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Ado: Interview mit Inhaber Andreas Zimmer

"Wir haben Ado wieder zum Leben erweckt"


Seit fast zwei Jahren ist Ado eine Tochter des hessischen Textilverlags Zimmer + Rohde. Im Gespräch mit BTH Heimtex-Redakteurin Birgit Genz zieht Firmenchef Andreas Zimmer eine Bilanz dieser Zeit, in der die Marke mit der Goldkante ihre Kollektion verjüngt und aufgepeppt sowie den Außenauftritt neu gestaltet hat. Er nimmt Stellung zum Umzug des Lagers nach Tschechien, erklärt, warum auch der hochwertige Raumausstatter auf Ado nicht verzichten sollte und wieso man derzeit nur auf regionalen Fachmessen den Kontakt zum Kunden findet.

BTH Heimtex: Vor fast zwei Jahren haben Sie mit Ado die Gardinenmarke Deutschlands gekauft, um Ihr Portfolio abzurunden. War das eine richtige Entscheidung?

Andreas Zimmer: Ich würde diese Marke jederzeit wieder kaufen, weil Ado für uns nach wie vor eine super Ergänzung ist.

BTH Heimtex: Aber Sie führen sie getrennt von Zimmer + Rohde.

Zimmer: Ado ist eine separate große Marke. Wir haben einen getrennten Vertrieb, getrennte Organisation nach außen zum Kunden. Die Synergieeffekte werden intern gesucht: Wir nutzen die gleiche Verpackung, das gleiche Lager. Denn es ist unser Job, mit dem Geld der Kunden effektiv umzugehen.

BTH Heimtex: Was hat sich seit dem Januar 2013 bei Ado getan?

Zimmer: Die zwei Jahre sind kürzer als man denkt. Man braucht mindestens drei Jahre, um solch ein Unternehmen einigermaßen in die richtige Richtung zu bekommen. Und die brauchen wir auch bei Ado, um die ganz wichtigen strategischen Themen umzusetzen; zumal hier noch einige spezielle Faktoren hinzugekommen sind wie die Schließung der DTF, bislang der Produktionsbetrieb für Ado. Über viele Jahre haben bei Ado Dinge brach gelegen, die wir jetzt umstrukturieren und verändern müssen, um die Marke wieder dorthin zu bringen, wo sie einmal war. Denn der Raumausstatter soll Vertrauen zu Ado haben.

Dennoch haben wir in dieser kurzen Zeit viel verändert. Wir haben den Vertrag für das Lager in Aschendorf kündigen müssen und das Lager an die deutsch-tchechische Grenze in eigene Räumlichkeiten verlegt, um effizienter zu sein, Synergieeffekte zu schaffen und ein Logistik-Zentrum zu haben, das zukunftsorientiert ist. Ado war ja eigentlich ein Produktionsbetrieb. Aber wir sind Händler, und die denken und handeln anders.

BTH Heimtex: Auch im Auftritt nach außen hat sich einiges getan.

Zimmer: Wir haben das Logo verjüngt, wir machen mehr Werbung, mehr PR als früher in Publikumszeitschriften wie Brigitte oder Schöner Wohnen. Und das kommt bei unseren Kunden gut an. Für den PoS bieten wir Aufsteller. Wir machen einen Wettbewerb, bei dem Verbraucher eine Idee für ein Stoffmuster einschicken können. Das Gewinner-Design wird in die nächste Kollektion kommen.

Das Shop-in-Shop-Konzept ist ebenfalls neu. Unser Kunde, der Raumausstatter, braucht ein System, das mehr den Stoff als den Shop in den Vordergrund stellt. Und der Raumausstatter selbst muss im Vordergrund sein. Es geht ja um ihn und nicht um uns. Unser Logo soll ihn unterstützen, ihm helfen. Aber das Produkt und er stehen im Vordergrund.

BTH Heimtex: Wie hat sich Ado seit der Übernahme wirtschaftlich entwickelt?

Zimmer: Wir haben sowohl im letzten wie in diesem Jahr ein kleines Umsatzminus. Aber das hatten wir einkalkuliert und auch eingeplant. Die alten Kollektionen sind noch im Markt und wir müssen die Umstellung auf die neuen erst noch schaffen. Aber die laufen jetzt gut an. Die Kunden sind mit den Farben und den Materialien sehr zufrieden. Natürlich haben wir auch weiter Basisartikel im Programm. Unsere Kunden erkennen, dass wir eine klare Separierung wollen zwischen Zimmer + Rohde und Ado.

