Välinge

Ideen für die Bodenbelags-Zukunft


Välinge ist längst über sein ursprüngliches Geschäftsfeld Verlegesysteme hinausgewachsen; mit der Erfindung der Holzpulver-Technologie für Fußböden markierten die Schweden den ersten Schritt zu einer Weiterentwicklung zum "Future Lab" und zum Impulsgeber für innovative Bodenlösungen. Und mit dem Einstieg von Finanzinvestor KKR verschaffen sie sich die nötigen Mittel für die Expansion. Auf seinem Messestand in Hannover zeigte das Familienunternehmen ganz unterschiedliche Ideen und Ansätze.

Bleiben wir zunächst bei Nadura und Woodura, den beiden Böden auf Holzpulver-Basis, die von Välinge selbst hergestellt werden. Nadura, "so hart wie Stein, so warm wie Holz", soll vor allem eine Alternative zu keramischen Fliesen bieten und Anteile am 1 Mrd. m2 großen Fliesenmarkt erobern. Welche vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten das Produkt bietet - mineralische, Stein-, Sandstein-, Beton-, Schiefer- und Holzoptiken - zeigte Välinge anhand von Designvorschlägen.

Woodura ist aus einem Echtholzfurnier und einem Holzpulver-Kompositträger aufgebaut, der den Boden extrem
widerstandsfähig gegen mechanische Belastungen macht. Mit einem improvisierten Kugelfalltest wurde auf der Domotex die Stoßfestigkeit demonstriert. Zudem füllt das Kompositmaterial natürliche Öffnungen des Holzes wie Astlöcher und Risse und sorgt so für zusätzliche Stabilität. Meisterwerke hat das Potenzial von Woodura früh erkannt und vermarktet das Produkt unter der Bezeichnung Lindura. Als jüngster Lizenznehmer konnte unlängst Stöckl Parkett gewonnen werden. Die Österreicher werden 2016 zunächst sieben Eichevarianten unter der Marke "B:hard" einführen.

"Die Nachfrage nach den Holzpulver-Böden nimmt stetig zu", konstatierte Välinge-Vizepräsident Per Nygren. "Daher investieren wir in zusätzliche Produktionskapazitäten." Bei Maschinenbauer Dieffenbacher wurde eine zweite Kurztaktpresse bestellt, die Ende 2016 ausgeliefert werden und im ersten Quartal 2017 in Betrieb gehen soll. Die neue Anlage wird zusätzlich mit Aggregaten für die Oberflächenbehandlung und den Digitaldruck ausgerüstet. Außerdem befasst sich Välinge mit neuen, konsumigeren Bodenbelägen (Holzpulver-Laminat) als Alternative zu Standard-Laminat sowie anderen Anwendungen wie Wandverkleidungen und Möbeln.

Den Ressourcenverbrauch wie auch die Kosten zu reduzieren, ist das Ziel einer neuen Lamellen-Trägerlösung. Dazu werden Holzbretter mit einem exakt definierten Abstand voneinander zu Blöcken gestapelt, verleimt und dann längs geschnitten. So entsteht ein stabiles Gitterrost, das den Materialeinsatz minimiert.

Die Oberfläche spielt eine wichtige Rolle bei Bodenbelägen; sie bestimmt die Optik und das Nutzungsverhalten. Auch hier hat sich Välinge über neue Varianten Gedanken gemacht. Am interessantesten sei PWL (Protective Wear Layer), ein hochabriebfester, dünner Film, bei dem man Matt- und Glanzeffekte mischen kann. So lassen sich zum Beispiel gezielt Akzente setzen.

Ein weites Feld an Möglichkeiten bieten moderne Drucktechnologien. Im Digitaldruck sieht Välinge die Zukunft, weil das Verfahren flexibel ist, weniger Abfall entsteht, Dekorpapier entfällt und auch keine weiße Grundierung mehr notwendig ist. Insbesondere setzen die Schweden auf den digitalen 3D-Druck, mit dem sich zusätzlich plastische Strukturen herstellen lassen - nicht konkav wie bei einer Prägung, sondern konvex.
aus Parkett Magazin 02/16 (Sortiment)