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R+T Stuttgart: Interview mit Projektleiter Sebastian Schmid

"Wir wollen alle führenden Unternehmen an Bord haben"


Vom 24. bis 28. Februar 2015 ist die Messe Stuttgart Innovationsdrehscheibe und Trendbarometer für die Sonnenschutzbranche. Dabei gibt es Grund zu Feiern: Die R+T wird 50 Jahre alt und der Veranstalter der Weltleitmesse hat deshalb ein besonderes Rahmenprogramm vorbereitet. BTH Heimtex-Redakteurin Petra Lepp-Arnold sprach mit dem Projektleiter Sebastian Schmid unter anderem über die Anfänge und den Turnus der Messe, über das Fernbleiben einiger namhafter Aussteller und die Frage, welche Angebote ein Raumausstatter auf der R+T unbedingt nutzen sollte.

BTH Heimtex: Herr Schmid, die Fachmesse R+T feiert ihr 50-jähriges Bestehen. Wie hat denn 1965 alles begonnen?

Sebastian Schmid: Im Jahr 1965 öffnete die internationale Rollladen-Fachmesse "R65" erstmalig ihre Pforten - damals auf dem Messegelände auf dem Stuttgarter Killesberg. Der Fokus der Messe lag zu diesem Zeitpunkt exklusiv auf Rollladen, wie der Buchstabe R im Namen verdeutlicht.

Schon die Premiere mit 117 Ausstellern aus acht Ländern, die anfänglich noch in einer einzigen Halle Platz fanden, wurde von allen Teilnehmern als voller Erfolg verbucht. 1969 wurden bereits fünf Hallen gebucht, zwei Jahre später hatte sich die Zahl der Aussteller nahezu verdoppelt.

Das stetig wachsende Renommee der Messe resultiert auch aus einem Leitmotiv, das uns seit der Premierenveranstaltung wichtig ist: Das ehrgeizige Experiment "R65" fokussierte den persönlichen Erfahrungsaustausch und das informative Fachgespräch zwischen Experten. Diesem Prinzip sind wir bis heute treu geblieben. Es ist einer der Gründe, weshalb die heutige Weltleitmesse für Rollladen, Tore und Sonnenschutz von allen Teilnehmern geschätzt wird.

BTH Heimtex: Ab 1979 wurde der Turnus der Veranstaltung von zwei auf drei Jahre verlängert. Es gibt immer wieder Stimmen in der Sonnenschutz-Branche, die einen 2-jährigen Rhythmus fordern. Wie stellt sich die Messe Stuttgart dazu?

Schmid: Dass der Turnus auf drei Jahre verlängert wurde, lag in der Anpassung der R+T an den Innovationsrhythmus der Branche. Ab diesem Zeitpunkt war es möglich, nicht allein den bloßen Entwicklungsstand abzubilden, sondern die neuentwickelten Produkte und Lösungen topaktuell auf der Messe zu präsentieren. Die R+T wurde selbst zum Innovations- und Konjunkturtreiber.

Unabhängig davon stehen wir im ständigen Kontakt mit Ausstellern und Verbänden. Hier erhalten wir wichtige Rückmeldungen und Impulse für die zukünftige Ausrichtung der Messe, auch hinsichtlich des Turnus. Ausschlaggebend für die Festlegung des Zyklus ist für uns die Gesamtheit der Branche.

BTH Heimtex: Einige namhafte Unternehmen aus der deutschen Sonnenschutz-Branche haben ihre diesjährige Teilnahme abgesagt, darunter zum Beispiel zwei Markisen-Hersteller, die immer riesige Standflächen belegt haben. Wie wirken sich die Absagen auf die Attraktivität der R+T aus?

Schmid: Grundsätzlich muss man festhalten, dass wir das natürlich sehr bedauern. Mit einem Blick auf die Historie der R+T und vergleichbare Messen ist es allerdings nichts Unübliches, wenn Unternehmen ihre Strategie von Zeit zu Zeit anpassen. Um so erfreulicher ist es natürlich, dass sich zum Beispiel Markilux bereits vor der R+T 2015 zu einer Rückkehr entschieden hat.

