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65 Jahre Verband der Deutschen Parkettindustrie

Vorsichtiger Optimismus ist angesagt


Der Verband der deutschen Parkettindustrie (VDP) hatte sich für seine Feier zum 65. Verbandsjubiläum mit dem Gipfelrestaurant "Panorama Lounge 2962" auf Deutschlands höchstem Berggipfel - der Zugspitze - einen ganz besonderen Ort ausgesucht. "Wir wollten ein deutliches Signal aussenden, in welche Richtung es mit Parkett made in Germany in der nahen Zukunft gehen soll - nämlich aufwärts", erklärt der VDP-Vorsitzende Michael Schmid. Die aktuellen Zahlen lassen allerdings erkennen, dass Kletterkünste und Ausdauer nötig sind, um den gesteckten Zielen näher zu kommen.


Die Jubiläums-Mitgliederversammlung mit Vorstandswahl fand im Riessersee Hotel Resort in Garmisch-Partenkirchen am Fuß der Zugspitze statt. In seinen einleitenden Worten blickte Michael Schmid zunächst zurück auf das Jahr 1950 in Wiesbaden, als die Gründerväter den VDP als starken Zusammenschluss der Branche ins Leben gerufen haben. Rund 150 Parketthersteller gab es zu dieser Zeit, die etwa 4 Mio. m2 Parkett absetzten, was einem Marktanteil am Gesamtfußbodenmarkt von etwa 5 % entsprach. Rund 20 Jahre später fiel der Marktanteil auf 3 % zurück. Den mageren Jahren folgten die sprichwörtlichen fetten Jahre mit Verbrauchszahlen, die deutlich über 20 Mio. m2 lagen. Produktionsmengen legten ebenfalls mit entsprechenden Steigerungsraten zu. Um die Jahrtausendwende wurden die bisher höchsten Verbrauchs- und Produktionszahlen notiert. Es folgten Jahre mit stagnierenden Zahlen, aktuell sind Rückgänge zu verzeichnen. Hier eine Wende einzuleiten, ist das wichtigste Ziel des Verbandes und seiner Mitglieder. Michael Schmid äußerte sich vorsichtig optimistisch, dass dieses Ziel erreicht werden kann, und appellierte an die Mitglieder, dazu an einem Strang zu ziehen.

Als eine große Herausforderung für die gesamte Branche sieht Schmid die immer dramatischer werdende Wortpiraterie, vor der sich der Begriff Parkett schützen müsse. "Dass unsere edlen Produkte auf Teppich, Fliese oder PVC nachgeahmt und kopiert werden, sind wir gewohnt und das ehrt uns auch. Doch der Begriff Parkett ist mit dem echten Holz untrennbar verknüpft und zeugt vom Original", gibt Schmid zu Bedenken. Dies gelte es gegenüber den Verbrauchern kontinuierlich zu kommunizieren. Angesichts der aktuell rückläufigen Produktions- und Absatzzahlen spreche man derzeit zudem offen von Überkapazitäten und Konsolidierungsmaßnahmen auf dem Markt. Doch nicht die Überkapazitäten seien laut dem VDP-Vorsitzenden das Problem, sondern vielmehr die Tatsache, dass der heimische Kuchen, sprich der Parkettmarkt, für alle zu klein geworden sei. Deshalb sei es nun Zeit für die Mitglieder, Maßnahmen zur Vergrößerung dieses Kuchens zu beschließen. Schließlich produziere die Branche nicht emotionslose und kalte "No Interest"-Produkte, sondern den "Boden der Herzen" und das "Original aus echtem Holz".

Als Festredner blickte der anerkannte Branchenkenner und Fachjournalist Walter Pitt auf die deutsche Parkett-Geschichte zurück, die mit 165 Jahren deutlich älter ist als der nunmehr 65-jährige Parkettverband. Er umriss die Entwicklung der Holzböden bis zum heutigen Parkett, sprach von der hohen Wertschätzung, die Parkett weiterhin genießt. Auch heute noch sei der Boden der Könige weiterhin der König der Bodenbeläge.

Den Erfolgsweg des VDP in den letzten Jahrzehnten skizzierte Volker Brückner in Vertretung des ehemaligen VDP-Geschäftsführers Hermann Wegelt. In weiteren Vorträgen referierten die Leiter der einzelnen Geschäftsbereiche der Geschäftsstelle des VDP über die wirtschaftliche, technische und mediale Entwicklung von Parkett in den vergangenen sechseinhalb Jahrzehnten.

