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Health + Care

Parkett im Gesundheits-wesen ist kein Widerspruch


Noch sind Holzböden im Health & Care-Bereich eher eine Randerscheinung. Dabei könnten sie aufgrund ihrer Eigenschaften zum Genesungsprozess der Menschen in Gesundheitseinrichtungen beitragen. Die strengen Hygienevorschriften verbieten es, und dennoch gibt es Bereiche, in denen Holzböden neben Bodenfliesen, Vinylböden und Linoleum verstärkt zum Einsatz kommen könnten. ParkettMagazin hat eine Einrichtung besucht, in der verschiedene Bodenarten miteinander kombiniert verlegt worden sind - ganz im Sinne des Healing Environment-Ansatzes, ein Konzept der heilungsfördernden Umgebung, das in den USA bereits umgesetzt wird.

Die Behaglichkeit von Holz ist nicht zu unterschätzen: "Wir versuchen immer, den Holzboden mit in unsere Objekte einzubauen und zwischen den Aspekten bzw. Anforderungen der Hygiene und den Wünschen der Bauherren zu vermitteln", sagt Architekt Jürgen Schmidt vom Büro Krampe Schmidt in Bochum. Im Rheumazentrum Ruhrgebiet in Herne haben die Planer die verschiedensten Bodenbelagstypen auf den drei Etagen des Objekts verlegt und versucht, die Vorstellungen des Ärztlichen Direktors Prof. Dr. Jürgen Braun zu erfüllen. Danach sollte das Haus so gestaltet werden, dass die Patienten darin die Ruhe finden können, die sie für ihren Genesungsprozess benötigen. Neben Prof. Braun haben sich außerdem der Geschäftsführer der St. Elisabeth Gruppe und die Baukoordinatorin in die Planung eingeschaltet. "Wir konnten ihnen die Vor- und Nachteile der verschiedenen Bodenbeläge aufzeigen und darüber diskutieren. Das ist nicht bei jedem Objekt üblich, aber durchaus empfehlenswert", sagt Schmidt.

Krankenhausimage vermeiden

Letztendlich bestand die Hauptaufgabe der Architekten darin, den Faktor Krankenhaus nicht aus den Augen zu verlieren und dennoch ein Objekt zu schaffen, das nicht sofort das Image einer medizinischen Einrichtung ausstrahlt. "Um dies zu erreichen, haben wir einerseits mit dem 0,6 mm dicken homogenen Bodenbelag Gerflor Mipolam Symbioz gearbeitet, der unter anderem in den Gängen auf jeder Etage verlegt wurde. Auf der anderen Seite haben wir Bereiche gesucht, in denen wir mit anderen Bodenbelagsmaterialien Akzente setzen konnten. In den Patientenaufenthaltsbereichen und in den Zimmern der Privatpatienten kam die 2,5 mm dicken Vinyl-Planken Gerflor Creation Wood zum Einsatz. Im Eingangsbereich des Rheumazentrums, im Treppenhaus und immer dort, wo ein Ausgang auf der Etage auf die Dachterrasse führt, haben wir die großformatigen Bodenfliesen Porcelaingres Just Beige verwendet. Im Kraftraum und den beiden Gymnastikräumen in der ersten Etage sowie im Raum der Stille auf der zweiten Etage wurde ein etwa 12 mm dickes Räuchereiche-Parkett verlegt", beschreibt der Architekt die Materialvielfalt. Sogar auf der mit Sträuchern und Blumen bepflanzten Dachterrasse kam Holz im Bereich der Sitzecken zum Einsatz.

Alle Beläge in diesem Objekt wurden geklebt. Die Übergänge von der Bahnenware zu den Planken und dem Parkett oder den Fliesen sind nahtlos gelungen. Beim Parkettboden wurde dafür allerdings der Estrich um 10 mm abgesenkt. Nach dem Kleben des Parketts wurde der Boden geschliffen und mit dem 2K-Parkettlack Bona Traffic für stark beanspruchte Holzböden versiegelt. Dehnungsfugen wurden mit Presskorkstreifen geschlossen. Die Sockelleiste besteht aus Massivholz und ist als Stoßkante ausgeführt. Dadurch wird die Reinigung des Bodens bis an den Rand des Raumes ermöglicht.

Damit haben die Architekten innerhalb des vorgegebenen Budgets das optimalste Ergebnis herausgeholt. Bei diesem Objekt wurde deutlich, dass es einen Trend hin zu mehr Wohlfühlatmosphäre in Gesundheitseinrichtungen gibt - weg vom Krankenhausimage, hin zu mehr Behaglichkeit, die vor allem ein Bodenbelag aus natürlichem Material wie Holz ausstrahlen kann. "Natürlich wählen auch wir Bodenbeläge nach den hygienischen Anforderungen sowie den optischen und haptischen Eigenschaften sowie dem Preis aus. Verstärkt versuchen wir aber, möglichst oft Holzböden zu integrieren, da sich dieser natürliche Boden gegenüber anderen Belägen bereits aufgrund seiner Langlebigkeit rentiert, zudem schwingungsdämpfend wirkt und eine gute Wärmeisolierung aufweist", betont Jürgen Schmidt. Ferner unterstreicht der Holzboden gerade in diesem Rheumazentrum die gewünschte dem Genesungsprozess zuträgliche Atmosphäre, die mit großzügigen Freiflächen im Entree und zusätzlichen Lichtquellen in den Gängen unterstützt wird.