BTH Heimtex: Hat sich die Ado-Kundschaft verändert?

Zimmer: Wir haben etwa 5.000 Kunden in Deutschland. Die Struktur ist gleich geblieben: Der Raumausstatter ist unsere Zielgruppe.

BTH Heimtex: Also alles im Plan?

Zimmer: In der Summe hat sich Ado so entwickelt, wie ich es erwartet habe.

Positiv überrascht sind wir von der guten Vertriebsmannschaft. Es ist ein sehr gutes, positives Team; der Vertrieb ist klasse aufgestellt.

BTH Heimtex: Sind Sie noch in Aschendorf präsent?

Zimmer: Der Hauptsitz wird im nächsten Jahr nach Oberursel verlegt. Aber für den Kunden hat sich im Prinzip nichts verändert: Er ruft nach wie vor in Aschendorf an; dort ist die Auftragsannahme und auch die fachliche Kompetenz. Er kriegt die Ware auch aus Deutschland geschickt. Nur die Absenderadresse ist nicht mehr Aschendorf sondern Oberfranken. Wir bringen die Ware von unserem neuen Lager im tschechischen Eger nach Deutschland und verschicken von dort. Unsere Kunden bestellen in Deutschland und sie bekommen ihre Ware aus Deutschland.

BTH Heimtex: Die Verlagerung des Lagers nach Eger verläuft nicht ganz unproblematisch. Wann werden die Lieferschwierigkeiten endgültig behoben sein?

Zimmer: Unser Kunde wünscht sich die richtige Lieferung zum vereinbarten Zeitpunkt. Das wird spätestens zum Jahresende 2014 reibungslos laufen.

Ich will die Probleme gar nicht schön reden. Aber wichtig ist, dass die Kunden merken, dass Ado wieder zum Leben erweckt wurde. Dass sie verkäufliche Kollektionen bekommen. Dass wir wieder Werbung machen und auch nach außen hin aktiv werden.

BTH Heimtex: Sie haben die Schließung der DTF schon angesprochen. Ein Großteil der Ado-Kollektion wurde dort gewebt. Haben Sie für alle Stoffe neue Webereien gefunden oder mussten Sie Positionen aus dem Programm nehmen? Wo lassen Sie jetzt weben?

Ado Goldkante GmbH & Co. KG
Andreas Zimmer, Geschäftsführender Gesellschafter:
"Wir haben die Kollektion verjüngt. Wir machen mehr Werbung und PR in Publikumszeitschriften. Und wir unterstützen unsere Kunden vor Ort mit Marketingmaßnahmen und Musterfenstern."
Ado Goldkante GmbH & Co. KG
"Für unsere Kunden hat sich nichts geändert: Sie bestellen in Deutschland und sie bekommen ihre Ware aus Deutschland.
Und bis zum Jahresende sind auch die Logistikprobleme gelöst."

Zimmer: Von 350 Artikeln mussten wir nur 1 % aus dem Programm nehmen. Ein Teil der Stoffe wird heute noch in Aschendorf gewebt. Ansonsten haben wir deutsche, europäische und auch einige türkische Lieferanten.

BTH Heimtex: Früher war Ado stolz auf sein "Made in Germany". Das können Sie jetzt nicht mehr auf das Etikett drucken.

Zimmer: Ich finde, wir sind heute immer noch made in Germany. Es kommen nicht alle Produkte aus Deutschland. Aber das war vorher auch nicht der Fall.

Das Wichtige für den Kunden ist die Qualität. Und Ado hatte und hat noch immer eine exzellente Qualität und die wollen wir auch in Zukunft liefern. Unsere Kunden legen Wert darauf, dass sich die Ware gut verarbeiten lässt und dass sie pflegeleicht ist. Wir liefern in 3 m Breite; alles ist waschbar und hat die Goldkante als Beschwerungsband.

Farblich ist die Kollektion mehr auf die heutige Zeit und die Wünsche unserer Kunden abgestimmt. Eigentlich zielen wir damit auf die 30- bis 40-Jährigen. Aber heute sind ja auch 60-, 70-Jährige jung. Wir setzen auf eine gewisse Altersgruppe, aber auch eine gewisse Preisgruppe, in der Regel zwischen 39 und 69 EUR.

BTH Heimtex: Lassen Sie uns noch über die Branche reden: Ein großes Problem ist die Altersstruktur unter den Raumausstattern - im Durchschnitt um die 50 - und damit verbunden die Schwierigkeiten, einen Nachfolger zu finden, wenn das Rentenalter erreicht ist. Was machen Sie, wenn in zehn oder 15 Jahren nur noch die Hälfte der Betriebe existiert?