Für die kommende Veranstaltung würde ich daher nicht von negativen Auswirkungen sprechen. Eine Vielzahl namhafter Markisenhersteller präsentieren sich auf der R+T, und auch die frei gewordenen Flächen konnten wir mit prominenten Herstellern belegen. Die Besucher können sich auf ein breites Spektrum freuen und treffen 2015 mehr Aussteller denn je in Stuttgart an.

Als Weltleitmesse haben wir den Anspruch, alle führenden Unternehmen an Bord zu haben. Auch dies ist für uns ein Grund, eng mit der ausstellenden Industrie zusammen zu arbeiten und das Konzept gemeinsam an die Bedürfnisse der Aussteller und Besucher anzupassen.

BTH Heimtex: Auf den inzwischen zahlreichen Regionalmessen in Deutschland stellen auch Firmen aus der Sonnenschutz-Branche aus, etwa auf den Raumtex-Messen in Ulm, Hamburg und Rheinberg oder den Südbund Wohntagen in Backnang. Hat das Auswirkungen auf die R+T?

Schmid: Als erstes muss ich sagen, dass ich mich natürlich intensiv mit "themennahen Veranstaltungen" beschäftige. Bezogen auf die angesprochenen Regionalmessen freue ich mich über die positive Entwicklung und schätze die Arbeit der Kollegen sehr. Der Erfolg gibt positive Impulse in den Markt, stärkt die Branche und somit auch die R+T.

Sorge, dass dadurch unsere Besucherzahl zurückgeht, habe ich nicht. Schon allein aufgrund des komplett differenzierten Ansatzes der Veranstaltungen. Jede Messe hat ihre Stärken, setzt verschiedene Schwerpunkte und hat einen anderen Fokus. Dies ist letztlich auch der Vorteil, den der Besucher für sich erkennt und die einzelnen Messen mit unterschiedlichen Zielsetzungen und Erwartungen besucht.

BTH Heimtex: Auch 2015 bietet die R+T wieder ein interessantes Begleitprogramm. Welche Veranstaltungen empfehlen Sie dem Raumausstatter?

R + T

Sebastian Schmid – Zur Person


Sebastian Schmid ist seit Dezember 2013 Projektleiter der R+T und wurde kurz darauf zum Abteilungsleiter Technologiemessen berufen. Der 35-jährige Diplom Betriebswirt kam nach Auslandsaufenthalten in Sri Lanka und Australien 2005 zur Messe Stuttgart und war dort in verschiedenen Positionen tätig. Er ist zudem Absolvent des MBA Studienganges Eventmarketing an der TU Chemnitz.
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Schmid: Für Raumausstatter ist der German Interior Designers Day - kurz GID Day - sicher von ganz besonderem Interesse. Mit dieser Premiere auf der R+T 2015 wird die Weltleitmesse am 27. Februar zum Zentrum der deutschen Architekturdebatte über das Innere des gebauten Raumes. Dazu sind neben Architekten, Innenarchitekten und Interior Designern auch Raumausstatter und weitere planende, ausführende und forschende Experten zum Thema Innenraum aufgerufen, sich auf dem Stuttgarter Messegelände zu versammeln.

Der GID-Day holt mit Jan Kleihues aus Berlin, Sou Fujimoto aus Tokio, Enrique Sobejano aus Madrid und J. Mayer H. aus Berlin Weltstars der Architektur und des Designs nach Stuttgart, die im internationalen Teil der Veranstaltung über die neuesten Entwicklungen des architektonischen Innenraumes referieren. Weitere namhafte Experten vertiefen die Themenstellungen, die schon vorab in einem innenarchitektonischen Kolloquium erarbeitet wurden.

BTH Heimtex: Zum Rahmenprogramm der R+T gehört sei 1991 auch der Innovationspreis, damals noch Designpreis. Welche Bedeutung hat die Auszeichnung?

