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BTH Heimtex-Fachteil – Hotel-Ausstattung

Der Markt im Umbruch, die Potenziale groß

Die Übernachtungszahlen steigen, die Renovierungszyklen werden kürzer. Wer Trends und Entscheider kennt und denen auch Konzepte für ein begrenztes Budget liefern kann, darf bei der Ausstattung und Renovierung von Hotels mit lukrativen Aufträgen rechnen.

Die Hotelbranche meldet ihr sechstes Rekordjahr in Folge. 2015 stieg die Zahl der Übernachtungen in deutschen Hotels, Gasthöfen und Pensionen um 3,4 % auf gut 272 Mio. Neben der Entdeckungslust der Einheimischen erweist sich Deutschland als ungebrochen attraktiv bei Reisenden aus aller Welt. Darauf versuchen die Hotelbetreiber mit ausgesuchten und individuellen Konzepten zu reagieren. "Neben Großbritannien passiert die größte Hotelentwicklung gerade in Deutschland", sagt die portugiesische Hotelarchitektin und Interior-Designerin Pilar Paiva de Sousa, die ihr Betätigungsfeld zunehmend hierzulande sieht: "Spannend ist die Mentalität der Deutschen: Sie sind generell stärker interessiert an neuen Dingen, Formen und Ideen. Da möchte ich mit dabei sein."

Nicht zuletzt deshalb drängen zunehmend internationale Hotelketten mit teils innovativen Konzepten auf den grundsätzlich stark von individuellen Privat-betrieben geprägten Markt. Allein 2015 stieg die Anzahl der markengebundenen Hotels um 239 an (+6 %).

Aber: Obwohl das Spektrum der Markenhotellerie in Deutschland immer internationaler und vielfältiger wird und die Häuser sich nach Einschätzung von Fritz G. Dreesen, Vorsitzender des Hotelverbands Deutschland, "in den Bereichen Produktqualität, Service-angebot und Preis-Leistungs-Verhältnis mit Recht zur Weltspitze rechnen", ist der große Boom der Vorjahre zunächst einmal passé. Als Gründe nennt Dreesen: "mehr Bürokratie, Überangebot, Marktübersättigung, erdrückende Markpraktiken im Online-Vertrieb und zunehmend unfaire Wettbewerbsbedingungen." So verzeichnete das klassische Beherbergungsgewerbe einen Rückgang bei der Anzahl der Betriebe von 31.354 auf 30.920.

Um aus der Not eine Tugend zu machen, setzt die deutsche Hotellerie, vom Branchenriesen bis zum familiengeführten Kleinbetrieb, zunehmend auf Nischen, klare Profilierungen und innovative Ideen, die sich an spezielle Zielgruppen wenden und neue Trends oder demographische Entwicklungen aufgreifen. Durch die fortschreitende Individualisierung des Reisemarktes sind neue Hotelkonzepte gefragt. Insbesondere die Gäste der Generation Y & Z - ab Jahrgang 1980 - suchen das Außergewöhnliche. Authentizität, Ablenkung, individuelle und personalisierte Angebote, perfekten Service und ein ansprechendes Design stehen ganz oben auf der Agenda einer Klientel, die einen urbanen und teils nachhaltigen Lebensstil favorisiert, was der Hotelbranche insbesondere im Bereich Design vielfältige Möglichkeiten eröffnet. Speziellen Lifestyle-, Design-, Boutique- und Themenhotels, die den Fokus auf einen hohen Wiedererkennungswert, innovative Ausstattung und Technik sowie die Betonung von Kreativität und Erholung legen, werden daher hohe Wachstumspotenziale für die Zukunft prognostiziert.

Die Renovierungszyklen werden kürzer

Grundsätzlich gilt: Der Trend zu immer größeren und qualitativ hochwertigen Hotels mit zeitgemäßem Design, exklusiven Materialien und innovativer Technik hält unvermindert an. Allerdings lässt sich insbesondere im Interior-Design eine Tendenz zu immer schnelllebigeren Zyklen feststellen, was regelmäßige Instandhaltungsmaßnahmen nach sich zieht. "Die Etappen von einem zum anderen Trend werden immer kürzer", sagt Michael Gerlach, Geschäftsführer der H’Othello-Boutique Hotels in München und Berlin. In enger Zusammenarbeit mit einer Interior-Designerin nimmt er im Turnus von vier Jahren einen vollständigen Relaunch im Bereich Möbel und Accessoires vor.