VDP Verband der Deutschen Parkettindustrie e. V.
Der Vorstand des Verbandes der Deutschen Parkettindustrie:
Volker Kettler, Alexander Drüsedau, Michael Schmid (Vorsitzender), Peter M. Hamberger und Ansgar Igelbrink.
VDP Verband der Deutschen Parkettindustrie e. V.
Parkettproduktion vdp-Mitgliedsbetriebe

Bei der anschließenden Vorstandswahl bestätigten die anwesenden Mitglieder den Vorsitzenden Michael Schmid im Amt. Einstimmig wiedergewählt wurden zudem Alexander Drüsedau, Ansgar Igelbrink und Volker Kettler. Aus dem Vorstand ausgeschieden ist nach 48 Jahren aktiver Mitarbeit Peter Hamberger. VDP-Geschäftsführer Dirk-Uwe Klaas dankte Hamberger für dessen jahrzehntelanger Mitarbeit und die allzeitige Bereitschaft, auch die "jungen Wilden" ihren Weg gehen zu lassen. Der vakante Vorstandsposten wurde mit seinem Sohn Dr. Peter M. Hamberger neu besetzt. Alle Wahlen erfolgten einstimmig.

Umfrage des VDP zur Parkettproduktion


Nach einem Rückgang der Parkettproduktion in Deutschland im Jahr 2013 um 5,3 % wurde auch 2014 ein weiterer Rückgang der Parkettproduktion registriert. Nach Ergebnissen der internen Umfrage des VDP zur Parkettproduktion sank das Produktionsvolumen der VDP-Mitgliedsbetriebe von Januar bis Dezember 2014 um insgesamt 10,9 % auf 9,5 Mio. m2. Der Produktionsrückgang betraf die Segmente Mosaikparkett, Massivholzdielen, klassisches Mehrschichtparkett (Schiffsböden) und dreischichtige Landhausdielen, während die Produktion von Stabparkett und zweischichtigen Landhausdielen zunahm. Für den Rückgang war das überwiegend im Wohnbau eingesetzte Mehrschichtparkett mit einem Minus von 11 % auf 9,2 Mio. m2 ausschlaggebend, aber auch das Produktionsvolumen von Massivparkett habe sich um 9,4 % auf inzwischen nur noch 321.000 m2 verringert. Eine positive Bilanz verzeichnen die zweischichtigen Landhausdielen, deren Produktionsvolumen sich im vergangenen Jahr um 43,7 % auf rund 103.000 m2 erhöhte.

Seit Anfang 2013 erfolgt die Umfrage des VDP zur Parkettproduktion in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsprüfung DHPG in Bonn. Die Auswertung liefert wichtige weitere Erkenntnisse zur Umsatzentwicklung, zur in Deutschland abgesetzten Handelsware und Gesamtparkettmenge der VDP-Mitgliedsbetriebe und steht ausschließlich beteiligten Unternehmen zur Verfügung.

Europäisches Forschungsprojekt Europarquet kommt gut voran


Das vom Verband der Deutschen Parkettindustrie gemeinsam mit dem Verband der Österreichischen Parkettindustrie über die Föderation der Europäischen Parkettindustrie (FEP) initiierte Forschungsprojekt Europarquet kommt gut voran. Dies wurde beim letzten Treffen der beteiligten Institute, Unternehmen und Verbände am 14. und 15. April in Dresden deutlich. Vorangetrieben werden aktuell die Erforschung, Entwicklung und Validierung zuverlässiger Methoden zur Qualitätsbeurteilung von Parkettelementen in den drei Themenbereichen Oberflächen- und Verklebungsqualität und Klimabeständigkeit von mehrschichtigen Parkettböden. Das Projekt wird vom Trägerverein Institut für Holztechnologie Dresden, unter Mitwirkung des Fachverbands der Holzindustrie Österreichs, koordiniert. Forschungsstellen sind das Institut für Holztechnologie Dresden und Holzforschung Austria. Neben deutschen Unternehmen beteiligen sich auch Parketthersteller aus Österreich, der Schweiz und aus Schweden sowie die FEP daran. Weitere Projektbeteiligte kommen aus der europäischen Zulieferindustrie.

aus ParkettMagazin 04/15 (Wirtschaft)