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Erfal: Interview mit dem Geschäftsführenden Gesellschafter Jörg Erler

"Wir gehen eigene Wege"


Erfal konfektioniert maßgefertigten innenliegenden Sonnenschutz, Dekorationstechnik und Insektenschutz bekannter Systemhersteller.
Welchen Stellenwert dabei Eigenentwicklungen haben, erfuhr BTH Heimtex-Redakteurin Petra Lepp-Arnold im Gespräch mit Geschäftsführer Jörg Erler. Auch die neue Exportstrategie, die vielfältigen Messeaktivitäten und die erste eigenständige Objektkollektion waren Thema.

BTH Heimtex: Herr Erler, Erfal steht gut da und expandiert weiter. Zum Absatzgebiet zählen alle deutschsprachigen Länder. Nun haben Sie den Aktionsradius auf die Benelux-Staaten ausgeweitet. Welche Strategie steckt dahinter?

Jörg Erler: Wir hatten 2014 wieder einen Zuwachs von über 6 % und kommen damit jetzt auf rund 40 Mio. EUR Umsatz. Auch die nächsten Jahre streben wir einen systematischen, soliden Aufbau an. Wir wollen unser Hauptverkaufsgebiet in Deutschland weiter ausbauen. Das Geschäft im Ausland haben wir mit Österreich begonnen, dann um die Schweiz erweitert und uns jetzt für den Benelux-Raum entschieden. Wir beginnen in Holland.

Als ein etwas anders aufgestelltes Unternehmen sehen wir dort durchaus Chancen, mit neuen Produkten frischen Wind in den Markt zu bringen. Derzeit bezieht die holländische Kundschaft den Sonnenschutz vorwiegend von einheimischen Lieferanten. Zudem denke ich, dass wir mit unserem besonderen Service generell sehr gut punkten können. Die Lieferzeiten sind dort relativ lang. Deshalb ist das Ziel, spätestens nächstes Jahr die Produkte mit unserem eigenen Fuhrpark zu liefern. Außerdem werden wir 2016 auf der belgischen Messe Intirio in Gent als Aussteller präsent sein.

Stichwort Messe: Sie sind ein Befürworter kleiner Regionalmessen. Warum?

Erler: Wir bedienen im Jahr über zehn Messen. Ich finde es sinnvoll, dass es neben den Weltmessen wie Heimtextil, R+T, BAU und Fensterbau noch regionale Fachmessen gibt. Das hat für den mittleren und kleineren Raumausstatter im Einzugsgebiet den Charme, dass er mit wenig Aufwand die Messe besuchen kann und auf einer überschaubaren Ausstellungsfläche seine Lieferanten trifft. Deshalb haben wir die Raumtex-Messen von Anfang an unterstützt und gefördert. Wir sprechen uns auch für die Comfortex in Leipzig als einzige Messe unserer Branche im ostdeutschen Raum aus.

Sie haben viele Arbeits- und Fertigungsbereiche in eigener Hand behalten, von der Tischlerei bis zur Messe- und Marketingabteilung mit Fotostudio. Was sind die Vorteile?

Erler: Alles was wir als Kernkompetenz betrachten, ist hier im Hause angesiedelt, damit kein Wissensverlust entsteht. Das hat sich im Laufe der Jahre bewährt. Zum Beispiel sind wir mit der eigenen Tischlerei in der Lage, individuelle Ladenbaukonzepte für den Fachhandel zu realisieren. Wir passen uns hier den Kundenwünschen weitgehend an, wollen aber trotzdem die Wiedererkennungsmerkmale unserer Marke herausstellen. Gleiches gilt für die Marketingabteilung. Unser Ziel ist es, mit einem sehr kompakten Auftritt die Marke Erfal nach vorne zu bringen und auch beim Endkunden bekannt zu machen, vor allem durch die Nutzung selektiv ausgewählter, moderner Medien, etwa Online-Portale. Große Resonanz gibt es hier von Endverbrauchern auf das neue E-Rollo by Qmotion, das wir auch im Internet aktiv beworben haben und das jetzt beim Raumausstatter verstärkt nachgefragt wird.

Erfal GmbH & Co. KG
Jörg Erler: "Ich sehe durchaus Chancen, mit neuen Produkten frischen Wind in den holländischen Markt zu bringen."

Ihr Unternehmen ist oft Vorreiter bei innovativen Produkten und Sortimenten, wie vor Jahren auch beim Insektenschutz. Was treibt Sie an?

Erler: Wir haben die Vision, dass wir nicht nur die Produkte des Marktes abbilden wollen, sondern in der Entwicklung auch eigene Wege gehen. Unsere Devise ist, immer schon einen Schritt weiterzudenken.

Beim E-Rollo kooperieren wir seit 2012 mit dem amerikanischen Antriebsspezialisten Qmotion, der die technischen Grundlagen für die patentierte Rollotechnik mit Batteriemotor gelegt hat, die extrem energiesparend ist. Wir haben das Potenzial des Produktes erkannt und das System nach europäischem Standard weiterentwickelt, bis hin zu einer App für die Bedienung per Smartphone und Tablet. Die Motorisierung von Produkten sehen wir als wichtiges Zukunftsthema und werden daran weiterarbeiten.

Unsere neueste Innovation ist Smart Plissee, eine Verschattungslösung für Balkonverglasungen, Faltglaswände und Hebeschiebetüren. Die Plissees mit den 16 mm schmalen Falten gibt es zwar schon lange, doch wir haben jetzt einen neuen Einsatzbereich dafür gefunden. Natürlich werden im Rahmen solcher Weiterentwicklungen auch Ideen und Anregungen aus unserem Kundenkreis aufgenommen.

Auf der Sonnenschutzmesse R+T haben Sie mit Objecta einen eigenständigen Objektkatalog vorgestellt. Welche Zielgruppe sprechen Sie damit an?

Erler: Die Objektkollektion zielt auf Architekten, Bauplaner und Objekteure. Wir denken generell, dass der Innensonnenschutz beim Architekten einen höheren Stellenwert bekommen sollte und bereits schon in der Ausschreibung verankert werden muss. Oftmals wird ein Neubau mit großen Glasfronten fertiggestellt, aber eine effektive Beschattung wurde dabei nicht berücksichtigt. Unsere Objektstoffe bieten Lösungen nach internationalen Zertifizierungsstandards für nachhaltiges Bauen und Energiesparen und schaffen somit einen Mehrwert.

aus BTH Heimtex 09/15 (Wirtschaft)