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Kommentar von Cornelia Küsel

Mehr Freiheit für Designer


Für die in den vergangenen Jahren erfolgsverwöhnte deutsche Tapetenindustrie sind schwerere Zeiten angebrochen. Das lässt sich nicht allein daran ablesen, dass die Exporte nach Russland als wichtigstem Auslandsmarkt der Branche drastisch einbrachen und die Bilanzen verhagelten. Die Kollektionen selbst geben schon einen deutlichen Hinweis darauf, dass es wirtschaftlich besser laufen könnte. Sie beeindrucken zwar durch hohe technische Qualität, aber ausgefallene Optiken machen sich eher rar.

Zu den Aufsehen erregenden Produkten zählen die leuchtende Tapete von Marburg und die Magnetic Accoustic Pads von A.S. Création, die allerdings beide eher mit technischer Raffinesse punkten. Zwar gibt es auch in Bezug auf Design einige hervorzuhebende Tapeten, doch hier geht es überwiegend klassisch zu. Mut zu Experimenten und Spielereien? Fehlanzeige. Um nichts falsch zu machen, setzen die Hersteller auf Bewährtes und versuchen, den Turnaround beim Umsatz mit gut verkäuflicher Ware zu erreichen. "Sichere Bank" heißt ihr Kompensations-Rezept gegen die Einbußen in der Krisenregionen.

In Grundzügen mag das richtig sein, das Brot-und-Butter-Geschäft ist schließlich die Basis für die Existenz der Unternehmen. Aufmerksamkeit lässt sich mit dieser rein auf Zaghaftigkeit ausgerichteten Strategie allerdings nicht erzielen. Aber Aufmerksamkeit braucht die Tapete. Denn nach wie vor weiß ein großer Teil der Verbraucher gar nicht, wie viele interessante Kollektionen den Markt bereichern. Woher auch. Die Zahl der stationären Facheinzelhändler, die Tapete anbieten und sie professionell präsentieren, nimmt im harten Wettbewerb stetig ab.

Da liegt es in der Verantwortung der Hersteller selbst, leidenschaftlich für ihr Produkt einzutreten und es stärker in den Fokus zu rücken. Das setzt aber die Bereitschaft voraus, antizyklisch außer in gängige Kollektionen auch in solche zu investieren, die nicht unbedingt den Geschmack der breiten Masse treffen, die jedoch für Gesprächsstoff sorgen.

Kommentar von Cornelia Küsel

Tapete muss deutlich machen, dass sie mehr ist als eine bloße Wandverkleidung, auf der sich das eine oder andere Bild platzieren lässt. Sie muss dem Verbraucher vermitteln, ein für die Wohnungseinrichtung unerlässliches Kunstwerk aus Designerhand zu sein. Auch wenn die große Mehrheit letztlich wieder zum gewohnten Muster greift: Nur die einzigartige Tapete fesselt die Blicke und weckt die Lust an der Wandgestaltung.

Deshalb der dringende Appell: Lasst den Designern mehr Freiheit. Das tut der weiteren Entwicklung der Tapete gut und ebnet ihr den Weg zum "must have" der Wohnungseinrichtung.
cornelia.kuesel@snfachpresse.de

aus BTH Heimtex 02/15 (Tapeten, Wandbeschichtungen)