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ISP-Generalversammlung: Neuer Geschäftsführer und Mitgliederzuwachs

Schweizer Parkett hat 2015 Marktanteile gewonnen, aber leidet unter Preisdruck


Zum letzten Mal fand die diesjährige Generalversammlung der ISP, Interessengemeinschaft der schweizerischen Parkett-Industrie, unter der Ägide von Geschäftsführer Beni Lysser statt. Neben seiner Nachfolge waren unter anderem aktuelle Marktzahlen, das Verbandsgeschehen und die Entwicklungen in der Auszubildung weitere Themen. Außerdem appellierte Lysser an die Schweizer Parkettleger, sich neuen Produkten zu öffnen und zielte dabei vor allem auf Designbeläge.

Präsident Bruno Durrer begrüßte 132 Teilnehmer bei der 47. ordentlichen Generalversammlung der Interessengemeinschaft der schweizerischen Parkett-Industrie (ISP) in der Erlebniswelt von Autobau in Romanshorn. Dort konnten 92 fahrtüchtige Oldtimer und Sportwagen bestaunt werden. Anschließend wurden die wichtigsten Branchen-Themen aufgegriffen.

Durrer beleuchtete zunächst die Marktentwicklung. Das Umfeld für Parkett in der Schweiz ist schwierig, zumindest was die Bautätigkeit anbetrifft. "Die Zeichen verdichten sich, dass der Neuwohnungsbau seinen Zenit im Zyklus überschritten hat", erklärte er. "Die Umsätze im Schweizer Bauhauptgewerbe sind 2015 gegenüber dem Vorjahr um knapp 9 % gesunken. Markant ist dabei der Rückgang von 13,7 % im Wohnungsbau." Ursache seien verschiedene Faktoren. Zum einen sei das Vergleichsjahr 2014 witterungsbedingt ein außerordentlich gutes Baujahr gewesen, zum anderen lasse die Nachfrage nach Wohnungen gewisse Sättigungseffekte erkennen. In den Berg- und Tourismusregionen hätte 2015 zudem der Effekt des Zweitwohnungsartikels voll durchgeschlagen.

Preis- und Margenentwicklung unbefriedigend

Ungeachtet der negativen Entwicklung des Bauvolumens konnte der Absatz von Parkett im vergangenen Jahr um knapp 2 % auf gut 6,3 Mio. m2 gesteigert werden. "Das weist darauf hin, dass Parkett weitere Marktanteile gewonnen hat". Die Inlandsproduktion ist um 3,1 % gesunken, der Import hat sich um 6,6 % verringert, der Export ist mit -27,4 % regelrecht eingebrochen. Aus der Tatsache, dass der Export in größerem Umfang geschrumpft als die Inlandsproduktion, erklärt sich die Ausweitung der Absatzmenge in der Schweiz. Dominiert wird der Markt von Fertigparkett mit einem Anteil von 86 %, Mosaikparkett/Lamparkett kam auf 10 %, Massivparkett spielt mit 3,8 % nur noch eine marginale Rolle.

Als nach wie vor enttäuschend bezeichnete Durrer die unbefriedigende Preis- und Margenentwicklung. Statt gemeinsam an einem Strang zu ziehen, würden die Marktteilnehmer nach dem Motto "Jeder ist sich selbst der Nächste" durch Konkurrenzverhalten die Preise nach unten drücken, klagte der ISP-Präsident.

Für den marktstufenübergreifenden Verband selbst war 2015 ein erfolgreiches Jahr: Zwölf neue Mitglieder schlossen sich der ISP an - davon drei aus der Sparte Produktion und Handel und 16 aus dem Bereich Verlegung. Demgegenüber standen sieben Austritte. Doch schon im ersten Quartal 2016 konnten sechs weitere Beitrittsgesuche positiv beschieden werden. Damit ist der Mitgliederbestand in den vergangenen fünf Jahren um fast 20 % von 197 auf 231 gestiegen. 190 davon sind Verlegebetriebe, 18 stammen aus dem Bereichen Produktion und Handel und 23 sind Gastmitglieder.

Schwerpunktthemen des vergangenen Jahres waren Aus- und Weiterbildungsfragen im Berufsbildungsfond BFB und deren BBK in Zusammenarbeit mit Boden-Schweiz, ein allgemeinverbindlicher Gesamtarbeitsvertrag (GAV) für die schweizerische Bodenbelagsbranche und zwei interne ISP-Veranstaltungen "Estrichsystem+Bauproduktegesetz" und "Ölseminar".

ISP Interessengemeinschaft der Schweizerischen Parkett-Industrie
ISP-GEschäftsführer Beni Lysser übergibt an seinen Nachfolger Mark Teutsch als künftigen Geschäftsführer und technischen Leiter des Schweizer Parkettverbandes.

Außerdem wurde die Nachfolge von Beni Lysser als Geschäftsführer sowie damit verbunden interne Aufgabenverteilungen geklärt. Die Suche ist inzwischen beendet. In Romanshorn stellte Durrer Mark Teutsch als neuen Geschäftsführer und technischen Leiter der ISP vor. Der 36jährige hat nach einer Schreinerlehre das Holzingenieurstudium an der Hochschule für Bau und Holz in Biel abgeschlossen, war vier Jahre bei Tavapan in Tavannes in Produktionsleitung, technischer Beratung und Verkauf tätig und von 2009 bis Ende 2015 Geschäfts- und Betriebsleiter beim ehemaligen ISP-Mitglied Parqueterie Les Breuleux. Der Betrieb wurde geschlossen und Teutsch suchte eine neue Aufgabe.

Aus dem ISP-Vorstand ausgeschieden ist dagegen Guido Vogt. Nach 19 Jahren als Obmann der Gruppe Verlegung gab er seinen Rücktritt bekannt und wurde aufgrund seiner Verdienste zum Ehrenmitglied des Verbandes ernannt.

Schweizer Parkettleger müssen sich neuen Produkten öffnen

Nicht nur ein Rückblick auf das vergangenen Jahr fand statt, sondern auch ein Ausblick auf die Zukunft. Beni Lysser wies eindringlich darauf hin, dass die Qualitätsanforderungen an Produkt und Handwerker weiter steigen werden. Ein wachsender Verbrauch von Klebestoff und Spachtelmasse zeige, dass im Verhältnis zum Parkettvolumen bei der Verlegung mehr Vorbereitung aufgewendet werden müsse. Zudem würden neue Produkte zusätzliche Sachkenntnisse erfordern. Das gelte für 2K-Wasserlacke und -Öle genauso wie für härter werdende Parkettklebstoffe oder Kalziumsulfatestriche. Deren Restfeuchte darf in Deutschland 0,5 CM% betragen, wird in der Schweiz jedoch nach SIA-Norm oder Herstellerangaben bewertet.

Als nicht zu vernachlässigendes Arbeitsgebiet legte Lysser den Parkett- und Bodenlegern Design- und Vinylbeläge ans Herz. "Jeder Bodenbelag hat seinen geeigneten Einsatzort."

Deutlich gesunken sind in der Schweiz die Gesellenzahlen der Parkett- und Bodenleger. Hatten 2014 von 37 Kandidaten 31 die Abschlussprüfung bestanden, waren es 2015 bei 23 Teilnehmern nur noch 22 Absolventen. Die aktuellen Lehrlingszahlen allerdings versprechen eine Besserung: Im ersten Lehrjahr gibt es derzeit 104 Auszubildende, im zweiten 96 und im dritten 103.

aus Parkett Magazin 04/16 (Wirtschaft)