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Casa, Salzburg

So tickt der österreichische Markt

Eine Nummer kleiner als Heimetextil und Domotex, aber für Österreich, das angrenzende Ausland und als Messe, auf der noch richtig geordert wird, extrem wichtig: Das ist die Casa in Salzburg.

Die Casa in Salzburg ist alle zwei Jahre ein wichtiger Messeplatz für Fachhändler, Verarbeiter und Architekten aus Österreich, Bayern und dem benachbarten Ausland. 7.620 Besucher nutzten Ende Januar Österreichs Leitmesse für kreatives Wohnen, Einrichten und Lifestyle als Informations- und Orderplattform. 150 Anbieter aus neun Ländern haben in den Segmenten Heimtextilien, Sonnenschutz, Bodenbeläge und Zubehör sowie Schlafen wieder ein umfassendes Angebot präsentiert.

In Salzburg blickt man bei Messebeginn zum Himmel. "Schnee, das weiße Gold, zieht Investitionen nach sich, die für die Branche relevant sind", erklärt Messeleiter Winfried Antlinger. Die Region lebt vom Tourismus. Hotelprojekte sind ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor für einen Großteil der Messebesucher.

Im Vergleich zu Heimtextil und Domotex ist die Casa kleiner und regionaler - aber dennoch findet man hier viele Aussteller, die bereits in Frankfurt oder Hannover waren. Und solche, die dort nicht ausgestellt haben. Forbo etwa gab in Salzburg einen Vorgeschmack auf das jüngste Mitglied seines Design-belags-Sortiments: "Marmoleum nature" zeigt auf Linoleumbasis eine Holz-optik. Die offizielle Markteinführung ist für April geplant. "Die Vorbereitungen zur Musterproduktion laufen noch, sodass wir derzeit nur die Bildvariante zeigen können", erläuterte Christina Eikel, zuständig für Marketing Kommunikation.

Textilverlage wie Ado, Nya Nordiska oder Saum und Viehbahn gaben der Casa den Vorzug vor der Heimtextil. "Österreich ist ein Markt für hochwertige und technisch innovative Produkte", betonte Axel Schindler, Marketing- und Vertriebsleiter bei Sonnenschutz-Hersteller MHZ. "Das Potenzial an hochwertigen Hotelprojekten und gut situierten privaten Bauherrn macht Österreich zum umkämpften Markt", erklärte Klaus Stolzenberger von Pallmann aus der Uzin Utz-Gruppe, die in der Alpenrepublik ein eigenes Seminar-Center zur Schulung der Verarbeiter unterhält.

Das Persönliche ist wichtig

Der Außendienst mit regionalen Mitarbeitern spielt in Österreich eine größere Rolle als in Deutschland. Objectflor buchte seinen Messeauftritt diesmal nicht, um Neuheiten zu präsentieren, sondern um eine zentrale Plattform für Kundenkontakte zu haben, bekundete Ramazan Cabar, der den Vertrieb des Bodenbelagsherstellers in Österreich aufbaut. Aus Erfahrung funktioniert das Geschäft in dort nur über persönliche Kontakte. Das bestätigten unter anderem Thomas Aichholzer, Vertriebsleiter Österreich, und Gesamtvertriebsleiter Christian Otte von Vorwerk. Die Hamelner haben mit einer neuen Vertriebsstruktur nun auch einen Außendienst für die Marke Nordpfeil in Österreich. Eine weitere Einschätzung zum dortigen Markt kommen von Erich Fleischmann: "Der Preis spielt eine Rolle, aber nicht die größte", so der Geschäftsführer von Englisch Dekor, dessen Textilverlag 2016 sein 150-jähriges Bestehen feiert.

Wer als Besucher zur Casa kommt, hat konkrete Ziele, will kaufen. Speziell im Stoffbereich wird richtig geordert. Auf den Ständen herrscht daher reger Betrieb, jedoch kein Lärm und kein Gedränge auf den Gängen. In dieser Atmosphäre kann man dem Kunden ruhig "in die Augen zu blicken", Kontakte pflegen oder mit Überzeugung Neukunden gewinnen, bestätigen die Aussteller.

Halle 1 gehört den Stoffen; hier ist morgens der größte Andrang. Am offenen Stand von Backhausen direkt am Eingang waren auf Hockern und in Gondeln edle Stoffe mit Woolmark-Zertifikat und urbanen Mustern ausgestellt. Sie tragen die Handschrift von Dr. Louise Kiesling. Die Eigentümerin und Kreativ-Direktorin hat die österreichische Textilmanufaktur vor zwei Jahren übernommen und präsentierte nun ihre erste eigene Kollektion. Design und Farbstellung sind vom reichhaltigen Musterarchiv der Weberei beeinflusst und vereinen die 165-jährige Tradition mit aktuellen Trends.

Zwei Schritte weiter gruppierten sich drei Mitglieder aus dem Deco Team: Gardisette, Höpke und Porschen hatten zuvor schon auf der Heimtextil ausgestellt. In Salzburg bekamen sie schon um 10 Uhr alle Hände voll zu tun.

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Mit dieser ungewöhnlichen Teppichboden-Präsenentation sorgte Großhändler Landegger auf der Casa für Aufmerksamkeit.
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Gesamtvertriebsleiter Christian Otte und Thomas Aichholzer, Vertriebsleiter Österreich, von Vorwerk.
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Die Initiative Textile Räume warb in Salzburg um Aufmerksamkeit für sich und die Kampagne Gib Dir Stoff.
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Die Casa ist für ihre ruhige Atmosphäre bekannt. Aber auf den Ständen wird richtig geordert.

