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BTH Heimtex/B+L-Kundenbarometer Tapete Teil 2

Rasch Textil verbucht die Sympathien für sich

Die Ergebnisse des Kundenbarometers Tapete 2014 lassen sich auf vielerlei Weise lesen und interpretieren. Rasch gewinnt die Wertung nach Durchschnittsnoten hauchdünn vor A.S. Création. Nach Punkten liegen beide gemeinsam auf Platz 1. Marburg ist in beiden Ranglisten Dritter. Die meisten ersten Plätze belegt P+S International. Als sympathischster Lieferant geht diesmal Rasch-Textil durchs Ziel. Insgesamt wird aber eines deutlich: Angesichts nur einer einzigen 3er-Bewertung in den Einzelkategorien ist der Fachhandel offensichtlich hoch zufrieden mit den deutschen Anbietern.

Rasch, A.S. Création und Marburg erfreuen sich im deutschen Fachhandel großer Beliebtheit. Sie führen die Rangliste nach der Durchschnittsnote über 16 Kriterien hinweg an.

Aber kein Unternehmen aus dem erfolgreichen Trio schaffte es, sympathischster Lieferant zu werden, wie das jüngste, alljährlich von BTH Heimtex bei der Agentur B+L bestellte Kundenbarometer Tapete ergab. Diese Rolle muss die Marburger Tapetenfabrik 2014 an die Rasch-Tochter Rasch Textil abgeben, die wiederum in der Gesamtbewertung vom ersten auf den vierten Platz abfiel.

Für die deutlichste Überraschung sorgte P+S International. Der Gummersbacher Hersteller landete über alle Kriterien hinweg zwar nur auf Position sechs, heimste aber sechs Bestnoten in einzelnen Kriterien ein und damit die meisten der beurteilten Tapeten-Anbieter. Vor allem mit Themen rund ums Geld punktet P+S. Es ist also noch Bewegung im Kundenbarometer möglich - trotz einer überschaubaren Anzahl an maßgeblichen Anbietern.

Rasch führt das Feld an


Insgesamt lässt sich im Kundenbarometer Tapete feststellen, dass die einzelnen Lieferanten bei guten Bewertungen auf hohem Niveau immer enger zusammenrücken, was für ihre Leistungsfähigkeit spricht. Sie erhielten von ihren Fachhandelskunden durchweg Noten im Bereich "gut", wobei besonders Lieferschnelligkeit und -zuverlässigkeit geschätzt werden. Nachholbedarf besteht dagegen im Leistungskriterium Warenverkäuflichkeit. Hier wünschen sich die Befragten mehr Aktivitäten. Rasch und A.S. Création führen über alle Kriterien hinweg die Liste der Top-Lieferanten an: Rasch mit der Note 2,12, A.S. Création nur ganz knapp dahinter mit 2,13.

Nach Punkten besetzen sie gemeinsam mit 109 den ersten Platz, allerdings überflügeln die Gummersbacher den Bramscher Wettbewerber mit fünf ersten Plätzen in Einzelkriterien. Sie gelten bei den Fachhändlern als freundlichster Tapeten-Anbieter, als zuverlässigster und schnellster Lieferant mit besten Maßnahmen zur Verkaufsförderung und hervorragenden Zukunftsperspektiven. Hingegen punktet Rasch mit hoher Warenverkäuflichkeit, seinem Innendienst und Fortschrittlichkeit.

Sechs erste Plätze für P+S


Auf Platz drei nach der Durchschnittsnote folgt die Marburger Tapetenfabrik, die auch nach Punkten hinter Rasch und A.S. Création rangiert. Die Kreativschmiede erntet vor allem für ihre Produktqualität Lob.

Doch trotz des hohen Ansehens hat Marburg seinen Ruf als sympathischster Anbieter an Rasch Textil verloren. Die Rasch-Tochter rangiert in der Gesamtbewertung zwar hinter Marburg, vermag sich aber mit menschlichen Faktoren hervorzutun und liegt beim Sympathiewert diesmal vor den Kirchhainern. Auf Platz drei folgen Rasch und A.S. Création.

Shootingstar des aktuellen Kundenbarometers ist P+S International. Zwar liegt der Hersteller, der im vergangenen Jahr erstmals den "Pop-Titan" Dieter Bohlen für dessen erste Kollektion ins Boot geholt hatte, bei den Zukunftsperspektiven im unteren Bereich und landete auch in der Gesamtbewertung nur auf dem sechsten Platz. Als beispielhaft empfinden die Fachhändler den Gummersbacher Lieferanten aber in sechs Einzelkriterien. P+S erhielt jeweils Top-Noten für das Preis-Leistungs-Verhältnis, die Vertriebspolitik, die Konditionen, Kulanz, Reklamationsbearbeitung und seinen Außendienst. Bemisst man den Erfolg der Unternehmen also nach Zahl der Bestnoten, hat sich P+S vor Rasch, A.S. Création und Marburg gesetzt.

