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VDP: Der Vorsitzende Michael Schmid im Interview

"Rückenwind im hochwertigen Wohnungsbau"


Deutschlands Parkettindustrie blickt auf ein schwieriges Jahr zurück. In den ersten drei Quartalen verringerten sich die Produktionsmengen um 6,5 %. Doch der Wind scheint sich zu drehen: Von August bis Oktober betrug das Minus nur noch 2,5 Prozent. Zu Ursachen, Hintergründen und Tendenzen befragte ParkettMagazin Michael Schmid, Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Parkettindustrie (VDP) und Geschäftsführer des Familienunternehmens Jakob Schmid Söhne (Marke Jaso).


ParkettMagazin: In Städten und Ballungsgebieten haben hochwertige Immobilien Konjunktur. Kein Mensch käme hier auf die Idee, als Bodenbelag LVT oder Laminat einzusetzen, sondern Parkett ist die erste Wahl - meist vollflächig geklebt. Diese Entwicklung dürfte den deutschen Herstellern von Echtholzböden in die Karten spielen?

Michael Schmid: Für Bauunternehmen und Generalisten wird Parkett immer attraktiver, vor allem auch deshalb, weil die Leistungsbeschreibung hochwertiger Immobilien mit Parkett besser ankommt als mit jedem anderen Bodenbelag. Viele Parketthersteller haben dadurch Rückenwind bekommen. Das trifft auch für Jaso zu mit einem Plus von 13 % im Jahr 2015, welches gerade in diesem Einsatzbereich generiert werden konnte.

PM: Normalerweise herrscht in diesem Geschäftsfeld ein hoher Preisdruck.

Schmid: Das ist richtig, aber im Moment scheint sich ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage einzustellen. Ein Grund dafür ist die Rohstoffverknappung - vor allem bei Eiche. Diese Tendenz durfte noch einige Zeit anhalten. Der hohe Eichenverbrauch findet ja nicht nur in unserer Branche statt. Weitaus größere Mengen werden von der Möbelindustrie verarbeitet, während Parkett nur ein Kuppelprodukt ist.

PM: Anfang der 90er Jahre startete Buche in den unterschiedlichsten Ausführungen ihren Siegeszug. Auch Ahorn und Esche waren sehr beliebt. Gibt es Anzeichen für einen Trendwechsel?

Schmid: Ersatzhölzer für Eiche sind im Moment noch nicht in Sicht. Einige Hersteller versuchen Esche zu beleben, die aber nie den Platz von Eiche einnehmen wird - auch weil das Eschentriebsterben sehr präsent ist und die Bestände gefährdet. Noch mit einer weiteren Entwicklung hat die Parkettindustrie bei Rohstoffversorgung zu kämpfen: Da sich viele Sägewerke inzwischen auf Landhausdielen spezialisiert haben, stehen immer weniger Kurzstücke für Schiffsböden oder Einzelstäbe zur Verfügung.

PM: Die Produktionszahlen der deutschen Parkettindustrie gaben 2015 wenig Anlass zur Freude. Welches Fazit lässt sich für das zur Neige gehende Jahr ziehen?

Schmid: Nach drei Quartalen weist die Produktionsmenge -6,5 % auf, wobei sich die Tendenz verbessert hat. Von August bis Oktober waren es nur noch -2,5 %. Für gravierende Rückgänge in den letzten Quartalen war natürlich die Verlagerung deutscher Produktionen ins Ausland ausschlaggebend. Daher wird der Verband in Zukunft mehr Gewicht auf die in Deutschland abgesetzte Menge legen und diese Zahlen veröffentlichen. Dies gibt ein besseres Bild der tatsächlichen Marktlage wider.

PM: Zu den Verlierern dürften einmal mehr Massivholzböden gehören?

Schmid: Bei Massivparkett erwarten wir für 2015 eine Produktionsmenge von 270.000 m2. Auf Talfahrt befindet sich vor allem Mosaikparkett. Hier betrug der Rückgang im dritten Quartal 25 % gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Lediglich drei Verbandsmitglieder, darunter Jaso, fertigen das Produkt noch. Bei Jaso fällt das Rohmaterial überwiegend bei der Herstellung von Zweischichtparkett an. Mosaikparkett ist am Markt derart preissensibel, dass unsere Absatzmenge sich nahezu halbierte, als wir den Preis um 50 Cent pro Quadratmeter im letzten Jahr anhoben. Kalkulatorisch hatten wir für das Rohmaterial lediglich Brennholzpreise eingesetzt, da der Zukauf des Materials sonst die Preise exorbitant erhöht hätte. An diesem Beispiel sieht man, wie extrem preissensibel unser Markt ist.

