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Farbkonzepte für Kinderzimmer, Kitas und Schulen

Experten empfehlen helle Töne und natürliche Materialien

Farben an Wänden und Böden sind das wichtigste Gestaltungselement in Kinderzimmern, Kitas und Schulen. Farbexperten und Designer der Industrie empfehlen, die Kolorits in Abhängigkeit von der jeweiligen Raumnutzung zu verwenden. Dabei sollte auf eine stimmige Gesamterscheinung geachtet werden. Ist der "rote Faden" zu erkennen, fördern Farben eine positive Stimmung sowie die Kreativität.

Ein Farbkonzept für Krippe oder Kita sollte sich wie ein "roter Faden" durch die Einrichtung ziehen. Diese Auffassung vertritt Caparol-Farbdesignerin Martina Lehmann und strebt damit ein stimmiges Gesamtbild an. Demnach sollen die verschiedenen Räume zwar nicht gleich aussehen, aber die gleiche gestalterische Handschrift tragen.

Die Farbdesignerin orientiert sich zunächst an Bodenbelägen und Möbeln, um auf dieser Basis ein Farbkonzept zu erarbeiten. Sie lässt auch die Wünsche der Kindergartenleitung und der Erzieherinnen mit einfließen. "Das Auge soll auf Wanderschaft gehen und immer wieder Neues entdecken können", ist ihr Maxime.

Dabei plädiert sie für helle Farben, auch wenn kleine Kinder kräftiges Rot, Blau, Gelb und Grün bevorzugten. Doch diese Töne brächten zu viel Unruhe in die Räume. Sie eigneten sich nur für kleine Flächen. Zudem lehnt die Designerin wilde Buntheit ebenso ab wie Bordüren mit putzigen Tierdarstellungen, die die kindliche Fantasie eher einschränkten als sie zu beflügeln.

Bei der Farbauswahl berücksichtigt die Expertin auch die Funktion der Räume und die Aufenthaltszeit. Sie unterscheidet dabei klar zwischen den Lern- und Spielzonen sowie den Fluren. Für Gruppenräume empfiehlt sie dezente Farbstimmungen, etwa helle Pastelltöne. Im Kontrast dazu stünden die bunten Spielsachen. Für die Flure lässt Lehmann dagegen auch mal einen kräftigen Farbton zu.

Ihre besondere Aufmerksamkeit gilt den Böden, die auch als Spielfläche genutzt werden. Ein neuer Belag sollte in einer Farbe mit Naturbezug gewählt werden und dunkler sein als die Wände. Das helfe den Kindern, sich im Raum zu orientieren. "Weil kleine Kinder ihre Umwelt auch mit den Händen begreifen, sollten möglichst echte Materialien zum Einsatz kommen wie Parkett, Linoleum und Ziegenhaar-Teppich."

Grundsätzlich gelten diese Regeln auch für die Einrichtung von Kinderzimmern. Hier gibt Lehmann aber zu bedenken, dass sich der Geschmack von Kindern häufig verändert: "Mit einem neuen Lebensabschnitt haben wir oftmals auch ein Bedürfnis nach Farbveränderung."

Kräftige Farben sollten in Einrichtungen für Kinder lediglich der Akzentuierung dienen. In Murgels Spielhaus in Baiersbronn sind das die farbigen Akustikelemente von Caparol.
Experten zu Farbkonzepten für Kinderzimmer, Kitas und Schulen.

Christine Gottwald, Leiterin des Ateliers der Farbe von Farbenhersteller Sikkens, bestätigt: "Am auffälligsten ist bei der Veränderung der Farbvorlieben während des Heranwachsens sicher der Hang zu Rosa und Pink bei Mädchen eines bestimmten Alters. Er weicht mit dem Älterwerden zuweilen einer genauso großen Abneigung." Sie spricht sich dafür aus, im Rahmen von flexibler Gestaltung auf die sich verändernden Wünsche der Kinder einzugehen.

Welche Vorstellungen Jugendliche von der Farbgestaltung haben, hat eine Umfrage ergeben, die der Produktmanager des Berliner Farbenherstellers Diessner, André Protze, zusammen mit Fachlehrer Frank Dreyer in der Klasse OBF 41 des Oberstufenzentrums Farbtechnik und Raumgestaltung Berlin durchgeführt hat. Demnach ist es wichtig, wozu und durch wen die einzelnen Schulbereiche genutzt werden. So sollten Lernräume für jugendliche Schüler eher in gedämpften Tönen wie warmem Grau, Grau-Grün oder kühlem Grau-Blau gehalten werden, um nicht abzulenken. Kräftige Farben könnten als Akzente dienen.

Für die von Grundschülern genutzten Räume sprachen sich die Befragten für helles, fröhliches Gelb, Orange oder Grün aus. Diese Farbtöne könnten auch kombiniert werden, damit die Räume frischer wirkten.
Die Gestaltung in Fluren und Treppenhäusern sollte nach Ansicht der Schüler farbenfroher ausfallen. Dafür empfehlen sie Gelb, Orange, Grün und Blau in einer kräftigeren Variante. In den Pausenräumen wünschen sie sich Karamell- und Kaffeefarbtöne.

"Die Farbe ist nach wie vor das bedeutendste Gestaltungselement für Wände in Kinderzimmern und öffentlichen Kindereinrichtungen", meint Georg Bischof, Produktmanager Innenfarben-Systeme der Relius Farbenwerke. "Farbreize beeinflussen das seelische und körperliche Empfinden des Menschen." Es sei wichtig, dies durch ausgewählte Kolorits positiv zu beeinflussen. Das fördere auch die Kreativität.

Außer der farbigen Gestaltung sei aber auch der "Kuschel-Effekt" von Bedeutung. Nach Auffassung Bischofs sollten deshalb im Kinderzimmer Kuscheltiere, Decken und Kissen zur Verfügung stehen.

cornelia.kuesel@snfachpresse.de



aus BTH Heimtex 07/15 (Farben, Lacke)