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Silan-Verlegewerkstoffe

14 wichtige Fragen zu silanbasierten Verlegewerkstoffen


Silanbasierte Verlegewerkstoffe sind ein gutes Beispiel dafür, dass manche Technologien Jahrzehnte brauchen, bis sie sich durchsetzen. Bei den Dichtstoffen kennt man sie bereits seit den 1970er-Jahren, erste Silan-Parkettklebstoffe gab es 1999. Erst in den letzten fünf Jahren erreichten bahnbrechende Neuentwicklungen bei Grundierungen, Dampfbremsen und Parkettklebstoffen die Fußbodenbranche. Grund dafür sind neue Rohstoffe. FussbodenTechnik wollte von Bona-Geschäftsführer Dr. Thomas Brokamp wissen, ob silanbasierten Verlegewerkstoffen die Zukunft gehört. Im Anschluss daran stellen wir aktuelle Silan-Produkte der Verlegewerkstoffhersteller vor.

1 Woran erkennt der Verleger silanbasierte Verlegewerkstoffe?
Es gibt unterschiedliche Markennamen und Bezeichnungen, die in den technischen Datenblättern oder auf den Gebinden genannt werden. Eine allgemeine Bezeichnung ist SMP-Klebstoff, sprich silanmodifizierter Polymerklebstoff. Dieses sehr häufig verwendete Kürzel wird von der Klebstoffindustrie übergreifend verwendet. Häufig benutzen die Klebstoffhersteller aber geschützte Markennamen der Bindemittel, die jeweils einen besonderen Herstellprozess haben. Gängige Bezeichnungen sind z.B. MS (Modified Silicon-Polymer) SPUR (Silan-Polyurethan) und STP (silanterminiertes Polyurethan). Es gibt sehr viele geschützte Handelsnamen. SMP ist nicht geschützt und wird daher gerne übergreifend verwendet. Allgemein spricht man von "silanbasierten Produkten".

2 Erobern Silan-Produkte aktuell den Verlegewerkstoffmarkt?
Bei den Parkettklebstoffen sind sie mit einem Marktanteil von gut 80 % mittlerweile marktbeherrschend. Aktuell sind silanbasierte Grundierungen und Dampfbremsen auf dem Vormarsch. Es findet zurzeit ein Technologiesprung statt, weil seit einigen Jahren harte Präpolymere zur Verfügung stehen. Sie sorgen dafür, dass die Grundierungen nicht nur als Dampfsperre, sondern auch zur Verfestigung der oberen Estrichrandzone eingesetzt werden können. Die neue Generation der harten Produkte hat ein ähnliches Eigenschaftsprofil wie 1K-PU- und 2K-Epoxid-Systeme, die neue Generation ist sogar besser verarbeitbar.

3 Was macht sie so interessant?
Bei silanbasierten Verlegewerkstoffen geht es in erster Linie um schnellen Festigkeitsaufbau durch eine bestimmte Vernetzungsreaktion. Für viele Anwendungen ist ein Klebstoff ideal, der sehr schnell fest ist. Ein festes Material zu applizieren geht aber in vielen Fällen nicht - mit Ausnahme von Trockenklebern. Meist benötigt man daher etwas, das am Anfang viskos ist, sodass man es auftragen kann. Klassisch wird dafür ein Lösemittel oder Wasser als Dispersionsmittel verwendet. Ein Beispiel: Bei einem Dispersionsklebstoff nutzt man das Wasser als Träger, es verdunstet, und der Kunststoff (und andere Feststoffe) bleiben zurück. Problem bei der Sache: Das Produkt beinhaltet sehr viel Wasser, das man loswerden muss. Ungefähr ein Drittel des gekauften Produktes muss verdunsten. Das ist nicht besonders attraktiv.

4 Gibt es Verlegewerkstoffe, die gänzlich auf einen Träger verzichten können?
Ja, reaktive. Hier muss nichts oder nur sehr wenig verdunsten oder verschwinden. Die gesamte Materialmenge kommt zum Einsatz. Dieser Übergang von der verarbeitungsfähigen in die feste Form erfolgt über eine chemische Reaktion. Gängig sind 2K- und 1K-Produkte.

