erfolgreiches Unternehmen, wenn es nicht genauso clever denken könnte wie Prof. Braungart. Der hat den Öko-Spieß einfach umgedreht und den Naturburschen zum konsumierenden Fortschrittstreiber gemacht. Tarkett bleibt bei dem Begriff "Nachhaltigkeit" und dehnt ihn so weit aus, wie es nur irgend geht. "Für den Kunden, Verbraucher und Architekten", behauptet Michel Giannuzzi und beruft sich auf eine Studie, "bedeutet Nachhaltigkeit nicht nur Ökologie, sondern Lebensstil, Lebensfreude, Inspiration, Komfort, Gesundheit und sogar Vertrauen." Damit sind ziemlich alle Aspekte eines modernen Marketings umrissen. Jetzt muss nur noch der Endkunde den Tarkett-Boden mit diesen Attributen verbinden. Dann könnte Michel Giannuzzi sein erklärtes Ziel erreichen: "Wir wollen nicht der größte, aber der innovativste Fußboden- und Sportbodenhersteller der Welt werden."

aus ParkettMagazin 03/14 (Nachhaltigkeit)