Werkhaus
Domotex Shanghai 2018 Branchen-Planer

Artikel-Archiv


Wülfing

Marke Kock wird fortgeführt


Borken. Das Textilunternehmen Wilh. Wülfing hat den Zuschlag für die Übernahme von Teilen des insolventen Unternehmens Arnold Kock in Steinfurt erhalten. Der so genannte Asset-Deal wurde vom Gläubiger-Ausschuss des Unternehmens genehmigt und zum 1. September vollzogen.

Ende April 2010 musste für Arnold Kock Insolvenzantrag gestellt werden. Die Eröffnung des Verfahrens wurde zum 1. Juli des gleichen Jahres beschlossen. Seitdem führte der Insolvenzverwalter Ralph Schmid das Unternehmen. Nun ist eine Lösung für den Betrieb gefunden worden: Der vor allem für seine Bettwäsche bekannte Hersteller Wilh. Wülfing übernimmt etwa 20 der zuletzt rund 30 Mitarbeiter sowie wichtige Bestandteile des insolventen Unternehmens. Dazu gehören die Markenrechte (Arnold Kock, Schloß Holte), der Maschinenpark und der Warenbestand, erklärte Wülfing-Geschäftsführer Josef Kölker der Haustex.

Trotz der Insolvenz hätten viele wichtige Kunden Kock die Treue gehalten. Dies sei eine gute Basis, um die stark geschrumpften Umsätze wieder auf ein vernünftiges Niveau zu bringen, teilt das Unternehmen mit. Erste Synergieeffekte können sowohl im Verwaltungsbereich als auch in der Produktion direkt genutzt werden, wo nun etliche Ausrüstungsschritte in Borken stattfinden können, die bisher bei Ausrüstern zugekauft werden mussten.

Für Wülfing sind außerdem die verbliebenen Geschäftsfelder der Firma Kock sinnvolle Ergänzungen zum bestehenden Programm. Beispielsweise ist man bereits mit einigen Artikeln seines Matratzenschutzprogramms im Objektgeschäft tätig und erhofft sich durch die Zusatzprogramme von Kock als Lieferant für diesen Bereich noch interessanter zu machen und die Umsatzbasis zu verbreitern.

Auch bei den Tischdecken ist Wülfing bereits aktiv und sieht speziell im Jacquard-Bereich den Zugewinn an Know How als wichtigen Schritt für den Ausbau dieses Geschäftsfeldes, auch und nicht zuletzt im Objektbereich.

Wilh. Wülfing GmbH & Co. KG
Mittelfristig sollen sämtliche Kock-Aktivitäten in die Firmenzentrale von Wülfing nach Borken verlegt werden.

Mit der Produktion von Afrikadamasten kommt außerdem ein für Wülfing komplett neues Geschäftsfeld dazu und damit nach eigenen Worten zusätzliche Chancen für eine Diversifizierung. Diese hochwertige Meterware, die in afrikanischen Ländern zu traditioneller Bekleidung konfektioniert wird, verspreche nicht nur Umsätze, sondern auch wichtiges Know How für andere Produktlinien.

Mittelfristig plant Wülfing die Verlagerung der Kock-Aktivitäten nach Borken ins Stammwerk, um von dort konzentriert die Märkte angehen zu können. Kock wird dort ein eigenständiger Geschäftsbereich innerhalb der Firma Wülfing sein. Als erstes gehe man nun jedoch mit Hochdruck daran, mit den Mitarbeitern die Ist-Situation festzustellen und die Weichen für die nächsten Monate zu stellen. "Es ist wichtig, so schnell wie möglich wieder das vorhandene Potential auszuschöpfen und Perspektiven für die Zukunft zu erarbeiten", so die Geschäftsleitung von Wülfing.

Arnold Kock durchlebte in den letzten gut zehn Jahren wechselvollze Zeiten. Bereits 2003 musste für das Unternehmen ein Insolvenzverfahren eingeleitet werden. Im Zuge dieser Maßnahme beteiligten sich die beiden damaligen Geschäftsführer zu je 25 Prozent sowie die Daun-Gruppe mit 50 Prozent an dem Unternehmen. Nicht zuletzt durch den Einstieg Dauns hoffte man auf bessere Zeiten, letztlich vergebens.

2006 erzielte das Unternehmen bei einem Umsatz von 40,0 Millionen Euro eine schwarze Null im Jahresergebnis. Damals beschäftigte man noch 148 Mitarbeiter. 2008 riss unter anderem die Schließung eines Werks in Rumänien das Unternehmen tief in die Verlustzone. Trotz eines Umsatzes von 44,3 Millionen Euro belief sich das Jahresergebnis auf knapp 11 Millionen Euro Verlust. Danach ging es mit dem Umsatz steil bergab. Im letzten veröffentlichten Jahresabschluss für das Rumpfgeschäftsjahr 2010 (Januar bis Juni) erzielte Kock noch einen Umsatz von 10,7 Mio. Euro, bei einem Verlust von knapp vier Millionen Euro. Der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag belief sich auf mehr als 15 Millionen Euro. Da Daun lediglich für 7 Millionen Euro gut stand, musste letztlich erneut das Insolvenzverfahren beantragt werden.

aus Haustex 09/14 (Wirtschaft)