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ABK/Medium

Verlängerte Ladentheke: Jetzt wird es ernst


Gütersloh. Die Bettenbranche und der gesamte stationäre Einzelhandel stehen einem mächtigen Mitbewerber gegenüber - dem Online-Handel. Um den stationären Verkauf zu stärken, hat der ABK den "digitalen POS" entwickelt. In der Testphase konnten rund 30 Anschlusshäuser als Anwender gewonnen werden. Sie ist beendet, künftig können auch verbandsfremde Händler eingebunden werden. Die verlängerte Ladentheke soll den Umsatz um bis zu 7 Prozent steigern und die Retourenquote reduzieren.

Immer mehr Konsumenten kaufen bequem zu Hause in den unzähligen Online-Shops ein, statt sich das Wunschprodukt in der realen Welt anzuschauen und dort beraten zu lassen. Sinkende Kundenfrequenzen und Margendruck werden deshalb im stationären Handel genauso diskutiert wie die Frage nach Konzepten, die diese Entwicklungen aufhalten können.

Die Bielefelder Werbeagentur Medium arbeitet seit zwei Jahren mit dem ABK Future Store an einer Antwort auf diese Probleme, um eine digitale Serviceplattform für den Bettenfachhandel zu schaffen. Der "digitale POS" schafft eine interaktive Schnittstelle zwischen Produktwelt und Kunde. Das Ziel: Die Beratungskompetenz und das Kundenerlebnis sollen deutlich gesteigert werden. Nach der Beta-Phase geht der digitale PoS im Fachhandel jetzt an den Start.

Die Verkäufer im Fachhandel binden hierbei speziell programmierte Tablets oder auch Screens in ihre Beratungen ein, die neben digitalen Sortimentskatalogen, einem virtuellen Konfigurator für Bettsysteme auch über eine direkte Bestellfunktion verfügen. So kann der Kunde nicht vorrätige Waren in verschiedenen Farben einsehen oder das individuelle Wunschbett direkt auf dem Bildschirm zusammenstellen.

Innerhalb der Testphase konnten rund 30 Anschlusshäuser der ABK als Anwender des digitalen POS gewonnen werden. Derzeit plant man sehr konkret auch die Einbindung von Handelsunternehmen außerhalb des Verbandes. Auf der Lieferantenseite beteiligen sich namhafte Unternehmen wie Elegante, Estella, Essenza Home, Fischbacher, Bassetti und Irisette an dem Projekt. Neben der Bettwäsche als Pionier-Produkt sind inzwischen auch Bettwaren-Sortimente hinzugekommen. Der Boxspring-Konfigurator ist noch einmal optimiert worden.

ABK Einkaufsverband GmbH & Co. KG
Der Boxspring-Konfigurator wird demnächst auch das Modellieren mit 3D-Daten beherrschen.
ABK Einkaufsverband GmbH & Co. KG
Die verlängerte Ladentheke läuft sowohl auf einem Rechner, einem Laptop als auch auf einem Tablet.

Betten Raymond in Hildesheim gehört zu den Anwendern der ersten Stunde. "Mein Verkaufspersonal erfährt durch die Beratung mit digitaler Unterstützung eine direkte Aufwertung", erklärt Geschäftsführer Jörg Raderscheid. Seine Erfahrung: "In den Augen der Kunden steigt die Kompetenz der Berater deutlich." Und so steige auch die Begeisterung und emotionale Bindung zum Produkt, was die Verkaufszahlen verbessere.

Der digitale PoS entwickele sich aktuell zur Branchenlösung für den Bettenfachhandel, erklärt Medium-Geschäftsführer Sven Nöcker. Aber auch eine Ausweitung auf andere Branchen sei nicht auszuschließen. Nöcker sieht hierun eine große Chance für alle Sortimentsbereiche, die weiterhin auf die persönliche Kundenberatung bauen. "Gerade dort, wo Optik und Haptik eines Produkts im Vordergrund stehen, ist der stationäre Handel sehr wichtig. Gleichzeitig sollten wir die Möglichkeiten der Digitalisierung für uns nutzen, anstatt sie zu fürchten", so Nöcker.

Mit der Entwicklung des neuen Verkaufstools reagieren Medium und ABK nach eigenen Angaben auf die bestehenden Erkenntnisse zum Thema Digitalisierung. Diese seien im Handel nicht nur als Herausforderung, sondern gleichzeitig als Chance für zukünftige Verkaufsprozesse zu betrachten, heißt es. Aktuelle Studien zeigen laut Medium, dass eine digitale Verlängerung der Ladentheke den Umsatz um bis zu 7 Prozent steigern und die Retourenquote der Händler beim Hersteller um etwa 18 Prozent reduzieren kann. Gleichzeitig soll die digitale Produktinszenierung das Kundenerlebnis stiegern: "Eine Chance, dass man mit der geringeren Frequenz mehr Umsatz pro Kunde erzielen kann", betont die Agentur.

aus Haustex 02/16 (Wirtschaft)