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Tendence bekommt die Veränderungen im Handel zu spüren

Wieder weniger Besucher, aber die Qualität stimmt

Seit Jahren gehen die Besucherzahlen auf der Tendence zurück. Daran haben auch die Verkürzung um einen Tag und ein attraktives Rahmenprogramm nichts ändern können. Gegen den Strukturwandel im deutschen Einzelhandel ist man machtlos. Weniger Besucher bedeuten aber nicht automatisch weniger Umsätze auf Seiten der Aussteller. Und die brauchen ohnehin eine Messe mit internationalem Publikum.

Muss man sich um die Zukunft der Tendence Sorgen machen? Und wie steht es um den deutschen Fachhandel? Beide Fragen kann man sich angesichts der Entwicklung bei den Besucherzahlen auf der Frankfurter Konsumgütermesse stellen. Die stimmt alljährlich Ende August auf das kommenden Winter- und Frühjahrsgeschäft ein - und kämpft seit Jahren mit rückläufigen Besucherzahlen. Seit 2010 finden immer weniger Fachbesucher den Weg in die Mainmetropole. Wurden damals noch 57.000 gezählt, waren es in diesem Jahr nur noch 29.000 - nahezu eine Halbierung innerhalb von nur fünf Jahren.

Die Messe Frankfurt weist in ihrem Schlussbericht zurecht auf die nach wie vor volatilen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Europa hin. 20 % der Besucher kamen 2015 aus dem Ausland; damit ist der Anteil im Vergleich zum Vorjahr gleich geblieben. Gleichzeitig konstatiert der Veranstalter einen gravierenden Strukturwandel im deutschen Handel und liegt damit ebenfalls richtig.

Dabei ist man keinesfalls untätig. 2013 wurde Tendence von fünf auf vier Tage verkürzt. Parallele Veranstaltungen sollen die Reise nach Frankfurt noch lohnender machen: Mit der Webchance (Onlinehandel) und der Ecostyle (nachhaltige Produkte) werden zwei Themen fokussiert, die entscheidenden Einfluss auf die Zukunft des stationären Handels haben. Rund 2.200 Besucher hat die Messe Frankfurt 2015 auf den Vortragsarealen gezählt.

Dass das Format Eat+Lifestyle, ein in diesem Jahr erstmals durchgeführtes Food-Festival für Endverbraucher, auch Impulse für die Tendence bringt, erscheint hingegen zweifelhaft.

Tendence
Ideen und Produkte für die Saison bis in den Sommer 2016 waren in Frankfurt zu sehen.
| Foto: Messe Frankfurt/Valentin

Weniger, aber höherwertige Aufträge

Nun geht ja bekanntlich Qualität vor Quantität. Daher stimmt die Bilanz der Tendence 2015 von Stephan Koziol, Vorstandsvorsitzender des Europäischen Verbandes Lifestyle, hoffnungsvoll: "Es sind vielleicht weniger Besucher da, aber die qualitativ wichtigen Leute sind gekommen. Aus Sicht der Branche ist klar, dass es immer weniger Einzelhändler gibt. Ich glaube aber, dass die Meisten überrascht sind, wie positiv die Tendence gelaufen ist." Nach Aussage von Willo Blome, Geschäftsführender Gesellschafter der für ihre Edelstahlprodukte bekannten Firma Blome, geht der Trend dahin, dass weniger, aber dafür besser Aufträge geschrieben werden. Auch Hamid Yazdtschi, Geschäftsführer bei Gilde-Handwerk Macrander (Geschenkartikel und Accessoires) bestätigt: "Der Besucherrückgang ist durch die Erhöhung der Auftragswerte kompensiert worden."

Und schließlich will bzw. braucht die Branche auch eine Veranstaltung wie die Tendence. Denn nur so ist die Aussage von Thomas Grothkopp, Geschäftsführer im Bundesverband für den gedeckten Tisch, Hausrat und Wohnkultur (GPK), zu verstehen: "Die Positionierung der Tendence oberhalb der - geschätzten - Regionalmessen mit deutschen und europäischen Einkäufern und zahlreichen interessanten Ausstellern hat einen hohen Stellenwert jenseits des Tagesgeschäfts."

thomas.pfnorr@snfachpresse.de

aus BTH Heimtex 10/15 (Wirtschaft)