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Parador dreht an allen Schrauben der Vermarktung

"Premiumprodukte für wertvolles Wohnen" als Kernaussage


Im ehemaligen Parkettwerk der Gebr. Meyer im österreichischen Güssing produziert der deutsche Hersteller Parador seit dem Jahr 2000 Parkett und Holzfußböden - zunächst als Joint Venture und seit 2008 in alleiniger Regie. In jenem Jahr wurde ein zweites Werk in Betrieb genommen, das die Produktionskapazität auf heute etwa 3 Mio. m2 pro Jahr hebt. Die Fachpresse hatte kürzlich Gelegenheit, die Anlagen in Augenschein zu nehmen und mit der neuen Geschäftsleitung die Vertriebsstrategien des Unternehmens zu erörtern.

Verarbeitet werden in Güssing zehn Holzarten. Aus Österreich kommt Nadelholz, aus Europa Eiche, Buche, Esche, Ahorn, Lärche und Kirsche, aus Nordamerika Nussbaum und aus Kanada Ahorn. Buche und Kirsche werden bei 96 °C gedämpft. Auch Bambus gehört zu den Standardprodukten. Andere gewünschte Holzarten sind ganzjährig beschaffbar.

Die Produktion in Güssing ist auf dem aktuellen Stand der Technik. Schon 2002 wurden eine Lamellensortieranlage Wood Ey und eine Profilierungsanlage für Klickprofile in Betrieb genommen. 2013 erfolgte die FSC-Zertifizierung des Werkes. Nach Auskunft von Lubert Winnecken, der bei Parador im September als Geschäftsführer die Gesamtverantwortung übernommen hat, ist der Umsatz im Parkettbereich stabil. Leicht rückläufig sei hingegen der Laminatabsatz des Unternehmens.

Unter neuer Führung möchte Parador seine Vertriebsbereiche straffen. Im Sortiment will man sich auf bestehende Produktgattungen konzentrieren. Neuheiten werden nicht mehr stur im Zwei-Jahres-Rhythmus auf den Markt kommen, sondern dann, wenn bestimmte Vertriebskanäle und Sortimente dies verlangen. Herauskommen sollen Produktinnovationen mit Alleinstellungsmerkmalen, die sich breit vermarkten lassen. Demand-Chain-Management (DCM) gibt dabei den Anstoß und bedeutet eine Erweiterung der Lieferkette durch die Einbeziehung der Markt- und Kundenperspektive. Das läuft nur über Kommunikation.

Begehrlichkeit für die Marke steigern

Dem Handel will Parador helfen, erfolgreicher zu verkaufen. Dabei denkt das Unternehmen an einfache POS-Konzepte, verschiedene Internet-Aktivitäten, Schulungen und Serviceangebote wie Kundenwunschterminlieferung. Alles zielt darauf ab, die Begehrlichkeit für die Marke zu steigern - sowohl im Handel wie auch beim Endverbraucher. "Premiumprodukte für wertvolles Wohnen", lautet ein Kernsatz. "Wir wollen den erfolgreichen Fachhandel", betont Winnecken und zählt auf, womit das erreicht werden kann: neuer Internetauftritt zur Reichweitenerhöhung, E-Commerce-Strategie zur Einbindung des stationären Handels, Warenverfügbarkeitssicht für den Handel. Was das Thema E-Commerce betrifft, musste Parador bekanntlich einen schmerzhaften Lernprozess durchlaufen (siehe Kommentar in unserer Schwesterzeitschrift Parkett im Holzhandel 6/2014). "Aus den Fehlern haben wir Konsequenzen gezogen", räumt man bei Parador inzwischen ein.

Das Verbraucher-, Handels- und Produktmarketing wird auf starke B2B-Fokussierung geeicht und der dreistufige Vertrieb in Europa zu zweistufigem umgebaut. "Marktausgerichtete Gesamtorganisation des Unternehmens mit evolutionären Produkt- und Konzepteinführungen" nennt sich der Ansatz. Klar, dass dabei auch Nachhaltigkeit und Produktverantwortung von Bedeutung sind. "Wir nutzen Holzwerkstoffe aus nachhaltiger Forstwirtschaft und streben langfristig den ausschließlichen Bezug aus zertifizierten Quellen an", sagt Hendrik Voß, Geschäftsführer Technik.

Endkundenbelieferung für Handelspartner

Parador GmbH & Co. KG
Haben sich ehrgeizige Ziele gesetzt (v.l.): Dirk Nowak (Geschäftsführer Produkt/Marke), Lubert Winnecken (Gesamtgeschäftsfüher), Henrik Voß (Geschäftsführer Technik).

Vor allem auf dem Feld des World Wide Web will Parador nicht ins Hintertreffen geraten. "Wenn der Verbraucher Laminatboden bereits bei Amazon bestellen kann, müssen Industrie und Fachhandel reagieren", ist die Geschäftsleitung überzeugt. Um im digitalen Wandel zu bestehen und seine Abnehmer zu unterstützen, hat das Unternehmen vier Kernbereiche ausgemacht: Online-Präsenz/Kommunikation, Händlerbereich online, Endverbraucherlogistik und Stammdaten-Service. Letzteres ist die Basis für E-Commerce. Den wachsenden Volumina des Onlinegeschäftes will man Rechnung tragen. Und schon jetzt beliefert Parador für mehrere Handelspartner deren Endkunden direkt.

Der Verbraucher hat mit seinem Smartphone künftig Zugriff auf die Instrumente der Online-Beratung. Kaufen kann er damit jedoch nicht. Aber er kann Muster und Kataloge kostenfrei direkt im Netz bestellen und an die eigene Adresse geliefert bekommen. Darüber hinaus zeigt eine Ampel die Lieferfähigkeit von Produkten: sofort verfügbar (grün), in bis zu sieben Tagen (gelb), aktuell nicht lieferbar (rot).

Weitere Umsatzpotenziale via Internet erschließen

Den mehrwöchigen Weg zur Kaufentscheidung begleitet Parador mit einem Merkzettel. Sofern der Verbraucher ein Kundenkonto anlegt, wird darauf dauerhaft gespeichert, welche Produkte ihm besonders gefallen haben. Seinen Merkzettel kann der Kunde mit allen Endgeräten aufrufen und ausdrucken. Mit diesen und weiteren Maßnahmen erhofft sich Parador die Erschließung neuer Umsatzpotenziale durch Zugriff auf das gesamte Sortiment, Vereinfachung und Kostenreduzierung, gesteigerte Prozesssicherheit sowie einen erhöhten Servicelevel.

Serviceoffensive für den Fachhandel angekündigt

Letztlich bekennt sich Parador zu einer Renaissance des Fachhandels. "Im Rahmen der Serviceoffensive 2015/16 wollen wir Potenziale identifizieren und umsetzen", erklärt Dirk Nowak, Geschäftsführer Produkt/Marke. "Mit unseren Handelspartnern führen wir Expertengespräche mit dem Ziel der besseren Vernetzung zur Zufriedenheit der Konsumenten.

aus ParkettMagazin 01/15 (Wirtschaft)