Ahmad Jawad, Beirut

Ein Teppich fürs Leben


Mitten im Stadtkern von Beirut steht das Teppich-Fachgeschäft Ahmad Jawad: Auf 700 m2 finden hier Teppichliebhaber dekorative Handarbeiten von antik bis neu, für kleine bis sehr große Geldbeutel. Dabei achtet das Familienunternehmen mit der bewegten Unternehmensgeschichte streng auf hohe Qualität.

Ich möchte Teppiche verkaufen, die im Gebrauch noch schöner werden", erklärt Maher Jawad. Der Inhaber des Fachgeschäftes Ahmad Jawad im Stadtkern von Beirut setzt auf qualitativ hochwertige, sorgfältig verarbeitete Knüpfteppiche und Flachgewebe. Deren Farben nicht verblassen und denen das Alter gut zu Gesicht steht. Das können extrem fein geknüpfte ornamentreiche Isfahan sein oder eher geometrische Heriz, ausdrucksstarke Kaukasier oder schlichte Kelim.

Für den Teppichverkauf steht Maher Jawad der denkbar beste Standort in ganz Beirut zur Verfügung: Sein großes Ladengeschäft mit 700 qm Verkaufsfläche liegt direkt neben den Beirut Souks, der angesagtesten Einkaufsmeile der Stadt. Hier parken Bentleys und Ferraris, hier schlendern die Reichen und die Berühmten von Armani zu Gucci; Normalverdiener werden vielleicht bei H & M oder Zara fündig. In den über 200 Ladengeschäften der Souks ist für (fast) jeden etwas dabei.

Farbiges aus den Dörfern, Feines aus den Städten

Dieses Prinzip funktioniert auch bei Jawad. Das Angebotsspektrum erstreckt sich über drei Etagen und ist ausgesprochen breit - und tief. Es reicht vom bezahlbaren afghanischen Kelim fürs junge Wohnen über farbenfrohe Dorfteppiche und feine Stadtteppiche bis hin zu alten und antiken Knüpfungen: nicht museal, aber sehr dekorativ. Es macht Spaß, die große "Schatzkammer" im Obergeschoss zu durchstöbern und dabei zum Teil sehr außergewöhnliche Stücke zu entdecken.

Für jeden Geschmack und Geldbeutel hat Jawad Kissen, Stickereien, Kelims oder Teppiche. Darunter auch übergroße Sonderformate, mit denen man gut und gern ganze Wohnzimmer auslegen kann. Die besondere Liebe des Familienunternehmens gilt dabei den feineren persischen Knüpfungen wie Isfahan, Nain und Kirman. Dabei agiert Jawad nicht nur als Einzelhändler, sondern auch als Importeur - und als Hersteller. In Indien betreiben die Jawads eine eigene kleine Produktion für moderne Teppiche.

Bewegte Geschichte

Das wunderschöne, über 100 Jahre alte Haus der Familie Jawad blickt ebenso wie die Familie selbst auf eine bewegte Geschichte zurück: 1927 wurde das Unternehmen durch den Großonkel des jetzigen Inhabers Maher Jawad ins Leben gerufen. Bereits 1946 zog die Teppichhändlerfamilie an den heutigen Standort um und restaurierte das Haus aus der Gründerzeit liebevoll und aufwendig. Im wohlhabenden Beirut, das damals auch als "Paris des Nahen Ostens" galt, lief das Geschäft sehr gut. So gut, dass man bald eine Niederlassung in der Port Free Zone eröffnete, die von Kunden aus dem gesamten Mittelmeerraum besucht wurde - bis 1975 der Bürgerkrieg ausbrach.

Plötzlich war nichts mehr so wie früher; das schöne Gebäude bei den Souks wurde ebenso wie die Souks selbst schwer beschädigt, und das Lager im Freihafen wurde geplündert. Aus dem Libanon, bis dato als "Schweiz des Orients" bekannt, brachen die Jawads 1978 in die tatsächliche Schweiz in Mitteleuropa auf und ließen sich in Genf nieder.

Erst 1994 kehrte die Familie nach Beirut und zu ihrem zerstörten Haus zurück. Beinahe 10 Jahre nahmen Wiederaufbau und Restaurierung des Hauses in Anspruch; 2004 war das "neue, alte" Teppichgeschäft fertig ausgestattet und bereit für erneuten Andrang: Das schwer angeschlagene Beirut erlebte einen Bauboom, der weit über die zerstörten Gebiete hinausging. Und jede neue Wohnung und jedes neue Haus musste mit Teppichen ausgestattet werden.

Inzwischen hat der Boom allerdings wieder nachgelassen und damit auch die überdurchschnittlich starke Nachfrage nach Teppichen. Mittlerweile liegen bereits in vielen der neu gebauten Häuser "Teppiche fürs Leben". Mit einem erweiterten Programm an Kelims und anderen Flachgeweben will Jawad jetzt verstärkt auch jüngere Leute ansprechen.

Reale und virtuelle Schaufenster

In Beirut laden die großen, regelmäßig neu dekorierten Schaufenster zu einem Erkundungsgang durch den Laden ein. Ein ebenfalls wunderschön dekoriertes und einladendes "Fenster" findet man im Internet: Unter www.ahmadjawad.com machen toll fotografierte Teppichbilder Appetit auf das reale Geschäft. Die sehr ansprechend gestaltete Homepage zeigt Jawads beeindruckende Bandbreite.

Die wichtigste und effektivste Werbung ist im Libanon aber immer noch die persönliche Empfehlung. Mund-zu-Mund-Propaganda hat hier einen viel höheren Stellenwert als in Europa. Gerade bei Teppichen, die in den Ländern des Nahen Ostens ganz selbstverständlich zum Wohnumfeld gehören und auch immer wieder Gesprächsthema sind. Zumal man sich hier häufig gegenseitig zum Essen in die eigenen Wohnräume einlädt, statt sich außerhalb im Lokal zu treffen. Jawads Kundschaft stammt zum Großteil aus der direkten Umgebung: Sie besteht hauptsächlich aus Beirutern, die sich neu einrichten wollen - ob jung oder alt, ob Durchschnittsverdiener, wohlhabend oder sehr reich. Auch professionelle Einrichter suchen in dem großen Ladengeschäft gern Teppiche für ihre aktuellen Projekte aus.
aus Carpet Magazin 04/15 (Handel)