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Proposte verzeichnet wieder mehr Besucher

Stoffmesse macht Hoffnung auf den Aufschwung

Auch wenn die Proposte wieder nicht ausgebucht war: Die Besucher kehren nach Cernobbio zurück und schüren auch wegen der guten Qualität die Hoffnung auf eine verbesserte Konjunktur für die europäischen Stoff-Hersteller. An den Produkten soll es nicht scheitern, denn da ist momentan zumindest farblich für jeden etwas dabei, von zarten Pastelltönen bis zu schreiend bunten Kreationen.

Auch wenn die Proposte wieder nicht ausgebucht war: Die Besucher kehren nach Cernobbio zurück und schüren auch wegen der guten Qualität die Hoffnung auf eine verbesserte Konjunktur für die europäischen Stoff-Hersteller. An den Produkten soll es nicht scheitern, denn da ist momentan zumindest farblich für jeden etwas dabei, von zarten Pastelltönen bis zu schreiend bunten Kreationen.

Die Zeiten, in denen so manche Weberei jahrelang warten musste, um einen Platz auf der Proposte zu bekommen, sind vorerst vorbei. Zur diesjährigen Auflage waren 95 Aussteller ins italienische Cernobbio gekommen und damit war die renommierte Stoffmesse das zweite Mal nacheinander nicht ausgebucht. Zahlreiche qualitativ hochwertige Firmen sind aus den Messehallen neben der Villa Erba verschwunden, weil sie sich eine Teilnahme an der Proposte nicht mehr leisten können - oder weil es sie schlicht und ergreifend nicht mehr gibt.

Treue bewiesen auch 2014 fünf deutsche Hersteller: Delius, Müller Zell, Munzert, Pongs und die Schmitz-Werke. Mit dabei waren ansonsten Aussteller aus Belgien, Frankreich, Großbritannien und Spanien. Die Hälfte der Firmen kam aus Italien.

Das Konzept der Messe ist klar, die Kriterien für die Teilnahme auch nach 22 Jahren rigide: Die Aussteller müssen in Europa Möbelstoffe und Gardinen produzieren, Experimentierfreude sowie ein starkes Engagement in der ästhetischen und technologischen Forschung zeigen. All dies wurde bisher auch kritisch geprüft. Um den Erfolg der Messe langfristig beizubehalten, denkt der Vorstand jetzt allerdings darüber nach, auch nicht-europäischen Herstellern Zugang zu gewähren.

Das scheint auch aus einem zweiten Grund notwendig, denn seit Jahren steigt die Zahl der Firmen, die ihre Produkte zeitgleich zur Proposte außerhalb des Messegeländes in Cernobbio, Como und den angrenzenden Dörfern präsentieren. Für diese Trittbrettfahrer sind die Kosten in den dort angemieteten Villen deutlich niedriger. Aber dennoch profitiert man von der Aura und den Besuchern der Messe.

Aktuell sorgte eine Überlegung der Organisatoren für das kommende Jahr für Gesprächsstoff. Dann soll die Messe eventuell auf Mitte April vorgezogen werden. Der Grund: Am 1. Mai 2015 startet in Mailand die Expo. Nun fürchtet man, dass der Auftakt der Weltausstellung zu ausgebuchten und teuren Flüge und Hotels führen wird und damit einen Besuch der Proposte im Mai erschweren könnte. Für Bernd Kout, Geschäftsführer der Weberei Munzert, wäre eine Vorverlegung in den April allerdings ungünstig: "Den Termin halte ich für zu früh. Der Mai ist im Vorlauf für die Hausmessen ideal."

Aussteller mit Zahl und Qualität der Besucher zufrieden

In diesem Jahr hatten die Besucher jedenfalls noch keine Probleme und kamen zahlreicher auf die Messe als 2013. Insgesamt zählte der Veranstalter knapp 6.600 aus 70 Ländern, ein Plus von gut 7 %. Vor allem die internationalen Einkäufer waren stärker vertreten, was als klares Signal dafür gewertet wird, dass Produkte Made in Italy und Made in Europe weltweit wieder gefragter sind.

Dementsprechend freuten sich die Aussteller über volle Stände und lobten auch die durchweg exzellente Qualität der Einkäufer. Hubert Reinermann und sein Team hatten Gespräche mit über 100 Industriekunden. "Damit wurden die Erwartungen weit übertroffen, denn ein Großteil dieser Kundenkontakte waren Neukunden mit einem interessanten Potential", so der Key Accounter für die Marke Swela der Schmitz-Werke. "Wir sind mit der diesjährigen Proposte sehr zufrieden", betonte Pongs-Geschäftsführer Gunnar Pongs. "Fast jeder Besucher war ein potentieller Kunde." Auch Munzert Vertriebsleiterin Kerstin Baron-Breunig war überaus zufrieden: "Bereits am ersten Messetag waren Verleger und das Who is Who der Polstermöbelindustrie komplett da."

Proposte
In diesem Jahr kamen deutlich mehr Besucher zur Proposte
an den Comer See als 2013.
Proposte
Jochen Rieger ist neuer Geschäftsführer von Müller Zell. Er war mit der Proposte sehr zufrieden. Die wichtigsten Neuheiten der Weberei kamen bei den Kunden sehr gut an.
Proposte
Munzert Vertriebsleiterin Kerstin Baron-Breunig präsentierte vier verschiedene Dessins der neuen Origami-Polsterstoff-Serie.
Proposte
Hubert Reinermann von Swela/Schmitz-Werke hatte modische Grafik-Digitaldrucke wie etwa Prismen im Gepäck.

