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IMM Cologne 2015, Köln

Gemütlichkeit ist angesagt


Die dritte Etappe des deutschen Einrichtungsmessen-Marathons ist Köln. Nach Heimtextil, Domotex (und vor der Maison & Objet) kann sich der Handel auf der IMM Cologne zeigen lassen, was die Möbelindustrie alles Neues bringt. Mit 102.000 Fachbesuchern ist die Messe noch mal größer als Heimtextil und Domotex. Dabei sollte aber nicht außer Acht gelassen werden, dass die alle zwei Jahre stattfindende Living Kitchen als Messe in der Messe ordentlich Besucher lockt. Aus Teppichsicht ist festzustellen, dass die Inszenierung der Stände spürbar an Qualität gewonnen hat. Auch gibt es ein kleines - aber überaus feines - Angebot an Teppichen.

"Mit diesem Ergebnis haben die beiden Kölner Veranstaltungen (IMM Cologne und Living Kitchen, Anm. der Red.) weiter an internationaler Strahlkraft gewonnen und sind damit außer Frage sowohl für den inländischen als auch für den internationalen Markt die wichtigste Plattform", bilanzierte Gerald Böse, Vorsitzender der Geschäftsführung des Veranstalters Koelnmesse. Zu einer äußerst positiven Bilanz kam auch Dirk-Uwe Klaas, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie: "Unsere ohnehin schon recht hohen Erwartungen an die Messe sind übertroffen worden. Wir sind glücklich über mehr Fachbesucher aus dem In- und Ausland und gehen mit viel Optimismus in das Möbeljahr 2015." Für den Handel zog der Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandels, Hans Strothoff, folgendes Fazit: "Die Messe war großartig und hat die Erwartungen des Handels übertroffen."

Attraktiver Auftritt der Pure-Textile-Gruppe


Spannender als die Living Kitchen ist aus textiler Sicht das Messeformat "Pure Textile" mit dem Auftritt der großen Textilverlage und Editeure. Nur eine Halle entfernt von dem designorientierten Format "Pure Village" und in direkter Nachbarschaft zu Vitra und Thonet präsentieren sich alle zwei Jahre Unternehmen wie Jab Anstoetz, Zimmer + Rohde, Nya Nordiska, Chivasso, Création Baumann oder Christian Fischbacher.

Claus Anstoetz, Geschäftsführer von Jab Anstoetz, war mit der Messe sehr zufrieden: "Die Imm 2015 überzeugte durch einen stimmigen und attraktiven Gesamtauftritt der Pure-Textile-Gruppe inklusive der schönen Piazza, die zum Verweilen und für Gespräche einlud." Christoph Häussler, Geschäftsführer von Sahco, freute sich über das große Interesse seitens des Fachpublikums: "Die Halle wird sehr gut angenommen. Hier treffe ich die Kunden, die ich haben möchte." Und warum stellt er auf der IMM und nicht auf der Heimtextil aus? "Es kommt ein anderes Publikum nach Köln als nach Frankfurt. Ich habe hier mehr Anknüpfungspunkte mit den Besuchern, hier ist unsere Zielgruppe."

Doch auch außerhalb von Pure Textiles gab es viele Stoffe und natürlich Teppiche zu sehen: auf den Ständen der Möbelhersteller. Wer sich einen Tag durch die Hallen treiben lässt, bekommt einen umfassenden Eindruck von den Wohntrends. Aus Teppichsicht fällt auf, dass mehr weiß-schwarze Berberteppiche - allen voran Beni Ouarain - und Flachgewebe in den Interieurs zu sehen sind. Die Kolorits sind eher dezent, auch wenn der eine oder andere Aussteller durchaus Mut zur Farbe hat. Langfloriges oder gar Polyester-Shaggies sieht man im Hochwertsegment schon lange nicht mehr.

Imm Cologne
Die bekannten Markenanbieter hatten die Neuheiten auf ihren Ständen häufig gekonnt mit hochwertigen Teppichen in Szene gesetzt. Ganz vorn dabei: marokkanische Knüpfungen und Flachgewebe.

Gemütlich entschleunigen


Gemütlichkeit ist weiterhin angesagt, meint die Einrichtungsexpertin Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie. Der Mensch wolle daheim durchatmen, sich zurückziehen von Stress und Hektik, einfach entschleunigen. Statt Möbeln mit eckigen Kanten sind eher runde Formen angesagt. Kuschelige, warme Stoffe wie Strick oder Filz stehen im Fokus, genauso wie Holz-Elemente, aber auch Farben verstärken das gemütliche Gefühl. Selbst keramische Fliesen sehen inzwischen aus wie warme Holzböden.

Die Menschen wollen harmonische Formen und Farben und wohnliche Accessoires. Gegenstände werden ausgewählt und "authentisch inszeniert". Also nicht zufällig irgendwo hingestellt, sondern ganz bewusst im Raum angeordnet, sodass ein stimmiges Gesamtbild entsteht. Im Global-Mix greift man dabei unvoreingenommen auf Einrichtungsideen und Möbel aus aller Welt zurück. Der Megatrend Natur setzt sich auch in der kommenden Saison fort.

Optisch präsentieren sich Möbelstoffe vielfach verjüngt: Neben Beige und Anthrazit - mit Curry als Farbtupfer - zeigen sie sich in frischen Farben und interessanten Mustern, die insbesondere bei Kissen zum Kombinieren einladen. Outdoor-Stoffe sind inzwischen so wohnlich und dekorativ, dass sie parallel für den Innenraum und Außenbereich eingesetzt werden.

Das Wohnen wird bunter


Farblich sieht Ursula Geismann Weiß auf dem Rückzug. Ganz verschwinden wird es nicht, aber bei vielen Herstellern wird es aktuell von einem hellen Grau abgelöst. Auch Silber ist im Kommen. Trotzdem: Insgesamt wird das Wohnen bunter, die Farben sind kräftig und klar. Starke Unis bei Polstermöbeln, Schränken und Regalen werden als Akzent bewusst gespielt. Man sah in Köln viel Blau - von Veilchen- bis Preußischblau -, aber auch Petroltöne, Orange, Giftgrün, das Gelbgrün einer Zitrone sowie kräftiges Pink. Das ganze Spektrum der Naturtöne spielt natürlich bei den Holzmöbeln eine Rolle. Bei lackierten Oberflächen verstärkt sich die Tendenz zu matt noch einmal. Auch Schwarz kommt zurück.

aus Carpet XL 02/15 (Wirtschaft)