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Leserbrief

Sag mir wo die "Schönen" sind?


Das Geschäft mit handgeknüpften Teppichen hat sich verändert. Im letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts gab es in jeder Stadt Europas mehrere Fachgeschäfte. Ein Extrem war Graz mit seinen 250.000 Einwohnern, wo um 1990 rund 80 Geschäfte Orientteppiche anboten und auch verkauften. Heute beschränkt sich das Teppichangebot auf die großen Möbler. Die Fachgeschäfte sind nahezu alle verschwunden.

Der Grund dafür ist in einer Veränderung des Wohngeschmacks zu suchen. Der "Perser" ist nicht mehr das Statussymbol von früher, er ist zum normalen und vielerorts nicht mehr dem Zeitgeschmack entsprechenden Einrichtungsgegenstand geworden. Gewaltige Umsätze sind damit verschwunden - die allerdings von einem extrem hohen Niveau kamen.

Diese Entwicklung sowie die Verlagerung des Angebots auf Großflächenanbieter führten naturgemäß zu einer Vereinheitlichung: Nepalteppiche, Shaggies, indische Massenware und billige Patchworks sind im Überfluss vorhanden. Ästhetik, Innovation und sogenannte Highlights sind hingegen kaum mehr zu finden. Dabei werden heute im Orient viel schönere und bessere Qualitäten als noch vor zwanzig Jahren produziert. Tolle neue Teppicharten sind entstanden, von denen der Konsument nichts weiß, weil es dafür kaum mehr Anbieter gibt. Denn Fachgeschäfte gibt es kaum mehr, und die Möbler trauen sich solche Spitzenprodukte nicht zu.


Ich persönlich glaube, dass es heute wieder Platz für Fachgeschäfte gibt. Natürlich dürfen diese nicht wie früher aussehen, mit Kristalllüster und Teppichstößen, über die man gleich beim Eingang stolpert. Ein mit durchschnittlichen Teppichen vollgestopftes Geschäft hat sicherlich keine Chance. Der Kunde möchte etwas erleben, auf Ideen gebracht werden, sich in heller und freundlicher Umgebung bewegen.Teppichstöße sollten im Hintergrund bleiben. Neben modernen, innovativen Teppichen, die heute vielerorts produziert werden, findet dann auch ein traditioneller "Perser" wieder seinen Platz.
Fritz Langauer, Oritop

aus Carpet XL 01/15 (Teppiche)