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Ein Kommentar von Peter Mau zum Test "Holzdielen" in Öko-Test 03/16

Von Äpfeln und Birnen oder Massivdielen und Fertigparkett


Öko-Test betitelt in seiner Ausgabe 03/16 den Test von Holzdielen: "Schlechter Deal" . Und einen "schlechten Deal" macht der Endverbraucher auch - nicht, wenn er die geprüften Produkte kauft, sondern wenn er dem oben erwähnten Test Glauben schenkt. Denn ohne die Seriösität von Öko-Test generell anzweifeln zu wollen: Dieser Test weist erhebliche Mängel auf. Wir wollen hier nicht detailliert auf alle eingehen, nur auf einige gezielt hinweisen.

Das fängt schon bei den Prüfprodukten an. "Holzdielen", heißt es. Tatsächlich schließt die eingekaufte Range völlig verschiedene Holzböden ein: unterschiedlich konstruiert (Mehrschichtparkett und Massivholzdielen), unterschiedlich dick (zwischen 11 und 15 mm) und mit unterschiedlichen Oberflächenbehandlungen (Öl, Öl-Wachs, Hartwachsöl, Lack) in Preisklassen zwischen 30 und 73 EUR VK-Preis. Diese Varietät bedingt natürlich unterschiedliche Eigenschaften und Verhaltensweisen, die einen objektiven Vergleich schon von vornherein unmöglich machen.

Fragwürdig sind auch die Prüfparameter. Die in der Norm festgeschriebene Mindestdicke von 2,5 mm der Nutzschicht mehrschichtiger Dielen erscheint Öko-Test zu dünn. Damit könne der Boden nicht mehrfach abgeschliffen werden, kritisiert das Magazin. Wie häufig lässt ein Verbraucher in der Realität seinen Boden mehrfach abschleifen? Das ist in der Regel nur in Ausnahmefällen notwendig. Um den Konsumenten für diesen angeblichen Mangel zu sensibilisieren, wird ein Sachverständiger zitiert: "Ein Mehrschichtboden mit einer Nutzschichtdicke von weniger als 3,5 Millimeter geht tendenziell in Richtung Einmalprodukt." Das ist eine gefährliche, imageschädigende und schlichtweg falsche Aussage." Abgesehen davon, dass natürlich Böden mit Nutzschichtdicken von mehr als 2,5 mm zu kaufen sind. Die findet man jedoch nicht für 30 EUR im Baumarkt.

Bei den Massivdielen werden Maßabweichungen bemängelt - und dabei wird ignoriert, dass Holz auch industriell bearbeitet ein Naturprodukt bleibt, das lebt. Ferner können Maßabweichungen durch Fertigungstoleranzen entstehen, die der Profi bei der Verlegung problemlos ausgleicht

Aber der Profi ist laut Öko-Test für die Verlegung gar nicht notwendig. Das kann der Verbraucher auch allein, denn die "Bretter verfügen über Nut und Feder, damit der Heimwerker sie einfach aneinanderstoßen kann und eine gleichmäßige Fuge entsteht..." Tatsächlich - so simpel ist das? Wäre interessant zu wissen, ob die Öko-Test-Redaktion das selber ausprobiert hat oder nur Marketingaussagen abgeschrieben hat.

Peter Mau, Mitherausgeber und Chefredakteur des Parkett Magazins

Dies waren nur einige Schlaglichter, die wir nennen wollten. Alles in allem wirkt der komplette Test künstlich dramatisiert - als habe man partout negative Aussagen schaffen wollen. Das ist doch keine echte Kaufhilfe für den Verbraucher.

Denn: Wer Holzböden kauft, will ganz sicher keinen "Deal" machen, sondern mit Hilfe kompetenter Beratung ein wertiges Naturprodukt erwerben, an dem er lange Freude hat. Der aktuelle Öko-Test bietet dabei keine Unterstützung, denn er enthält neben vielen falschen nur wenige brauchbare Inhalte.


Hintergrund:
Öko-Test hat in seiner Ausgabe 03/16 "Holzdielen" getestet; dafür wurden zwölf Produkte in Baumärkten eingekauft - alle geölt, vier aus massiven Holz, acht Fertigparkettvarianten zu VK-Preisen zwischen 30 und ca. 73 EUR pro Quadratmeter. Geprüft wurden jeweils die Nutzschichtdicke, Passgenauigkeit, Widerstandsfähigkeit gegenüber Flüssigkeiten und Chemikalien, Inhaltsstoffe und Emissionen sowie die elektrostatische Oberflächenspannung. Anbieter waren Hamberger, Bauhaus-Eigenmarke Bahag, Hellweg-Eigenmarke Specht, Ter Hürne, Toom, Baywa, Obi, Parador, Feel Wood, Becher, Osmo.

Testsieger wurden "Living Haro Landhausdiele Eiche strukturiert" von Hamberger und Logoclic Landhausdiele 2V Eiche strukturiert von Bauhaus mit dem Gesamturteil "gut", am schlechtesten schnitt die Eiche Landhausdiele naturgeölt Minifase Markant von Parador ab, Gesamturteil "mangelhaft."

aus Parkett Magazin 03/16 (Bodenbeläge)