Das Besondere an Silanprodukten ist, dass sie mit Wasser reagieren und abbinden. Dabei ist das benötigte Wasser in der Luft und in fast allen Baustoffen immer vorhanden. Die Werkstoffe selbst sind in aller Regel keine Gefahrstoffe. Allerdings muss man wissen, dass giftiges Methanol freigesetzt wird. Die Mengen an Methanol sind allerdings so gering, dass keine Gesundheitsgefahren für den Verarbeiter oder den Endverbraucher bestehen. Was viele nicht wissen: In Bier oder Wein ist auch Methanol enthalten. Problematisch wird es dabei erst, wenn man es durch Destillation aufkonzentriert und man vergisst, den Vorlauf wegzugießen. Hier gilt ebenfalls: Die Dosis macht das Gift.

5 Können SMP und Co. die gesundheitlich bedenklichen EP-Produkte ersetzen?
Durchaus. EP-Artikel werden von der Bauwirtschaft inzwischen sehr kritisch gesehen, weil sie inzwischen der größte Verursacher von Gesundheitsschäden am Bau sind. Deswegen versucht man, sie zu ersetzen. Es macht keinen Sinn, dass Handwerker wegen der Verarbeitung von Epoxidharz krank werden.

6 Sind Silan-Produkte billiger in der Herstellung?
Nicht unbedingt, es kommt auf die Formulierung an. Man kann Möglichkeiten wählen, die preislich wettbewerbsfähig sind. Die Akzeptanz hängt aber nicht vom absoluten Preis ab, sondern eher noch vom Preis-Leistungsverhältnis. Wenn das stimmt, kaufen die Parkett- und Bodenleger das Produkt.

7 Sind weitere Anwendungsfelder für Silan denkbar?
Ja, es ist beispielsweise auch für Rissvergussmassen einsetzbar. Das Einzige, wo es wenig Sinn macht, ist bei Spachtelmassen. Bei Grundierungen und Klebstoffen können Silan-Produkte die ganze Bandbreite abdecken.

8 Welche neuen Rohstoffe hat es in jüngster Zeit gegeben?
In den vergangenen fünf Jahren sind insbesondere neue Präpolymere auf den Markt gekommen, die deutlich härtere Klebungen zulassen. Die Präpolymere waren ursprünglich für Dichtstoffe gedacht, die elastisch und weich sein müssen. Ein weicher elastischer Dichtstoff kann ein guter Klebstoff sein, muss es aber nicht. Die klassischen Dichtstoffparameter waren für die Klebung von Parkett eigentlich nicht so gut. Das kann man auch daran sehen, dass sich die Normwerte (EN 14293 und ISO 17178) deutlich in den härteren Bereich bewegt haben. Bei den Klebstoffherstellern ist die Erkenntnis gewachsen, dass die ursprünglichen Produkte teilweise doch ein bisschen zu weich waren und speziell bei Massivparkett an ihre Grenzen kamen. Als bedeutender Versiegelungshersteller haben wir es hier etwas leichter gehabt als reine Klebstoffhersteller, da wir gezwungen sind, immer das gesamte System "Unterboden - Parkett - Oberfläche" zu sehen.

Dr. Thomas Brokamp – zur Person
Dr. Thomas Brokamp ist seit 2005 Leiter des Geschäftsbereichs Fastening bei Bona und trägt weltweit die Gesamtverantwortung für Entwicklung, Produktion und Qualitätskontrolle von Klebstoffen, Grundierungen und Systemprodukten. Er hatte in Limburg zuvor die Leitung der Abteilung Forschung und Entwicklung Klebstoffe inne. Er ist Geschäftsführer von Bona Deutschland und für den Standort Limburg verantwortlich. Dr. Brokamp engagiert sich außerdem in der Technischen Kommission Bauklebstoffe (TKB) des Industrieverbands Klebstoffe (IVK).
Parkettverlegung mit SMP und SPU