PM: Wie entwickelt sich der klassische Stab in 22 mm?

Schmid: Stabparkett in 22 mm hat nach wie vor seine Berechtigung, wenn ein traditioneller Massivholzboden gefragt ist. Preislich ist aber anzumerken, dass zweischichtige Stäbe etwa auf dem gleichen Niveau liegen oder sogar etwas günstiger sind. Auch die endbehandelte Oberfläche trägt dazu bei, dass immer mehr Parkettleger hier eine Alternative zum massiven Stab sehen.

PM: Lamparkett von 9 bis 14 mm dürfte wohl kein Thema mehr sein, seit zweischichtige Ausführungen zum vollflächigen Kleben zur Verfügung stehen?

Schmid: Der deutsche Parkettleger arbeitet kaum noch mit Lamparkett. Anders in Skandinavien und in der Schweiz, wo diese Böden noch relativ oft verbaut werden. Die Anwender würde ich als Nostalgiker bezeichnen, die partout ein massives Produkt wünschen, das sich aufgrund der geringen Bauhöhe und der angebotenen Muster auch für die Renovierung sowie die Verlegung auf Fußbodenheizung eignet.

PM: Große Gewinner sind Dielenböden. Was ist eigentlich unter der Bezeichnung Landhausdiele genau zu verstehen?

Schmid: Der VDP unterteilt Dielen in drei Kategorien: die Massivholzdiele aus einem Stück Holz, die Landhausdiele dreischichtig und die Landhausdiele zweischichtig. Letztere ist ein relativ junges Produkt mit einer Länge von mindestens 1,5 m. In Deutschland werden in diesem Jahr voraussichtlich 4 Mio. Quadratmeter dreischichtige Landhausdielen produziert. Diese Menge enthält nicht nur das Standardmaß 2,20 m, sondern auch Ausführungen bis 7 m Länge. Zweischichtige Landhausdielen werden knapp 100.000 Quadratmeter erreichen. Die deutsche Produktion von Massivholzdielen ist in diesem Jahr mit 70.000 Quadratmetern zu veranschlagen bei einem Gesamtmarkt zwischen 400.000 und 450.000 Quadratmetern.

PM: Inlandsproduktion minus Export plus Import = Verbrauch: Wie entwickelt sich der Parkettmarkt in Deutschland?

Schmid: Der Verbrauch in Deutschland wird 2015 wahrscheinlich stagnieren oder leicht rückläufig sein. Ausschlaggebend dafür sind mehrere Faktoren. Wir Hersteller müssen zur Kenntnis nehmen, dass Parkett durch neue Trendprodukte stellenweise verdrängt wird. Auch wenn Endverbraucher einen Baumarktprospekt zur Hand nehmen, stellen sie fest, dass Echtholz im Vergleich zu anderen Belägen sehr billig oder gar zu billig ist. Unsere Branche schliddert so in ein Imageproblem. Es gibt jedoch die Möglichkeit, über das Internet und Social Media näher an den Konsumenten zu kommen. Ein wichtiges Instrument des VDP ist die Domain www.parkett.de. Hier werden wir verstärkt aktiv werden und informieren.

PM: Einige Traditionsfirmen produzieren inzwischen im Ausland, um Lohnkosten zu sparen. Führt dies für hiesige Hersteller zu Wettbewerbsnachteilen?

Schmid: Für den Fußbodenbereich gilt generell, dass immer mehr Investoren versuchen, den stark fragmentierten Markt zu konsolidieren, indem sie verschiedene Firmen übernehmen und zusammenführen. Die Produktion wird dann oft in Länder mit geringeren Lohnkosten verlagert. Der Konzentrationsprozess wird sich nach meiner Einschätzung auch in der europäischen Parkettindustrie fortsetzen. Diese Entwicklung macht es den in Deutschland verbliebenen Unternehmen schwer, im Preiskampf zu bestehen - vor allem mit Massenprodukten. Gute Chancen gebe ich Spezialisten in der Nische, indem sie innovativer, schneller und individueller am Markt reagieren.