Übernahmen und Kooperationen

Bei CCH Heimtextilien war die Übernahme durch Jordan ein großes Thema. Die Firma steht mit ihrer Col-lection Classic für Landhausthemen. Seit Februar wird diese bei Inku-Jordan als Marke für den Premium-bereich geführt. Das war zum Zeitpunkt der Messe noch Zukunftsmusik, ließ sich am roten Inku-Schild über dem Stand aber schon ablesen. "Ursula Voglreiter-Löffler, die bisherige Inhaberin, wird als Creative Direktorin auch weiterhin den Stil der Kollektion prägen und so die Marken-botschaft erhalten", betonte Herbert Seidl, Geschäftsführer bei Inku-Jordan. Inzwischen ist er auch als Regionalleiter für Jordan in Bayern sowie als Geschäftsführer für die neue Mehrheitsbeteiligung Britex Jordan in Südtirol verantwortlich.

Lange Bahnen von Wohnstoffen beeindruckten auch in Halle 2/6 an den elegant gestalteten Gemeinschaftsständen von Heco und Stardecor sowie bei Saum & Viebahn, die jetzt im Verbund mit Böhm auftreten. Ein großes Omega signalisiert die neue Verbindung. "Die Casa ist der Auftakt für unsere Vertriebspartnerschaft", erklärte Saum & Viebahn Geschäftsführer Andreas Klenk. Mit großer Vertriebsmannschaft präsentierte er Zielgruppen-orientierte Wohntrends wie den mit dem Red Dot prämierten Artikel Vision. "Die Stoffe von Böhm aus edlen Naturmaterialien mit Glanzgarnen und indischen Stickereien runden unser Portfoilo im Premiumbereich ab", so Klenk.

Der österreichische Stoffverlag Böhm wurde vor vier Jahren vom Bodenbelags-Großhändler Landegger übernommen. Klein, fein, kein Massengeschäft - das war die Idee beim Kauf. "Wir hatten uns den Anfang leichter vorgestellt. Jetzt haben wir unser Ziel erreicht und die Marke Böhm wieder auf ihre ursprüngliche Position im Premiumsegment gebracht", freuten sich Inhaber Martin Orasch und seine Frau Elisa. Sie trug einen Mantel im Dessin Eros und demonstrierte damit die Weichheit und Eleganz der Leinen-, Woll- und Seidenstoffe, hergestellt in kleinen Manufakturen. "In unserem Showroom bei Wien werden die edlen Naturmaterialien auch als Schal konfektioniert gekauft," verriet sie. Vielleicht eine neue Geschäftsidee für die Stoffbranche: Statt der Fenster wird die Frau bekleidet; auch Teppichböden verkaufen sich in abgepasster Form meist lukrativer.
Effektvolle Inszenierungen

Gegenüber zeigte Martin Orasch am Stand von Landegger auf großer Fläche seine Boden- und Wandbeläge. Ins Auge fielen dabei Stellwände mit grafisch bedruckten oder mit Blattmetallen beschichteten Eichendielen aus verwittertem oder gehacktem Massivholz. Die Eigenmarke "Landpartie" setzt Akzente in der Wandgestaltung. Ebenso ungewöhnlich und auffällig war die Präsentation der Teppichböden: Die Musterstücke standen gerahmt als lange Fahnen auf der Fläche. "Unsere Standkonzepte sowie den Showroom hat der österreichische Künstlers Ulrich Höreth entworfen", hieß es dazu von Elisa Orasch.

Lokalmatador Sonnhaus präsentierte den textilen Bodenbelag ebenfalls an prominenter Stelle. "Ein Zufall", wie Geschäftsführer Alfred Klambauer erklärte, der die Neuauflage der hochwertigen Teppichbodenkollektion effektvoll inszeniert hatte.

Bei Großhändler Polland hat Gerhoch Reisegger, Geschäftsführer seit 2013, den ehemaligen "Bauchladen", wie er selbst sagt, verschlankt und das Angebot auf zwei Kernkompetenzen reduziert. Einerseits bietet er Polsterern, Tapezierern (Raumausstattern) und Sattlern Leder und Stoffe unter Eigenmarke an. Andererseits bevorratet er ein Sortiment elastischer Bodenbeläge, u.a. von Debolon.
Neben den Großhändlern waren in der Doppelhalle auch die Einkaufskooperationen Besko und Wohnunion vertreten, die in Österreich von großer Bedeutung sind. Als zentraler Branchentreff gilt das traditionelle Get-together auf dem Besko-Stand, wo Geschäftsführer Roland Simmer und sein Team mit Speisen, Getränken und musikalischer Umrahmung wieder für eine lockere Atmosphäre sorgten.

Simmer liegt an einer guten Vernetzung seiner 160 Mitglieder mit den 250 Lieferanten. Dazu hat er sein Onlineangebot weiter ausgebaut. "Mit dem Partnerportal auf dem Smartphone haben unsere Mitglieder die ganz Branche in der Hosentasche." Ihre Verbundenheit mit der Einkaufskooperation zeigten Firmen wie Gerflor, DLW, Tarkett, Findeisen oder Windmöller mit ihrem Messeauftritt auf der Fläche von Besko. Der Einkaufsverbund selbst ist mit Decor-Union und Netto vernetzt.

Zum Ende der Messe am Samstag schien immer noch die Sonne über dem herrlichen Bergpanorama. Bleibt zu hoffen, dass die schneebedeckten Höhen für den Investitionsanreiz genügt haben. Die Aussteller zeigten sich nach Umfrage durch die Messeleitung mit dem Ergebnis jedenfalls zufrieden. 2017 findet wegen der BAU in München wieder die kleinere Belétage als Messe nur für Stoffe statt, am 29. und 30. Jänner, wie der Österreicher sagt. | Silvia Mändle

aus BTH Heimtex 03/16 (Wirtschaft)