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Parkettrestauratoren-Kurs in Neustadt/Aisch

Fachwissen auf höchstem Niveau


Acht Parkettleger aus Deutschland, Österreich und Polen sind mit Eifer am Start. Die Begeisterung für die Schönheit von klassischem Parkett treibt sie an. Im Restauratorenkurs in Neustadt/Aisch erhalten sie das technische und theoretische Rüstzeug, um historische Holzfußböden für die Zukunft zu erhalten oder im alten Stil neu aufzubauen und mit Mehrwissen im Beruf zu punkten.

Die Teilnehmer des Parkett-restauratorenkurses investieren 440 Unterrichtsstunden in 10 Wochen und rund 5.000 Euro für ihre Weiterbildung; Lernzeiten, sowie Arbeits- und Verdienstausfall im Betrieb noch nicht mitgerechnet. Die acht Männer, Parkettlegermeister und erfahrene Gesellen aus Berlin, Bonn,

Bayern, Österreich und sogar Polen sind hoch motiviert. Die Berufsschule in Neustadt/Aisch bietet ideale Bedingungen für den Kurs. Die Schulleitung stellt ihnen großzügig Räume zur Verfügung. Unter anderem einen Maschinenraum mit hochwertiger Ausstattung wie einer kalibrierenden Bandschleifmaschine für spiegelglatte Oberflächen, Hochleistungs-Kreissägen für Präzisionsschnitte und eine Nutfräse für statisch ausgewogene Parkettstäbe. Dazu kommt ein erfahrenes Referententeam, das sein Wissen vermitteln will, um damit Handwerkstechniken für den Erhalt und die Herstellung von historischen Holzfußböden zu sichern. Preiswerte Unterkünfte und eine relativ zentrale Lage in Deutschland begünstigen zusätzlich den Standort Neustadt.

Blick in die Praxis

Voll konzentriert sägen die angehenden Restauratoren mit Lupenbrille und Kopfleuchte. Die Herstellung der Einzelteile für ein vorgezeichnetes Intarsienmuster erfordern absolute Präzision. Geht etwas daneben - noch einmal. "Dass es so lange dauert, bis eine Blume für ein Tafelparkett fertig ist, hätte ich nicht gedacht", ist zu hören. Auch den Einsatz historischer Materialien wie Kaseinleim und alter Werkzeuge lernen die Teilnehmer. Dabei entsteht Respekt vor der Leistung der Handwerker zurückliegender Jahrhunderte, die mit einfachem Werkzeug traumhafte Parkettböden in enormer
Exaktheit herstellten. Diese Schätze gilt es zu bewahren und vor Schaden und Schädlingen zu schützen.

Mit modernen Computerprogrammen wird der Ist-Zustand vor jedem Eingriff dokumentiert. Beim Rückbau lernen sie die Unterkonstruktion vom Blindboden bis in den Fehlboden kennen. In Zusammenarbeit mit den Denkmalämtern bauen sie dann nach neuestem Stand der Technik den Boden im altem Erscheinungsbild neu auf. Ihr neu gewonnenes Geschichtswissen und die Stilkunde zu den einzelnen Epochen macht sie zu wertvollen Mitarbeitern im Denkmalschutz. Daher ist ihr Ziel, möglichst viel Detailwissen rund ums Parkett mitzunehmen. Dieser zusätzlicher Wissensschatz zeichnet sie aus und bringt ihnen auch in der täglichen Arbeit Vorteile.

Mehrwert erkannt

Im Unterschied zum Parkettleger, der Halbfertig- und Fertigprodukte auf der Baustelle verlegt, ist der Parkettrestaurator in den Herstellungsprozess eingebunden und benötigt damit ein wesentlich umfangreicheres Hintergrundwissen und somit mehr Weitblick. Die Werkstattarbeit liegt nahe beim Schreiner. Die Herstellung von Tafelparkett erfordert eine Präzision von Zehntel-Millimetern. Im Bereich des Unterbodens wird bis zur Balkenlage geöffnet. Dort tangiert der Restaurator die Aufgabe des Zimmermanns. Die Kenntnisse über Holzarten und deren chemische und physikalische Eigenschaften gehen weit über den Standard im Handwerk hinaus. Die Oberflächenbehandlung oder Farbangleichung, die auch bei Reparaturen und der Pflege nötig sind, basieren hier auf fundiertem Wissen. Dazu kommen Kenntnisse in Bauphysik und Statik, die heute bei jeder Sanierung im Altbau wertvoll sind. Der Kurs dient daher nicht nur zum Erhalt und Aufbau historischer Holzfußböden. Auch für die Beratung von Bauherrn und Architekten ist das Zusatzwissen von Vorteil. Mit diesem umfangreichen Einblick in das Verhalten eines Ober- oder Unterbodens unter thermischen, chemischen oder biologischen Einflüssen lassen sich bei Schadensfällen leichter Rückschlüsse ziehen. Einige Teilnehmer sehen den Kurs daher auch als hervorragende Vorbereitung für den Einstieg ins Sachverständigenwesen. Auch Inhaber von Betrieben sehen diese Vorteile: Nehmen sie nicht selbst teil, geben sie Mitarbeitern einen Zuschuss zur Fortbildung.