VDP Verband der Deutschen Parkettindustrie e. V.
Michael Schmid, Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Parkettindustrie: "Für gravierende Rückgänge in den letzten Quartalen war die Verlagerung deutscher Produktionen ins Ausland ausschlaggebend."
VDP Verband der Deutschen Parkettindustrie e. V.
Seit dem 3. Quartal 2015 wird nicht mehr die Produktionsmenge bekannt gegeben, sondern die "abgesetzte Menge" in der auch die Handelsware der Hersteller enthalten ist. "Dies gibt ein besseres Bild der tatsächlichen Marktlage wieder", begründet VDP-Vorsitzender Michael Schmid die Maßnahme.

PM: Mit welchen Herausforderungen sieht sich der VDP aktuell konfrontiert?

Schmid: Die Verwendung des Begriffs Parkett für Fußböden, die mit Holz nichts zu tun haben, macht uns schwer zu schaffen. Deshalb besteht eine der wesentlichen Herausforderungen des VDP darin, Vertriebskanäle und Endkunden darüber aufzuklären, dass als Parkett nur ein Boden mit einer Echtholz-Nutzschicht von mindestens 2,5 mm bezeichnet werden darf. Um die missbräuchliche Verwendung des Begriffs zu vermeiden, ist der VDP gemeinsam mit den jeweiligen Verbänden und Herstellern bestrebt, eine einvernehmliche Regelung zu erreichen. Durch den Dialog bewegen sich bereits einige der Großen unter den Baumärkten in die richtige Richtung, indem sie verstärkt auf eine korrekte Beschreibung der Böden achten.

PM: Welche technischen Themen stehen im Fokus?

Schmid: Auf technischer Ebene diskutieren wir unter anderem das Thema Fußbodenheizung, nachdem der ZVPF moniert hat, dass die Parketthersteller unterschiedliche Temperaturbereiche für ihre Produkte angeben. Hier gehen wir auf die Forderungen des Handwerks ein und überarbeiten die jeweiligen Merkblätter. Selbstverständlich produzieren die deutschen Hersteller Böden, die sich normgemäß für Fußbodenheizung eignen und für eine Oberflächentemperatur bis 29 °C freigegeben sind.

Was die Deckschichtablösungen betrifft, wenn die Temperatur der Fußbodenheizung hochgefahren wird, ist folgendes festzustellen: Entweder handelt es sich dabei um Böden, die mit untauglichen Klebstoffen hergestellt wurden und erst nach 5, teilweise auch erst nach 10 oder 15 Jahren versagen, oder es sind Produktionsfehler. Ist letzteres der Fall, kann der Schaden bereits nach 1-2 Heizperioden auftreten. Die Kosten sind dann, in der Regel, durch eine Produkthaftpflicht-Versicherung gedeckt. National und international laufen zurzeit mehrere Projekte, die die Verleimungs- und Formstabilität von Mehrschichtparkett sowie die Oberflächenqualität überprüfen.

PM: Parketthersteller, die fehlerhafte Produkte geliefert haben, müssen nach jüngster europäischer Rechtsprechung nur das Material erstatten, nicht aber Aus- und Einbau. Welche Position nehmen Sie zu dieser Problematik ein?

Schmid: Hier fühlt sich der Handwerker zu Recht im Stich gelassen. In unserem Hause vertreten wir die Auffassung, dass - unabhängig vom Gesetzgeber - Handlungsbedarf besteht. Um seine 30-jährige Herstellergarantie zu untermauern hat Jaso all seine Mehrschichtprodukte haftpflichtversichert. Das heißt: Sollte es bezogen auf die Verklebung während der ersten fünf Jahre nach Bauabnahme bzw. sechs Jahre nach Kaufabschluss zu einem Schaden kommen - in dieser Zeitspanne zeigen sich die meisten Produktionsfehler -, übernimmt der Versicherer sämtliche Kosten rund um den Ausbau und die Neuverlegung. Die Garantie gilt ohne die Verwendung von Überwachungsinstrumenten.