Bei aller Freude oder Enttäuschung über die Ergebnisse des Kundenbarometers darf nicht vergessen werden: Es handelt sich um eine möglicherweise auch von Emotionen beeinflusste Momentaufnahme, die nur kurze Zeit später schon wieder leicht veränderte Ergebnisse präsentieren könnte. Dennoch: Die Umfrage liefert den Tapeten-Anbietern Ansätze, um an der einen oder anderen Stellschraube drehen zu können und damit die Zufriedenheit der Fachhandelskunden zu erhöhen. Sie dient als Instrument, die Beziehungen zwischen den Partnern noch weiter auszubauen - wenngleich die Zufriedenheit auf Seiten des Fachhandels bereits groß ist.

Die Unternehmen im Detail


A.S. Création überrascht die Fachwelt immer wieder mit einer großen Anzahl neuer Kollektionen. Im Mittelpunkt stehen dabei die in Lizenz hergestellten Wandbeläge wie Esprit Home, Versace oder Naf Naf. Durch diese Ausrichtung sind die Gummersbacher fest im Fachhandel etabliert. In der Gesamtbewertung erreichen sie über alle Kriterien hinweg mit 2,13 die zweitbeste Note, ganz dicht hinter Sieger Rasch (2,12). Im Vorjahr war es nur Platz drei.

Auch die Zahl der Bestnoten in Einzelkriterien dürfte die Konzernleitung um Jörn Kämpfer freuen. Hier liegt A.S. Création mit fünf Topbewertungen vor dem Rivalen in Bramsche (3) und steigerte sich damit noch einmal gegenüber dem Vorjahr. Höchste Wertschätzung erfahren die Freundlichkeit des Unternehmens, Lieferzuverlässigkeit und -schnelligkeit sowie die vielen Maßnahmen zur Verkaufsförderung, bei denen der Tapetenhersteller am Point of Sale mit seinen Shopkonzepten und digitalen Beratungsinstrumenten vorbildlich ist. Auch die Urteile für die Verkäuflichkeit der Artikel, die Kulanz, die Innendienstqualität und die Fortschrittlichkeit fallen positiv aus. Diese Faktoren haben entscheidend dazu beigetragen, dass die Fachhändler A.S. Création für den Anbieter mit den besten Zukunftsperspektiven halten.

Mehr Anstrengungen erwarten die Befragten dagegen in der Vertriebspolitik, mit der das börsennotierte Unternehmen wie im vergangenen Jahr den letzten Platz im Einzelranking einnimmt.

Erfurt ist vor allem als Hersteller von Rauhfaser bekannt, die allerdings nicht in das Kundenbarometer mit eingeht, sondern ausschließlich der Bereich Tapete des Wuppertaler Familienunternehmens. Lag der Hersteller über alle Kriterien hinweg im vergangenen Jahr noch auf Platz eins, landete er aktuell auf dem fünften, belegt aber immerhin zwei zweite und vier dritte Ränge in den Einzelkriterien, so dass er auch nach Punkten immer noch eine passable Position einnimmt.

Wie 2013 überzeugt Erfurt mit seiner Produktqualität. Deutlich verbessert hat sich die Reklamationsbearbeitung. Nach wie vor verbesserungswürdig sind nach Ansicht der Befragten die Konditionen und die Kulanz, während gute Werte für Fortschrittlichkeit und Zukunftsperspektiven für hochwertige Produkte mit entsprechendem Preis sprechen.

Erismann schwächelt ein wenig. War der Breisacher Tapetenhersteller im vergangenen Jahr noch der Aufsteiger, geht es aktuell wieder bergab. Dabei wurden nach der 175-Jahr-Feier 2013 das Personal aufgestockt und zahlreiche hochwertige Kollektionen auf den Markt gebracht, an denen auch der bekannte Designer und ehemalige Atelier-Chef von Rasch, Bernhard Holzapfel, mitwirkte. Diese Maßnahmen schlagen sich im Kundenbarometer aber nicht nieder, aus welchem Grund auch immer. Im Gesamtranking liegt das Familienunternehmen auf dem vorletzten Platz.