ZVPF Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik e.V., BIV Parkettlegerhandwerk und Bodenlegergewerbe
Stehend: Jochen Michalik, (Dozent, Institut für Fußboden – und Holztechnik, Straubing), Richard Lasse (Wilms, Wiesentheid) Christian Hegewald (selbstständig, Weißack), Dominic Ehens (Fußboden Feiner, Redwitz), Simon Hofmann (Vogele Parkett- und Fußbodentechnik, Burgau), Dominik Kölbl (FK Design Kölbl, Obersöchering), Martin Kranl (selbstständig Taibuswinkel, Österreich), Mike Riegel (Parkett Weber, Bonn) sitzend: Christian Gangloff (Dozent, Schemel, Bühl/Baden), Piotr Pioro (selbstständig, Warschau, Polen).
ZVPF Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik e.V., BIV Parkettlegerhandwerk und Bodenlegergewerbe
Beispiel einer erfolgreichen Restauration: Restaurierung von Schloss Burgellern durch den Restaurator Marko Domschke.

Ausbildungsplan

Parkettrestauratoren sind häufig von Parkett Begeisterte, die tiefer als für eine Verlegung nötig in die Handwerkskunst eindringen wollen. Die Ausbildung erfolgt nach dem Modell der "Stuttgarter Schule" in zwei Ausbildungsblöcken mit je einer Prüfung am Ende. Ziel ist, so das Niveau in der Ausbildung zu erhalten. Detaillierte Informationen sind auf der Internetseite der Fachgruppe Parkettrestauratoren unter www.parkettrestauratoren.org zu finden.

Block I

Voraussetzung: Gesellenprüfung im Parkettlegerhandwerk oder vergleichbarer Ausbildung.
Prüfung: Interne Prüfung mit Theoretischem und Praktischen Teil.
Abschluss: Geprüfter Parkettleger für Restaurierungsarbeiten.
Inhalt:
1.Geschichtliche Hintergründe zur Entwicklung von Holzfußböden.
2.Materialkunde zu Klebstoffen, Reparaturmassen und Mittel zur Oberflächenbehandlung.
3.Holzkunde I mit Informationen über Holzanatomie, sowie Schädlingen und Holzschutz.
4.Unterbodenaufbau und praktische Restaurierung eines Unterbodens.
5.Oberboden Dokumentation, Ausbau, Restauration und Oberflächenbehandlung.
6.Maschinenkurs und
Werkzeuginstandhaltung.

Block II

Voraussetzung: Meisterprüfung oder Altgeselle mit mehrjähriger Berufserfahrung im Parkettlegerhandwerk, zusätzlich Abschluss der Vorbereitung in Block I.
Prüfung: Externe Prüfung nur in Theorie durch die Handwerkskammer .
Abschluss: geprüfter Restaurator im Parkettlegerhandwerk.
Inhalt:
1.Kunst und Kulturgeschichte der Stilepochen mit Exkursionen in verschiedene Objekte.
2.Bestandsaufnahme und Dokumentation mit Begutachtung und Erstellung eines Maßnahmenkatalogs.
3.Zusammenarbeit mit Denkmalamt und Denkmalschutz.
4.Holzkunde II mit Vertiefen der Anatomie, dazu Holzerkennung und Holzchemie, sowie konservierender
Behandlung und Verarbeitung, Bezugsquellen
seltener Hölzer.
5.Bauphysik, Statik, Kalkulation.

Dozenten

Das Dozententeam besteht aus Experten im Parkettlegerhandwerk mit Ausbildung zum Parkettlegermeister, Sachverständigen, Restaurator, Techniker, Chemiker, Mathematiker, Holztechniker oder Betriebswirt im Handwerk.

Jochen Michali:k
Lehrgangsleiter und Vorsitzender der Fachgruppe der Parkettrestauratoren im ZVPF unterrichtet: Stilkunde, Geschichtliche Entwicklung der Holzfußböden I, Maschinenkurs, Bestandsaufnahme und Dokumentation mit AutoCAD-Programm, Tafel- und Intarsienparkettherstellung
Manfred Weber:
Kalkulation, Bestandsaufnahme, Dokumentation.
Christian Gangloff:
Holzanatomie, Holzchemie, Holzartenbestimmung, Intarsienherstellung
Dieter Humm:
Geschichtliche Entwicklung der Holzfußböden II, Geometrie, Klebstoffe.
Dr. Bernhard Sudhoff:
Bauphysik, Statik, Mathe und Geometrie.
Dr. Jörn Haferkorn:
Oberflächenbehandlung.
Werner Ertl:
Holzschädlinge, Holzschutz.

aus ParkettMagazin 03/15 (Wirtschaft)