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IMM Cologne 2016 in Cologne | IMM Cologne 2016 in Köln

Urbane, kreative Wohngärten


Die Kölner Möbelmesse wird immer stärker zum internationalen Branchentreffpunkt - für Einkäufer aus dem gehobenen Möbelhandel, für Architekten und Objekteure. Wer sich über die neusten Einrichtungstrends informieren will, darf hier nicht fehlen. Besonders spannend: die kreativen Ideen von Designstudenten und jungen Designern.

Das erste M im Namen IMM Cologne steht für "Möbel". Aber Möbelstücke stehen selten allein da. Sie brauchen ein passendes Wohnumfeld, dazu gehört ganz klar auch der Teppich. Und da die IMM Cologne mehr noch als andere Einrichtungsmessen Design im stimmigen Gesamtbild zeigt, sieht man in Köln die Teppiche nicht nur an den Ständen der entsprechenden Anbieter, sondern im direkten Einsatz bei den Auftritten der Möbelproduzenten und -großhändler. Die haben zurzeit auffällig viele filigranere, nostalgisch anmutende Objekte im Angebot, die an die Entwürfe der 1940er- bis 1960er-Jahre erinnern.

Chenille, Farbigkeit und "Urban Jungles"

Die Sessel, Sofas, Tische und Kommoden wurden vor allem mit Chenille-Maschinenwebteppichen kombiniert. Oft im Vintage-Look, umgesetzt in den aktuellen Trendfarben. In einem dunklen Denim-Ton zum Beispiel, in Türkis, Lavendel oder auch mal in Pink. Es wird deutlich bunter in den Wohnbereichen. "Individualisierung" heißt der Megatrend, der dazu einlädt, Farben und Dessins frei miteinander zu kombinieren und auch mal einen Stilbruch zu wagen. Dabei darf es ruhig mal opulent zugehen: Das großflächige Ornament bleibt ein beliebtes Thema.

Überhaupt, Stilbrüche und sonstige Brüche: Die neuen Wohnwelten erscheinen weniger glatt und perfekt als früher; der Trend geht in Richtung Naturbelassenes, Raues und Pures. So weit, dass die Natur wortwörtlich Einzug ins Haus hält: Echtes Moos, Birkenrinde und verkohltes Holz schmückten die Wände am Stand der Moosmanufaktur Freund. Der "Urban Jungle" bietet sich auch für den Ladenbau an; am Stand von Object Carpet etwa hingen bepflanzte Mooskugeln von der Decke. Ein Trend vielleicht auch deswegen, weil es in den Städten immer enger wird, immer mehr städtische Grünflächen verschwinden. Da bietet sich auch der Teppich als Grünfläche an: bei Jan Kath in Form der Jungle-Kollektion, die einmal eine Draufsicht auf den Urwald zeigt und einmal einen Blick von unten nach oben in die Baumkronen.
Viele kreative Höhepunkte

Neben den Produkten der Aussteller zählte die begehbare Wohn-Simulation "Das Haus" zu den Messe-Höhepunkten, diesmal gestaltet von Sebastian Herkner: Der junge Produktdesigner schuf eine runde, transparente und nach allen Seiten offene Wohnlandschaft, die sich dadurch besonders kommunikativ und flexibel zeigte. Auch beim neuen deutschen Anbieter Ames, der Wohntextilien und -accessoires in Kolumbien fertigen lässt, finden sich viele Herkner-Designs.

Eine echte Bereicherung für die Messe waren vor allem auch die jungen Kreativen, die entweder an den Ständen der Designhochschulen oder in anderen Gruppierungen ihre Neuentwicklungen zeigten. Darunter die Dänin Signe Emdal, die ihre Kollektion Tapestry Walls im niederländischen Textile Museum mit einer modernen Jacquard-Webmaschine anfertigte. Das Ergebnis: eine moderne Version klassischer Tapisserien, wie sie im 14. bis 16. Jahrhundert besonders beliebt waren.

Imm Cologne
Die neuen Wohnwelten erscheinen weniger glatt und perfekt als früher
Imm Cologne
Mischioff

Branchentreffpunkt für den Highend-Bereich

Ein Rundgang beflügelt, und gerade dafür taugt die IMM Cologne besonders gut: als Inspirationsquelle nämlich, mit ihren im Vergleich zu der sehr business-orientierten Domotex besonders schön gestalteten Ständen. Als Ideenpool, als Branchentreffpunkt und als Plattform für Kontakte.

Geschäfte werden auf der IMM Cologne natürlich auch gemacht, allerdings mit einem tendenziell anderen Klientel als auf der Domotex: Die IMM wird in erster Linie vom gehobenen Möbelhandel, von Architekten und Objekteuren besucht. Entsprechend setzten Anbieter, die auf beiden Messen vertreten sind, auch jeweils andere Schwerpunkte. Der türkische Patchwork-Spezialist ICI konnte in Köln vor allem viele europäische Kunden hinzugewinnen. Object Carpet präsentierte hier seine neue Highend-Marke: Uniteppiche und -teppichböden in intensiven Edelsteintönen aus reiner Seide oder reiner Schurwolle. Die Zielgruppe: "Sehr hochwertige Fachhändler, und die kommen in erster Linie auf die IMM Cologne", erklärte Geschäftsführer Daniel Butz.

Hohe Internationalität

Insgesamt ist die IMM Cologne in den letzten Jahren deutlich internationaler geworden - nicht nur von den Ausstellern, sondern auch von den Besuchern her. Von den insgesamt rund 80.000 Besuchern kamen deutlich mehr Einkäufer von außerhalb Deutschlands aus Europa angereist, hier vor allem aus den Niederlanden, Großbritannien, Spanien und aus Österreich. Auch bei den Besucherzahlen aus Übersee gab’s ein deutliches Plus, besonders aus den USA , China und Indien. Insgesamt lag der Anteil der nichtdeutschen Besucher bei 46 %. Die nächste IMM Cologne findet vom 16. bis 22. Januar 2017 in Köln statt.•

aus Carpet XL 02/16 (Wirtschaft)