PM: Was macht Sie so sicher, die Gewährleistung auf 30 Jahre ausdehnen zu können?

Schmid: Das Ergebnis eines von Jaso am Institut für Holztechnik, Dresden, in Auftrag gegebenen Prüfverfahrens sowie der in unserem Hause angewandte Test JAS II, dessen Anforderungen in Japan alle verklebten Neuprodukte aus Holz erfüllen müssen. Dabei wird ein Prüfkörper des Mehrschichtparketts zwei Stunden in einem Wasserbad bei 70 °C gelagert und drei Stunden bei 60 °C getrocknet. Wenn dann keine Delaminierung auftritt, ist davon auszugehen, dass die Funktion dauerhaft sichergestellt ist.

PM: Zu Jaso: Bis 2012 gehörte Ihr Unternehmen zu den wenigen deutschen Parkettherstellern mit eigenem Sägewerk. Nur noch Hamberger, Gunreben und Reinlein betreiben dieses Geschäftsfeld. Warum haben Sie sich aus der vollstufigen Produktion verabschiedet?

Schmid: Wer ein Sägewerk betreibt, ist mit einem Metzger vergleichbar: Er kann nicht nur Filetstücke anbieten, sondern muss alles verwerten, was die Sau hergibt. Und da wir in Deutschland für die Produktion einer Leberwurst - sprich Reststücke für Mosaikparkett - sehr hohe Lohnkosten aufbringen müssen, aber nur geringe Preise für das Endprodukt erzielen, lohnt sich diese Fertigungsstufe irgendwann nicht mehr.

PM: Wo liegen bei Jaso die Produktionsschwerpunkte?

Schmid: Unser größter Umsatzbringer ist weiterhin Zweischichtparkett. Stark gefragt ist zum Beispiel die kleine rustikale Landhausdiele im Format 1.200 x 140 mm. Aber auch die übergroßen dreischichtigen Landhausdielen erfahren großes Interesse. Ob gebürstet, sägerau, handgehobelt, ungefast, quergefast, längsgefast bei uns ist jedes Produkt in allen Kombinationen und aktuellen Farben erhältlich.

PM: Ist der Internethandel für Jaso ein Thema?

Schmid: Die Konstellation unseres Vertriebs erfordert kein E-Commerce, da wir noch nie den Drang zum Endkunden hatten, sondern uns als direkter Partner des Parkettlegers sehen, der sein benötigtes Material auf herkömmliche Weise bezieht. Das Internet wird bei uns aber keineswegs vernachlässigt, dient aber eher als Informationsquelle und zu werblichen Maßnahmen.

PM: Welche Produkte wird Jaso mit der Schwesterfirma Trumpf auf dem Woodflooring Summit in den Blickpunkt rücken?

Schmid: Wir werden eher wenig Eiche zeigen und stattdessen Esche sowie Buche, die untypisch aussieht, außerdem Formate, die bisher kein Hersteller produziert. Verschiedene Hölzer werden wir sogar kernfärben, sodass sie ohne optische Veränderungen renovierbar sind. Wir wollen uns als Spezialist im Zweischichtparkett (Jaso) und in den Landhausdielen (Trumpf) präsentieren und etablieren.


VDP Verband der Deutschen Parkettindustrie
D-53604 Bad Honnef
Flutgraben 2
Telefon: 02224 - 9377-0
Email: info@parkett.de
www.parkett.de

Geschäftsführung: Dirk-Uwe Klaas
Vorsitzender des Vorstands: Michael Schmid
Vorstand: Alexander Drüsedau, Volker Kettler, Ansgar Igelbrink, Dr. Peter M. Hamberger
Presse-/Öffentlichkeitsarbeit: Bastian Herzig

Der Verband der Deutschen Parkettindustrie (VDP) wurde 1950 in Wiesbaden gegründet. Seit 2006 befindet sich die Geschäftsstelle in Bad Honnef. Seine vorrangigen Ziele sieht der VDP darin, den Wert von Parkett als Naturprodukt höchster Güte zu vermitteln sowie die Produktqualität weiter zu verbessern. Zurzeit sind 19 Hersteller im Verband organisiert, die rund 90 % der deutschen Parkettproduktion repräsentieren.

aus ParkettMagazin 01/16 (Wirtschaft)