Marburger Tapetenfabrik J.B. Schaefer GmbH & Co. KG
Sieger nach Punkten und Durchschnittsnoten
Marburger Tapetenfabrik J.B. Schaefer GmbH & Co. KG
Sieger nach Kriterien
Marburger Tapetenfabrik J.B. Schaefer GmbH & Co. KG
Die einzelnen Rankings nach Sympathiewert, Freundlichkeit, Vertriebspolitik, Warenverkäuflichkeit, Preis-Leistung, Produktqualität, Lieferzuverlässigkeit und Lieferschnelligkeit.
Marburger Tapetenfabrik J.B. Schaefer GmbH & Co. KG
Die einzelnen Rankings nach Konditionen, Kulanz, Reklamationsbearbeitung, Qualität Innendienst, Qualität Außendienst, Verkaufsförderung, Fortschrittlichkeit und Zukunftsperspektiven.
Marburger Tapetenfabrik J.B. Schaefer GmbH & Co. KG

Die Tapete ist ein Trendprodukt


Das wird die Hersteller von Tapeten freuen: Endlich bescheinigen auch die Fachhändler, dass der Wandbelag wieder ein Trendprodukt ist. Diese Auffassung vertreten 66,1 % der im Kundenbarometer Befragten. Lediglich 23,2 % meinen dies nicht, 10,7 % wissen es nicht. Damit hat die Tapete wieder die Bedeutung für die Inneneinrichtung erlangt, die sie noch in den 1970er Jahren hatte.

Allerdings wird sie heute nicht in erster Linie als Belag für alle vier Wände genutzt, sondern teilweise nur als einzelne Bahn für die Akzentuierung. Die Vielfalt der modernen Dessins eignet sich denn auch hervorragend dafür, Tapete speziell hervorzuheben und sie mit zurückhaltenderen, farblich passenden Unis zu kombinieren. Der individuellen Gestaltung sind vonseiten der Hersteller, die jedes Jahr mit einer Vielzahl neuer Kollektionen auf den Markt kommen, keine Grenzen gesetzt.

So positiv es zu sehen ist, dass sich die Tapete als Trendprodukt wieder zum festen Bestandteil der Inneneinrichtung gemausert hat und das ewige Weiß von den Wänden verbannt, hat ihre Rolle als Akzentuierung doch auch eine negative Folge. Der Rollenverkauf ist nicht so hoch, als würden alle Wände mit dem Belag dekoriert. So müssen sich Hersteller, Händler und Handwerker darauf konzentrieren, besonders hochwertige Ware zu entsprechenden Preisen zu verkaufen, um für Ausgleich zu sorgen.
Cornelia Küsel

Als sehr schwach wird - und das verwundert - die Produktqualität angesehen. Und auch der Innendienst könnte nach Einschätzung der Fachhändler deutlich besser sein. Bleibt zu hoffen, dass sie die nochmalige Vergrößerung des Vertriebsteams im kommenden Jahr honorieren. An der Öffentlichkeitsarbeit jedenfalls kann die negative Beurteilung nicht liegen, denn die hat sich nach dem Jubiläum deutlich verbessert.

Die Essener Tapeten Import-Gesellschaft gehört Christian Schmitz, der auch die Schmitz Tapeten Import-Gesellschaft und den auf das Objekt ausgerichteten Verlag Tescoha führt. Als kleiner Anbieter hat es Essener schwer, sich mit den hochwertigen Tapeten gegen die Großen der Branche durchzusetzen. Nach Punkten und durchschnittlichem Gesamtwert reichte es nur für Platz sieben, was im Umfeld der etablierten Hersteller aber eine respektable Position ist. Schließlich fällt Essener durch gute Vertriebspolitik und hohe Außendienstqualität auf. Gute Voraussetzungen, um sich langsam, aber kontinuierlich hoch zu arbeiten.

Die Marburger Tapetenfabrik ist die Kreativschmiede der deutschen Tapetenbranche. Ulf Moritz, Luigi Colani, Zaha Hadid, Harald Glööckler sind nur einige schillernde Designer, die für das 1845 gegründete Familienunternehmen Kollektionen entworfen haben. Die Tapeten aus Kirchhain zeichnen sich aus durch hohe Qualität und technische Finessen. Ein Platz unter den ersten drei ist dem Unternehmen deshalb auch sicher.

Allerdings rutschte Marburg in diesem Jahr gegenüber 2013 im Gesamtranking sowie nach Punkten auf Platz drei hinter Rasch und A.S. Création. Sorgen muss man sich aber nicht machen. Denn Marburg liefert nach Ansicht seiner Fachhandelskunden hohe Qualität und ist ein sympathischer Anbieter (Platz zwei), was sich auch in den Werten für die Zukunftsperspektiven ausdrückt. Arbeiten könnten die Verantwortlichen noch an der Vertriebspolitik und der Qualität des Außendienstes.

P+S International verblüfft. Der Gummersbacher Tapetenhersteller, der die Fachwelt im vergangenen Jahr mit der ersten Kollektion von Dieter Bohlen überraschte, holte in sechs Einzelkriterien erste Plätze (Vorjahr: 2) und damit mehr als Marktführer A.S. Création (5). Die Fachhändler loben das Preis-Leistungs-Verhältnis, die Vertriebspolitik, die Konditionen, Kulanz, die Reklamationsbearbeitung und den Außendienst.