Zimmer: Es wird einen Selektionsprozess geben, denn wir stellen auch fest, dass es Probleme bei der Qualität der Arbeit und bei der Ausbildung der Mitarbeiter gibt. Aber wer heute erfolgreich ist, wird auch in Zukunft erfolgreich sein und hoffentlich einen Nachfolger finden.

BTH Heimtex: Der Top-Raumausstatter hat Jab, Nya, Zimmer + Rohde. Aber hat er auch Ado?

Zimmer: Natürlich hat er auch Ado. Und wer es nicht hat, macht aus meiner Sicht einen Fehler, denn Ado bietet ihm eine Abrundung seines Angebotes nach unten in die Mitte. Die ist auch für den Top-Raumausstatter wichtig. Er braucht von Ado nicht die Dessins, sondern den Streifen, den Uni, also die Basics zu einem guten Preis. Das haben viele noch nicht verstanden.

Unsere Branche leidet ja nicht daran, dass der Verbraucher nicht in sein Haus investieren will. Er hat Geld und würde es auch fürs schöne Wohnen ausgeben, wenn man ihm dieses entsprechend präsentiert. Wir müssen Träume verkaufen. Wer das begriffen hat, kann heute als Raumausstatter gutes Geld verdienen.

BTH Heimtex: Was tut denn Ado, um solche Träume entstehen zu lassen?

Zimmer: Wir machen sehr viel. Wir machen Werbung und PR. Wir haben verschiedene Marketingmaßnahmen, Musterfenster, am PoS bieten wir u.a. Zollstöcke und Scheren.
Wir geben dem Kunden schon sehr viel an die Hand. Und werden das auch weiter machen.

BTH Heimtex: Auf der Heimtextil 2015 fällt der Startschuss für die Werbekampagne "Textile Räume". Eine Initiative, die die Branche wirklich nötig hat. Wie stehen Sie dazu? Werden Sie sich mit Ado beteiligen?

Zimmer: Wir müssen in der Tat gemeinsam versuchen, etwas für die Branche, für den Stoff zu tun. Deshalb werden wir all diese Aktionen auch unterstützen. Zunächst beteiligen wir uns mit Z+R. Inwieweit Ado mitmachen wird, ist noch nicht entschieden.

BTH Heimtex: Die meisten Teilnehmer an dieser Kampagne gehen nicht nach Frankfurt zur Heimtextil. Wie ist Ihre Einstellung zu Messen?

Zimmer: Wir stehen grundsätzlich zu Messen. Es macht Sinn, auf Messen zu gehen, Kontakte zu pflegen, sich zu informieren und einen Überblick zu bekommen.

Wir gehen auf die regionalen Messen in Salzburg, Bern, Ulm, Rheinberg, Hamburg und Backnang. Das kommt unseren Kunden entgegen: Sie können morgens hin- und abends wieder nach Hause fahren.

Der Heimtextil fehlt dieses Kompakte. Wenn wir nach Frankfurt gingen, bräuchten wir einen Stand von bestimmt 200 m2. Diese Mittel setzen wir momentan lieber anderweitig ein.

Ich betone: momentan. Es kann gut sein, dass wir wieder zur Heimtextil gehen. Aber es müsste erst ein Ruck durch die Messe gehen.

Aber derzeit ist die Heimtextil nicht unsere erste Priorität. Wir gehen lieber in die Nähe unserer Kunden.


Ado Daten und Fakten


Ado Goldkante GmbH & Co. KG
Hüntestraße 68
21871 Aschendorf
Tel.: 04962 / 5 05-0
Fax: 04962 / 63 92
info@ado-goldkante.de
www.ado-goldkante.de

Geschäftsführender Gesellschafter: Andreas Zimmer
Vertriebsleiter: Holger Noesternig
Verkaufsleiter Nord: Dirk Snitko
Verkaufsleiter Süd: Stefan Ullmann

Gründungsjahr: 1954
Muttergesellschaft: Zimmer + Rohde
Mitarbeiter: 350 (Ado/Zimmer + Rohde)
Außendienst Deutschland: 18
Kunden: rund 5.000 in Deutschland: Raumausstatter, Einrichtungshäuser und hochwertige Fachmärkte
Kernkompetenzen: Transparente, Halbtransparente, Dekos in 3 m Breite, waschbar, pflegeleicht
Musterfenster: Einmal im Jahr im Ringtausch sechs Musterfenster

aus BTH Heimtex 12/14 (Wirtschaft)