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Lieferanten fordern mehr gemeinsamen Einsatz für die Tapete

Wie sich aus dem Trendprodukt Tapete noch mehr machen lässt


Tapeten liegen voll im Trend. Dieser Aussage stimmen sowohl Lieferanten zu als auch Fachhändler zu, wie die BTH Heimtex-Fachhandelsumfrage Tapete ergeben hat (siehe Ausgabe 12/2014). Aber es könnte noch mehr getan werden, um die Beliebtheit des Wandbelags beim Endverbraucher weiter zu steigern. Die von BTH Heimtex befragten Lieferanten sind sicher, dass sich dieses Ziel unter anderem durch professionelle Beratung erreichen ließe. Eine bedeutende Rolle kommt ihrer Meinung nach auch dem Maler zu. Sie fordern den Verarbeiter auf, die Fortbildunsangebote der Hersteller noch stärker zu nutzen, um eine mögliche Scheu vor modernen und hochwertigen Wandbelägen abzubauen. Aber ob Maler, Händler oder Lieferant - alle müssen im Interesse der Tapete an einem Strang ziehen, lautet das Fazit aus den Meinungsbeiträgen der Lieferanten.

Marburger Tapetenfabrik J.B. Schaefer GmbH & Co. KG
Die Tapete ist wieder ein wichtiges Gestaltungselement für die Wand. Inzwischen arbeiten auch bekannte Designer wie Harald Glööckler für die Tapetenindustrie. Für Marburg hat er mittlerweile drei hochwertige Karten entworfen, hier von Models als Kleider präsentiert.
Marburger Tapetenfabrik J.B. Schaefer GmbH & Co. KG
Dr. Frederick Rasch,
Geschäftsführer Rasch Tapeten

"Beratung ist der bestmögliche Weg, Kunden zu binden"

"Tapete ist Trend: als Featurewall, hochwertig und dekorativ, aber mit sinkenden Mengen. Tapete ist aber auch Wandbekleidung, die auf einfache und schnelle Art und Weise Räume verändert. Dabei ist die Tapete als Wandbekleidung an sich nicht Trend, sondern die Basis für schöne Raumgestaltung.

Einzelne Kollektionen, Farben, Muster und Strukturen können Trend werden. Dabei ist es wie in der Mode: Häufig schaffen es die ungewöhnlichsten Kleidungsstücke, einen hippen Trend zu kreieren. Meist können (und wollen) aber nur die wenigsten diese Kleidung tatsächlich tragen. Dennoch geht es darum, diversifizierend alles zu zeigen, was ein kreativer Designer herbeizaubern kann.

Der Trend wird dann in eine tragbare Form abgewandelt und allen zugänglich gemacht. Soll heißen: Auch in der Tapetenwelt versuchen wir Trends zu bedienen. Natürlich sind aber eine Farbe, ein Muster oder eine besondere Struktur besser verkäuflich, die den Geschmack einer breiten Masse treffen und nicht zu speziell sind.

Um sich gegenüber Großfläche und Internet zu behaupten, ist Beratung der bestmögliche Weg, Kunden zu binden und sich zu differenzieren. Eigentlich impliziert dies, dass Hersteller und Verarbeiter ein direktes Verhältnis eingehen sollten. Hersteller sind gefragter denn je, Verarbeitungshinweise und bestmögliche Information zu ihren Produkten zu liefern.

Um den Maler zu unterstützen, gibt es Initiativen. Auch hier gilt, sich durch guten Service und Beratungsleistung zu profilieren. Ein direkter Kontakt zu Malern kann helfen. Hausinterne Schulungen beim Hersteller nehmen die Angst vor dem Produkt und beantworten Fragen."
Marburger Tapetenfabrik J.B. Schaefer GmbH & Co. KG
Christian Schmitz,
Geschäftsführer Schmitz/Essener Tapeten Import

"Es gibt immer weniger Verkaufsstellen"

"Ohne Zweifel ist die Tapete heute ein Trendprodukt. Für den interessierten Endverbraucher gab es nie zuvor eine solche Menge und Auswahl an unterschiedlichen Qualitäten, Breiten, Designs und Farben. Manchmal ist es schade, dass auf dem Transport vom Kreativen bis hin zum Endverbraucher einiges verloren geht.

Wir bekommen viele Zuschriften von Verbrauchern. Darin drücken sie aus, dass sie unsere Produkte toll finden und fragen, wo sie eine Beratung erhalten können, um dort dann die Tapete zu kaufen und eventuell sogar von der beratenden Fachfirma verarbeiten zu lassen. Die Decke der Point of Sales wird dünner, im Groß- wie im Einzelhandel.

Alle am Markt Beteiligten müssen in der Kette zum Verbraucher Hand in Hand arbeiten. Was nutzen die tollsten Produkte, wenn sie nicht beim Verbraucher vorgestellt und verarbeitet werden ?