9 Kann man pauschal sagen, wo die Vor- und Nachteile von Silan liegen?
Es ist in aller Regel kein Gefahrstoff. In puncto Sauberkeit der Hände beim Verleger habe ich im Verhältnis zu 1K- oder 2K-Polyurethan große Vorteile. Nehmen wir mal an, ich mache eine Parkettverlegung und habe obenauf einen Fleck mit 1K-PU oder 2K-PU. Der lässt sich in der Regel schwierig wieder entfernen. Mit Silan-Klebstoffen geht das. Die Verarbeitungseigenschaften sind gut, sie sind von Anfang an sehr emissionsarm nach EC 1 gewesen und ihre Handhabung ist problemlos.

Was man auch nicht vergessen sollte: Die ersten Silan-Klebstoffe sind deutlich teurer gewesen als die auf Dispersions- oder Lösemittelbasis. Die Parkettleger haben sie trotzdem eingesetzt. Wieso haben Sie das getan? Sie konnten ihre Gesamtkosten senken. Das hat letztlich dazu geführt, dass sie sich durchsetzen konnten. Einziger Nachteil ist die schon beschriebene geringfügige Abgabe von Methanol.

10 Warum schätzen Parkett- und Bodenleger Verlegewerkstoffe auf Silanbasis?
Sie sind wenig reklamationsanfällig, z.B. auch für nicht ganz trockene Estriche. Es handelt sich um relativ dichte Produkte, die auch als Dampfsperre eingesetzt werden können. In Skandinavien, die fast nur auf langsam trocknende Betonböden kleben, ist dieser kombinierte Einsatz bereits sehr verbreitet. Das bedeutet natürlich, dass der Parkett- und Bodenleger etwas mehr Sicherheit hat.

11 Welche Eigenschaften sind noch erwähnenswert?
Sie lassen sich leicht von den Oberflächen entfernen, die Parkettverlegung selbst gelingt relativ zügig. Nach 24 Stunden kann man die Fläche begehen, schleifen und versiegeln. Was früher sieben bis acht Tage in Anspruch nahm, lässt sich in ein bis zwei Tagen erledigen. Das ist mit einem Dispersionsklebstoff nicht möglich, da sich Schüsselungen im Parkett erst noch legen müssen.

12 Muss sich das bodenlegende Handwerk bei der Verarbeitung von Silan-Produkten umstellen?
Wenn eine Produktkategorie nicht bewusst gewechselt wird, dann kann das tückisch sein. Angenommen, man steigt um von einem Silan- auf einen Dispersionsklebstoff: Das kann zu massiven Problemen führen, wenn frühzeitig das Parkett begangen wird oder die nötigen Wartezeiten nicht eingehalten werden. Das hat in der Vergangenheit regelmäßig zu Ablösungen des Parketts geführt.

Wenn jemand seine Klebstofftechnologie umstellt, insbesondere, wenn er von Hersteller zu Hersteller wechselt, empfiehlt es sich immer, mit einem Anwendungstechniker zu reden. So erhält man gezielt Hinweise, wie das Produkt zu verarbeiten ist.

13 Was sind generell momentan die Highlights?
Die Verfügbarkeit von harten Produkten, insbesondere von harten Klebstoffen und relativ harten Grundierungen. Man kann davon ausgehen, dass es bei den Silan-Klebstoffen echte Weiterentwicklungen geben wird. Der nächste Innovationszyklus wird zwischen Sommer bis Ende des Jahres kommen.

14 Ein Blick in die Kristallkugel: Wie wird sich die Zahl von silanbasierten Verlegewerkstoffen in den kommenden fünf Jahren verändern?
Sie wird weiter zunehmen, definitiv. Dazu muss man nur hinschauen, wo es in den letzten Jahren tatsächlich Innovationen gegeben hat. Wann war bei Dispersionsklebern für Parkett und elastische Bodenbeläge die letzte echte Weiterentwicklung mit wirklich großen Volumenänderungen am Markt? Da muss man ziemlich lange zurückblicken. Echte Neuheiten waren in den letzten Jahren immer silanbasiert.

aus FussbodenTechnik 03/16 (Klebstoffe)