Schmid: Der R+T Innovationspreis wird in neun Kategorien verliehen und ist deshalb für alle auf der Weltleitmesse vertretenen Branchen von großer Bedeutung.

Der branchenübergreifende Charakter wird auch dadurch verdeutlicht, dass der Preis gemeinsam von der Messe Stuttgart, dem Bundesverband Rollladen und Sonnenschutz (BVRS), dem BVT - Verband Tore und dem Industrieverband Technische Textilien - Rollladen - Sonnenschutz (ITRS) ausgelobt wird.

Eine Fachjury kürt am 23. Februar, also bereits am Tag vor Messebeginn, die Preisträger und Siegerprodukte in den Kategorien Rollladen, Markisen, Raffstore, innenliegender Sonnenschutz, technische Textilien, Tore, Sonderlösungen sowie Antriebe und Steuerungen. Zusätzliche Sonderpreise werden für Design, Energieeffizienz, Fachhandwerk und die Handwerksjugend vergeben.

Alle Preisträger werden vom ersten Tag an auf der R+T mit einer messebegleitenden Postershow vorgestellt. Unternehmen, die den Innovationspreis gewinnen, können sich schon allein aufgrund des gewaltigen Renommees der R+T einer enormen Publicity in der gesamten Branche sicher sein.

BTH Heimtex: Die hohe Internationalität ist ein Markenzeichen der R+T. Es gibt auch Ableger in der Türkei, in Asien und Australien. Wie erreichen Sie die Märkte in Nord- und Südamerika?

Schmid: Wir stellen mit Zufriedenheit fest, dass wir auch in diesen Märkten wahrgenommen werden. Die Messe hat dort ebenfalls ein gutes Renommee, wie wir beispielsweise anhand der Zahlen der R+T 2012 feststellen konnten. Knapp 1.500 Besucher kamen damals aus Nord- und Südamerika nach Stuttgart, um die neuesten Innovationen vor Ort zu entdecken; etwas mehr als die Hälfte aus den USA und Kanada. Auch 23 Aussteller aus diesen beiden Ländern nahmen vor drei Jahren an der Messe teil. Diesbezüglich sind wir also auf einem guten Weg.

Außerdem freue ich mich sehr darüber, dass wir im Oktober in Brasilien eine besondere Anerkennung für unsere Leistungen entgegen nehmen konnten: Die R+T wurde vom brasilianischen Verband für innenliegenden Sonnenschutz (ABRAPE) für ihre Errungenschaften und ihren Einsatz als Weltleitmesse für die Sonnenschutzindustrie mit dem Award "Prêmio ABRAPE 2014" in So Paulo ausgezeichnet. Der Preis würdigt das 50-jährige Bestehen der R+T Stuttgart.

BTH Heimtex: Welche Auswirkungen hat die Internationalität der R+T mit ihren verschiedenen Tochtermessen auf den Messestandort Stuttgart?

Schmid: Bezogen auf die R+T Stuttgart können wir sagen, dass wir ausnahmslos positive Erfahrungen gemacht haben. Wir konnten in der Vergangenheit unser internationales Netzwerk erweitern, welches sich letztlich zum Vorteil der "Muttermesse" ausgewirkt hat.

Beispielsweise erwarten wir für 2015 Besucherdelegationen aus Saudi-Arabien und dem Iran. Das sind Kontakte, die wir aufgrund unserer Aktivitäten in der MENA-Region, also Nahost und Nordafrika, aktivieren konnten.


R+T Stuttgart 2015 - in Kürze


Termin: Dienstag, 24. Februar, bis Samstag, 28. Februar 2015
Öffnungszeiten: 9.00 bis 18.00 Uhr, samstags bis 17.00 Uhr
Eintritt: Tageskarte 35 EUR (Online 29 EUR inkl. Nutzung ÖPNV, ermäßigt 13 EUR), 2-Tage-Karte 45 EUR (37 EUR)
Weitere Informationen: www.rt-expo.com

aus BTH Heimtex 01/15 (Wirtschaft)