Auch die angesagte Budget-Design-Kette Motel One reagiert in bestimmten Zeitabständen auf die sich rasant verändernde Situation am Markt. "Alle fünf Jahre", so der Aufsichtsratsvorsitzende Horst Schaffer, "fliegt hier alles raus - vom Empfang bis zu den Zimmern." Besonderen Wert legt man dabei auf den ersten Eindruck und somit auf die Lobby. "Der Gast muss sich bei diesem ersten Kennenlernen des Hauses gleich gut fühlen und positive Emotionen haben", so Anke Wenzel-Preljevic, Geschäftsführerin der Themenhotels Grimm’s in Berlin. Der von der Lobby gesetzte Standard müsse im ganzen Haus gelten: "Der Gast braucht Platz, Licht und Elemente, die er idealerweise immer nur bei uns wieder findet. Wenn das gelingt, hat man seine Hausaufgaben gemacht."

Dass es keinen einheitlichen Trend gibt, spiegelt sich auch in den Aussagen der Hotelbetreiber wider. "Derzeit ist das Kombinieren verschiedener Stile besonders gefragt, wie beispielsweise ein Mix zwischen Vintage und Purismus", meint Michael Gerlach. Anke Wenzel-Preljevic ist der Auffassung, der lange gepflegte Stil der kühlen Sachlichkeit hätte sich überlebt, "man mag es ein bisschen mehr cosy." In einem ist man sich einig: Für das Hotel der Zukunft werden in erster Linie zeitlose, qualitative Konzepte vonnöten sein, die dennoch Spielräume lassen, spontan auf neue Marktgegebenheiten, steigende Kundenansprüche sowie gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Veränderungen zu reagieren.

Das Hotel der Zukunft - drei Megatrends

Da Trends sich innerhalb der Branche als relativ kurzlebig erweisen, ist man dazu übergegangen, nach Megatrends zu forschen, die eine langfristige Entwicklung beschreiben, deren Auswirkungen in der Regel in allen Bereichen des Lebens spürbar sind. Für die Hotellerie lassen sich nach Einschätzung des vom Hotelverband Deutschland (IHA) erstellten Jahresberichts "Hotelmarkt Deutschland 2016" folgende Mega-trends formulieren, die sich einerseits aus der aktuellen Struktur der Tourismusbranche, andererseits aus den prognostizierten gesellschaftlichen Entwicklungen ergeben:

Ranking der TOP 50 Hotelgesellschaften in Deutschland 2014
Entwicklung der durchschnittlichen
Zimmerauslastung
deutscher Hotels nach Hotelsternen
Entwicklung der nominalen Umsätze im Gastgewerbe,
dem Beherbergungsgewerbe und der Gastronomie
Entwicklung des Bettenangebotes und Anzahl Betriebe im klassischen Beherbergungsgewerbe1) in Deutschland

1. Globalisierung, globale Mobilität und Digitalisierung

Durch den fortschreitenden Prozess der Globalisierung sowie zunehmender globaler Mobilität entstehen dauerhaft und weltweit neue Märkte, welche einerseits Expansionsmöglichkeiten eröffnen, die Branche andererseits aber vor enorme Herausforderungen stellen. Beispielsweise werden die Preisangebote deutscher Hotels via Internet weltweit transparent und verfügbar, was zur Folge hat, dass sich selbst die mittelständische Hotellerie in immer engerer, grenzüberschreitender Konkurrenz sieht.

Doch das ist nur ein Aspekt der zunehmenden Digitalisierung unserer Gesellschaft und der Wirtschaft. Das Hotel der Zukunft muss neue Technologien einbinden; WLAN hat sich bereits in kürzester Zeit zum kostenfreien Standardangebot für Hotelgäste entwickelt. In Zukunft wird sich der Prozess des Buchens und Eincheckens, aber auch die Steuerung von Hotelfacilities für Gäste und Personal stark verändern. Dem Internet kommt eine immer größere Relevanz als Informations- und Transaktionsmedium zu. Nach aktuellen Erhebungen der Arbeitsgemeinschaft Online-Forschung informieren sich 53,2 % der Internet-nutzer online über Hotels für ihre Urlaubs- und Geschäftsreisen. Beachtliche 33,9 % buchen ihre Übernachtungen direkt online, womit das Hotel-gewerbe innerhalb der touristischen Produktpalette den höchsten Buchungswert im Internet vorweisen kann, noch vor Urlaubs- und Last-Minute-Reisen (31,0 %), Flug- (28,5 %) und Bahntickets (27,6 %). Da auch in diesem Bereich mit einem weiteren rasanten Anstieg kalkuliert werden muss, gilt: Je vorausschauender und strategischer ein Hotel seine Politik heute, intern wie extern, real wie virtuell, auf die rasante digitale Entwicklung ausrichtet, desto besser ist es für die Zukunft aufgestellt.