Im Kraftraum wurde ein
Lamellenparkett in Räuchereiche verlegt.
In den Aufenthaltsbereichen liegt ein Vinylboden. Sitzmöbel und Fenstervorhänge setzen Farbakzente.
Lamellenparkett sorgt für eine behagliche Atmosphäre sowohl im "Raum der Stille" als auch in den Gymnastikräumen.
Bahnenware trifft Planke: Auf dem Flur im Bereich der Privatpatientenzimmer wurden zwei verschiedene Bodenbeläge verlegt. Auffällig ist die Signalwirkung im Bereich des Schwesternstützpunktes.
Hinter der Patientenannahme befindet sich die Terminverwaltung für die Patienten. Dort wurde die Vinyl-Bahnenware verlegt, die sehr leicht zu pflegen ist und nahtlos in den Parkettboden übergeht.
Rheumazentrum Ruhrgebiet
Claudiusstraße 45
44649 Herne
Tel. 02325-592-0
info@rheumazentrum-ruhrgebiet.de
www.rheumazentrum-ruhrgebiet.de

Bauherr: St. Elisabeth Gruppe Katholische Kliniken Rhein-Ruhr
Ausführendes Architektenbüro: Krampe Schmidt Architekten BDA, Bochum www.krampe-schmidt.de
Bruttogrundfläche: 13.241,52 m2
Nutzfläche: 7.254,00 m2

Fußböden:
-Vinyl-Bahnenware Gerflor Mipolam, Symbioz 6001 Cotton
-Vinyl-Plankenware Gerflor, Creation Wood Barrington
-Parkett Breitlamelle Räuchereiche
-Bodenfliesen Porcelaingres Just Beige Natur

Verleger:
Steden Raumgestaltung
Hattinger Straße 365
44795 Bochum
Tel. 0234-579898-0
www.steden-raumgestaltung.de

Desinfektion von Parkett-Oberflächen bleibt schwierig

Das robuste Bodenbelagsmaterial wird immer auch unter dem Aspekt eines notwendig werdenden Austauschs ausgewählt: "Ich muss bereits bei der Planung schauen, dass die Beläge auf lange Sicht funktionieren. Renovierungsarbeiten stören den täglichen Betrieb einer Gesundheitseinrichtung. Während Vinylbeläge schnell ausgetauscht werden können, lässt sich Parkett im laufenden Betrieb einer Gesundheitseinrichtung nicht so einfach schleifen und anschließend drei Tage lang mit einer Versiegelung wieder aufbauen", sagt Schmidt. In den Fluren auf den drei Etagen des Rheumazentrums wurde deshalb auch Bahnenware verlegt, deren Oberfläche werkseitig mit PU versiegelt ist. "Mit diesem beschichteten Boden schließen wir spätere Probleme bei der Unterhaltsreinigung aus, die durch ungeeignete Reinigungsmittel verursacht werden könnten", erklärt der Architekt.

Generell werden in Gesundheitseinrichtungen täglich Reinigungsmaschinen auf den kontaminierten Böden eingesetzt. Ein Mikrofasermopp unter den Maschinen entfernt den Schmutz aus den Vertiefungen des Bodens, anschließend wird dieser desinfiziert. Auf den PVC-Böden lasse sich diese tägliche Dekontaminierung hervorragend durchführen. Auf dem Parkettboden funktioniert das nicht. Auch deshalb schließt sich die Verwendung von Holzböden in den Fluren von Gesundheitseinrichtungen von selbst aus, obwohl das Material aufgrund seiner hohen Belastbarkeit sowie Langlebigkeit ideal geeignet wäre. "Dennoch stößt Parkett in einzelnen Bereichen des Health & Care-Bereichs an seine Grenzen. So werden lackversiegelte Oberflächen im Laufe der Zeit milchig, weil sie mit Desinfektionsmittel in Berührung gekommen sind", sagt Jürgen Schmidt aus der Erfahrung in anderen Objekten.

In der Kombination unterschiedlicher Beläge liegt noch Potenzial

Immer da, wo es ausreicht, den Boden nebelfeucht zu wischen, kann auch Parkett zum Einsatz gelangen. Im Rheumazentrum Ruhrgebiet hat dies funktioniert, sodass ein angenehmer Mix der Gestaltung möglich wurde. Letztendlich hat die Arbeit an diesem Objekt gezeigt, dass ein großes Potenzial darin steckt, Health & Care-Objekte mit unterschiedlichen Bodenbelagsmaterialien auszugestalten und gleichzeitig die ästhetischen und funktionalen Aspekte eines Bodens, wie etwa Rutschsicherheit, Desinfektionsmittelbeständigkeit, Abriebbeständigkeit, Fugen- und Blendfreiheit, dort wo es notwendig ist, zu beachten. Jürgen Schmidt sieht im Grunde genommen nur Vorteile in der Kombination und möchte gern mehr Holz als Bodenbelagsmaterial einsetzen.

aus ParkettMagazin 01/16 (Bodenbeläge)