Genauso wenig nutzen hervorragende Verarbeiter, wenn es nicht die Produkte gibt, die den Endverbraucher begeistern und Anstoß für eine Renovierung geben."
Marburger Tapetenfabrik J.B. Schaefer GmbH & Co. KG
Dieter Buhmann,
Geschäftsführer Marburger Tapetenfabrik

"Die Handwerks-verbände sollten Seminare stärker unterstützen"

"Es ist unbestreitbar, dass die Tapete seit einigen Jahren eine erfreuliche Renaissance erfährt. Die Zahl der Publikationen über Tapeten ist so hoch wie seit Mitte der 70er Jahre nicht mehr. Allerdings werden Tapeten heute anders eingesetzt als vor 20 oder 30 Jahren. Da sie als Designprodukt betrachtet werden, setzt man sie als Akzent im Raum ein. Die flächige Tapezierung aller Wände wird dagegen als nicht erforderlich angesehen.

Wie trendy Tapeten sind, konnte ich kürzlich in Paris erleben. Im angesagten Magazin "Merci" auf dem Boulevard Beaumarché wurde eine Tapetenabteilung eingerichtet, in der viele Wände tapeziert sind. Mehr Trend geht gar nicht.

Nach den Zahlen des Bundesverbands Heim & Farbe (GHF) hat die Tapeten 2013 im Großhandel gestiegene Umsätze gebracht und liegt dort auch 2014 im Plus. Für Marburg gilt dies um so deutlicher, weil wir laut Branchenstatistik Marktanteile hinzugewonnen haben.

Die Aussage, es gebe keine ausreichende Tapetenberatung im Groß- und Fachhandel ist pauschal nicht haltbar. Sicher würden wir Tapetenleute uns mehr Aufmerksamkeit der Wiederverkäufer für unser schönes Produkt wünschen, zumal der Handel damit gutes Geld verdienen kann. Aber wir müssen auch feststellen, dass es bei vielen tapetenaktiven Händlern gute Fachberatung gibt – am wenigsten aber im Online-Handel, und der wächst trotzdem.

Spätestens seitdem Tapeten mit Vliesträger ihren Siegeszug angetreten haben, kann von einem komplizierten Produkt keine Rede mehr sein. Und seit wann scheut der gute Malerbetrieb anspruchsvolle Produkte und deren Verarbeitung? Spachteltechniken, Vergoldungen oder das Setzen von Stuckfriesen sind viel schwierigere Aufgaben. Tapeten sind heute ergebnissichere, gut zu verarbeitende Produkte, was man schon daran sieht, dass mehr als 80 % aller Tapeten vom Heimwerker appliziert werden – leider.

Marburg betreibt intensive PR-Arbeit mit beachtlichem Erfolg. Davon kann es gar nicht genug geben, um dem Endverbraucher Tapeten nahe zu bringen. Auch die Präsentation am PoS verdient verstärkte Aufmerksamkeit. Die Seminare für Berufsschullehrer, Tapetenverkäufer und Handwerker, die einige Tapetenhersteller anbieten, sollten von den Handwerksverbänden stärker unterstützt werden. Und schließlich könnten in der Fachpresse mehr Artikel über Tapeten erscheinen, so wie dieser hier."
Marburger Tapetenfabrik J.B. Schaefer GmbH & Co. KG
Rüdiger von Preen,
Vertriebsleiter A.S. Création

"Unsere Seminare stehen allen Kunden jederzeit zur Verfügung"

"Meiner Meinung nach gibt es zu wenig Fachleute, die gestaltungssicher beraten und eine Tapete verkaufen können. Es reicht nicht, dass gesamte Sortiment im Angebot stehen zu haben. Der Endverbraucher muss vom Verkaufspersonal oder Verarbeiter professionell beraten werden.

Heute ist das Produkt Tapete in Fernsehsendungen über das Renovieren so häufig wie nie zuvor zu sehen. Aber dem Endverbraucher wird es zu selten gezeigt und empfohlen. Nicht wir als Industrie, sondern der Innenarchitekt, Handwerker und Händler hat den Endverbraucher als Kunden, dem er die Tapete empfehlen kann. Wer sollte sonst das Produkt anbieten und verkaufen?

Eine Mustertapete erscheint dem Verarbeiter jedoch oft als zu kompliziert. Zwar kann jeder sicher und sorgsam arbeitende Maler alle modernen Tapeten problemlos verarbeiten. Nur gibt es leider zu wenige, die sich mit professioneller Tapezierarbeit beim Endverbraucher absetzen können.

Wir bieten jedem Maler über den Großhandel und jedem Mitarbeiter im Fachhandel Seminare und Fortbildungen im Bereich der Verarbeitung moderner Tapeten an. Leider werden diese Angebote zu selten angenommen. Insgesamt wäre es für alle Beteiligten das Beste, im Interesse der gesamten Branche an einem Strang zu ziehen und eventuelle Hemmschwellen und Vorbehalte zu überwinden.

Unsere Seminarangebote, die auch individuell auf die Kundenbedürfnisse angepasst werden können, stehen unseren Kunden jederzeit nach Terminabsprache zur Verfügung."

aus BTH Heimtex 01/15 (Wirtschaft)