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Universität Hamburg: Zentrum für Holzwirtschaft vor ungewisser Zukunft


Aufgrund von Sparauflagen in Höhe von 1,5 Mio. EUR bis zum Jahr 2020 hat der übergeordnete Fachbereich Biologie der Universität Hamburg eine Empfehlung zur Auflösung des Studiengangs Holzwirtschaft abgegeben. Diese Pläne wurden Anfang Februar publik und riefen breiten Widerspruch aus der Wirtschaft hervor. Stellungnahmen für den Erhalt kamen unter anderem vom Gesamtverband Deutscher Holzhandel (GD Holz), dem Deutschen Holzwirtschaftsrat (DHWR) sowie aus Kreisen der Regionalpolitik und von Vertretern der europäischen Papierindustrie in Brüssel.

Der GD Holz verwies insbesondere auf die bundesweite Einmaligkeit des universitären Studiengangs im Bereich der Holzwirtschaft und seine damit verbundene Unverzichtbarkeit für die Sicherstellung von hochqualifiziertem Nachwuchs. Ebenso sieht es der DHWR für das bedeutende Zukunftsfeld der Bioökonomie. Die Universität Hamburg kündigte indes an, mit Hilfe des Bundes und der Wirtschaft eine Lösung für die weitere Finanzierung des aktuell rund 250 Studenten und 60 Angestellte zählenden Studiengangs finden zu wollen. Eine endgültige Entscheidung soll bis zum Jahr 2018 fallen.


Kommentar von Imke Laurinat:

Universität Hamburg auf dem Holzweg


Gegen die drastischen Schließungspläne des Studiengangs Holzwirtschaft an der Universität Hamburg machten die betroffenen Studenten, Mitarbeiter und Professoren in den vergangenen Wochen reichlich öffentlichkeitswirksam mobil. Und die Nachricht von dem drohenden Ende für das bundesweit einzigartige und international als führend geltende Forschungszentrum löste in der Wirtschaft geradezu Entsetzen aus. Postwendend forderten verschiedene Verbände der Holz- und Papierbranche seinen Erhalt. Sie wissen, dass ihre Unternehmen dringend auf hochqualifizierten Nachwuchs mit bestmöglichen Abschlüssen angewiesen sind.


Angesichts der offenbar unausgewogen gefällten Abschaffungspläne eines bewährten wie dringend benötigten Studiengangs entsteht einmal mehr der Eindruck, die universitäre Lehre begreift sich zu sehr als Selbstzweck. Oder wie sonst lässt sich erklären, dass der Rotstift mit voller Wucht ausgerechnet ein kleines Fach mit derzeit gerade einmal 250 Studierenden treffen soll, das für die Universität Hamburg vielleicht nicht so prestigeträchtig sein mag wie Exzellenzcluster, dessen Absolventen aber zweifellos beste berufliche Perspektiven haben? Was nebenbei erwähnt keinesfalls in jedem Studiengang der Fall ist. Bleibt allen künftigen Holzwirten aus Hamburg ein maßvolles Einlenken ihrer Universität zu wünschen. Einen Etappensieg, der ihnen in vielen Stellungnahmen uneingeschränkten Zuspruch aus der Wirtschaft attestiert, können sie bereits jetzt als einen Erfolg für sich verbuchen.

aus ParkettMagazin 02/16 (Holz)