Die positiven Stimmen passen zum diesjährigen Motto der Proposte: "Im Zeichen neuer Hoffnung". Und die Hoffnung auf bessere Zeiten für die Branche scheint durchaus berechtigt. Die Auftragslage ist nach Aussagen zahlreicher Aussteller deutlich besser als im Vorjahr, eine Belebung des Marktes sei spürbar. Nordamerika komme stark zurück, auch in Deutschland sei eine gewisse Entspannung zu spüren. "Die Stimmung bei den Kunden ist gut, das Geschäft war in den ersten vier Monaten so gut wie seit Jahren nicht mehr", berichtete Gunnar Pongs.

Kampf gegen die Billigkonkurrenz

Von einem guten Exportgeschäft - auch nach Übersee - war bei der spanischen Polsterstoffweberei Crevin die Rede. Auch bei Munzert sind die letzten Monate sehr erfreulich gelaufen. "Seit Jahresanfang haben wir einen relativ gleichbleibenden Auftragseingang. Wir sind gut ausgelastet. Der Markt scheint sich auf breiter Front wieder zu beleben", so Geschäftsführer Bernd Kout, der jetzt auf die neue Marke Pivot setzt (s. Seite 142). "Wir sind kollektionsmäßig deutlich besser aufgestellt als noch vor Jahren. Die Proposte ist die ideale Plattform für die Präsentation einer solchen neuen Marke. Das Konzept wurde von allen gelobt, die Kollektion kam gerade auch im Bereich der Polstermöbelindustrie gut an."

Damit fokussiert die oberfränkische Weberei auf ein steigendes Marken- und Qualitätsbewußtsein im hochpreisigen Segment und positioniert sich gleichzeitig im Kampf gegen die Billigkonkurrenz, die der gesamten Branche zu schaffen macht. In Kombination mit schneller und zuverlässiger Lieferung, Kreativität sowie neuen Technologien, individuellen und kundenorientierten Entwicklungen sieht man sich im Wettbewerb gut aufgestellt.

Produktseitig kombiniert Munzert bei Pivot Möbelbezugsstoffe in dreidimensionaler Origami-Musterung mit Unis in einzigartig weicher Haptik, extrem strapazierfähig und hoch lichtecht. Veloure mit Prägung sowie ein Mohair mit Flammeneffekt feierten bei Pongs Velours Premiere. Alle Mohaire der Wermelskirchener können inzwischen B1 ausgerüstet werden und sind damit objekttauglich. "Glanz und Haptik bleiben erhalten", so Gunnar Pongs.

Gewebte 3D-Effekte mit softer Haptik und Stoffe mit dezent-edlem Glanz zeigte der neue Müller Zell-Geschäftsführer Jochen Rieger. Im Bereich Funktionsstoffe präsentierte er die zweite Generation Akustikstoffe aus transparenten Materialien mit extrem hoher Schussdichte. Delius bietet mit der Kollektion Metallics metallischen Glanz auf weichfliessendem Gewebe in Gold, Silber, Bronze und Kupfer. Die neue Kollektion von Baumann Dekor besteht aus einer nachhaltig produzierten, atmungsaktiven Tencel Faser. Aktuell arbeitet die österreichische Weberei an einer flammfesten Serie aus Tencel-Fasern für den Objektbereich.

Den Trend gibt es nicht

Einen Trend auszumachen war in diesem Jahr schwieriger denn je. Insgesamt wird das Wohnen mutiger, emotionaler und farbiger. Einerseits liegen pastellige, pudrige Töne wie Rosa, Flieder, Butterblumen-Gelb oder Bleu im Trend - soft und weich wie ein Aquarell. Andererseits gibt es mutige Farbgebungen mit kräftigem Aqua, Petrol, Moosgrün, Türkis, Signalorange, Apfel, Limette, Margenta-Pink, saftigem Gelb und Beere. Kombiniert werden sie häufig mit Schlamm, Grau oder Natur, damit sie nicht zu laut wirken. Mit extrem kontrastreichen Musterungen, etwa für Kissen, will man dem Wohnen mehr Pfiff geben.
Verwässert wirkende Designs als Jacquard und Prints bewegen sich fort von klaren Linien und ziehen stattdessen malerische, verwischte und verschwommene Styles vor. Der Schlüssel liegt in einer expressiven Hand, die Farben verschwimmen ineinander.

Natürliche Optiken, aufwändige Strukturen, reliefartige Oberflächen und ausgefallene 3D-Effekte - oftmals in soften Haptiken - sind ein großes Thema. Dabei entsteht Struktur immer häufiger durch die Webtechnik und nicht mehr durch die Kombination unterschiedlich starker Garne. Gewebe mit Polypropylen zeigen Schrumpfeffekte in Plisseeanmutung. Gedruckte oder gewebte Geometrie fügt dünnen, durchsichtigen Stoffen und Möbelstoffen eine starke visuelle Komponente zu. Der Maßstab der Muster scheint zu wachsen und die Graphiken entwickeln authentische, teilweise optische 3D-Effekte. Gerne wird mit dezenten Glanzeffekten gespielt. Ein Mix aus glänzenden und matten Garnen sorgt für eine interessante Optik.

aus BTH Heimtex 07/14 (Wirtschaft)