2. Best Ager, Barrierefreiheit und Female Shift

Neben der fortschreitenden Digitalisierung wird sich der demographische Wandel als größte Herausforderung für die Branche erweisen. Gerade für die mittelständische Hotellerie wird die Verschiebung der Altersstruktur erhebliche Auswirkungen nach sich ziehen. Ältere Menschen, insbesondere in der zahlenmäßig stark zulegenden Altersgruppe 65+, werden sich zukünftig zu einer der wichtigsten Konsumgruppen entwickeln, da sie über vergleichsweise viel Freizeit verfügen und die Hälfte des Gesamt-vermögens in Deutschland auf sich vereinen. Viele Hotels haben bereits damit begonnen, ihre Angebote sukzessive auf die Best Ager zuzuschneiden - mit Erfolg: Mit 49 % ist fast jeder zweite Jungsenior (50 bis 64 Jahre) und Ruheständler (65 Jahre und älter) im Jahr 2014 mindestens einmal verreist.

Mit der Zunahme von Gästen im betagteren Alter wächst der Anspruch auf Komfort und Barrierefreiheit. Viele der älteren Menschen sind auf Hilfsmittel wie den Rollator angewiesen oder müssen sich aufgrund nachlassender Sehkraft auf kontrastreiche Gestaltung ihrer Umgebung verlassen. Stufenlose Zugänge werden aber auch von Familien mit kleinen Kindern und Kinderwagen sowie Menschen mit Behinderung (eine Gruppe, die allein 10 Mio. Personen in Deutschland ausmacht) zunehmend als Kriterium bei der Hotelwahl berücksichtigt.

Schließlich ist davon auszugehen, dass der Anteil berufstätiger Frauen in der Gesellschaft in allen Bereichen des Berufslebens stark zunimmt. Diese massive Verschiebung (Female Shift) auch in den Führungsetagen der Wirtschaft rückt die weibliche Zielgruppe mit ihren deutlich höheren Ansprüchen im Bereich Ausstattung und Komfort in den Fokus der Hotelbranche.

3. Gesundheit und Nachhaltigkeit

Wellness hat sich in Deutschland fest etabliert und ist dabei sukzessive vom Luxus- zum Allgemeingut geworden. Doch wird insbesondere der demographische Wandel im Gesundheitstourismus ein Umdenken innerhalb der Branche erfordern. Nicht nur für gesundheitsbewusste Best Ager, sondern zunehmend auch für jüngere, mitten im Arbeitsleben stehende Menschen mit hohen Anforderungen im privaten und beruflichen Lebensumfeld nimmt der Gesundheits- und Wellnessmarkt im Bereich Stressprävention und aktiver Gesundheitsfürsorge einen immer höheren Stellenwert ein. So treten beispielsweise die a-ja-Resorts in ihren bisher vier Häusern in Warnemünde, Grömitz, Bad Saarow und Ruhpolding den Beweis an, dass ein Wellness-Urlaub in der Budget-Variante auf allen Ebenen durchaus qualitativ hochwertig funktionieren kann: Von der qualitativ hochwertigen Ausstattung bis zur Showküche wird über das reine Spa-Erlebnis hinaus ein Rundum-Wohlfühl-Paket geboten. Der Gast soll sich nachhaltig an den Aufenthalt erinnern und nach Möglichkeit wiederkommen.

Der Wunsch nach Gesundheit konzentriert sich jedoch nicht nur auf die eigene Person. Laut einer Studie der Reisewebseite TripAdvisor halten es 80 % der befragten Deutschen für wichtig, dass Hotels ökofreundliche, ressourcenschonende Angebote umsetzen. 27 % gaben an, aufgrund grüner Standards ein bestimmtes Hotel zu buchen - ein Wert, der weit über dem europäischen Durchschnitt (9 %) liegt. Die zunehmend nachhaltige Orientierung der Gäste wird von der überwiegenden Mehrheit der deutschen Hotelbetreiber (85 %) als richtungsweisend anerkannt. 80 % der Hoteliers haben im Tagesgeschäft bereits Nachhaltigkeitsthemen implementiert. Als erste Gruppe weltweit haben die Kempinski Hotels, zu denen u.a. das renommierte Hamburger Hotel Atlantic gehört, ein eigenes Energieberatungsunternehmen gegründet, das speziell auf die Belange der Hotellerie zugeschnitten ist. Kreen (Kempinski Renewable Energies) bietet Hoteleigentümern und -betreibern Beratung, Planung und Projektmanagement im Bereich Erneuerbare Energien.

Es ist viel Bewegung in der Hotelbranche. Sie kämpft um einen Gast, der immer anspruchsvoller wird. Um ihm seine Wünsche zu erfüllen und sich dabei von der Konkurrenz abzuheben, muss die Hotellerie investieren. Sie tut es - und mit den Produkten, die wir Ihnen auf den nächsten Seiten vorstellen, können auch Sie davon profitieren

aus BTH Heimtex 06/16 (Handel)