Trotz dieser guten Noten schaffte es P+S jedoch im Gesamtranking nicht auf eine führende Position, sondern erreichte nur Platz sechs. Dies lässt sich auf verbesserungswürdige Werte für Sympathie, Warenverkäuflichkeit, Lieferzuverlässigkeit und Lieferschnelligkeit zurückführen. Daraus resultiert, dass die Zukunftsperspektiven rosiger aussehen könnten. Fazit: P+S macht vieles besser in diesem Jahr, könnte sich aber noch weiter steigern.

Rasch ist die Top-Adresse für die Fachhändler. Der Hersteller erhielt im Gesamtranking über alle Kriterien hinweg die Bestnote 2,12 - allerdings ist ihm A.S. Création mit 2,13 sehr dicht auf den Fersen. Dennoch, das Ergebnis dürfte das Familienunternehmen freuen, schließlich lag es im vergangenen Jahr nur auf Platz 3, hinter Tochter Rasch Textil und Marburg. Auch nach Punkten steht Rasch zusammen mit A.S. Création an der Spitze.

In diesem Jahr heimsten die Bramscher allein drei Bestpositionen in Einzelkriterien sowie sechs zweite Ränge ein. Fast alle abgefragten Faktoren werden positiv bewertet, besonders aber die Warenverkäuflichkeit, was sicherlich an der großen Bandbreite für alle Zielgruppen liegt, und die Qualität des Innendienstes.

Eines aber hat Rasch wieder nicht geschafft: wieder der sympathischste Anbieter zu werden, wie es über Jahre der Fall war. Diese Rolle übernimmt Tochter Textil Rasch. Die Mutter muss sich damit zufrieden geben, nur drittsympathischster Tapetenlieferant zu sein. Nachbessern könnte sie unter anderem bei der Vertriebspolitik und der Außendienstqualität. Wird das umgesetzt, reicht es vielleicht nächstes Jahr für den größten Sympathiewert.

Rasch Textil aus der Bramscher Rasch-Gruppe hat sich einen guten Ruf als Anbieter von hochwertigen Stofftapeten erarbeitet. Das Unternehmen liegt bei den Bewertungen durchweg im positiven Bereich, war im vergangenen Jahr beim Gesamtranking nach Durchschnittsnoten sogar führend. 2014 reichte es nur für Platz vier. Dafür ist Rasch Textil für den Fachhandel der sympathischste Anbieter - ein Titel, hinter dem sicherlich viel Arbeit steckt. Hinter den Giganten Rasch, A.S. Création und Marburg braucht sich das Unternehmen jedenfalls nicht zu verstecken, denn vom Fachhandel wird es eindeutig geschätzt.

Die Schmitz Tapeten Import-Gesellschaft steht wie Schwester Essener für hochwertige Tapeten mit außergewöhnlichen Dessins. Dennoch schafft sie es nicht, sich einen vorderen Platz zu erobern und bleibt wie im vergangenen Jahr Schlusslicht. Um dies zu ändern, gibt es reichlich Handlungsspielraum.

cornelia.kuesel@snfachpresse.de

BTH Heimtex B+L-Kundenbarometer - Panel und Methodik


Das BTH Heimtex/B+L-Kundenbarometer wird in zwei Etappen durchgeführt: In der ersten wird recherchiert, bei welchen Anbietern der Fachhandel überhaupt ordert, woraus sich der Verbreitungsgrad der einzelnen Lieferanten ergibt. Diese Befragung erfolgt gestützt, aber offen. Die Interviewten können also zusätzliche Bezugsquellen zu den von BTH Heimtex vorgegebenen Unternehmen nennen.

Im zweiten Schritt bewerten die Händler detailliert einzelne Anbieter mit (Schul-)Noten: 1 für sehr gut, 2 für gut, 3 für mittel bzw. normal, 4 für ausreichend, 5 für mangelhaft bis schlecht. Für jedes Unternehmen werden dabei konkret 16 Benchmarks abgefragt, darunter objektiv messbare, aber auch subjektiv empfundene.

150 Fachhändler wurden im Oktober 2014 befragt: klassischer Facheinzelhandel, Handwerksbetriebe mit Ladengeschäft und entsprechenden Handelsaktivitäten sowie Fachmärkte in ganz Deutschland, regional verteilt im Norden und Süden, Osten und Westen. Nicht in diese Befragung eingeschlossen sind Filialisten, der Großhandel und Kooperationszentralen sowie Großflächenanbieter wie Discounter oder C +C-Betriebe.

aus BTH Heimtex 12/14 (Wirtschaft)