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Bauen oder verbrennen?

Der Wettbewerb um Holz ist in vollem Gange

Wie wird die Nachfrage nach Holzmaterial im Jahre 2035 in Bayern aussehen? Und kann der Bedarf gedeckt werden? Um das vorauszusagen, hat ein Team der Technischen Universität München (TUM) drei Szenarien entworfen, die sich am Ölpreis orientieren. Ausgangspunkt der Studie ist das Jahr 2010. Es markiert einen Wendepunkt in der Forstindustrie. Zum ersten Mal seit dem 2. Weltkrieg wurde mehr Holz für die Gewinnung von Energie (Wärme und Elektrizität) genutzt, als für Papier, Baubedarf und andere Holzprodukte.

Bei der Nutzung von Holz haben sich die Anteile dramatisch verschoben. Inzwischen wird mehr verbrannt als in der Produktion verwendet. Den Grund sehen die Akademiker sowohl beim gestiegenen Ölpreis als auch bei staatlicher Förderung der Nutzung von Holz als nachhaltigen Brennstoff. Fakt ist: verschiedene Nutzungs-Varianten konkurrieren miteinander. Das hat aus Holz einen Rohstoff von wachsender Popularität gemacht. Wird Holz dadurch zu einem knappen Gut? Die drei Ölpreis-Szenarien der Universitäts-Studie beleuchten mögliche Konsequenzen bis 2035 - einmal auf der Basis eines unveränderten Ölpreises, zweitens bei einem Anstieg des Ölpreises um den Faktor 1,5 und drittens bei einem verdoppelten Ölpreis.

Grundsätzlich, so die Aussage von Prof. Klaus Richter, Vorsitzender des Bereichs Holzwissenschaft an der TUM, sei es ökologisch wünschenswert, Holz in verschiedenen Stufen zu nutzen: Erst als Baustoff und das gleiche Material später als Brennstoff. "Um Holz langfristig als Kohlenstoffspeicher zu erhalten, sollte es aber vorrangig als Baumaterial eingesetzt werden."

Allerdings, auch das hat die Studie ermittelt, spielen beim Holzverbrauch die wirtschaftlichen Gesetze des Marktes eine entscheidende Rolle. Steigt der Ölpreis, dann verkaufen Forstbesitzer zwar insgesamt weniger Holz, aber mehr an Energielieferanten als an die Bau- oder Papierindustrie. Durch die Nachfrage geht auch der Holzpreis in die Höhe. Aktuell sieht das so aus: Bleibt der Ölpreis auf gegenwärtigem Niveau, wird rund 46 % des bayerischen Holzes in den Ofen geschoben. Würde sich der Ölpreis jedoch verdoppeln, prognostiziert die Studie, stiege dieser Anteil auf 54 %. Die Folge in Bayern: Holz würde knapper und Kapazitäten der Holzverarbeitung außerhalb der Energiegewinnung würden abgebaut. Selbst technische Innovationen und Rationalisierung könnten das nicht aufhalten. Im Ergebnis müssten mehr Holzprodukte importiert werden und in der industriellen Weiterverarbeitung, so die Vermutung, dürfte Holz zunehmend durch alternative Materialien ersetzt werden.


"Die Frage ist nicht, ob Holz als Brennstoff nachhaltiger eingesetzt ist als beim Hausbau", meint Projektleiterin Prof. Gabriele Weber-Blaschke. "Beide Aspekte sind Teile derselben Gleichung. Würden wir beispielsweise alles Holz verfeuern, dann müssten wir beim Hausbau mit Materialien wie Stahl und Stein auskommen, die weniger nachhaltig sind." Das, so die Untersuchung, würde die Treibhausgas-Emissionen ankurbeln. Auf der anderen Seite: Ersetzt man lediglich den Ölverbrauch durch Holzverbrauch, bleibt das Treibhausgas-Szenario gleich.

Wenn sowohl Öl- wie Holzpreise steigen, das hat die TUM errechnet, wird weniger Holz auf den Markt geworfen und verbraucht. Mehr CO2 bleibt also im Wald gebunden. Einen noch größeren Einfluss auf die CO2-Bilanz hat aber die Menge des Treibhausgases, die in verarbeiteten Holzprodukten steckt - vor allem dann, wenn Holz die weitaus energieintensiveren Baumaterialien Beton und Stahl ersetzt.

In Bezug auf bayrische Wälder schätzen die Forscher, dass eine solche Langzeitbindung von CO2 im Hinblick auf die derzeitigen Preise im CO2-Emissionshandel eine Ersparnis von bis zu 150 Mio. EUR bringen könnte. Und was ist mit Arbeitsplätzen? Mehr Forstarbeiter würden benötigt, wenn mehr Holz zur energetischen Verwendung gefällt werden müsste. Auf der anderen Seite würde der Bedarf an Arbeitskräften in den Sägewerken, bei Holzwerkstoffherstellern und der Papierindustrie sinken. Insgesamt sei beim verstärkten Einsatz von Holz als Brennstoff ein Verlust an Arbeitsplätzen zu erwarten. Das will die Universitäts-Studie nicht zuletzt den verantwortlichen Politikern vermitteln.

aus ParkettMagazin 04/15 (Holz)