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Heimtextil – Petra Lepp-Arnold berichtet über Sonnenschutz und Dekotechnik

Individuell soll’s sein

Themen wie E-Commerce, Automatisierungslösungen sowie die Individualisierung von Rollos, Plissees, Jalousien & Co. gaben in Frankfurt den Ton an. Zum vorgezogenen Messestart am Dienstag gab es unterschiedliche Meinungen.


Der Marktplatz für Sonnenschutz- und Dekorationstechnik in Halle 5.1 füllte sich am ersten Messetag - diesmal der Dienstag - nur zögerlich. Über die Veränderung der Tagesfolge war so mancher Fachbesucher offenbar noch nicht im Bilde. "Der Mensch ist ein Gewohnheitstier", kommentierten verschiedene Aussteller den schleppenden Auftakt, darunter auch Axel Schindler, Leiter Zentralbereich Vertrieb bei MHZ. "Die Besucherzahlen am Dienstag waren zu gering", sagte er, sah darin aber nicht das Hauptproblem: "Auch der Freitag als letzter Tag war nicht gut besucht. Hier muss die Messeleitung kreativ sein, um insgesamt mehr Publikum in die Hallen zu bekommen." Der exportorientierte Textilveredler Junkers & Müllers empfängt in Frankfurt Besucher aus aller Welt. "Für uns ist der Beginn am Dienstag besser", sprach sich Geschäftsführer Dr. Christian Junkers klar für eine unterwöchige Veranstaltung aus. "Unser Messestand war an allen Tagen hervorragend besucht."

Nach mehr als 25 Jahren auf die Heimtextil zurückgekehrt war Widmer Sonnenschutz. "Wir gehen wieder auf die große Bühne zurück", sagte Michael Müller. Der geschäftsführende Gesellschafter des Herstellers von innen- und außenliegendem Sonnenschutz hat das Traditionsunternehmen 2010 übernommen und komplett neu aufgestellt. Das zweite Geschäftsfeld von Widmer ist die Produktion von Federwellen für die Sonnenschutz-Industrie.

Der Verband innenliegender Sicht- und Sonnenschutz (ViS) sieht in der Resonanz der Besucher auf der Heimtextil einen ersten Indikator für die kommenden Monate. Für 2016 gehen die meisten Mitglieder von einer positiven Entwicklung aus. Die Erwartungen seien tendenziell positiver als vor einem Jahr, heißt es aus der Verbandsgeschäftsstelle in Wuppertal. Im ersten Halbjahr 2015 hatten die im ViS organisieren Hersteller "prozentual einstellige Umsatzzuwächse" in den Produktgruppen Rollo, Plissee, Horizontaljalousie und Vertikallamelle verzeichnet. Zahlen für das zweite Halbjahr lagen noch nicht vor. Man gehe aber überwiegend von stabilen Umsätzen aus.

Multichannel-Marketing ein Top-Thema

"Multichannel-Marketing" war auf der Messe in aller Munde. Der Handel von Rollos, Plissees, Jalousien & Co. über Onlineshops hat sich als Vertriebskanal inzwischen fest etabliert. Hierauf muss der stationäre Fachhandel die richtige Antwort finden. Die Möglichkeiten reichen vom eigenen Webshop bis zur besseren Vermarktung der ureigenen Kompetenz als qualifizierter Einrichtungsexperte. Dazu können auch die digitalen Verkaufshilfen genutzt werden, die diverse Sonnenschutz-Unternehmen ihren Fachhandelskunden anbieten. Mit solchen Apps für die Planung und Beratung beim Endverbraucher vor Ort - mittels Visualisierung von Fensterdekorationen in der Originalsituation auf einem Tablet - kann sich der Raumausstatter als moderner Dienstleister profilieren. Weiterhin lanciert die Industrie durchdachte Konzepte für den PoS. Shop-Systeme, Schaufensterdisplays und kreative Produktpräsentationen befeuern durch Atmosphäre und Ausstrahlung den emotionalen Aspekt des Erlebniskaufs.

Ein weiteres Top-Thema ist die Individualisierung. Das personalisierte Nutella-Glas zeigt, wohin die Entwicklung geht. Pralinen mit aufgedruckten Vornamen oder Müslis und Schokoladen nach dem Rezept der Kunden sind derzeit sehr gefragt. Beim Sonnenschutz ist es der Digitaldruck, mit dem sich aus dem Behang ein Unikat machen lässt. Nicht ohne Grund gehört der Bereich "Digital Print" zu den wichtigsten Wachstumssegmenten innerhalb der Textilindustrie. Die Vorteile für die Konfektionäre: Sie können sich mit individuell gestalteten Exklusivstoffen und Sonderkollektionen ein Alleinstellungsmerkmal sichern. Der Fachhandel wiederum hebt sich mit einzigartigen Produkten von der Massenware ab und entkommt dem Preisvergleich. Die von den Herstellern vorgestellten Individualisierungsmöglichkeiten beschränken sich aber nicht allein auf den Stoff. Jalousien mit Farbwechsel im Behang waren beispielsweise ebenso Teil der Messe-Neuheiten wie Detaillösungen von schicken Leiterbändern bis zu neonfarbenen Bediengriffen.

Heimtextil Frankfurt
MHZ rückte die professionelle Beratung mit Hilfe neuer Medien in den Fokus des Publikums.

Dauerbrenner Energieeffizienz

Unvermindert auf der Agenda der Branche stehen Energieeffizienz und Gebäudeautomation mit intelligenten Smart Home-Konzepten. Akkubetriebene Antriebslösungen, gesteuert über Smartphone, Tablet oder Funkfernbedienung, werden gerade für innenliegende Beschattungssysteme aufgrund der kabellosen Montage favorisiert.

Beim Thema Energiesparen mit Sonnenschutz hat sich das Wabenplissee als Dauerbrenner etabliert. Das Produkt setze allerdings eine gewisse Beratungsqualität voraus, sagen Branchenexperten. Der Mehrwert - Hitzeschutz, Energieersparnis, Raumschalldämpfung - müsse dem Verbraucher erst vermittelt werden. Als größte Klippe des wabenförmig konstruierten Doppel-Behangs gilt der Preisunterschied von gut 20 % gegenüber dem einfachen Plissee. Im Baumarkt und Online sei das "ein schwieriges Feld". Umgekehrt bedeutet dies aber: Wabenplissees sind ein perfekter Artikel für den beratungsorientierten Fachhandel.

Im Bereich Doppelrollo findet eine Entwicklung in die umgekehrte Richtung statt. Das Doppelrollo - fast doppelt so teuer wie das normale - sei "SB getrieben", heißt es aus der Branche. Die standardisierten Doppelrollos hätten eine "zu gute Qualität", so dass sich die Kunden nicht unbedingt für ein Premium-Produkt entscheiden müssten. Ambitionierte Kollektion steuern mit anspruchsvollen Designprodukten dagegen: Wellenmotive oder farbige grafische Elemente wie Trapez, Oval oder Viertelkreis heben sich vom DIY-typischen Blockstreifenmuster deutlich ab.

Die Dekorationstechnik war diesmal in Halle 5.1 unterrepräsentiert. So stellen die Vorhanggarnituren-Hersteller Büsche und Tilldekor inzwischen im Zwei-Jahres-Rhythmus aus. Auch der bayerische Stilgarnituren-Anbieter Gefora ist nicht mehr gekommen. Buchheister aus Sundern zeigte mit seinen Maß- und Standardsortimenten hingegen Flagge. Unter den Neuheiten stachen besonders Aufhängelösungen für den Wellenvorhang heraus.

aus BTH Heimtex 02/16 (Wirtschaft)