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Zertifizierungswahn oder Notwendigkeit?


So mancher Holzbodenproduzent ist nicht glücklich mit der Vielzahl an Zertifikaten und Prüflabeln. "Wir sehen den Zertifizierungswahn eher kritisch", heißt es vom Parketthersteller Gunreben. Längst aber hat sich weltweit eine eigene "Zertifizierungsbranche" entwickelt, die bestrebt ist, mit Lobbyarbeit die Wichtigkeit ihrer Siegel zu stärken, nationale Sonderwege zu fördern und Nachfrage zu schüren. Vom deutschen Sentinel-Haus bis zur amerikanischen Parkettlegerorganisation National Wood Flooring Association (NWFA) bieten Institute, Umweltorganisationen und Verbände den Holzbearbeitern ihre Gütezeichen an. Sie alle können darauf bauen, dass Politik und eine auf Umweltbewusstsein getrimmte Öffentlichkeit in vielen Produkten Gefahren wittern und nach immer strengeren Grenzwerten rufen.

Die Konkurrenz unter den Gütesiegeln könnte für steigende Qualität sorgen. Leider vermag der Verbraucher wertvolle Prüfzeichen von Mogelpackungen kaum zu unterscheiden. Von käuflichen Bio-Siegeln aus China berichtete schon 2011 die Tagenzeitung "taz". Auch der häufig erwähnte Begriff aus staatlich kontrollierter Forstwirtschaft ist keineswegs ein international anerkanntes Zertifikat. Oder das Label umweltfreundliches Plantagenholz: Oft stammt es aus Monokulturen mit einer sehr geringen Artenvielfalt.

"Die Kosten für Zertifizierungen belaufen sich auf einige tausend Euro im Jahr", klagt der deutsche Parketthersteller Hain. Davon freimachen kann sich das Unternehmen nicht. Die DIBt-Zulassung und das freiwillige IBR-Gutachten - beides hält Hain für unabdingbar im deutschen Bodenbelagsmarkt. Vor allem bei öffentlichen Ausschreibungen werden die DIBt-Zulassungsowie das CE-Zeichen gefordert.

Dr. Theo Smet, Technical Services Manager der Division Flooring beim belgischen Laminatbodenhersteller Unilin, gegenüber Parkett im Holzhandel: "Meiner Meinung nach gibt es einfach zu viele Labels. Der Verbraucher weiß meistens nicht, worum es sich handelt und bestimmt nicht, was die Voraussetzungen und Anforderungen der einzelnen Labels sind. Sieht er jedoch die grüne Farbe, scheint er zufrieden."

Dr. Theo Smet (Unilin) plädiert für eine erweiterte CE-Zertifizierung.

Unilin vermarktet seine Produkte mit den in der EU gesetzlich vorgeschriebenen Erklärungen. Das betrifft die CE-Marke und Leistungsangabe gemäß Pictogram EN 13329, beispielsweise Klasse 33. Darüber hinaus hält sich das Unternehmen an PEFC und Umweltproduktdeklarationen (EPDs). Einzelne EU-Mitgliedstaaten schreiben weitere Prüfangaben vor: Das Ü-Zeichen in Deutschland, die Angabe der Emissionsklasse (UPEC) in Frankreich, das Nordic Ecolabel M1 in Finnland. Zur Vermarktung in Singapur muss Unilin das Green Buildling Label vorweisen.

Theo Smet: "Wir und die meisten Hersteller streben nach übergreifenden Erklärungen, die möglichst weltweit bekannt gemacht werden sollten. Eine einheitliche CE-Erklärung inklusive Angaben von Brandklasse, technischer Leistung, Rutschhemmung, VOC-Formaldehyd Emissionsklasse und EPD müsste in der ganzen EU Bedeutung haben. Wer dann noch behauptet, seine Produkte seien besser als die CE-Anforderungen, kann dies natürlich auf der Basis freiwilliger Prüfzertifikate vermarkten."

aus Parkett im Holzhandel 04/14 (Nachhaltigkeit)